Interview mit Martin Richenhagen: „Wir wollen unsere Werte stärker sichtbar leben“


Bild vergrößern FN-Präsident Martin Richenhagen stand nach einem Jahr im Amt Rede und Antwort.

FN-Präsident Martin Richenhagen stand nach einem Jahr im Amt Rede und Antwort. (© FN/Cora Jennissen)

Ein Jahr ist FN-Präsident Martin Richenhagen mittlerweile im Amt. In einem Interview zieht er nun Bilanz über das Geschehene und die Zukunft.

Vor einem Jahr wurde Martin Richenhagen zum neuen Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) gewählt. Er übernahm das Amt in turbulenten Zeiten, die bis heute in vielfacher Hinsicht anhalten. In einem Interview, welches durch die FN selbst veröffentlicht wurde, zieht er Bilanz der ersten zwölf Monate.

Herr Richenhagen, Sie haben bei Ihrem Amtsantritt angekündigt, die wirtschaftliche Stabilität der FN zu sichern und das Haushaltsdefizit abzubauen. Welche Bilanz ziehen Sie nach einem Jahr?

Wir haben die Finanzen stabilisiert und drehen den Trend – trotz schwieriger Rahmenbedingungen und dem Wegfall unseres Hauptsponsors. Nach dem Verlust 2023 von rund einer Million Euro konnten wir 2024 bereits wieder einen Überschuss von über 140.000 Euro ausweisen. Für 2025 liegt die Prognose im positiven Bereich.

Das bestätigt den eingeschlagenen Konsolidierungskurs mit Ausgabendisziplin, personellen Umstrukturierungen im Haus und Priorisierung der Kernaufgaben.

Welche Zukunftsinvestitionen stellen Sie sich vor?

Unsere Anlage hier in Warendorf muss beispielsweise modernisiert und auch energetisch top aufgestellt werden. Das ist ein längerfristiges Projekt, zu dem wir bereits jetzt Gespräche mit Experten führen. Zudem möchten unsere Anlage künftig auch weiter öffnen.

Verschmelzung von FN und DOKR

Ein zentrales Thema Ihrer bisherigen Amtszeit ist die strukturelle Neuausrichtung und die geplante Verschmelzung von FN und DOKR. Welche Schritte wurden bereits umgesetzt?

Wir haben die strukturelle Neuausrichtung aufgesetzt. Das bedeutet, dass die bisherige organisatorische Trennung zwischen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und dem Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei aufgehoben werden soll. Das Ziel ist, beide Organisationen in Zukunft unter einem Dach zusammenzuführen. Dadurch entstehen auch Synergien, die wiederum Kosten sparen. Beispielsweise benötigen wir künftig nur noch eine Wirtschaftsprüfung. Die neue Marke „Pferdesport Deutschland“ ist Teil eines umfassenden Strategieprozesses. Über die Verschmelzung entscheidet eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 10. Dezember 2025.

Parallel gab es weitere Umstrukturierungen im Haus. Wir haben Ressort- und Teamleiter ernannt und die Führung gestrafft. Ein wichtiger Schritt ist die Benennung von Dr. Dennis Peiler zum Vorstandsvorsitzenden zum 1. Oktober 2025. Der Vorstand wurde von vier auf drei Mitglieder reduziert. Mit diesen Maßnahmen bündeln wir Verantwortung und beschleunigen Entscheidungen.

Erfolgreiches 2025, Fokus aufs WM-Jahr

Ein Höhepunkt im Jahreskalender waren die Bundeschampionate in Warendorf. Welche Bedeutung haben sie für die FN?

Die Bundeschampionate in Warendorf sind unser Schaufenster für Zucht, Ausbildung und Nachwuchsleistung. Wir haben talentierte und sehr gut ausgebildete Pferde gesehen. Die Zuschauerresonanz lag mit 40.000 Besuchern über dem Vorjahresniveau.  In den vergangenen Jahren haben wir ungefähr 200.000 Euro Verlust gemacht, dieses Jahr ein Plus von über 100.000 Euro.

Wie ordnen Sie die Erfolge im internationalen Pferdesport ein?

2025 war sportlich außerordentlich stark: In Summe kommen wir – über Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Nachwuchs-Championate – auf rund 60 Medaillen. Andere Nationen kopieren nicht ohne Grund unser System. Es gilt das bestehende weiter auszubauen. Wichtig ist dabei, die Förderung und Sicherung von guten Pferden. Dafür sind auch die Besitzer entscheidend.

Worauf liegt Ihr Fokus für 2026?

2026 bedeutet für mich persönlich ein Rückzug aus dem operativen Geschäft, mich vollkommen der Rolle als Präsident zu widmen und Dr. Dennis Peiler das Feld zu übergeben. Ich freue mich auf ein spannendes Jahr, in dem wir unsere neue Marke einführen und sportliche Höhepunkte genießen dürfen – natürlich denke ich hier auch an die WM in Aachen. Gemeinsam wollen wir zeigen, wie fantastisch unser Pferdesport ist und wir uns für unsere Pferde einsetzen. Alles, was wir machen, passiert aus Liebe zum Pferd. Wir wollen unsere Werte Tierwohl, Fairness und die Erhaltung des Kulturguts Pferd noch stärker für alle sichtbar leben


Alexandra Koch Freie Journalistin
Alle Artikel von Alexandra Koch

Seit über 15 Jahren arbeitet Alexandra Koch (Jahrgang 1983) als freiberufliche Journalistin. Durch ihre Tätigkeit für zahlreiche Fachmagazine in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbindet die studierte Kulturwissenschaftlerin ihre Leidenschaft für Pferde mit ihrer lebenslangen Liebe zum Schreiben. Noch bevor sie zur Schule ging, war schließlich kein Lesestoff vor ihr sicher und jedes Pony wurde ausgiebig geherzt. Mit News, Interviews, Reportagen sowie Hintergrundberichten ist sie heute vielfältig unterwegs. Ebenso begeistert sie sich für Reisen mit kleinen und großen Abenteuern (wie ihre Spitzbergen-Tour im Winter 2025) und für die Arbeit an ihrem ersten Roman.

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