Das Gymnastizieren über die Handarbeit ist immer ein sinnvolles Training.
Wenn ein neues Jahr beginnt, haben viele Menschen das Gefühl, auch eine Art inneren Reset zu erleben. Wir spüren neue Energie, fassen neue Vorsätze und schmieden Pläne. Wir glauben an Möglichkeiten, aber eben auch an Wendepunkte. Der Jahreswechsel trägt diese besondere Magie und Kraft in sich – er macht Mut, Dinge anders zu machen, sich weiterzuentwickeln, sich selbst ein Stück näherzukommen. Auch wir Reiter kennen dieses Gefühl. Mit dem Jahreswechsel beginnen die Gedanken zu kreisen: Was möchte ich mit meinem Pferd erreichen? Was sind meine Ziele im Reitsport? Wie kann ich besser werden? Was soll sich verändern? Wir spüren Motivation, Tatendrang und Vorfreude.
Doch ein Pferd kennt keinen Jahreswechsel. Keine Vorsätze. Keine Pläne. Es lebt im Hier und Jetzt und begegnet uns so, wie wir gerade sind – mit all unseren Stärken, Mustern, Gefühlen, aber auch Ängsten und Unsicherheiten. Der Übergang in ein neues Jahr lädt uns ein, nicht nur Trainingsziele zu formulieren, sondern auch uns selbst zu reflektieren. Veränderung im Sattel beginnt immer bei uns. Das Pferd wird nicht plötzlich geschmeidiger, mutiger oder feinfühliger, nur weil der Kalender ein neues Datum zeigt. Aber es reagiert auf jede kleine Veränderung in uns – auf unsere Ruhe, unsere Klarheit, unsere Gedanken, unsere Balance und unsere Fähigkeit zuzuhören.
Der Blick über den Tellerrand
Vielleicht gab es im vergangenen Jahr Situationen, in denen Sie sich gefragt haben, warum Sie an bestimmten Punkten nicht vorankommen. Vielleicht mangelt es an Losgelassenheit im Training, oder Ihr Pferd ist in neuen Umgebungen permanent angespannt. Vielleicht sind es einzelne Lektionen, die einfach nicht richtig gelingen wollen, oder Sie wünschen sich, Ihren Sitz endlich nachhaltig verbessern zu können.
Manchmal suchen wir die Lösung in der Technik – und vergessen, dass der erste Schritt oft die ehrliche, liebevolle Bestandsaufnahme ist: Wo stehe ich? Wo stehen wir als Team? Und was davon gehört wirklich in die Zukunft? Der Jahreswechsel ist die perfekte Einladung dazu, den Blick zu weiten. Wir dürfen uns fragen, ob wir vielleicht zu sehr an alten Gewohnheiten festhalten. Ob es Muster gibt, die wir irgendwann gelernt haben, ohne wirklich zu prüfen, ob sie für uns und unser Pferd auch heute noch sinnvoll sind. Oder ob es Zeit wäre, neue Impulse zuzulassen – andere Trainer, andere Herangehensweisen, andere Ideen.
Ziele im Reitsport wachsen mit Offenheit und Entwicklung
Gerade im Reitsport kann ein Blick über den Tellerrand wahre Wunder wirken. Vielleicht inspiriert Sie eine andere Reitweise. Vielleicht hilft Ihnen eine Trainerin, die Dinge auf eine neue Art und Weise zu erklären. Wir können von anderen Menschen und ihren Erfahrungen lernen. Und das Schöne am Menschsein: Wir lernen nie aus.
Wann haben Sie sich das letzte Mal gefragt, ob Ihr Trainer noch zu Ihnen passt? Auch wenn Sie an die Trainingsmethoden gewöhnt sind – haben Sie das Gefühl, sich weiterzuentwickeln und Ihre Hilfengebung weiter zu verfeinern? Sind die Einheiten ständig gleich aufgebaut, oder bekommen Sie neue Impulse? Korrigiert Ihr Trainer schon über einen längeren Zeitraum immer bestimmte Sitzfehler, oder haben Sie das Gefühl, selbst körperlich und mental voranzukommen?
Neue Möglichkeiten nutzen
Die Trainerfrage stellen sich einige Reiter nicht, ganz einfach aus Gewohnheit. Oder weil sie menschlich mit der Person gut klarkommen. Eine andere Möglichkeit ist, dass an dem Stall nur eine bestimmte Person unterrichten darf und keine freie Trainerwahl besteht. Doch dieser Punkt sollte auf jeden Fall auf Ihrem Startplan für das neue Jahr stehen.
Mit einem guten Trainer sollten Sie auch ganz offen das Gespräch suchen können. Wie empfindet er Ihre Entwicklung rückblickend auf das letzte Jahr, und welche Ziele schlägt er Ihnen für 2026 vor? Wenn es dann darum geht, zum Beispiel eine Klasse höher auf dem Turnier zu starten, überlegen Sie gemeinsam, was die nächsten Schritte sein können. Ob Turnier- oder Freizeitpferd, Abwechslung ist für alle wichtig.
Ziele im Reitsport entstehen auch abseits des Sattels
Wenn wir im normalen (Arbeits-)Alltag sind, haben wir meist unsere Routinen – auch im Sattel. Als Trainerin habe ich schon mehrfach erlebt, dass Reiter, so oft es geht, auch reiten möchten und vielleicht ein oder zwei Tage in der Woche zum Longieren oder Laufenlassen einplanen. Dann kann es jedoch sein, dass die Pferde einfach Runde um Runde im Trab und Galopp drehen, bis sie müde oder nass geschwitzt sind. Dabei bietet die Arbeit an der Longe oder auch am Boden und an der Hand so viele tolle Möglichkeiten, das Pferd nicht einfach nur im Kreis laufen zu lassen.
Klar, lockeres Joggen ohne Sattel tut auch mal gut, aber wie wäre es, wenn Sie sich im neuen Jahr mit neuen Möglichkeiten beschäftigen würden? Vielleicht haben Sie Lust, die Arbeit an der Doppellonge oder dem Langen Zügel zu lernen? Oder die gymnastizierende Arbeit an der Hand? Viele Lektionen können wunderbar am Boden vorbereitet oder verfeinert werden. Gleichzeitig schult auch dieses Training Ihr Körpergefühl, Ihre Balance und Ihre Koordination.
Ein Schlüssel zur Weiterentwicklung
Es gibt Reitweisen und Trainingskonzepte, vor denen wir nicht die Augen verschließen sollten. Warum nicht auch diesen Vorsatz im neuen Jahr umsetzen? Für Dressurreiter kann Stangen- und Cavalettiarbeit sinnvoll sein, umgekehrt ist für Springpferde die Dressurarbeit wichtig. Das sind sozusagen „die Klassiker“. Doch wie sieht es aus, wenn wir den Blick weiter über den Tellerrand werfen?
Als Trainerin ist für mich seit vielen Jahren die Klassische Dressur sehr wertvoll. Meine Reitponys und Pferde werden schon früh an die Arbeit an der Hand herangeführt. Viele lernen oft sehr gerne Übungen wie den Spanischen Schritt und die Piaffe, die ich als sehr wertvolle Lektion zur Stärkung und Gymnastizierung erachte. Ich möchte, dass meine Pferde stolz sind und ein gutes Körpergefühl entwickeln. Sie sollen sich unter dem Sattel wohlfühlen, auch mental. Dabei sind mir in meinem Leben ganz unterschiedliche Charaktere und Typen begegnet. Oft waren es gerade die Pferde, die in der Ausbildung herausfordernd waren, welche mich dazu gebracht haben, um die Ecke zu denken und Neues auszuprobieren.
Warum Ziele im Reitsport manchmal neu gedacht werden müssen
Mein Vorsatz für das neue Jahr für meine Reitponystute Lotti ist, sie an die Working Equitation heranzuführen. Sie wird für den Parasport ausgebildet und hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe. Trotz ihrer Energie kann sie Situationen gut einschätzen und mag neue Aufgaben. Sie wird wahrscheinlich den Parcours sehen und denken: „Alles klar, womit soll ich anfangen? Legen wir los.“ Andere Reiter merken vielleicht, dass sie von der Ruhe und Klarheit des Horsemanship profitieren können, auch im Umgang mit dem Pferd.
Bleiben Sie offen, informieren Sie sich über Möglichkeiten bei Ihnen in der Nähe, zum Beispiel über kommende Lehrgänge, oder fragen Sie Stallkollegen nach Tipps. Manchmal liegt der Schlüssel zur Weiterentwicklung nicht in dem, was wir schon kennen, sondern in dem, was wir uns bisher nicht getraut haben auszuprobieren. Manchmal reicht ein Kurs oder auch eine Trainingsstunde, um ein Problem aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen. Ein anderer Trainer, ein anderer Stil, ein anderer Ansatz – und plötzlich fällt der Groschen. Nicht, weil wir „falsch“ trainiert haben, sondern weil das Pferd uns zeigt, dass Lernen vielfältig sein darf.
Wir alle haben unsere Geschichte
Gleichzeitig dürfen wir uns selbst liebevoll hinterfragen. Unser Sitz, unsere Atmung, unsere innere Haltung – all das prägt jede einzelne Sekunde im Sattel. Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, die Bereitschaft zu fühlen, wieder neugierig zu werden. Ohne Erwartungsdruck. Ohne den Anspruch, sofort alles verändern zu müssen. Sondern mit dem Wunsch, sich weiterzuentwickeln. Das Leben mit Pferden ist nicht immer nur rosarot, genau wie das Leben allgemein. Wir stehen vor kleineren oder größeren Herausforderungen.
So habe ich ein Pony, das durch eine Schweiflähmung im Alter von drei Jahren Probleme mit der Balance hat. Diesem Pony fällt nicht alles in den Schoß, obwohl es Spaß am Training hat und eine tolle Grundeinstellung mitbringt. Lange haben wir einfach nur daran gearbeitet, dass es nicht über ein schnelleres Tempo versucht, die mangelnde Balance auszugleichen. Und auch ich als Reiterin muss aufgrund einer fortschreitenden Erkrankung als Para-Reiterin immer wieder an meinem Sitz und meiner Einwirkung arbeiten. Das ist eine ganzheitliche Aufgabe, die nicht nur mit dem passenden Training zu tun hat.
Welche körperlichen Voraussetzungen brauchen Ziele im Reitsport?
So haben andere Reiter und andere Pferde ihre eigenen persönlichen Geschichten. Wir alle können den Jahreswechsel nutzen, um zu überlegen, was Pferd und Reiter brauchen. Pferde sind genauso wie wir Sportler. Sie müssen unter anderem muskulär in der Lage sein, die Aufgaben, die wir ihnen stellen, auszuführen. Läuft etwas nicht ganz rund, kann es sinnvoll sein, über eine osteopathische oder physiotherapeutische Behandlung nachzudenken.
Auch für Reiter kann zwischendurch ein Besuch beim Osteopathen sinnvoll sein. Wie oft und ob weitere Maßnahmen helfen können, sollten Sie mit dem Osteopathen oder einem Arzt besprechen. Auch wir können nur geschmeidig, aber mit der nötigen positiven Körperspannung im Sattel sitzen und mit feinen Hilfen einwirken, wenn wir ebenso muskulär dazu in der Lage sind. Gezieltes Krafttraining, kombiniert mit entsprechenden Dehnübungen, die zu mehr Geschmeidigkeit führen, sollten ergänzend zum Reiten ernst genommen werden. Viele Menschen verbringen einen Großteil des Alltags sitzend, wodurch bestimmte Muskelpartien verkürzt oder aber auch verspannt sein können. Nehmen wir im Alltag Fehlhaltungen ein, können wir diese im Sattel nicht auf Knopfdruck abschalten.
Haltung hinterfragen, Bedürfnisse erkennen
Dass Menschen sich verändern, steht außer Frage. Unsere Bedürfnisse und Ansprüche können sich ändern. Doch haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es bei Ihrem Pferd aussieht? Hiermit sind nicht die Grundbedürfnisse als Herdentier gemeint. Sondern zum Beispiel, dass sich Bedürfnisse nach Ruhe und Art der Bewegung im Laufe des Pferdelebens ändern. Oder aber dass die Fütterung angepasst wird, zum Beispiel wenn das Training intensiviert wird.
Der Jahreswechsel ist daher ein guter Moment, Haltung, Fütterung und Bedürfnisse noch einmal genau zu betrachten. Zu oft werden Haltungsformen als gegeben hingenommen. Klar, jeder Stall hat seine Routinen, Möglichkeiten, aber auch Grenzen. Neue Pferde und Menschen kommen, alte gehen. So ändern sich jedoch auch Herden, und das kann für manche Pferde zur Belastung werden. Vielleicht entsteht Unruhe, was Stress bedeutet und dazu führen kann, dass Pferde sich verletzen oder sich nicht mehr sicher fühlen.
Die Umgebung beeinflusst das Erreichen der Ziele im Reitsport
Manchmal braucht es eben einen ehrlichen Blick, um zu erkennen, ob die momentane Umgebung wirklich noch das Richtige ist. Wir dürfen und sollten uns fragen, welche Haltungsform für das Pferd die beste ist. Eine 24-Stunden-Weide zu jeder Jahreszeit ist nicht für jedes Pferd passend. Manche brauchen ihren ruhigen Platz und mehr oder weniger Rückzug.
Das kann im Offenstall gelingen, wenn es genug Rückzugsmöglichkeiten gibt. Doch auch hier ist die Zusammenstellung der Pferde von großer Bedeutung. Kommt beispielsweise ein Senior nicht mehr zum Liegen, kann das fatale Folgen haben. Achten Sie auch auf die kleinen Signale: die Mimik im Alltag, die Art, wie Ihr Pferd frisst, ruht, sich bewegt, wie es aus der Gruppe kommt und wie es sich verhält, wenn es wieder zurückgebracht wird.
Beim Alten bleiben oder Neues wagen
Genauso zentral ist die Frage nach den Trainingsmöglichkeiten. Reicht das, was der Stall bietet, aus, um die eigenen Ziele im Reitsport pferdegerecht verfolgen zu können? Steht eine Halle zur Verfügung, wenn man sie braucht? Gibt es genug Platz für Longenarbeit, Bodenarbeit, Stangen oder Cavaletti? Entspricht die Ausstattung den Bedürfnissen von Pferd und Reiter – oder entstehen unnötige Einschränkungen, die am Ende Frust verursachen?
Manchmal wird uns erst zum Jahreswechsel bewusst, wie sehr uns fehlende Möglichkeiten unbewusst bremsen. Im Sommer ist vieles einfacher. In der kalten Jahreszeit wird uns dann deutlicher bewusst, was womöglich fehlt oder was wir uns wünschen. Der Stall ist mehr als ein Ort zum Reiten. Hier verbringen wir viel Zeit, und die Atmosphäre kann sich merklich auf die eigene Stimmung und somit auch auf die Körperspannung oder mentale Stärke auswirken.
Was das Miteinander im Stall für Ziele im Reitsport bedeutet
Fühlen Sie sich in der Stallgemeinschaft wohl, haben Sie dort Freunde, und können Sie den Alltag hinter sich lassen? Oder gibt es Konflikte? In diese müssen Sie nicht unbedingt involviert sein. Eine angespannte Atmosphäre überträgt sich schnell auch auf andere Personen und hat eben einen großen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen, wie entspannt wir in den Sattel steigen und wie viel Freude wir mit unserem Pferd erleben.
Dabei ist es nicht nur wichtig, dass wir Menschen respektvoll miteinander umgehen, sondern dass auch ein respektvoller Umgang mit den Pferden herrscht. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die den Stallalltag prägen: der Ton beim Begrüßen, der Umgang miteinander in stressigen Situationen, gegenseitige Hilfe, aber auch die Bereitschaft, Grenzen zu respektieren.
Wo Mensch und Pferd sich sicher fühlen
Eine gute Stallgemeinschaft trägt, sie inspiriert und gibt das Gefühl, verstanden zu werden. Eine schwierige hingegen kann Energie rauben. Pferde spüren, wie es uns emotional im Stall geht. Was uns belastet, tragen sie mit. Deshalb dürfen wir uns erlauben, ehrlich hinzusehen. Nicht um sofort alles zu verändern, sondern um bewusst zu erkennen, was wir brauchen.
Der Stall soll ein Ort sein, an dem Wachstum möglich ist – mental, körperlich, im Training und im Miteinander. Ein Ort, an dem sich nicht nur das Pferd, sondern auch der Mensch sicher, gesehen und wohl fühlt. Denn nur wenn beide Seiten aufblühen, kann eine gute Partnerschaft entstehen.

