Kent Farrington und Greya in Wellington auf dem Weg zum Sieg.
Es ist das sportliche Highlight zum Abschluss einer zwölfwöchigen Serie voller Highlights. Wenn das WEF Ende März seinen Abschluss feiert, wird auch so manch ein Reiter aus Europa ein bisschen wehmütig. Schließlich gibt es in Wellington/Florida häufig Sonne satt, vor allem aber beste Startmöglichkeiten für Pferde jeglichen Alters und Ausbildungsstandes.
„Die Bedingungen hier sind einfach perfekt! Ich – und wir alle – können nur den Veranstaltern danken, dass es eine Turnierserie wie das WEF hier in Florida gibt!“, betonte Europameister Richard Vogel.
Doch bevor es an die Abreise – bzw. für Vogel und viele andere an die Weiterreise zum Weltcup-Finale nach Fort Worth in Texas – geht, stand gestern noch das wichtigste Springen des gesamten Turniers an: Der Million-Dollar-Grand Prix. Dieser ist die erste Station der neuen Rolex Series Equestrian, auf die dann noch die Etappen im Mai in Rom auf der Piazza die Siena, im Juni in La Baule in Frankreich, im schwedischen Falsterbo und im französischen Dinard im Juli/August, in Irlands Hauptstadt Dublin im August und in Brüssel bei den Stephex Masters Ende August folgen. Man darf gespannt sein, wie sich die Serie künftig etabliert. Zunächst aber hielt sie einen furiosen Auftakt bereit.
Pech für Kukuk, Vogel im Stechen
Doch zunächst einmal mussten die Sieger der vergangenen beiden Jahre, Olympiasieger Christian Kukuk und der mittlerweile 16 Jahre alte Checker, Federn lassen. Am zweiten Hindernis, einer Mauer, sprang Checker mitten hindurch. Kukuk gab daraufhin verständlicherweise auf. Passiert ist den beiden ebenso wenig etwas wie dem jungen Iren Tom Wachman, den mit Tabasco de Toxandria dasselbe Schicksal ereilte und der dabei sogar aus dem Sattel kam.
Ganz anders lief es in dem mit Höchstschwierigkeiten gespickten Parcours für Richard Vogel und den erst zehn Jahre alten Hengst Gangster Montdesir von Kannan, den er seit vergangenem Spätsommer reitet. Die beiden blieben wie nur vier andere Paare fehlerfrei unter Flutlicht. So konnte sich nur ein unglaublich spannendes Stechen entwickeln – und ganau das passierte.
Kent Farrington im Glück
Am Ende war es der Sieger, den sich zumindest das Publikum gewünscht hatte, der aus dem Jubeln nicht mehr herauskam: Kent Farrington. Der aktuell Weltranglisten-Zweite aus den USA hatte seine zwölfjährige Oldenburger Stute Greya von Colestus gesattelt und war souverän fehlerfrei unterwegs gewesen. Mit seiner Zeit von 42,99 Sekunden hatte er den britischen Olympiasieger von 2021, Ben Maher, auf Platz zwei verwiesen. Er benötigen mit Enjeu de Grisien 43,72 Sekunden bis ins Ziel. Doch einer konnte noch alles umkehren: Richard Vogel. Wäre die Stange am letzten Hindernis, einem mächtigen Oxer, nicht dann doch aus ihrer Halterung gefallen. Die Zeit von Vogel und Gangster Montdesir hätte mit 42,87 Sekunden knapp gereicht. So sorgte sie für den dritten Platz vor den beiden Iren Darragh Kenny mit Eddy Blue und Jordan Coyle mit Chaccolino.
Auf den ersten Blick wirkte Vogel natürlich ein bisschen enttäuscht, wie es bei einem solch knappen Ergebnis auch nicht verwunderlich ist. Doch dann sagte er:„Ich bin unheimlich stolz auf Gangster Montdesir und seine Entwicklung. Noch vor einem Jahr kannte ich ihn gar nicht, nun haben wir schon so viel gewonnen, so oft das Stechen erreicht, so viele gemeinsame wundervolle Momente erlebt. Das erfüllt mich mit riesengroßer Dankbarkeit!“
„Ich liebe Greya“
Kent Farrington konnte sein Glück derweil trotz aller Erfolge, die er verzeichnen kann, kaum fassen. „Ich liebe meine Greya und weiß, dass sie alles springen und gewinnen kann“, betonte er. „Aber heute konnte ich überhaupt nicht hinschauen. Ich wusste, dass wir super unterwegs gewesen waren, aber ich kenne Richard und dass er alles versuchen würde, um zu gewinnen. Und dass das in jedem Fall Erfolg haben kann. So habe ich die Augen zugemacht. Und dann habe ich den Schrei des Publikums gehört und wusste, dass wir es geschafft haben. Unglaublich. Wirklich wunderschön! Greya verdient das so sehr!“
Der dritte Deutsche im Bunde in Wellington, René Dittmer, hatte die Qualifikation mit Cody am Vortag verpasst. Der Sieg in dieser Prüfung war an die US-Amerikanerin Charlotte Jacobs mit Rincoola Milsean gegangen. Dittmers 17. Platz reichte zwar für eine Platzierung, nicht aber für die Quali. Eine neue Chance haben die beiden beim Weltcup-Finale.
Das komplette Ergebnis des Großen Preises gibt es hier.

