Pony-Dressurreiter Henrik Stapel: Große Träume mit Dreamy


Bild vergrößern Henrik und Dreamy nach dem Training bei „Jungs ins Viereck“. Neben ihnen stehen Wolfgang Schmitz-Heinen, der Förderer des Programms, und Henriks Trainerin Sabrina Nawrot.

Henrik und Dreamy nach dem Training bei „Jungs ins Viereck“. Neben ihnen stehen Wolfgang Schmitz-Heinen, der Förderer des Programms, und Henriks Trainerin Sabrina Nawrot. (© Karolin Leszinski)

Was Henrik Stapel 2024 erlebt hat, gleicht schon fast einem Märchen. Darin spielt Ponystute Dreamgirl und Reitlehrerin Sabrina eine ganz besondere Rolle. Eine Geschichte voller Wendungen und großen Träumen eines Jungen im Dressurviereck.

Manchmal muss sich Henrik Stapel noch einmal kneifen, wenn er an das vergangene Jahr zurückdenkt. Es war ein Jahr, das er so schnell nicht vergessen wird. Die Ereignisse überschlugen sich, und man könnte sagen, er hat ein wahres Märchen erlebt, bei dem das Fuchspony Dreamgirl und seine Reitlehrerin Sabrina eine entscheidende Rolle spielten. Lassen Sie uns zurückspulen zu dem Punkt, an dem dieses Märchen
beginnt.

Im Winter 2023 ist Henrik zwölf Jahre alt. Er lebt mit seiner Familie in Albersloh, nahe der Stadt Münster, besucht das Gymnasium und spielt gerne Tennis. Doch schon länger schlummert in ihm der Traum vom Reiten. Seine Eltern sind früher selbst geritten, seine Cousinen und seine zwei Cousins reiten – und er wollte das auch. Schließlich überzeugte er seine Eltern, ihm einmal wöchentlich Reitstunden im Reitverein Albersloh zu erlauben. Im Dezember übernimmt Sabrina Nawrot die Ponyreitstunde des Vereins. Sie ist selbst bis zur Klasse S erfolgreich und hat bereits viele Ponys und Reiter ausgebildet.

Henriks Traum: Dressurreiter werden

Henrik lernt auf dem Schulpony Georgie, worauf es im Sattel ankommt, und träumt davon, Dressurreiter zu werden. Ungewöhnlich für einen Jungen, merkt er schnell, denn die meisten Jungs im Reitverein bevorzugen das Springen.

Sabrina erkennt Henriks Freude und positiven Ehrgeiz und möchte ihn unterstützen. Als sie im März von den Besitzern der Ponystute Dreamgirl angesprochen wird, ob sie jemanden kennt, der das siebenjährige Pony pflegen und reiten möchte, denkt sie sofort an Henrik. Die beiden werden auf Anhieb ein Dreamteam.

Henrik verbringt jeden Tag mit „Dreamy“, nimmt mehrmals die Woche Unterricht bei Sabrina und genießt die Fortschritte, die sie gemeinsam machen. Besonders liebt er aber die Zeit abseits des Sattels. Er reitet mit Dreamy im Wald aus, geht mit ihr spazieren, und Dreamy folgt ihm auf Schritt und Tritt, auch ohne Strick. Er spürt ihr Vertrauen, beobachtet ihre Reaktionen und vertraut ihr hin und wieder an, was ihn gerade beschäftigt. „Es ist wie eine Freundschaft“, sagt er.

Sportlich geht es im Frühjahr steil bergauf. Henrik startet mit Dreamgirl in A-Dressuren und sammelt erste Platzierungen. Doch dann verletzt Henrik sich bei einem Schulausflug am Daumen. Durch den Bandabriss muss er eine Reitpause einlegen. Als er endlich wieder in den Sattel darf, ist die Turniersaison vorbei. Doch seine Mutter Sybille entdeckt eine Ausschreibung: „Es gab von der Sparkasse einen Förderlehrgang auf Kreisebene, und dafür konnte man sich anmelden. Henrik hatte Glück. Er wurde genommen und durfte tatsächlich bei Bundestrainerin Caro Roost beim DOKR in Warendorf mitreiten. Das war das Highlight des Jahres nach all dem Pech.“ Der Lehrgang wird versöhnlicher Abschluss, aber es kommt noch besser.

Denn Caro Roost, die Bundestrainerin der deutschen Pony-Dressurreiter, nimmt Henrik zur Seite und sagt ihm nicht nur, dass Dreamgirl ein Sechser im Lotto sei, sondern lädt ihn kurzerhand zum Förderlehrgang „Jungs ins Viereck“ ein. Dieser  Lehrgang ist eine Initiative der Stiftung Deutscher Pferdesport, und Förderer Wolfgang Schmitz-Heinen liegt es am Herzen, den männlichen Nachwuchs-Dressurreitern unter die Arme zu greifen. Schon wenige Tage später, Anfang Dezember 2024, geht es los. Wieder darf Henrik am DOKR reiten, dort, wo Olympiasieger und Weltmeister trainieren!

Dieses Mal sind noch 17 andere Jungs zwischen 13 und 21 Jahren aus ganz Deutschland dabei. Sie reiten bei den Bundestrainern der jeweiligen Altersklasse, bekommen Kommentare des erfahrenen Richters Claus Ridder und besuchen abends gemeinsam den Warendorfer Weihnachtsmarkt. „Es hat sich erst surreal angefühlt, dorthin eingeladen worden zu sein von der Bundestrainerin“, erzählt Henrik. „Und es hat wirklich Spaß gemacht.“

Während des Lehrgangs beobachtet er die älteren Reiter bei den Dressurstunden, schaut sich ab, „wie sie
die Paraden geben“, und erhält selbst viele Tipps und wertvolles Wissen.
Von Claus Ridder etwa, dass er Übergänge und Lektionen noch besser vorbereiten darf. Caro Roost erkennt, dass ein Bein von Henrik etwas länger ist als das andere, und macht ihm den entsprechenden Bügel länger, sodass er prompt viel besser in Balance sitzt. Sie erklärt ihm, dass Kinder unterschiedlich wachsen und die Bügel nicht immer die gleiche Länge haben müssen. „Und ich muss meine Rumpfstabilität und Kondition verbessern, hat sie gesagt“, erzählt Henrik.

Für Henrik Stapel war 2024 ein Jahr voller außergewöhnlicher Wendungen. Er hat nicht nur ein wunderbares Pony an seiner Seite, sondern auch eine tolle Reitlehrerin, die ihn unterstützt. Hinzugekommen sind Kontakte zu anderen Jungs, die seine Freude an der Dressur teilen – denn auch darum ging es beim Förderlehrgang „Jungs ins Viereck“: um Motivation und Miteinander.

Motiviert ist Henrik. Sein Reitabzeichen vier hat er kürzlich bestanden, in diesem Jahr möchte er seine ersten L-Dressuren reiten, und ein besonders großes Ziel hat er auch vor Augen: das Bundesnachwuchschampionat. Mit Dreamy an seiner Seite könnten diese Träume durchaus wahr werden.

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