Es klingt wie ein Klassiker: Im neuen Jahr wird alles anders! Mehr Sport, ein paar Kilo weniger, gesünder essen, früher schlafen. Und doch bleiben viele Neujahrsvorsätze genau das – Vorsätze. Dabei kann der Neustart durchaus gelingen, sagt Fitnessexpertin Nina Maruhn. Wir haben sie gefragt, worauf es ankommt.
Neues Jahr, neues Glück … neue Power? Viele Pferdemenschen wollen den Jahresanfang nutzen, um sich fit zu machen für ihren Vierbeiner. Doch manch einer stellt sich die Frage: Wie anfangen? Wir haben jemanden gefragt, der wissen muss, welche Übungen für Reiter am effektivsten sind: Nina Maruhn kommt aus einer echten Fitnessfamilie, ist ausgebildete Fitnesstrainerin und -ökonomin, außerdem Yogalehrerin.
Sie setzt seit ihrem eigenen Wiedereinstieg in den Reitsport genau dort an, wo viele Pferdemenschen Unterstützung brauchen: bei Kraft, Balance und Stabilität. Heute hat sie sogar schon selbst Turnierluft geschnuppert, besitzt zwei Pferde und kennt beide Welten – Stall und Studio.
Welche Übungen für Reiter machen wirklich fit?
Mit ihrem Unternehmen Equestrian Balance hat sie ein Trainingskonzept entwickelt, das ihren fachlichen Hintergrund bündelt und vielen Reitern hilft, ihre körperliche Einwirkung beim Reiten nachhaltig zu verbessern, weil sie sich fit für den Sattel machen – am Boden, auf der Sportmatte. Gemeinsam mit Nina Maruhn können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer online sporteln und ihre Erfolge teilen.
Die Fitness-Expertin liebt den Januar, verrät sie uns im Interview. „Da ist jedes Mal eine Magie spürbar, Aufbruchstimmung. Reiterlich betrachtet beginnt ein unbeschriebenes Jahr – und man kann selbst entscheiden, wie viel Kraft, Stabilität und Leichtigkeit man hineingibt.“ Genau hier beginnt die Chance auf echte Veränderung.
Qualität der Workouts entscheidend
Was Nina Maruhn immer wieder beobachtet, ist das „Alles oder nichts – und am besten sofort!“-Phänomen. Ein Jahresstart funktioniert aber nur dann, wenn Ziele realistisch bleiben. Wer lange keinen Sport gemacht hat und plötzlich sechsmal die Woche trainieren will, wird scheitern.
Ihr Ansatz ist pragmatisch – und bewusst für alle gedacht: Job, Familie, Alltag, Pferd und dazwischen irgendwo noch Training? „Gerade deshalb sollten Einsteiger mit zwei Einheiten pro Woche starten, jeweils etwa 30 Minuten.“ Entscheidend sei weniger die Länge des Workouts, viel wichtiger sei die Qualität: Kraft, Stabilität und Beweglichkeit wirkten zusammen.
Was Reiter wirklich stark macht
Gerade für Reiterinnen und Reiter zähle die tiefe Rumpfmuskulatur: Beckenboden, tiefer Bauch, tiefer Rücken – Bereiche, die über das Gleichgewicht, feine Hilfen und eine ruhige, unabhängige Balance im Sattel entscheiden. Darüber hat Nina Maruhn auch ausführlich in ihrem Fachbuch „Fit fürs Reiten“ geschrieben.
Eine Einschätzung, die viele überraschen dürfte: Joggen steht nicht weit oben auf der Prioritätenliste der Reiterin. Nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil wertvolle Zeit gezielter genutzt werden könne. Das Reiten selbst fordere bereits Herz und Kreislauf – Leichttraben, Galopp, Mitschwingen. Für die Reiterfitness seien daher Kraft und Koordination deutlich relevanter.
Diese Übungen für Reiter empfiehlt Nina Maruhn
Die Expertin empfiehlt Übungen, die den Körper aus seiner Komfortzone holen:
- Planks mit Variationen, ein Bein anheben, eine Hand lösen, auf instabilem Untergrund arbeiten. Alles, was die tiefen Muskeln so anspricht, wie es auch ein Pferderücken tut.
- Ebenso hilfreich: Ausfallschritte in vielen Varianten. Sie verbessern das Gleichgewicht und die Gelenkbeweglichkeit – und damit auch die Einwirkung im Sattel.
Nina Maruhn macht deutlich, dass die Übungen aber für jeden etwas anders aussehen können, abhängig von den eigenen individuellen Voraussetzungen, auch denen des Pferdes, und der Zielsetzung. Pauschale Antworten gibt es also auch in diesem Bereich nicht.
Kleine Schritte, große Wirkung
Doch die Sportlerin ist überzeugt: Vor allem das klar definierte Ziel entscheidet über den Erfolg: Was genau möchte ich verbessern? Beweglichkeit? Kraft? Stabilität? Sicherheit im Sattel? Bis wann möchte ich es verbessern? Wie sehen meine Zwischenziele aus? Einsteiger sollten sich an einfachen, ganzheitlichen Workouts orientieren.
Regelmäßigkeit schlägt Intensität.
– Nina Maruhn
„Auch kurze Einheiten machen stärker, solange sie sauber ausgeführt sind.“ Gerade im Januar, wenn Alltag und Motivation oft gegeneinander arbeiten, sei das ein entscheidender Gedanke. Dabei helfen könne ein Plan, der den Sport fest in die Woche integriere.
Welche Übungen für Reiter eignen sich für den Einstieg?
Und womit startet man? Mit erstaunlich wenig: Eine Matte reicht. Später dazukommen kann Equipment: Widerstandsbänder, ein Gymnastikball, leichte Gewichte oder ein Balancepad. Aber eben erst dann, wenn eine Routine entstanden ist. Der Einstieg soll leicht sein – nicht abschrecken.
Zum Jahresstart gehört für Nina Maruhn auch die mentale Seite. Kleine Gedankenstützen können viel bewirken: ein Klebezettel an der Haustür mit einem klitzekleinen Ziel, eine Erinnerung am Kühlschrank, ein kurzer Austausch mit Menschen, die uns gerne unterstützen. Und manchmal reicht schon ein Satz wie dieser: „Ich mache das für mich – und für mein Pferd.“

