Borna-Virus beim Pferd: Einordnung zum Tod von Diallo BB


Bild vergrößern Das Borna-Virus ist für Pferde tödlich

Gegen das Borna-Virus gibt es keine Impfung für Pferde. (© Imago)

Das Dressurpferd Diallo ist tot. Seine Reiterin Jessica von Bredow-Werndl informiert auf ihrer Instagram-Seite darüber, dass ein Verdacht auf eine Infektion mit dem Borna-Virus besteht, eine endgültige Diagnose steht aber noch aus.

Wir nehmen diesen tragischen Fall zum Anlass um einzuordnen, was über die Borna-Krankheit beim Pferd bekannt ist, wie sie entsteht – und was pferdehaltende Betriebe wissen sollten.

Was ist das Borna-Virus?

Die Borna-Krankheit ist eine Virusinfektion des Gehirns und Nervensystems und zählt zu den schwersten neurologischen Erkrankungen beim Pferd. Sie ist laut Studien mehr als 200 Jahre bekannt und verläuft in den meisten Fällen rasch fortschreitend und tödlich.

Ihren Namen erhielt die Erkrankung nach einem großen Ausbruch Ende des 19. Jahrhunderts in der Region um die sächsische Stadt Borna. Damals starben tausende Pferde. Heute tritt die Krankheit deutlich seltener auf und auch weiterhin regional begrenzt.

Wo kommt das Borna-Virus vor?

In Deutschland wird die Borna-Krankheit vor allem in bestimmten Regionen beobachtet, unter anderem in Teilen von:

  • Bayern
  • Baden-Württemberg
  • Sachsen
  • Thüringen
  • Niedersachsen

Auch in Österreich und der Schweiz gibt es bekannte Vorkommen. Anders als früher kommt es heute meist zu Einzelfällen, nicht mehr zu großflächigen Ausbrüchen.

Was löst die Borna-Krankheit aus?

Auslöser der Erkrankung ist ein Virus. Als natürlicher Träger gilt die Feldspitzmaus. Sie selbst erkrankt kaum, kann das Virus aber über Urin, Kot und Speichel ausscheiden. Pferde gelten als sogenannte Fehlwirte: Sie können sich infizieren, scheiden das Virus aber nicht aus und stecken andere Pferde nicht an.

Grasendes Pferd auf der Weide: Hier vorkommende Feldmäuse können das Borna-Virus übertragen

Pferde können sich mit dem Borna-Virus infizieren, wenn sie beim Grasen Ausscheidungen von Feldspitzmäusen mitaufnehmen. (© Stefan Lafrentz)

Wie steckt sich ein Pferd mit dem Borna-Virus an?

Der genaue Übertragungsweg ist laut Studienlage noch nicht vollständig geklärt. Nach aktuellem Kenntnisstand ist eine Ansteckung möglich über:

  • verunreinigtes Heu oder Futter
  • Kontakt mit Ausscheidungen der Feldspitzmaus
  • Aufnahme über Maul, Nase oder kleine Hautverletzungen

Wichtig für die Einordnung:

  • Eine Ansteckung von Pferd zu Pferd findet nicht statt.
  • Eine Übertragung vom Pferd auf den Menschen wird nicht beschrieben, wie auch das Robert-Koch-Institut mitteilt.

Inkubationszeit für das Borna-Virus

Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung vergehen in der Regel ein bis drei Monate, in Einzelfällen auch etwas kürzer oder länger. Das berichtet die Uni München in einem Merkblatt.

Welche Symptome treten auf?

Die Erkrankung beginnt oft unauffällig und verschlechtert sich dann deutlich, wie ebenfalls dem Merkblatt der Uni München zu entnehmen ist.

Frühe Anzeichen können sein:

  • Wesensveränderungen, Teilnahmslosigkeit
  • ungewöhnlich langsames Fressen
  • Kaubewegungen ohne Schlucken
  • häufiges Gähnen
  • hohes, schlecht behandelbares Fieber (um die 41 Grad)

Im weiteren Verlauf:

  • unsicherer Gang, Stolpern
  • Gleichgewichtsstörungen
  • schiefer Kopf
  • verminderte Schmerz- oder Berührungsempfindung
  • Schluckstörungen

Im Endstadium:

  • zwanghaftes Kreislaufen
  • Muskelzuckungen oder Krampfanfälle
  • Erblindung
  • Festliegen
  • Koma und Tod

Über 80 Prozent der erkrankten Pferde sterben innerhalb weniger Wochen. Nur ein kleiner Teil zeigt einen langsameren oder schubweisen Verlauf. Bei Diallo war es laut Aussage von Jessica von Bredow-Werndl noch schneller:

Noch am Wochenende haben wir gemeinsam getanzt, es hat sich alles so leicht angefühlt. Und dann kam diese Krankheit wie ein Sturm, lautlos, gnadenlos und unaufhaltsam, hat sich in Stunden durch deinen Körper gefressen und mir das Herz aus der Brust gerissen. Die Untersuchungen laufen noch, der Verdacht liegt auf dem Borna-Virus.

Wie wird Borna diagnostiziert?

Die Diagnose ist schwierig. Entscheidend ist der direkte Virusnachweis, zum Beispiel:

  • aus der Nervenflüssigkeit (Liquor)
  • oder post mortem aus Gehirn- und Rückenmarksgewebe

Bluttests, die lediglich Antikörper nachweisen, gelten nicht als sicher, da sie auch falsch positive Ergebnisse liefern können.

Gibt es eine Behandlung oder Impfung?

Nein. Es gibt keine wirksame Therapie gegen die Borna-Krankheit beim Pferd und keine Impfung. Medikamente können lediglich Symptome lindern, solange keine gesicherte Diagnose vorliegt. Wird das Virus eindeutig nachgewiesen, wird aus tierschutzfachlicher Sicht in der Regel die Euthanasie empfohlen, da eine Genesung eigentlich nicht möglich ist, wie die Uni München vermeldet.

Wie häufig ist Borna?

Viele Pferde tragen Antikörper gegen das Virus, ohne jemals zu erkranken. In Deutschland betrifft das rund 11 Prozent der Pferde, in betroffenen Regionen deutlich mehr, besagt die aktuelle Studienlage. Dennoch erkranken in der Regel nur einzelne Tiere eines Bestandes. Warum das so ist, ist bislang nicht vollständig geklärt.

Gibt es Risikofaktoren?

Als mögliche Faktoren gelten:

  • Alter des Pferdes
  • Zustand des Immunsystems
  • individuelle genetische Eigenschaften

Auffällig ist zudem, dass Erkrankungen häufiger im Frühjahr und Frühsommer auftreten.

Was können Pferdehalter tun?

Eine Impfung gibt es nicht. Die wichtigste Maßnahme ist, den Kontakt zu Feldspitzmäusen und deren Ausscheidungen möglichst zu vermeiden:

  • Futter und Einstreu sauber und geschlossen lagern
  • keine offenen Müll- oder Futterquellen
  • Kadaver von Kleinsäugern umgehend und sicher entsorgen

Die Feldspitzmaus ist geschützt und darf nicht bekämpft werden. Ziel ist daher nicht ihre Vernichtung, sondern die Reduktion von Anreizen, sich in Stallnähe aufzuhalten.

Was bedeutet das für den Stallalltag?

Auch wenn Borna nicht von Pferd zu Pferd übertragbar ist, werden betroffene Tiere zunächst isoliert, da andere Erkrankungen ähnliche Symptome zeigen können. Bis zur Klärung gelten erhöhte Hygienemaßnahmen, etwa getrennte Ausrüstung und konsequente Händedesinfektion.

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