Magnus fiel vom Pferd – und dann das Pferd auf ihn


Bild vergrößern Magnus mir Pferd

„Auch wenn ich vorher schon ein ruhiger Reiter war, hat mich dieser Unfall wachsen lassen.“ (© Magnus Mittelviefhaus)

In der vergangenen Ausgabe hat unser Hooforia-Teammitglied Anna Portugall von einem prägenden Reitunfall erzählt und was sie daraus gelernt hat. Wir haben um Ihre Einsendungen zum Thema gebeten. Gemeldet hat sich unter anderem Pferdewirt Magnus.

Ich bin Magnus, 35 Jahre alt, und seit 2011 selbstständig als Pferdewirt auf der Reitanlage meiner Eltern in Bochum tätig. In all den Jahren hatte ich zum Glück nur einen einzigen wirklich schweren Unfall – was in meinem Beruf fast schon ein kleines Wunder ist. Dieser liegt inzwischen drei Jahre zurück, und rückblickend hätte ich ihn natürlich gerne vermieden.

Mein Reitunfall

Ich arbeite sehr gerne mit Jungpferden und reite rohe Pferde an. So auch an diesem Tag mit einer jungen, zierlichen Stute, die ich zuvor bereits ruhig und problemlos angeritten hatte. Die ersten Runden liefen wie gewohnt, ob allein oder mit anderen Pferden, an der Longe oder frei – alles war top.

Bis zu diesem einen Moment: Zwei Tauben saßen auf der Bande, gleichzeitig kam mir ein großes Pferd entgegen. Die Stute stockte, ließ sich zunächst noch durch meine Stimme beruhigen – doch dann flogen die Tauben auf. Für die Stute war das eine völlig unklare Situation. Sie stieg, ich versuchte, mich festzuhalten, verlor aber das Gleichgewicht. Erst fiel ich, dann kam sie hinterher und stürzte auf mich. Ihr Genick traf mich voll im Gesicht – zum Glück fing meine Reitkappe einiges ab.

Als ich wieder zu mir kam, wollte ich sofort aufstehen – bis mich starke Schmerzen zurück zu Boden zwangen. Zu meiner Mutter sagte ich den wohl schlimmsten Satz, den man in so einer Situation aussprechen kann: „Mama, ich spüre meine Beine nicht mehr.“ Nach einer Ewigkeit kehrte das Gefühl zurück. Im Krankenhaus stellte sich heraus: keine Brüche, nur Prellungen, Schwellungen und Blutergüsse. Vier Wochen Pause.

Magnus reitet auf einem Pferd

Magnus Mittelviefhaus hat sein Leben den Pferden und ihrer Ausbildung gewidmet. Mehr über ihn und seine alltägliche Arbeit mit den Pferden finden Sie auf Instagram: @magnus_mittelviefhaus (© Magnus Mittelviefhaus)

Was ich daraus gelernt habe

Diese Erfahrung hat mich geprägt. Ich höre heute noch stärker auf mein Bauchgefühl, gehe konzentrierter, ruhiger und geduldiger an Situationen heran. Auch wenn ich vorher schon ein ruhiger Reiter war, hat mich dieser Unfall wachsen lassen. Ich habe gelernt, meinen Respekt vor einer Situation offen zu kommunizieren – auch gegenüber Kunden – und überlegter zu handeln.

Außerdem reite ich junge Pferde heute nur noch mit Reitkappe und Sicherheitsweste. Mit etwas Abstand bin ich sogar dankbar für diesen Unfall. Nicht, weil das Pferd „böse“ war – es war einfach überfordert. Sondern weil er meine Arbeit zum Besseren verändert hat. Ich höre den Pferden noch mehr zu und achte heute noch bewusster auf meinen Partner Pferd.

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