Viele Pferde haben Kontakt mit Borrelien, ohne klinisch krank zu werden.
Genau das macht das Thema so tückisch. Zecken sind in Deutschland weit verbreitet, und auch Borrelien kommen häufig vor. In Europa wurden bei Pferden teils Antikörperraten von bis zu 52 Prozent beschrieben. Trotzdem ist bis heute nicht eindeutig geklärt, wie oft daraus beim Pferd tatsächlich eine klar fassbare klinische Erkrankung wird!
Borreliose beim Pferd wird durch Bakterien aus dem Borrelia-burgdorferi-sensulato-Komplex verursacht und durch Zecken übertragen. Weil viele der Symptome unspezifisch sind und auch andere zeckenübertragene Erkrankungen infrage kommen, ist die Diagnose schwierig. Ein Antikörpernachweis allein reicht nicht aus.
So erkennt man Borreliose beim Pferd
Ist ein Pferd tatsächlich erkrankt, wird es in der Regel antibiotisch behandelt – Tetrazykline gelten als Mittel der Wahl. Trotzdem ist die größere Herausforderung oft gar nicht die Therapie, sondern die Frage davor: Ist es wirklich Borreliose? Genau deshalb ist eine saubere tierärztliche Einordnung so wichtig.
Wann sollte man wirklich an Borreliose denken? Wenn Lahmheiten wechseln oder nicht richtig greifbar sind. Denn zu den am häufigsten beschriebenen Veränderungen zählen Lahmheiten, Muskelverspannungen, Überempfindlichkeit, niedriges Fieber, Lethargie und Verhaltensauffälligkeiten. Auch Leistungsabfall, mangelhafte Rittigkeit, Steifheit, Muskelschmerzen oder eine auffällige Schmerzhaftigkeit werden beschrieben.

Wichtig: Ein positives Blutbild heißt nicht automatisch, dass ein Pferd auch Krankheitszeichen zeigt. (© Christiane Slawik)
Symptome von Borreliose beim Pferd
Gerade diese unscharfen Symptome sind typisch für die Unsicherheit rund um Borreliose; also kurzgefasst: wenn das Pferd „komisch“ ist und nichts anderes so richtig passt. Denn Borreliose ist keine Diagnose, die man „mal eben“ stellt. In der Literatur wird ausdrücklich betont, dass klinischer Befund, Vorbericht und andere mögliche Ursachen zusammen bewertet werden müssen.
Aber tatsächlich können auch neurologische Auffälligkeiten hinzukommen. Dazu gehören zum Beispiel Ataxie, Muskelzittern, Überempfindlichkeit der Haut, Kopfnervenausfälle oder Probleme beim Schlucken. Das ist zwar nicht der Regelfall, sollte aber ernst genommen und tierärztlich abgeklärt werden.
Spannende Fakten über Zecken
- Zecken sind nicht nur im Hochsommer ein Thema: Der Gemeine Holzbock ist in Zentraleuropa meist von März bis November aktiv, oft schon ab 10 °C. Typische Aktivitätsgipfel liegen im Mai/Juni und noch einmal im September.
- Auch kleine Zecken sind ein Problem: Vor allem Nymphen, ein Entwicklungsstadium der Zecke, gelten als wichtige Infektionsquelle. Sie sind kleiner als adulte Zecken, werden deshalb leichter übersehen und bleiben oft länger unbemerkt am Wirt. In Europa tragen rund 10 bis 25 Prozent der Nymphen Borrelien.
- Nicht jede Zecke trägt Borrelien: Für Deutschland wird die Borrelien-Prävalenz in der Zeckenpopulation auf etwa fünf bis 35 Prozent geschätzt. Das heißt: Zeckenkontakt ist häufig, aber nicht jeder Stich ist automatisch ein Borreliose-Risiko.
- Ein positives Blutbild heißt nicht automatisch Krankheit: In einer neueren deutschen Studie waren 21 Prozent der Pferde mit klinischem Borrelioseverdacht serologisch positiv. In der Kontrollgruppe ohne diesen Verdacht waren es aber immer noch 16 Prozent. Genau deshalb ist ein Antikörpernachweis allein kein Beweis für eine aktive Erkrankung.
- Zecken übertragen mehr als nur Borrelien: Beim Pferd spielen auch Anaplasmen, Babesien, Theilerien und das FSME-Virus eine Rolle. Wer bei Zecken nur an Borreliose denkt, denkt oft zu kurz.

Fröhlicher Ausritt, aber Obacht: Besonders im Mai/Juni und im September sind Zecken aktiv. Doch nicht jede von ihnen überträgt auch Krankheiten. (© Christiane Slawik)
Zecken und Borreliose: Das wird oft falsch gemacht
Mein Pferd hatte eine Zecke, also testen wir sofort.
Ein Zeckenbiss allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob das Pferd überhaupt klinische Auffälligkeiten zeigt, die zusammen ein schlüssiges Bild ergeben.
Positiver Test = Borreliose.
Genau das ist der Denkfehler. Antikörper zeigen erst einmal nur, dass ein Kontakt mit dem Erreger stattgefunden hat. Nicht mehr und nicht weniger. Um Borreliose zu diagnostizieren, muss das Pferd Symptome zeigen. Selbst wenn der Borreliose-Test positiv ist, kann das Pferd trotzdem an einer anderen Krankheit leiden (und früher einmal Kontakt zu Borreliose-positiven Zecken gehabt haben).
Borreliose erklärt jede diffuse Lahmheit.
Leider nicht. Gerade weil die beschriebenen Symptome so unspezifisch sind, müssen andere Ursachen immer mitgedacht werden.
Was man sich merken sollte
- Viele Pferde haben Kontakt mit Borrelien, ohne klinisch krank zu werden.
- Ein positiver Bluttest beantwortet nicht die wichtigste Frage, nämlich ob das Pferd jetzt wirklich erkrankt ist.
- Verdächtig wird es eher bei einem Mix aus wechselnden Lahmheiten, Steifheit, Überempfindlichkeit, Leistungsabfall und Verhaltensänderung.
- Die Zeckenzeit ist länger als viele denken. Schon milde Temperaturen reichen, damit Zecken aktiv werden.
- Nicht jede Zeckenkrankheit ist eine Borreliose. Auch Anaplasmose kann beim Pferd eine Rolle spielen.