Carsten Vogt: Der Tierarzt mit dem fotografischen Blick


Bild vergrößern Zwei Tierärzte behandeln in dem Bild von Carsten Vogt die Zähne eines Pferdes

Licht, Rauch, Stall: Carsten Vogt gelingt es, visuell spannende Momente im veterinärmedizinischen Alltag abzulichten. (© Carsten Vogt)

„Zahnagraf“? „Fotoarzt“? Oder wie könnte man Carsten Vogt noch nennen, Pferdezahn-Spezialist sowie Mitinhaber der Tierarztpraxis in Ottersberg – und außerdem leidenschaftlicher Fotograf? Dabei handelt es sich nicht um Handy-Schnappschüsse, denn Carsten Vogt macht keine halben Sachen. Mit gutem Equipment und nach zahlreichen Kursen, Fortbildungen und Coachings weiß er seine Technik und seinen Blick gezielt einzusetzen.

Carsten Vogt ist Pferdezahnarzt. Und Fotograf. Und seine Ergebnisse bleiben bei Weitem nicht nur in digitaler Form, im Gegenteil: Sie zieren Kalender und sind sogar ausgestellt worden. Sowohl auf dem Leipziger Tierärztekongress als auch im Deutschen Pferdemuseum Verden zeigte er die 26 Bilder umfassende Serie „This is Equine Medicine“. Die gesamte Galerie umfasste 3000 Fotos. „Regelrecht schmerzhaft, da auszusortieren“, erzählt Carsten Vogt im Hooforia-Interview lachend.

Carsten Vogts Bilder zeigen die Realität

Durch seine veterinärmedizinische Tätigkeit ist er mittendrin in einem Feld, das er authentisch zeigen kann. „Wenn ich vor Ort bin, kennen mich die Leute, ich bin kein Fremdkörper in einer tiermedizinischen Situation, bei einer OP oder einer Untersuchung. Dadurch sind die Situationen echt, roh und nicht verstellt.“ Das Bild, das viele Menschen von Tierärzten und ihrer Arbeit hätten, stimme nur in den seltensten Fällen mit der Realität überein, und deshalb möchte der Fotograf genau diese Realität abbilden.

Pferdezahnärztin bei der Arbeit

Während der Behandlung: Carsten Vogt ist selbst vom Fach und weiß, welche Szenen es wert sind, eingefangen zu werden. (© Carsten Vogt)

Tierarzt zu sein habe nichts mit Glamour zu tun, „manchmal steht eben ein Ultraschallgerät neben einer völlig versifften Wand. Es gibt Blut, es gibt Eiter, es gibt Trauer. So ist das im Alltag nun mal. Absurd und dabei eben so normal“, bringt es Carsten Vogt auf den Punkt. Das Ergebnis: Szenen aus der Aufwachbox, ein Pferd am Kran, ein Close-up einer Augenoperation – solche Motive fand Vogt in verschiedenen Pferdekliniken.

Manche seiner Bilder machen den Anschein eines Wimmelbildes, sind mitten aus dem Leben gegriffen und zeigen auch seine Brutalität. „Ich bin in vielen Kliniken gewesen und habe teilweise auch schwere Kolikoperationen fotografiert. Ein Pferd habe ich von seiner Ankunft über das Narkotisieren, das Ablegen auf dem Tisch und Operieren bis hin zur Euthanasie begleitet. Es hat es nicht geschafft. Aber wenn man sich auf die Fahnen schreibt, den Alltag abzubilden, dann kann man eben nicht nur das Schöne zeigen.“

Ein Gespür für besondere Momentaufnahmen

Sein Vorteil bei der Tiermedizin: „Ich weiß ungefähr, was als nächstes kommt, ich weiß, worauf es ankommt, und kann dann die spannenden Szenen einfangen.“ Das falle ihm bei anderen Themen schon etwas schwerer, „aber ich taste mich ran“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Hockey, Boxen, Squash, Basketball, Rugby, Fußball, Schwimmen, die Bandbreite ist groß, und die Perspektiven sind immer besonders. Er arbeitet mit Entfremdungen und neuen Blickwinkeln. Dass er den Blick für das gewisse Etwas hat, ist schon vielen aufgefallen.

Das hat allerdings auch schon zu lustigen Anfragen geführt. So erzählt Carsten Vogt: „Ich bin mal auf die „Equine Medicine“-Serie angesprochen worden und wie toll meine Fotografien seien. Und dann kam die Frage: ,Sagen Sie, können Sie denn auch schöne Bilder machen?‘ Da habe ich mich köstlich amüsiert.“

Fotografie auch über Pferde hinaus

Natürlich kann er: Carsten Vogt nimmt auch Aufträge entgegen, hält Porträts und Reportagen fotografisch fest. „Gerade war ich in einer Kaffeerösterei, und ich liebe es außerdem, Hunde abzulichten, vor allem Dackel.“ Seine Familie und er sind regelrechte Dackel-Fans, zum Züchten käme es jedoch nie: „Man kann die doch alle niemals wieder abgeben.“

Klassische romantische Pferdefotografie käme ihm ebenso nicht in den Sinn, er bleibt lieber bei den authentischen Alltagssituationen. Es gehe nicht um Korrektur, nicht um Inszenierung, sondern um das Einfangen realer Momente. Was seine beiden Tätigkeiten verbindet? Genauigkeit, Präzision, Geduld und ein besonderes Gespür. „Ob beim Blick ins Maul oder durch die Kamera – man muss lernen, hinzuschauen und die feinen Details zu erkennen“, sagt Carsten Vogt.

Pferd auf dem Behandlungstisch

Mitten aus dem Leben: Carsten Vogt hat in Kliniken während Operationen Beobachter gespielt und Alltagsszenen festgehalten. (© Carsten Vogt)

Pferdefotograf Carsten Vogt ist detailverliebt

Damit ist Carsten Vogt mehr als ein Spezialist für Pferdezähne oder ein Fotograf. Er ist ein Beobachter der Details – einer, der Komplexität ernst nimmt, egal ob es um Gesundheit oder Schönheit geht. Und die Ergebnisse haben viele Fans. Die Einnahmen durch die Verkäufe an Ausstellungsbesucher spendet Vogt an die Tierschutzorganisation Equiwent, die Pferden, Hunden und Menschen in Nordost-Rumänien hilft, einer der ärmsten Regionen der EU. Vogt setzt sich hier auch als Tierarzt ein, reiste schon mehrfach mit der Organisation in das osteuropäische Land.

Via Instagram zeigt er auf zwei Accounts, @carsten.vogt und @nordwest_portraits, seine Werke – immer mit dem Blick für das Besondere, immer nah dran, manchmal aufwühlend, manchmal berührend und immer wieder auch nachdenklich. Zähne raspeln oder die Kamera halten – das ist kein Widerspruch, findet Carsten Vogt. „Es geht immer um Details und um den Mut, das Echte zu zeigen.“

Schwarzweiss-Aufnahme von drei Personen, die in Rumänien auf ein Pferd zulaufen

Suchbild: Wo ist das Pferd? Diese Aufnahme ist in Rumänien entstanden, wo Carsten Vogt mit Equiwent unterwegs war. (© Carsten Vogt)

Über die Person Carsten Vogt

Vogt ist promovierter Tierarzt, und seit 2002 in der Tierarztpraxis Ottersberg tätig. Seit 2007 ist er dort Gesellschafter mit dem Schwerpunkt Zahnheilkunde beim Pferd. Zudem ist er Herausgeber von „Lehrbuch der Zahnheilkunde beim Pferd“, Prüfungsvorsitzender für die Zusatzbezeichnung „Zahnheilkunde Pferd“ bei der Tierärztekammer Niedersachsen und Vorsitzender des Arbeitskreises „Zahnheilkunde“ bei der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM). Seine Leidenschaft fürs Fotografieren hat er über die vergangenen Jahre weiter ausgebaut und professionalisiert.

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