Zu viel Feuchtigkeit kann der Haut schaden und Mauke verursachen.
Caruso steht angebunden in der Stallgasse und stampft immer wieder mit dem linken Vorderbein auf. Seine Fesselbeuge juckt, die Haut spannt und einen leichten Schmerz spürt er auch. Seine Besitzerin Claudia steht währenddessen in einer Ansammlung von Reiterkolleginnen, die ihr mit Ratschlägen und Hausmittelchen gegen Mauke beim Pferd zur Seite stehen.
Elke rät ihr, erstmal die Wunde zu reinigen, am besten mit einer Bürste. „Und desinfizieren nicht vergessen! Anschließend dick mit Melkfett einschmieren.“ Da schaltet sich Carolin ein und behauptet, dass Melkfett gar nicht gut sei. Sie solle lieber auf eine Salbe zurückgreifen. „Nein, nein, nimm lieber eine Paste, die trocknet die Wunde schön aus“, entgegnet Mareike. Fett, Salbe, Paste ja was denn nun?

Pferde mit weißen Fesseln gelten als anfälliger für Mauke, weil ihre Haut nicht pigmentiert ist. (© Wentscher)
Mauke ist nicht gleich Mauke
Grundsätzlich ist Mauke ein Sammelbegriff für entzündete Hautirritationen, ausgehend von den Fesselbeugen. Über kleine Schäden in der Haut gelangen Keime in den Organismus. Bakterien und Pilze benötigen ein bestimmtes Hautmilieu, um sich festsetzen zu können. Wenn die Bedingungen für den Erreger optimal sind (Wärme, gute Haftungsbedingungen, Feuchtigkeit), kann er sich vermehren. Das führt zu Rötungen und Juckreiz bis hin zu schorfigen Wunden in der Fesselbeuge.
Mauke kann genetisch bedingt sein. Bei Kaltblutpferden ist eine entsprechende Veranlagung nachgewiesen worden. Weiße Fesseln gelten generell als anfälliger, da die Haut weniger pigmentiert ist. Auch hygienische Mängel oder eine zu eiweißreiche Fütterung können Mauke begünstigen. Zusätzlich können Reizstoffe wie Industrierückstände im Holz, in Böden und in der Einstreu, Streusalz im Winter, ätherische Öle im Hallen oder Paddockboden oder sogar pieksende Strohhalme kleine Hautschäden verursachen, über die Keime eindringen.
Wie breitet sich Mauke im Gewebe aus?
Im weiteren Verlauf der Erkrankung wird Hautschicht um Hautschicht angegriffen und geschädigt. Enzyme greifen Zellen an und lösen Proteine innerhalb und außerhalb der Zellen auf. Die Haut wird dadurch weich und noch leichter angreifbar. Der Erreger kann sich weiter ausbreiten und einen Nährboden für zusätzliche bakterielle Keime, Hautparasiten wie Milben oder auch Pilze schaffen. In solchen Fällen spricht man von einer Mischinfektion.
Wird Mauke nicht konsequent behandelt, kann sie chronisch werden. Im schlimmsten Fall drohen schwerwiegende Komplikationen bis hin zu einer Blutvergiftung. Es besteht zusätzlich die Gefahr, dass sich Eiterbakterien ansiedeln und sogenannte Phlegmonen entstehen, die sich über das ganze Bein ausbreiten. Bei einer tief sitzenden Mauke können die Bakterien sogar innere Hufanteile infizieren.
5 Stadien der Mauke beim Pferd:
- leicht gerötete Haut
- geschwollene, warme Stellen
- Risse in der Haut, Wundflüssigkeit kann austreten
- Bläschenbildung, schmierige Beläge, Schorf
- Warzenbildung auf der Mauke
Typische Symptome sind Rötungen, Krusten, nässende Stellen und schmerzhafte Hautrisse. In fortgeschrittenen Fällen kommen Schwellungen, Lahmheit oder verdickte Haut hinzu. Bis zu neun von zehn Kaltblutpferden zeigen im Laufe ihres Lebens maukeähnliche Hautveränderungen – viele davon gelten als „normal“, sind es aber medizinisch nicht.
6 Gründe, wodurch Mauke beim Pferd entsteht:
- Mist: Wenn die Box nicht sauber ausgemistet wird und nass ist, greift das in Pferdeäpfeln und Urin enthaltene Ammoniak die Haut an.
- Allergie: Stroh oder Gras kann Allergien auslösen. Beides berührt den Fesselkopf dauerhaft und das Pieksen kann die Haut reizen.
- Falsches Futter: Zu viel Eiweiß und Weizen begünstigen Entzündungsprozesse im Körper. Am besten auf ein mineralstoffreiches Futter zurückgreifen.
- Weiße Beine: Die Haut von weißen Fesseln ist geringer pigmentiert und deshalb anfälliger für Reizungen.
- Allgemeine gesundheitliche Verfassung: Ein geschwächtes Immunsystem kann auch die Haut nicht optimal schützen. Geschwächt wird der Körper durch Krankheiten, aber auch durch Stress, Stall und Fellwechsel.
- Stoffwechsel-Probleme: Der natürliche Schutz der Haut kann auch durch einen unausgeglichenen Stoffwechsel gestört und geschwächt werden. Zum Beispiel durch eine mangelnde Entgiftungsfähigkeit (meist Leber-, Nieren- oder Darmprobleme) des Organismus, Magen-Darmparasiten, eine nicht bedarfsgerechte Ernährung, eine Überfütterung oder auch eine unzureichende Mineralstoffzufuhr. Bei einer mangelnden Entgiftungsfähigkeit wird die Haut als letztes mögliches Entgiftungsorgan genutzt.
Ist Mauke ein Winter- und Matschproblem?
Mauke kann nur ein einziges Bein betreffen – obwohl alle anderen identisch belastet werden. Warum? Vermutlich reicht ein kleiner Hautreiz als Startsignal für eine lokale Immunreaktion. Außerdem muss Mauke kein Winterproblem sein. Einige Studien zeigen, dass bestimmte Mauke-Formen ganzjährig auftreten, unabhängig von Matsch oder Kälte – vor allem, wenn das Immunsystem beteiligt ist. Häufig tritt Mauke auch im Fellwechsel auf. Eine Zeit, in der der Organismus viel zu tun hat und das Immunsystem nicht selten geschwächt ist.
Entgegen kursierenden Behauptungen löst ein matschiger Auslauf oder eine nasse Weide noch keine Mauke aus. Ein mit Mauke befallenes Pferd sollte allerdings solche Freilaufflächen bis zur Abheilung meiden, denn mit Bakterien versetzte Böden bergen ein hohes Infektionsrisiko für die wunden Fesselbeugen und offenen Stellen. Im Gegenzug sind saubere Auslaufflächen aber auch kein garantierter Schutz vor Mauke.
Erst Ursache klären, dann behandeln
In Bezug auf die Behandlung sollten Sie zunächst einen möglichen Parasitenbefall und den Immunstatus überprüfen. Oft muss auch die Fütterung umgestellt werden. Deutlich reduziert werden sollte Misch- oder Kraftfutter mit hohem Eiweiß- und Stärkeanteil.
Denken Sie daran, dass Pferdeweiden mit einem hohen Anteil eiweiß- und fruktanreicher Grassorten sowie Endophyten in Gräsern den Leberstoffwechsel belasten können. Für eine genaue Rationsberechnung wenden Sie sich an einen Futterexperten und lassen Sie auch vollständig klären, ob Ihr Pferd ausreichend mit Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt ist. Erst wenn Ursachen und Begleitfaktoren berücksichtigt sind, geht es an die konkrete Behandlung.
Nässend oder trocken – was liegt vor?
„Aber nicht jede Behandlungsmethode ist für jedes Pferd richtig“, warnt Dr. Annette Wyrwoll. Zunächst ist zu klären, ob die Mauke nässt oder trocken ist. Bei der nässenden Mauke tritt eine wässrige bis eitrige Flüssigkeit aus den Wunden. Die Haut schwillt an und es bilden sich schmierige Beläge, auf denen Bläschen entstehen. Die Mauke ist in dem Fall nicht nur unangenehm, sie bereitet dem Pferd auch Schmerzen. Hier gilt es, die Wunde trocken zu halten.
Bei der trockenen Mauke hingegen ist die Haut schon porös und es kommt zu Schorfbildungen. Diese Ausprägung sollte mit Salben geschmeidig gehalten werden. Allgemein gilt Schorf als sicherer Heilungsfortschritt. Bei Mauke ist dem nicht so, im Gegenteil. Hier kann es eher zu einer Verschlimmerung kommen, da sich die Bakterien unter der Kruste vermehren können. Dennoch sollte die Kruste nicht gewaltsam entfernt werden.
Wie geht man richtig mit Krusten um?
Tierärztin Wyrwoll empfiehlt ein altes Frotteetuch zur Hand zu nehmen, weder weichgespült, noch aus dem Trockner. „Dann ist es schön rau. Damit können die Fesselbeugen abgerubbelt werden.“ Verkrustungen, die sich nicht lösen lassen, sollten noch ein paar Tage eingecremt werden. Sind sie weich genug, kann man sie vorsichtig lösen, sonst entstehen neue Hautrisse.
Ist die Mauke noch nicht zu weit fortgeschritten, kann man sich herkömmlicher Mittel und Produkte bedienen. Dabei lassen wahlweise alternative oder konservative Mittel keine Wünsche offen. Verbessert sich der Zustand der Mauke allerdings nicht nach spätestens 14 Tagen, sollte ein Tierarzt hinzugerufen werden. Dieser kann das Pferd dann gegebenenfalls mit Antibiotika oder Cortison behandeln.
Luftdichte Cremes wie Melkfett oder Babycreme wirken zu früh eingesetzt kontraproduktiv. Sie verschließen die Haut, die Bakterien sammeln sich unter dem Salbenfilm und können sich dort optimal verbreiten. Aber sobald die Wunden verheilt sind, kann zum Schutz der Haut durchaus auf pflegende Babycremes zurückgegriffen werden.
Alternative Heilmethoden im Überblick:
- Kräutersud: Salbei, Thymian, Kamille mit heißem Wasser aufkochen, Sud abkühlen lassen und anschließend die betroffenen Stellen damit auswaschen.
- Öle für mehr Geschmeidigkeit: Jojoba und Mandelöl. Die Haut mit einem der Öle rund um die Verletzung einreiben, dann bleibt sie geschmeidig und verursacht keine Schmerzen.
- Zinkpaste oder Salbe: Wichtig ist zu klären, ob die Mauke nässt oder ob sie trocken ist. Salbe findet einen besseren Einsatz bei der trockenen Mauke, die Paste eignet sich hingegen gut für nässende Mauke.
- Schüßler Salze: Hier sollte man sich mit einem Tierheilpraktiker absprechen, ob eine C- oder eine D-Potenz nötig ist. Die C-Potenzen sind höher dosiert. Häufig wird Zincum metallicum in D30 bei Mauke gegeben. Zweimal wöchentlich zehn Globuli oder zehn Tropfen ins Pferdemaul unter die Zunge geben.
- Propolis: Der heilsame Klebstoff der Bienen, antibakteriell und entzündungshemmend. In Form von Salben einfach auf die Wunde auftragen.
Extra Tipp: Auch bei Strahlfäule gut anzuwenden. - Sauerkrautwickel: Die im Sauerkraut enthaltenen Milchsäuren und Mineralien sind wichtig zur Wundheilung. Die Milchsäure senkt den pH-Wert, Bakterien können sich nicht mehr ausbreiten. Die Sauerkrautwickel über fünf Tage jeweils über Nacht einwirken lassen.
Tipp 1: Sauerkrautwickel sind auch bei Hufgeschwüren gut, sie ziehen den Eiter an die Oberfläche und das Geschwür lässt sich besser öffnen.
Tipp 2: Einfacher Verband um Huf und Fesselbeuge. Eine Einmalwindel und Klebeband sind schnell besorgt und gut zu handhaben.
7 Gebote, um Mauke beim Pferd zu vermeiden:
- Weniger ist mehr: Fesselbeuge nicht zu oft waschen und cremen.
- Nach dem Waschen immer mit einem sauberen Handtuch abtrocknen.
- Fesselbehang (Kötenzopf) nicht entfernen.
- Fesselbeuge mit einer weichen Bürste reinigen.
- Gamaschen und Hufglocken gehören gesäubert ans Pferd.
- Fütterung optimieren, eventuell mineralstoffreiches Futter geben.
- Darauf achten, dass die Box trocken ist und das Pferd nicht zu lange am Stück auf Weide oder Paddock im Matsch steht.
Ein Text von Lena Heitsch





