Reitsport Reformen scheitern oft an Strukturen, nicht am fehlenden Willen.
Petitionen mit Zigtausenden Stimmen, Shitstorms, Fachkritik – und trotzdem bleibt vieles, wie es ist. Oder die Mühlen mahlen sehr langsam. Eigentlich ist klar, worum es im Pferdesport gehen sollte: um das Pferd. Doch Reformen entstehen selten aus diesem Geist. Wieso reicht „richtig“ nicht aus, um Regeln zu ändern? Während die Öffentlichkeit null Toleranz fordert, ringen internationale Verbände um Formulierungen und Abstimmungsmehrheiten. Was müsste wirklich passieren, damit das System Pferdesport sich bewegt, Reitsport-Reformen strukturell möglich werden?
Wir blicken als Erstes auf die Struktur der FEI, den Weltreitsportverband. Sie hatte zuletzt innerhalb weniger Wochen Entscheidungen getroffen, die weltweit für Schlagzeilen sorgten; positiv wie negativ. Zum einen beschloss die Generalversammlung in Hongkong eine Lockerung der „No Blood Rule“ im Springreiten. Es folgte ein Aufschrei in den Sozialen Medien, eine Petition war zuvor veröffentlicht worden mit mehreren Zehntausend Unterschriften, die gegen die Aufweichung plädierten. Ohne Erfolg.
Kandare, Kukuk und Kritik
Kurz darauf folgte eine weitere Regeländerung, nachdem „die Pflicht“ schon lange kritisiert worden war: Auch auf S-Niveau sollen Reiterinnen und Reiter in der Dressur ab dem kommenden Jahr künftig frei wählen dürfen, ob sie auf Kandare oder Trense starten – ein Schritt, den viele als Signal für mehr Flexibilität interpretieren, andere als Verwässerung traditioneller Standards.
Dann erschien das Video vom Weltcup-Turnier in Verona, auf dem zu sehen war, wie Olympiasieger Christian Kukuk seine Stute Just Be Gentle mit blankem Schlaufzügel ritt und damit deutlich einwirkte. FEI-Offizielle griffen nicht ein, was auch daran lag, dass sich das Regelwerk hier als Grauzone erweist. Wie passt ein solches Verhalten zu einem Verband, der „Horse Welfare First“ zu seinem obersten Grundsatz erklärt? Inzwischen gibt es eine Anpassung. Wie eine FEI-Sprecherin auf Nachfrage von Hooforia versichert, soll im Regelwerk spezifiziert werden, dass Schlaufzügel nur noch in Verbindung zur Trense auf Turnieren erlaubt sein sollen.

Kandare und Unterlegtrense: Ab Januar 2026 gibt es in höheren Prüfungen Wahlfreiheit, sodass ein Start auch auf Trense erlaubt ist. (© Slawik)
Also: Wie ist der internationale Verband organisiert? Und was muss passieren, damit öffentliche Kritik Eingang findet in das Regelwerk und den Weg für Reformen im Reitsport ebnet?
Die FEI: Reformen im Reitsport beginnen bei den Strukturen
Die FEI wurde im Jahr 1921 gegründet und ist der internationale Dachverband für die olympischen Disziplinen:
- Springen
- Dressur
- Vielseitigkeit
- Fahren
- Voltigieren
- Distanzreiten
- Reining (nicht olympisch)
- Para-Dressur
Sitz des Verbandes ist Lausanne in der Schweiz. Gründungsmitglieder waren Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Japan, die USA, Schweden und Norwegen. Deutschland ist seit 1927 Mitglied.
Was genau ist der Auftrag der FEI?
Die FEI entwickelt und verwaltet weltweit geltende Regeln für Pferdesportwettbewerbe, vergibt Turniere und genehmigt den Turnierkalender für Meisterschaften, regionale, kontinentale sowie Olympische und Para-Olympische Spiele. Selbst ist sie Veranstalter aller internationalen Turniere, die von den Mitgliedern ausgerichtet werden. Außerdem stellt sie Offizielle, verantwortet das Anti-Doping-System für Pferde und betont in allen Publikationen das Thema „Horse Welfare“ als obersten Grundsatz.
Die oberste Autorität bei der FEI ist die Generalversammlung, also diejenige, die jüngst auch über die Blood Rule entschieden hat. Die setzt sich aus allen nationalen Verbänden zusammen und hat auch Verantwortung über Wahlen und das Budget. Das exekutive Leitungsorgan ist das sogenannte FEI-Board. Es führt die Beschlüsse der Generalversammlung aus und besteht aus Präsidenten, Vizepräsidenten und Vorsitzenden der Disziplin-Komitees.
Reitsport-Reformen und ein demokratisches Paradox
Und die sind Punkt drei auf der Liste: In den FEI-Komitees sind Berater und Beraterinnen, die Stellungnahmen und Regelentwürfe erarbeiten. Die Vorsitzenden sitzen automatisch auch im FEI-Board. Es folgen darunter noch das FEI-Sekretariat sowie die nationalen Verbände. All das sind Infos der offiziellen FEI-Website. Jedes Land hat eine Stimme bei Entscheidungen – unabhängig von Pferdezahl oder Aktivität im Pferdesportbereich.
Inzwischen gibt es insgesamt 136 Mitglieder, wie der Website der FEI zu entnehmen ist. Alle haben genau eine Stimme in der Generalversammlung – egal, ob sie 12.000 registrierte Sportpferde haben oder null. Das schafft zwar eine mathematisch korrekte, aber praktisch nur schwer nachvollziehbare demokratische Situation. Andere internationale Sportverbände, darunter beispielsweise der Internationale Skiverband (FIS), haben daher ihre Stimmrechte gewichtet, abhängig von der Größe und der Bedeutung der Verbände. Könnte das auch eine Option für den Pferdesport sein?

Wie sieht die Zukunft des Turniersports aus? Gibt es noch Chancen, Spitze und Basis einander wieder anzunähern? (© Slawik)
„Das hat mit echter Demokratie nichts zu tun.“
In einer Pressemitteilung hatte sich nach der Abstimmung über die Blood Rule Elisabeth Max-Theurer, Präsidentin des Österreichischen Pferdesportverbandes (OEPS), geäußert. Sie sagte: „Länder ohne nennenswerte Pferdesportaktivität entscheiden über Regelungen, die den Kern unseres Sports betreffen. Das hat mit echter Demokratie nichts zu tun.“ Weil der Pferdesport immer wieder im Fokus der Tierschutzdebatte stehe, könnte jede fehlerhafte Regelentscheidung negative Folgen für die olympische Anerkennung haben.
Max-Theurer warnte deutlich: „Wenn die FEI so weitermacht, verlieren wir irgendwann den olympischen Status. Jede Schwächung des Tierschutzes ist ein Schritt in die falsche Richtung.“ Die jüngsten Ereignisse haben die Strukturen der FEI in den Mittelpunkt gerückt. Europa fordert mehr fachliche Verantwortung, mehr Transparenz und vor allem den konsequenten Schutz des Pferdes. Oder wie Max-Theurer es formuliert: „Das Pferd ist ein Partner, kein Sportgerät. Wenn wir das vergessen, verlieren wir den Kern unseres Sports.“
Martin Richenhagen fordert transparentere Abstimmungen
Ähnlich sieht es auch Martin Richenhagen, der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Er sagt auf Nachfrage von Hooforia: „Das Prinzip ‚One country, one vote‘ ist formal demokratisch, führt aber in der Praxis zu erheblichen Ungleichgewichten.“ Ein kleines Land mit wenigen Aktiven oder geringem Pferdesportsektor habe somit dasselbe Stimmrecht wie große Pferdesportnationen mit Hunderttausenden Mitgliedern, hoher sportlicher Relevanz und umfassenden Tierschutzstandards. Das bedeutet: Kleinstverbände können eine Entscheidung genauso stark beeinflussen wie Deutschland, obwohl die gesellschaftliche Verantwortung, der sportliche Einfluss und die außenwirksamen Folgen unserer Entscheidungen völlig unterschiedlich sind.
Richenhagen ergänzt: „Ich respektiere dieses System als Teil der internationalen Struktur. Aber gerade bei Tierwohlfragen halte ich es für notwendig, dass große Pferdesportnationen mit hoher Sportbeteiligung und intensiver öffentlicher Aufmerksamkeit mehr Gehör finden. Sei es durch transparentere Abstimmungen, durch stärkere Gewichtung wissenschaftlicher Expertise oder durch bessere Koordination innerhalb Europas.“ Ein Land, das für den Weltpferdesport eine tragende Rolle spiele, trage in seinen Augen zwangsläufig auch mehr Verantwortung. Und diese Verantwortung sollte sich in Entscheidungsprozessen stärker widerspiegeln.
Reformen im Reitsport brauchen Verantwortung
„Deutschland ist eine der stärksten Sport- und Pferdenationen weltweit und wird fachlich gehört – hat formal aber nur eine Stimme wie alle anderen Verbände auch. Wir können beraten, argumentieren und Allianzen bilden, aber wir können internationale Beschlüsse nicht allein verhindern. Beim Thema Blood Rule hat Deutschland klar widersprochen, konnte die Mehrheit aber nicht beeinflussen“, verdeutlicht Richenhagen. Daher brauche es eine grundlegende Diskussion über das Stimmrecht innerhalb der FEI. „Zudem benötigen wir verbindliche internationale Mindeststandards. Und ein gemeinsames, länderübergreifendes Verständnis von Pferdewohl, das wissenschaftlich fundiert ist und von allen Mitgliedsnationen getragen wird. Das ist für mich die Grundlage“, erklärt Martin Richenhagen.
Auf die Frage, wie er die aktuelle Diskrepanz zwischen öffentlicher Erwartung, wissenschaftlichen Erkenntnissen und FEI-Beschlüssen bewertet, antwortet Martin Richenhagen: „Diese Diskrepanz ist in Deutschland deutlich sichtbar, zuletzt bei der Blood Rule. Die Öffentlichkeit erwartet hierzulande eine Nulltoleranz gegenüber Blut, wissenschaftlich gilt Blut immer als Zeichen eines Traumas – die FEI wollte dagegen stärker differenzieren. Für mich ist klar: Sobald wir anfangen, Blut zu relativieren, verlieren wir gesellschaftliches Vertrauen. Hier besteht dringend Nachbesserungsbedarf.“

Sattel, Trense, Helm, aber auch Sporen und Gerte: Welche Ausrüstung ist pferdegerecht, und wovon hängt ihr Einsatz ab? (© Slawik)
Warum Tierschutz international unterschiedlich bewertet wird
International werde sehr unterschiedlich wahrgenommen, was als pferdegerecht gelte. Genau deshalb entstehe eine Diskrepanz zwischen öffentlichen Erwartungen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und manchen FEI-Entscheidungen. Richenhagen „Es ist gut, dass wir in Deutschland ein besonders hohes Bewusstsein für Tierwohl haben. Wir lassen wissenschaftliche Erkenntnisse konsequent in unsere Entscheidungen einfließen. Wenn internationale Beschlüsse dahinter zurückbleiben, entsteht zwangsläufig Spannung – auch im Blick auf die gesellschaftliche Akzeptanz unseres Sports. Dennoch sollten sich meiner Meinung nach alle an dieselben ethischen Grundsätze halten. Wer diese Standards lebt, hat mit strengeren Regeln keine Probleme.“
Zusammenfassend erklärt der FN-Präsident: „Wir brauchen drei zentrale Reformschritte: Erstens eine Diskussion über das Stimmrecht in der FEI, denn bei zentralen Tierwohlfragen sollten große Pferdesportnationen mit hoher Verantwortung und starkem Pferdesportsektor mehr Gehör finden als Kleinstverbände. Zweitens verbindliche internationale Mindeststandards, damit zentrale Tierschutzregeln weltweit einheitlich gelten und nicht abgeschwächt werden können. Drittens ein gemeinsames, länderübergreifendes Verständnis von Pferdewohl, das sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert.“
Reitsport-Reformen oder Stillstand?
Wirklich ändern werde sich erst dann etwas, wenn auch im internationalen Pferdesport das Pferd stets an erster Stelle stehe. „Alle Nationen müssen sich bewusst sein, dass wir einen Sport mit Pferden machen, nicht einen Sport für Reiter. Und dann behält unser Sport die gesellschaftliche Akzeptanz, die er braucht, um eine Zukunft zu haben.“
Wir haben auch eine Anfrage an die FEI geschickt und wollten Genaueres wissen zu den Abstimmungsprozessen und den Gründen der Anonymität, den Regelwerken und wieso oft erst nach Skandalen etwas passiert. Bis zum Redaktionsschluss haben wir dazu keine Rückmeldung erhalten. Sprechen konnten wir allerdings mit Dr. Andreas Franzky, Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) und Leiter der Arbeitsgruppe Pferd. Er ist in Tierschutzfragen auch als Gutachter im Einsatz.
Meiner Ansicht nach ist es bereits ein Systemfehler, dass seriöse fachliche Tierschutzmeinungen erst im Nachhinein eingeholt werden, statt vorher. – Dr. Andreas Franzky –
Ein Systemfehler aus tierärztlicher Sicht
Man könnte viele Diskussionen und auch Tierleid verhindern, ist Franzky überzeugt. „Ich finde den Einsatz von Schlaufzügeln beim Abreiten auf den Turnieren ein absolutes No-Go und frage mich, wieso das noch erlaubt ist. Das ist ein Hilfszügel, den man in bestimmten Situationen einsetzen kann, aber der muss doch nicht in jedem Springpferdestall tagein, tagaus eingesetzt werden. Erst recht nicht vor Prüfungen.“
Auch bei vielen Gebissen und Zäumungen müsse man dringend im Regelwerk nachjustieren. „Denn nicht alles, was nicht explizit verboten ist, ist tolerierbar und pferdegerecht. Ich war dieses Jahr auf den Bundeschampionaten und wunderte mich am Springplatz mit den Prüfungen der Fünf- und Sechsjährigen schon arg darüber, was teilweise für Konstruktionen bei diesen jungen Tieren im Maul liegen. Wenn das Pferd einmal null Fehler mit dem Gebiss geht, dann ist das scheinbar die Legitimation.“ Eine Wassertrense müsse seiner Meinung nach aber bei fast allen Pferden ausreichen.

Mehr Kontrollen, mehr Konsequenzen: Tierschutz-Experten fordern besonders auf Turnieren mehr Fokus auf das Pferdewohl. (© Lafrentz)
Reitsport-Reformen beginnen im Stall
„Es gibt in diesem Zusammenhang leider eine mangelhafte Sensibilität bei Reitern und Trainern. Natürlich gibt es auch Reiterinnen und Reiter, die den richtigen Weg gehen, aber viele denken offenbar, sie leben mit dem Pferdesport in einem rechtsfreien Raum“, hat Franzky die Erfahrung gemacht. Es werde viel zu schnell zu Zwangsmaßnahmen und scharfen Zäumungen gegriffen, ohne aufs Pferd zu achten. Denn oftmals seien es auch Mängel in der Haltung, die zu Schwierigkeiten beim Handling und Reiten führten.
Andreas Franzky hat übrigens auch zum Thema Blood Rule eine klare Meinung: „Für mich ist die spannendste Frage, wie wir mit der Neuerung auf internationalen Turnieren auf deutschem Boden künftig umgehen. Denn hier muss ja das deutsche Tierschutzgesetz weiter Anwendung finden und damit eine Nulltoleranz von Blut. Ich frage mich, ob dann in solchen Fällen mit zweierlei Maß gemessen wird.“
Tradition hemmt Fortschritt
Woran es liegt, dass Alternativen, zum Beispiel gebissloses Reiten, noch nicht im Turniersport angekommen sind? Franzkys Einschätzung: „Im Pferdesport ist vieles eine Sache der Tradition. Aber das ist für mich kein Argument. Wieso nicht mal Neues probieren?“ Das aktuelle Bewertungssystem auf Turnieren animiere leider nicht allzu sehr dazu, neue Wege einzuschlagen.
„Unsere Trainer, Richter und Ausbilder müssten alle mehr Blickschulung machen unter folgenden Tierschutzaspekten: Wie geht es dem Pferd während der Prüfung, wann fühlt es sich unwohl, wie reagiert der Reiter oder die Reiterin darauf? Diese Profis müssen erkennen, ob ein Pferd Stress empfindet, deswegen denke ich auch, dass man bei den Bewertungskriterien das Abreiten mit einbeziehen müsste.“ Es brauche zudem strengere und mehr Kontrollen. Und diese müssten, wenn etwas beanstandet wird, auch Konsequenzen haben, bezieht Franzky Stellung.
Zwischen Anspruch und Realität der Reitsport-Reformen
„Es gibt auch im Reitsport Rote und Gelbe Karten, aber wenn ich mal Richter danach frage, haben sie die meistens nicht dabei. Wenn ich solche Mittel nicht einsetze, haben sie natürlich auch keine Wirkung. Der Pferdesport ist ein mächtiges Wirtschaftssystem, das bewegt sich leider nur langsam.“
Ob er trotzdem noch eine Zukunft für den Sport sieht? „Ja. Ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen, die sich mit dem Pferdesport beschäftigen, das fach- und sachgerecht machen und Sorge dafür tragen, dass es den Pferden gutgeht. Das muss erhalten werden. Wir haben so tolle Pferde, die leistungsbereit sind und die gern mitarbeiten. Aber es gibt leider immer wieder einige Menschen, die sich missbräuchlich verhalten. Das Internet vergisst nicht, und jeder dieser Fälle wird wie ein weiteres Puzzleteilchen für diejenigen sein, die das Reiten generell als tierschutzwidrig ablehnen. Social Media ist in diesem Bezug Fluch und Segen zugleich. Es kann ein gutes Mittel sein, um auf Missstände hinzuweisen. Aber es ist auch schwierig, zu erkennen, ob etwas manipuliert ist oder wirklich nur eine Momentaufnahme darstellt.“

An einem Wendepunkt: Wenn der Reitsport in Zukunft auf gesellschaftliche Akzeptanz setzen möchte, dann muss sich etwas ändern. (© Slawik)
Social Media als Verstärker und Kontrollinstanz
Apropos Social Media: Wir haben jemanden gefragt, der sich auf Instagram seit einigen Jahren aktiv zum Pferdesport äußert. Laura Goetsch arbeitet für die Firma Stübben, reitet selbst und ist mit Vielseitigkeitsreiter Pietro Grandis liiert. Mehr als 25.000 Follower begleiten Laura durch ihren Alltag. Wir haben ein Interview mit ihr geführt. Unter anderem wollten wir wissen, welche Rolle die richtige Ausrüstung spielt und wo es klare Grenzen gibt, was aus ihrer Sicht pferdegerecht ist.
„Die Pferde bei uns im Stall sind zwischen Vierjährig und 15 Jahre alt und bei vielen Pferden nutzen wir eigentlich echt wenig Ausrüstung im täglichen Gebrauch. Weiche Gummistange, einfach gebrochenes Olivenkopfgebiss, doppelt gebrochenes Olivenkopfgebiss. Keep it simple und es funktioniert.“ Sie gibt zu, sie sei „wahrscheinlich berufsbedingt ein Extremfall“, denn für sie sei bereits ein nicht passender Sattel absolut nicht pferdegerecht.
Reitsport-Reformen im Alltag der Reiter
„Das ist kein Problem, was nur am Pferdekopf stattfindet. Am Ende ist es egal, ob Sattel, Trense oder Gebiss: Das Equipment muss vor allem dem Pferd passen, und es muss damit zufrieden sein. Ansonsten ist es in meinen Augen schon nicht mehr pferdegerecht.“ Generell sei sie der Überzeugung, dass das Ziel von Ausbildung nicht sei, Konflikte zu kreieren. „Gibt es Abwehrreaktionen, haben die einen Grund und sollten in unseren Augen nicht mit der nächsten schärferen Variante gelöst werden. Das Pferd soll mit seinem Reiter arbeiten und auch Freude daran haben. Statt aufzurüsten, macht es häufig mehr Sinn, noch mal einen Schritt zurück zu gehen.“
Und wenn sie etwas ändern könnte im internationalen Sport, was wäre das? „Positives Herausheben besonders fairer und harmonischer Paare, möglicherweise über mehrere Events hinweg und unabhängig von der Platzierung. Es sollte sich lohnen, auf sein Pferd und dessen Wohlbefinden zu achten. Außerdem fände ich bei Fehler-Zeit-Springen auch eine zusätzliche Stilnote interessant…“