Der Pferdesport steht zunehmend unter gesellschaftlicher Beobachtung. Wie ordnet ihn eine Versicherung ein?
Nadja Worschech hat einen Master in Pferdewissenschaften und arbeitet seit rund 10 Jahren bei der Nürnberger Versicherung. Sie hat uns unsere Fragen zu ihrem Fachgebiet, der Pferdeversicherung, beantwortet.
Der Reitsport aus Versicherungssicht
1. Hooforia: Was hat Ihr Engagement im Reitsport ursprünglich attraktiv gemacht – und was trägt es heute?
Nadja Worschech: Das Engagement im Pferdesport hat vor über drei Jahrzehnten begonnen. Als Pferdeversicherung sind wir überzeugt, dass Partnerschaft, Vertrauen und sportliche Werte hier in einzigartiger Weise zusammenfinden. Deshalb lag es nahe, dass wir uns hier engagieren. Denn genau diese Werte prägen auch unsere leistungsorientierte Unternehmenskultur.
Der Nürnberger Burg-Pokal, seit 35 Jahren das Herzstück unseres Engagements, steht wie kaum ein anderes Format für konsequente Nachwuchsförderung, hohe Ausbildungsqualität und langfristige Entwicklung von Pferd und Reiter. Heute trägt dieses Engagement mehr denn je: Es stärkt unsere Rolle als verlässlicher Partner einer großen Sportcommunity, es bietet klare Identifikationspunkte, und es ermöglicht uns, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.
2. Welche Veränderungen beobachten Sie in Reichweite, Wahrnehmung und öffentlicher Akzeptanz des Sports?
In den vergangenen Jahren haben wir deutliche Verschiebungen festgestellt: Digitale Kanäle sind wesentlich stärker geworden und erhöhen die Sichtbarkeit auch junger oder regionaler Talente. Gleichzeitig ist der Konkurrenzdruck durch andere Sportarten und Entertainment-Formate gewachsen. Der Reitsport wird stärker als Kulturgut und als Leistungssport wahrgenommen.
Dabei steht der Pferdesport zunehmend unter gesellschaftlicher Beobachtung. Genau deshalb ist es wichtig, dass Formate wie der Burg-Pokal konsequent auf pferdegerechte Ausbildung und Qualität setzen. Die Akzeptanz hängt zunehmend davon ab, wie glaubwürdig Verbände, Reiter, Veranstalter und Partner zeigen, dass moderne Pferdehaltung und Ausbildung verantwortungsvoll erfolgen.
3. Wie schwer oder leicht fällt es heute, langfristige Sponsoring‐Entscheidungen im Reitsport zu begründen?
Langfristige Entscheidungen werden komplexer – das gilt im gesamten Sponsoringmarkt. Dennoch fällt es uns im Reitsport leicht, solche Engagements zu rechtfertigen. Zum einen ist der Reitsport Teil deutscher Sporttradition. Wir können mit unserem Engagement sehr direkt dazu beitragen, diese Erfolgsgeschichte fortzusetzen.
Zum anderen haben wir die Chance, Nachwuchsförderung mit System zu betreiben. Darüber hinaus besteht die Zusammenarbeit mit Veranstaltern teilweise seit Jahrzehnten. Dabei sind vertrauensvolle Verbindungen entstanden.
Reitsport der Zukunft: Wünsche der Versicherer
4. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für den Reitsport?
Die zentralen Herausforderungen sind aus unserer Sicht Tierwohl und Transparenz, Nachwuchsgewinnung, Finanzierung von Turnieren sowie die Sichtbarkeit des Reitsports. Die gesellschaftlichen Anforderungen an das Tierwohl steigen – und das ist positiv. Doch es erfordert klare Kommunikation, fundierte Ausbildungssysteme und einheitliche Standards. Und obwohl unsere eigenen Serien sehr erfolgreich Nachwuchs fördern, kämpfen viele Vereine mit Kostenstrukturen, Ehrenamt und Infrastruktur.
Die Kooperationen mit Landesverbänden helfen, aber der Trend bleibt herausfordernd. Turniere benötigen verlässliche Partner, professionelle Strukturen und stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Jüngere Zielgruppen konsumieren Sport anders: Der Reitsport braucht daher moderne Kommunikationsformen, emotionale Geschichten und digitale Erlebnisse. Zudem fehlt es häufig an leicht zugänglichen Angeboten für Beginner.
5. Was müsste sich ändern, damit der Reitsport auch künftig ein attraktives Umfeld für deutsche Partner bleibt?
Wir sehen mehrere Anknüpfungspunkte: Eine konsequente Ausrichtung auf Pferdewohl und moderne Ausbildung. Außerdem mehr digitale Angebote zur Rezeption: Livestreams, Social Media, datenbasierte Formate, Insights – das bindet neue Zielgruppen und Sponsoren. Drittens eine weitere Professionalisierung der Turnierstrukturen: Veranstalter, Verbände und Sponsoren müssen gemeinsam Formate entwickeln, die wirtschaftlich tragfähig und medienattraktiv sind. Zudem braucht es Förderung des Ehrenamts und der Basissportstrukturen.