Dorothee Schneider nun offiziell auf Gestüt FAMOS


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Dorothee Schneider und Segantini FRH. (© Gestüt Famos)

Schon seit einigen Wochen zogen immer wieder Pferde von Dressur-Olympiasiegerin Dorothee Schneider nach Syke auf das Gestüt Famos um.

Bereits im Januar berichtete Dressurreiterin und Reitmeisterin Dorothee Schneider, dass ihre ersten Pferde nun die Boxen auf dem Gestüt Famos in Syke bezogen hätten. Nach dem Turnier in Ankum blieben einige ebenfalls gleich im Norden, während Schneider noch letzte Angelegenheiten in ihrer rheinland-pfälzischen Heimat Framersheim erledigte. Nun ist der Umzug offiziell vollzogen. Von Seiten des Gestüt Famos heißt es:

„Herzlich willkommen im neuen Zuhause! Die Hengste sind auf Gestüt FAMOS eingezogen. Dorothee Schneider und ihr Team haben in den vergangenen Tagen ihre Koffer ausgepackt. Reiter und Pfleger haben sich eingerichtet. Bei alldem steht das Pferdewohl auf FAMOS an erster Stelle. Die Dressurcracks wurden bestens versorgt, sind zuhause angekommen. Alle Sportpferde und Hengste haben ihre ersten Aufgaben in der lichtdurchfluteten Reithalle gemeistert. Die Beschäler wechselten aus Rheinland-Pfalz nach Niedersachsen in die FAMOS-Stallungen der EU-Besamungsstation. Der erfahrene Stationsleiter Detlef Utecht van Dijk kümmert sich um den Youngster For My Heart, ebenso wie den WM-Star Elastic und die weiteren Protagonisten der Beschäler-Riege.“

Wer die FAMOS-Hengste live kennenlernen möchte, der kann auf der Hengstvorführung im Pferdezentrum Vechta tun. Am Samstag, den 28. Februar, um 18.00 Uhr werden die Sportler unter der Leitung von Dorothee Schneider vorgestellt.

Showi hat Geburtstag

Showtime und Dorothee Schneider

Showi hat Geburtstag und durfte mit eigenem Kuchen feiern. (© Dorothee Schneider/Instagram)

Übrigens gab es neben dem erfolgreichen Umzug noch einen Grund zu feiern bei Dorothee Schneider! Ihr Olympiasieger Showtime, genannt Showi, feierte seinen 20. Geburtstag. Dorothee Schneider berichtete auf ihren Social Media Accounts:

„Das Team hat einen ‚Geburtstagskuchen gebacken‘ aus Mash, Äpfeln, Möhren und natürlich seinen geliebten Bananen. Vielen Dank von Showi und mir für diese tolle Idee! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Showtime! Du bist etwas ganz Besonderes – gestern, heute und in Zukunft. Möge Dein neues Lebensjahr geprägt sein von Gesundheit, Zufriedenheit, vielen entspannten Stunden und liebevoller Zuwendung. Du hast Dir jeden ruhigen Moment, jede sanfte Brise und jeden sonnigen Tag mehr als verdient.“

 


Alexandra Koch Freie Journalistin
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Seit über 15 Jahren arbeitet Alexandra Koch (Jahrgang 1983) als freiberufliche Journalistin. Durch ihre Tätigkeit für zahlreiche Fachmagazine in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbindet die studierte Kulturwissenschaftlerin ihre Leidenschaft für Pferde mit ihrer lebenslangen Liebe zum Schreiben. Noch bevor sie zur Schule ging, war schließlich kein Lesestoff vor ihr sicher und jedes Pony wurde ausgiebig geherzt. Mit News, Interviews, Reportagen sowie Hintergrundberichten ist sie heute vielfältig unterwegs. Ebenso begeistert sie sich für Reisen mit kleinen und großen Abenteuern (wie ihre Spitzbergen-Tour im Winter 2025) und für die Arbeit an ihrem ersten Roman.

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Schafhof Connects organisiert Vier-Sterne-Dressur vor Schloss Schönbrunn


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Matthias Alexander Rath, Ann Kathrin Linsenhoff und die Veranstalter Sonja Klima und Helmut Morbitzer in Wien. (© Schafhof Connects)

Im vergangenen Jahr schwärmten schon die Springreiter im Rahmen der Global Champions Tour von der Location des Schloss Schönbrunn in Wien.

„Es ist definitiv ein einmaliges Erlebnis, hier vor einer solchen Kulisse reiten zu dürfen“, berichtete im vergangenen Jahr Springreiterin Sophie Hinners nach ihren Ritten vor dem Schloss Schönbrunn in Wien im Rahmen der Global Champions Tour und League. Nun freut sie sich, dass die Turnierserie auch 2026 an die Welterbestätte zurückkehrt. Und es gibt noch viel mehr positive Nachrichten, denn in diesem Jahr werden nicht mehr nur die Springreiter, sondern auch die Dressurreiter die Ehre haben, vor dieser Kulisse zu starten.

Möglich macht es Schafhof Connects um Matthias Alexander Rath, das neben unter anderem Hamburg auch hier die Organisation übernimmt.

Auf den Social Media Accounts von Schafhof Connects heißt es:

„Die Global Champions Tour Vienna bekommt 2026 ein neues sportliches Highlight: Internationale Dressur der Höchstklasse – mitten im Ehrenhof von Schloss Schönbrunn.

Gemeinsam mit Matthias Alexander Rath und Ann Kathrin Linsenhoff entsteht eine neue Bühne für Spitzen-Dressur – vor einer Kulisse, die Geschichte atmet und Sport auf Weltklasse-Niveau bietet. UNESCO-Weltkulturerbe trifft damit auf internationale Top-Reiter. Tradition trifft Zukunft. Wien wird multidisziplinär. Dressur bekommt in Wien die Plattform, die sie verdient.  Wir freuen uns auf ein neues Kapitel – gemeinsam mit einem starken Team und einer außergewöhnlichen Location.“

Die Organisation wird von Schafhof Connects gemeinsam mit den Veranstaltern Sonja Klima und Helmut Morbitzer durchgeführt. Zunächst ist von der FEI verpflichtend eine Vier-Sterne-Prüfung angesetzt. Ab nächstem Jahr würde man gern fünf Sterne bieten.

Schon im vergangenen Jahr hatte Isabell Werth eine Showeinlage in Wien geboten. 2026 wird die Wiener Hofreitschule auftreten. Termin für das Turnierwochenende ist der 24. bis 27. September.

Abdullah Alsharbatly gewinnt mit Diriyah Fünf-Sterne-Grand Prix


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Dubai du Cedre, hier noch mit Julien Epaillard bei den Olympischen Spielen in Paris, ist nun für Saudi-Arabien unterwegs. (© S. Lafrentz)

Diriyah? Wenn man das Wort googelt, trifft man auf eine Stadt in Saudi-Arabien. Doch Diriyah ist auch der neue Name einer bekannten Stute.

Diriyah hieß bis vor kurzem noch Dubai du Cedre und war zunächst mit Julien Epaillard aus Frankreich hocherfolgreich unterwegs. Mit ihm gewann sie bei den Olympischen Spielen in Paris Team-Bronze. Das erregte auch die Aufmerksamkeit von Iron Dames-Frontlady Deborah Mayer, welche die Stute für Janne Friederike Meyer-Zimmermann sicherte. Trotz einiger Erfolge in hochklassigen Springen, wurde Dubai du Cedre wieder verkauft und zwar an den saudi-arabischen Pferdesportverband, welcher die Stute für seinen Teamreiter Abdullah Alsharbatly sicherte.

Nun haben die beiden erstmals so richtig groß aufgetrumpft. Im mit 1,5 Millionen Dollar dortierten Großen Preis beim Fünf-Sterne-Turnier in Doha ritten sie der gesamten Konkurrenz davon. Eine reife Leistung, denn ins Stechen waren insgesamt neun Paare eingezogen. Zu ihnen gehörte auch Diriyahs einstige Reiterin Janne Friederike Meyer-Zimmermann, die sich jedoch auf Cascais mit Platz neun nach zwei Abwürfen begnügen musste. Besser erging es Christian Ahlmann. Auf dem zehnjährigen United Touch-Sohn Untouched belegte er den vierten Platz.

Kein Vorbeikommen war jedoch an Abdullah Alsharbatly und seiner dreizehn Jahre alten Baloubet du Rouet-Tochter. Auch nicht für seinen Teamkollegen Khaled Almobty mit seiner Stute Diana du Plevau und nicht für den Belgier Pieter Devos mit der Cornet Obolensky-Tochter Casual Dv Z. Sie belegten die Plätze zwei und drei.

Das komplette Ergebnis aus Doha gibt es hier.

Vielseitigkeitslegende Sam im Alter von 26 Jahren verstorben


Bild vergrößern Sam und Michael Jung auf dem Weg zu Gold in Rio.

Sam und Michael Jung auf dem Weg zu Gold in Rio. (© S. Lafrentz)

Auch wenn er ein stolzes Alter erreichte, war die Nachricht ein Schock: Der dreifache Olympiasieger Sam von Michael Jung ist gestorben.

La Biosthetique Sam FBW hieß er offiziell. Sammy nannten ihn alle, die ihn genauer kannten. Er ist dreifacher Goldmedaillen-Gewinner bei den Olympischen Spielen. Und für viele das beste Vielseitigkeitspferd, das es je gab.

Jetzt ist Sam gestorben. Das teilte Michael Jung am Abend des 16. Februar selbst mit.

„Heute Abend habe ich meinen besten Freund Sam verloren 🖤💔.

Wir haben alle Meilensteine Seite an Seite erreicht, und jahrelang hat es mich jeden Tag glücklich gemacht, dich auf der Weide grasen zu sehen. Danke für die 20 gemeinsamen Jahre.

Wir alle werden dich sehr vermissen.

Ruhe in Frieden, mein Freund.“

Die Freude nach dem Olympiasieg 2016.

Die Freude nach dem Olympiasieg 2016. (© S. Lafrentz)

Sam war nur 1,62 Meter groß und wurde in Baden-Württemberg, dem Schwabenländle, von Günter Seitter gezüchtet. Er war ein Sohn des irischen Vollblüters Stan the Man xx und der Heraldik xx-Tochter Halla. Für eine Körung war er offensichtlich nicht groß genug. Doch schon früh zeigte er Talent und Seitter brachte ihn mit Michael Jung zusammen. Vom allerersten Turnier an hatte Sam keinen anderen Reiter. Er und Michael Jung waren wie Pech und Schwefel. Sie gehörten einfach zusammen. Beim Bundeschampionat der fünf- und sechsjährigen Vielseitigkeitspferde gab es erste Platzierungen. Dann folgten zwei Weltmeisterschaften der jungen Vielseitigkeitspferde, die beide zu Silber führten.

Sam und Michael Jung in Luhmühlen 2015.

Sam und Michael Jung in Luhmühlen 2015. (© S. Lafrentz)

Olympiasieger, Weltmeister, Europameister

Neunjährig folgte dann der erste große Höhepunkt für den im Jahr 2000 geborenen Württemberger-Wallach: Die Europameisterschaft in Fontainebleau. Sam beendete mit Jung als einziges Paar des deutschen Teams das Turnier und nicht nur das: Es wurde Bronze im Einzel! Ein riesengroßer Fingerzeig auf alles, was noch kommen sollte. Denn nur ein Jahr später waren Michael Jung und Sam Weltmeister.

Bei den Weltreiterspielen in Tryon war für das deutsche Team zwar nichts zu holen, wohl aber für das neue Traumpaar des Vielseitigkeitssports. Ein Jahr später gab es Gold sowohl im Einzel als auch mit der Mannschaft bei der Heim-Europameisterschaft in Luhmühlen. Zu dieser Zeit hatten Erich Single sowie das Deutsche Olympiade Komitee für Reiterei (DOKR) Sam langfristig für Michi Jung gesichert. Und das aus gutem Grund: Bis 2011 gehörten 60 % Anteile des Pferdes Sabine Kreuter. 2010 wollte sie das Pferd verkaufen, worüber es zu einer Auseinandersetzung mit Michael Jung kam. Zwischenzeitlich wurde Sam laut Angabe der Familie Jung von der Haupteignerin ‚entführt‘.

Sam in Aachen 2016

Sam in Aachen 2016 (© S. Lafrentz)

Zweites Gold in Rio

In London 2012 bei den Olympischen Spielen gab es das legendäre Doppel-Gold. Dann folgten Siege und Platzierungen in Serie in Badminton, Burghley, Lexington, Luhmühlen, Fontainebleau. Und schließlich im Alter von 16 Jahren ein letzter riesengroßer und eigentlich nicht geplanter Höhepunkt. Bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 wurde Sam noch einmal Einzelolympiasieger und holte Silber mit dem deutschen Team.

Der für die Spiele eigentlich vorgesehene deutlich jüngere Takinou hatte aufgrund eines fiebrigen Infekts zuhause bleiben müssen. „Es war ein Traum, noch einmal mit meinem geliebten Sam Olympia zu bestreiten und zu gewinnen“, erklärte Michael Jung damals. „Sammy hat mich damals unglaublich glücklich gemacht. Ich glaube, ich war der glücklichste Mensch der Welt!“

Sam und Michael Jung

Olympiasieger, Weltmeister, Europameister, Badminton- und Burghley-Sieger – Michael Jung und Sam haben gewonnen, was es zu gewinnen gibt im internationalen Vielseitigkeitssport. (© Sam und Michael Jung)

Nach den Spielen ging es für Sam langsam, aber sicher Richtung Rentnerdasein. Dennoch gab es 2017 einen weiteren zweiten Platz in Badminton und Aachen. 2018 wurde Sam dann bei den German Masters in Stuttgart verabschiedet. In Abwesenheit, per Video, weil er Siegerehrungen und das große Publikum nicht so gerne mochte. Michael Jung wollte immer über zwanzig Jahre hinweg das Allerbeste für seinen Sam. Bis zum Schluss war er bei ihm. Acht glückliche Rentnerjahre lang. Nun ist Sam mit 26 Jahren gegangen. Wie schwer es seinen Menschen dabei gegangen sein muss, ist dabei wohl jedem klar, der ihre Geschichte kennt.

Sammy wird unvergessen bleiben. Für immer.

Anja Beran im Interview: „Zu viel Wissen verlorengegangen“


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Anja Beran im Interview (© Maresa Mader)

Anja Beran gilt als eine der profiliertesten Stimmen für klassische, pferdegerechte Ausbildung. Mit dem modernen Turniersystem hat sie bewusst gebrochen. Im Gespräch mit Hooforia erklärt sie, warum Regeländerungen im Pferdesport oft kosmetisch bleiben.

Anja Beran gilt als eine der profiliertesten Stimmen für klassische, pferdegerechte Ausbildung. Die studierte Kunsthistorikerin betreibt auf Gut Rosenhof klassische Dressur nach den Lehren der Alten Meister, bildet Pferde aller Rassen aus und ist auch der Initiative Xenophon verbunden, die für die Förderung klassischer, pferdegerechter Reitkunst auf Grundlage historischer Reitlehren steht. Ziel ist es, Wissen, Ethik und Ausbildungsqualität im Umgang mit dem Pferd zu bewahren und weiterzugeben.

Mit dem modernen Turniersystem hat Anja Beran deshalb bewusst gebrochen. Im Gespräch mit Hooforia erklärt sie, warum Regeländerungen im Pferdesport oft kosmetisch bleiben, welche Ausrüstung sie für überholt hält – und was es bräuchte, damit Turniersport und Pferdewohl überhaupt wieder zusammenfinden können.

Turniere reiten: Ein System, das sich selbst kontrolliert?

Hooforia: Frau Beran, es war viel los im Pferdesport, es ging unter anderem um Regeländerungen – etwa zu Schlaufzügeln oder der sogenannten Blood Rule. Glauben Sie, dass sich dadurch wirklich etwas verbessert?

Anja Beran: Meine große Sorge ist, dass sich im Kern gar nichts verändert. Wir sehen seit Jahren dasselbe Muster: Es passiert etwas öffentlich Wirksames, es kommt ein Skandal, es gibt Empörung – und dann folgen minimale Anpassungen im Regelwerk – oder aber auch nichts. Es gibt meistens keine echte Auseinandersetzung mit den Ursachen für so offensichtliches Fehlverhalten. Die Gründung von Xenophon hatte damals genau das Ziel, nämlich langfristig etwas zu verbessern. Heute muss ich sagen: Ohne massiven Druck von außen passiert nichts.

Manchmal denke ich, vielleicht braucht es tatsächlich einen radikalen Schnitt. Vielleicht muss es soweit kommen, dass Reiten keine olympische Disziplin mehr ist. Vielleicht kann man nur dann wirklich anfangen, neu zu denken. Solange das System sich selbst kontrolliert, wird es immer versuchen, sich zu rechtfertigen – nicht zu hinterfragen.

Pferde ausbilden: Niemals über Zwang

Sie sprechen sich immer wieder sehr deutlich gegen viele heute gängige Ausrüstungsformen aus. Was halten Sie für besonders problematisch?

Jegliche Hilfszügel sind aus der Zeit gefallen. Wer glaubt, sie zu brauchen, sollte sich nicht nach mehr Technik umsehen, um Pferde gefügig zu machen – sondern nach mehr Zeit. Ich habe mehr als 50 Pferde im Stall – und keinen einzigen Hilfszügel. Korrekturen sind bei Pferden fast immer möglich, aber niemals über Zwang.

Hilfszügel täuschen etwas vor, was nicht da ist. Sie engen ein und bewirken oft genau das Gegenteil dessen, was man erreichen will. Der Hals des Pferdes macht immer das, was das Hinterbein vorgibt. Wenn das Hinterbein schiebt, braucht der Hals Länge. Wenn das Hinterbein trägt, richtet der Hals sich auf. Man kann den Hals nicht manipulieren und hoffen, dass der Rest folgt – das widerspricht der Natur des Pferdes.

Viele Reiter argumentieren, das Problem liege weniger in der Ausrüstung als im falschen Umgang damit. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ja – aber das macht es nicht besser. Das Risiko liegt darin, dass heute niemand mehr weiß, wie diese Ausrüstung korrekt eingesetzt wird. Das Wissen ist verloren gegangen. Sporen zum Beispiel sind nicht grundsätzlich ein schlechtes Instrument. Sie sind nicht dafür da, ein Pferd schneller zu machen, sondern um punktuell und präzise einzuwirken – zum Beispiel beim Angaloppieren, beim Anpiaffieren, beim Anpassagieren.

Heute glauben viele, Sporen seien ein Gaspedal. Das zeigt, wie schlecht die Ausbildung der Reiter ist. Gleichgewicht, Geraderichtung, feine Hilfengebung – das wird kaum noch gelehrt. Auch der korrekte Umgang mit Kandaren ist fast vollständig verschwunden. Früher war klar: 3:1-Führung, klare Handaufteilung, kein Gramm Gewicht auf der Zügelhand. Das Pferd musste sich selbst tragen – nur dann war es überhaupt manövrierbar. Denn im Kampf musste der Reiter im Zweifel die Zügel in der linken Hand führen, um mit rechts die Waffe einzusetzen.

Wenn wir diese Handhabung heute wieder einführen würden, mit lockerem Nasenriemen, dann könnte vielleicht noch ein Prozent der Starter antreten. Aber genau das wäre echte Verbesserung der reiterlichen Einwirkung – und kein Hexenwerk.

Gebisslos reiten: Ist das die Lösung?

Viele wenden sich aus Frustration mit dem System heute gebisslosen Zäumungen zu. Sehen Sie darin eine Lösung?

Ich verstehe, warum Menschen das tun. Sie wollen den Kampf nicht mehr. Aber gebissloses Reiten ist keine klassische Ausbildung. Das Gebiss hat einen Sinn: Es erlaubt feinste Kommunikation, kauen, Stellung, Biegung, einen losgelassenen Unterkiefer. Das ist logisch und durchdacht. Das Problem ist nicht das Gebiss – es ist, dass niemand mehr den feinen Umgang damit lehrt. Auch ich bin zeitweise gebisslos geritten, weil ich mit dem gängigen Reitsystem nichts mehr zu tun haben wollte. Erst in Portugal habe ich wieder gelernt, wie differenziert und pferdefreundlich ein Gebiss eingesetzt werden kann.

Sie sagen, man brauche weniger Studien und mehr gesunden Menschenverstand. Wie meinen Sie das?

Wissenschaft ist wichtig – keine Frage. Aber man muss auch bewusst hinsehen. Nehmen Sie einen Nicht-Reiter mit auf ein großes Turnier: Viele finden das, was sie sehen, instinktiv abstoßend. Sie spüren, dass es nicht harmonisch ist zwischen Reiter und Pferd. Dafür braucht man kein biomechanisches Gutachten. Genauso würden auch Nichtkenner spüren, wenn eine Verbindung zwischen Mensch und Tier da ist, wenn der Respekt füreinander im Umgang sichtbar wird.

Unser Leben war über Generationen von Pferden abhängig. Wir sind mit ihnen in den Krieg gezogen. Da mussten gewisse Dinge funktionieren – aber heute sind wir freiwillig mit ihnen zusammen. Und genau deshalb schulden wir ihnen Respekt, Zeit und eine solide Grundausbildung.

Schrittarbeit ist essenziell – aber nicht spektakulär

Was müsste sich konkret ändern, damit Turniersport pferdegerechter wird?

Sehr viel. Zum Beispiel müssten Richter zugeteilt werden und nicht eingeladen – sonst entsteht immer Abhängigkeit. Ich bin außerdem Gegnerin festgeschriebener Aufgaben. Pferde werden dann nicht geritten, sondern dressiert. Warum müssen Zweierwechsel zwingend auf der Diagonalen sein? Was, wenn ich sie auf dem Zirkel reiten will? Wir sollten Pferden beibringen, auf Hilfen zu reagieren – nicht stupide Abfolgen auswendig zu lernen. Diese Programme sind auch für die Pferde uninteressant.

Was ich auch für enorm wichtig erachte: Die Schrittarbeit müsste viel ehrlicher bewertet werden. Die ist natürlich nicht spektakulär, nicht publikumswirksam. Dabei ist sie essenziell. Die meisten Pferde heute können kaum Schritt gehen. Dabei kann man alles im Schritt erarbeiten: Halten, Rahmen erweitern und verkürzen, Schulterherein, Travers, Renvers. Die Gymnastizierung im Schritt fehlt heute komplett.

Liegt das auch an der modernen Zucht?

Natürlich. Die heutigen Dressurpferde sind elastisch, spektakulär, grell. Man bekommt schnell Gezappel auf der Stelle, ohne echte Hankenbeugung. Das sieht beeindruckend aus, ist aber keine Dressur. Wenn die Grundarbeit fehlt, kann auch die beste Genetik das nicht ausgleichen.

Das Wichtigste im Reitsport: Gefühl für Tiere

Warum entstehen Regeländerungen im Pferdesport fast immer erst nach Skandalen?

Weil Wandel aus innerer Überzeugung selten gelingt. Solange etwas Medaillen bringt, will es niemand infrage stellen. Der Nasenriemen beispielsweise war immer ein Notnagel – nie war er dafür gedacht, Mäuler zuzuschnüren. Und trotzdem ist genau das zur Norm geworden. Wo sind wir da hingekommen? Am Ende bleibt es ganz einfach: Alle, die mit Pferden umgehen, brauchen Gefühl für diese Tiere. Sie brauchen gesunden Menschenverstand. Wer ehrlich hinsieht, weiß sehr genau, was geht – und was nicht.

Jessica von Bredow-Werndl feiert ihren 40. Geburtstag


Bild vergrößern Happy Birthday! Jessica von Bredow-Werndl is 40 (Archivbild).

Happy Birthday! Jessica von Bredow-Werndl is 40 (Archivbild). (© S. Lafrentz)

Sie ist vierfache Olympiasiegerin und feiert nun ihren 40. Geburtstag. Auch wir von Hooforia gratulieren herzlich zu diesem runden Ehrentag.

Man möchte es kaum glauben, aber Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl feiert heute am 16. Februar ihren 40. Geburtstag. Auf Instagram äußert sie sich selbst zu diesem Meilenstein.

„Heute werde ich 40. Wenn wir von einer Lebenserwartung von 90 Jahren ausgehen, bleiben ungefähr 4.700 Wochen. Wirklich beeinflussen können wir nur diesen einen Tag. Diesen einen Moment. Jetzt ist der einzige Ort, an dem Leben passiert. Jetzt treffen wir Entscheidungen. Jetzt kümmern wir uns um unseren Körper, unseren Geist, unsere Beziehungen. Und gleichzeitig glaube ich nicht daran, uns mental auf 80 oder 90 Jahre zu begrenzen. Warum sollten wir das tun?
Vielleicht werden wir 100 Jahre oder sogar mehr. Und vielleicht nicht nur älter – sondern gesünder, klarer, freier. Nicht irgendwann. Nicht später. Jetzt.
40 fühlt sich nicht nach Halbzeit an, sondern nach Tiefe.“

Reiterlich lief es für Jessica von Bredow-Werndl schon als Jugendliche an der Seite ihres Bruders Benjamin herausragend. 2002 ritt sie ihre ersten Europameisterschaften auf Bonito und kam mit goldenen Medaillen nach Hause. Sowohl mit Bonito als auch Duchess ging es in den nächsten Jahren im Nachwuchsbereich so weiter. Dann entschieden sich die Werndl-Geschwister bewusst für einen Bruch in ihrem Leben. Sie wollten mit selbst ausgebildeten und nicht mit ‚gemachten‘ Pferden eines Tages durchstarten. Bekanntlich ist es beiden gelungen. Jessica von Bredow-Werndls Lehr- und Wanderjahre führten sie unter anderem zu Isabell Werth. 2013 heiratete JBW ihren heutigen Ehemann Max von Bredow. Mit Unee BB, der sich heute 25-jährig bester Gesundheit erfreut, konnte sich die Dressurreiterin erstmals in der Weltspitze etablieren und ritt 2015 bei der Europameisterschaft auf Platz drei mit dem Team sowie zu Platz drei in den Weltcup-Finals 2015, 2016 und 2018.

Traumpartnerin Dalera

Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits TSF Dalera BB unter dem Sattel. 2018 noch grün hinter den Ohren kamen die beiden dennoch ins WM-Team und mit Mannschaftsgold nach Hause. 2019 gab es wieder Team-Gold bei der EM und ab 2021 führte dann kein Weg mehr an Jessica von Bredow-Werndl und Dalera vorbei. Doppelgold bei Olympia 2021 in Tokio, Doppelgold bei Olympia 2024 in Paris, Dreifach-Gold bei der EM in Hagen 2021 und bei der EM 2023 in Riesenbeck, dazu die Weltcup-Final-Siege 2022 und 2023. Es gibt wenig, was Jessica von Bredow-Werndl nicht gewonnen hat. Dazu wurde sie 2017 Mutter eines Sohnes und 2022 einer Tochter, Moritz und Ella.

Eines der dunkelsten Kapitel ihres Lebens war sicherlich der Tod vin Diallo BB in diesem Januar. Nun blickt Jessica von Bredow-Werndl freudig der Geburt des ersten Fohlens von TSF Dalera BB in wenigen Wochen entgegen.

Wir sagen noch einmal Herzlichen Glückwunsch zum Ehrentag!


Alexandra Koch Freie Journalistin
Alle Artikel von Alexandra Koch

Seit über 15 Jahren arbeitet Alexandra Koch (Jahrgang 1983) als freiberufliche Journalistin. Durch ihre Tätigkeit für zahlreiche Fachmagazine in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbindet die studierte Kulturwissenschaftlerin ihre Leidenschaft für Pferde mit ihrer lebenslangen Liebe zum Schreiben. Noch bevor sie zur Schule ging, war schließlich kein Lesestoff vor ihr sicher und jedes Pony wurde ausgiebig geherzt. Mit News, Interviews, Reportagen sowie Hintergrundberichten ist sie heute vielfältig unterwegs. Ebenso begeistert sie sich für Reisen mit kleinen und großen Abenteuern (wie ihre Spitzbergen-Tour im Winter 2025) und für die Arbeit an ihrem ersten Roman.

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Französischer Doppelsieg und Platz drei für Hansi Dreher in Doha


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So hatte Lara Tryba Ende vergangenen Jahres ihre Freude über Neuzugang Chageorge gezeigt. (© Lara Tryba privat/Instagram)

Während in Abu Dhabi die League of Nations ausgetragen wurde, traf man in Doha zum Weltcup zusammen. Am Ende siegte Lara Tryba mit Chageorge.

Zu Weihnachten hatte sich Springreiterin Lara Tryba aus Frankreich mit großer Freude in den Sozialen Medien geäußert, dass sie den OS-Hengst Chageorge von Christian Kukuk übernehmen konnte. Nun haben die beiden einen ersten bedeutenden gemeinsamen Erfolg feiern können. Beim Weltcup-Turnier in Doha auf Drei-Sterne-Niveau gewannen sie den Großen Preis. Nur vier Paare waren in dessen Stechen eingezogen und am Ende machten das Rennen um den Sieg zwei Französinnen unter sich aus.

Tryba und der elfjährige Chacco-Blue-Nachkommen Chageorge siegten mit einer rasanten Nullrunde in 33,28 Sekunden. Den zweiten Platz sicherte sich mit einer Nullrunde in 34,12 Sekunden ihre Teamkollegin Megane Moissonnier auf dem zehnjährigen Qoup de Coeur de Muze. Hansi Drehr versuchte wie immer alles, um den Sieg einzuheimsen. Jedoch musste er sich nach einem Abwurf im Stechen mit dem erst neunjährigen Harley de la Cense mit Platz drei begnügen.

Janne Friederike Meyer-Zimmermann musste mit High Level einen Abwurf im Umlauf hinnehmen und wurde Achte.

Das komplette Ergebnis gibt es hier.

Luciana Diniz und Vertigo du Desert gewinnen Großen Preis in Abu Dhabi


Bild vergrößern Luciana Diniz und der 17 Jahre alte Vertigo du Desert

Luciana Diniz und der 17 Jahre alte Vertigo du Desert feierten in Abu Dhabi einen großen Erfolg (Archivbild Basel 2026). (© S. Lafrentz)

Vertigo du Desert ist bereits 17 Jahre alt und hat schon viele Erfolge gefeiert. Ein weiterer kam nun in Abu Dhabi hinzu.

Manchmal zahlt sich Routine einfach aus! So wie bei Luciana Diniz, die seit Jahrzehnten in der Weltspitze reitet, und ihrem 17 Jahre alten französischen Mylord Carthago-Sohn Vertigo du Desert, Olympiateilnehmer der Spiele in Tokio 2021. Der Name scheint bei dem Schimmel-Wallach Programm zu sein. Jedenfalls verursachte bei der Konkurrenz im Wüstenemirat Abu Dhabi wohl einiges an Schwindel, als er mit seiner Reiterin zum Sieg im Großen Preis im Rahmen der League of Nations in Abu Dhabi sprang.

Interessant an dem Springen: Diniz gewann mit einem Zeitstrafpunkt aus Runde eins. Nur die beiden Franzosen Nicolas Sers und Oliver Perreau hatten in Runde eins einen fehlerfreien Parcours gezeigt. Sie konnten diese Leistung aber in Runde zwei nicht halten. Auf den zweiten Platz ritt der Brite Tim Gredley mit dem 14 Jahre alten Wallach Medoc de Toxandria und zwei Zeitstrafpunkten. Dahinter platzierte sich sein britischer Teamkollege Joseph Stockdale mit dem zwölfjährigen westfälischen Hengst Ebanking mit drei Zeitstrafpunkten.

Bestes deutsches Paar waren Marco Kutscher und der 14 Jahre alte Holsteiner Wallach Catelly. Nach einem Zeitstrafpunkt in Runde eins hatten sie noch beste Aussichten auf den Sieg. Doch in Runde zwei mussten sie elf Strafpunkte und damit Platz 13 hinnehmen. Sophie Hinners und ihr zehnjähriger Nationenpreis-Debütant Lommers verpassten mit fünf Punkten Runde zwei und wurden 14.

Alle Ergebnisse aus Abu Dhabi gibt es hier.

Zwei-Sterne-Grand Prix-Sieg für Richard Vogel und Cardentos in Wellington


Bild vergrößern Richard Vogel (Archivbild) kann erneut mit einem jungen Pferd einen großen ersten Erfolg feiern.

Richard Vogel (Archivbild) kann erneut mit einem jungen Pferd einen großen ersten Erfolg feiern. (© S. Lafrentz)

Mit dem erst neunjährigen Cardentos aus der Holsteiner Zucht gewann Richard Vogel in Wellington ein erstes bedeutendes Springen.

Cardentos, neunjähriger Holsteiner Schimmelhengst von Cardento aus einer Quo Vados-Mutter, gewann mit seinem Reiter Richard Vogel am Wochenende den Zwei-Sterne-Grand Prix im World Equestrian Center in Ocala. Es ging über 1,45 Meter, elf Paare erreichten das Stechen, sieben von ihnen glänzten mit einer Doppelnullrunde. Europameister Richard Vogel kam nach 32,44 Sekunden als schnellster Doppelnuller ins Ziel. Vaclav Stanek auf der zwölfjährigen Stute Langley wurde Zweiter. Der dritte Platz ging an Mark Bluman aus Kolumbien mit der neunjährigen Stute Hastella.

Im Weltcup aus Fünf-Sterne-Niveau gewann die US-Amerikanerin Mimi Gochman auf dem elfjährigen Zangersheider Wallach Iron Maiden. Platz zwei ging an Eduardo Pereira De Menezes aus Brasilien mit dem zwölfjährigen belgischen Diamant de Semilly-Nachkommen H5 Ozzy vd Bisschop. Nur vier Paare hatten sich insgesamt für das Stechen qualifiziert. Bestes deutsches Paar waren Andre Thieme und der zwölfjährige OS-Wallach Paule mit einem Abwurf im Umlauf als Achte.

Alle Ergebnisse aus Ocala gibt es hier.

 

Neumünster: Juliane Brunkhorst und Diamante Negro gewinnen Grand Prix Special


Bild vergrößern Juliane Brunkhorst und Diamante Negro heißen die Sieger im Grand Prix Special in Neumünster.

Juliane Brunkhorst und Diamante Negro heißen die Sieger im Grand Prix Special in Neumünster. (© S. Lafrentz)

Der Grand Prix Special in der Drei-Sterne-Tour in Neumünster fand in Juliane Brunkhorst und ihrem Diamante Negro würdige Sieger.

Nicht nur die Fünf-Sterne-Weltcup-Tour begeisterte in der Holstenhalle in Neumünster das Publikum. Alle Prüfungen beim Jubiläums-Turnier zum 75. Bestehen waren gut besucht. Für die Reiter ist die Halle, in der das Publikum dicht am Pferd sitzt, stets eine Herausforderung. Aber eine, die alle gern annehmen. So auch Juliane Brunkhorst, Berufsreiterin aus dem hohen Norden, mit dem zehn Jahre alten DSP-Wallach Diamante Negro von DeLorean.

Nach dem Sieg im Grand Prix gab es für dieses Paar nun auch den Gewinn des Grand Prix Special auf Drei-Sterne-Niveau am Sonntag. 71,371 Prozent standen zu Buche. Platz zwei ging wie auch im Grand Prix an Nicole Wego-Engelmeyer und dem zwölfjährigen Dimaggio-Sohn DiCaprio OLD. Diese beiden ritten zu 71,294 Prozent. Die Schweizerin Delia Eggenberger komplettierte mit der elfjährigen Santa Maria das Podium.

„Ich bin sehr glücklich mit unserer Premiere in einem Grand Prix Special“, betonte Juliane Brunkhorst. „Besser hätte es ja auch gar nicht laufen können! Mir ist immer sehr wichtig, dass die Pferde mit einem guten Gefühl aus der Prüfung gehen können. Und ich denke, das ist uns heute absolut gelungen!“

Das komplette Ergebnis aus Neumünster gibt es hier.

 

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