Hoppla: Nur ein Kreislaufproblem oder doch etwas Gravierenderes? Reißt die Aorta des Pferdes, verblutet es innerhalb von Sekunden.
Die Aorta ist die Hauptschlagader des Körpers. Reißt sie in Herznähe ein oder ab, kommt es zu einer massiven inneren Blutung, die für das Pferd innerhalb von Sekunden tödlich sein kann. Die aktuelle Forschung zeigt, dass nicht ein einzelner Faktor für den Aortenabriss beim Pferd entscheidend ist, sondern das Zusammenspiel aus Gewebequalität, Druckbelastung und individuellen Voraussetzungen – also eine Kombination von Vorschädigung und Belastung.
Wichtig dabei ist aber: Mikroverletzungen in der Gefäßwand können unbemerkt entstehen und sich plötzlich entladen. Wenn es dann also tatsächlich passiert, und die Aorta reißt ein, ist das immer tödlich. Innerhalb von Sekunden treten derart massive innere Blutungen auf, dass kein anderer Ausgang möglich ist. Würde man den Vorgang vergleichen wollen, dann könnte man die Mechanik am ehesten als ein Materialversagen unter Spitzenbelastung beschreiben, nicht als einen langsamen Prozess.
Aortenabriss beim Pferd: Gibt es Risikofaktoren?
In Studien wurden über 28 Jahre nur rund 137 dokumentierte Fälle von Aortenabrissen gefunden, die Dunkelziffer ist aber vermutlich deutlich höher. In der Wissenschaft wurde immer wieder über Faktoren diskutiert, die das Risiko für einen Aortenabriss erhöhen. Infrage kommen:
- genetische Prädispositionen, besonders bei bestimmten Rassen (z. B. Friesen)
- degenerative Veränderungen der Gefäßwandstruktur
- lokale Schwachstellen wie Aneurysmen
- Bluthochdruck oder Herzprobleme
- entzündliche Prozesse
- Vorschädigungen der Gefäße

Friesen gelten als besonders anfällig für Aortenrupturen. Studien und Berichte deuten darauf hin, dass bei dieser Rasse degenerative Gefäßerkrankungen häufiger vorkommen, was das Risiko für einen Riss erhöht. (© Christiane Slawik)
Das wird oft missverstanden:
Das passiert nur im Hochleistungssport.
Stimmt nicht. Ein Aortenabriss kann jedes Pferd treffen.
Man müsste doch vorher etwas merken.
Nein. In den meisten Fällen gibt es keine verlässlichen Warnzeichen.
Dem kann man doch vorbeugen.
Falsch. Eine sichere Prävention ist derzeit nicht möglich.
Was bleibt?
- keine akute Hilfe möglich
- keine sichere Prävention
- keine klare Diagnostik
Was geschieht bei einem Aortenabriss im Pferd?
- Blut wird mit extremem Druck durch die Aorta gepumpt.
- Kleine strukturelle Schäden schwächen die Gefäßwand.
- Unter Belastung kommt es zum Einriss.
- Blut tritt in die Gefäßwand ein oder reißt sie komplett auf.
- Es kommt zum sofortigen Kreislaufkollaps.

Abschied nehmen ohne Vorwarnung: Die Todesursache Aortenabriss ist nicht vorhersehbar. (© Christiane Slawik)
Diese Todesfälle gingen um die Welt:
- Hickstead von Eric Lamaze: Der olympische Champion kollabierte 2011 während eines Weltcup-Springens im Parcours. Nach einem Sprung wirkte er zunächst unkoordiniert, brach dann zusammen und verstarb innerhalb kürzester Zeit. Reanimationsversuche blieben erfolglos. Die Obduktion ergab eine Aortenruptur. Der Fall gilt bis heute als eines der bekanntesten Beispiele für den plötzlichen Herztod im Pferdesport.
- Woodsides Ashby von Bettina Hoy: 2005 sorgte auch der plötzliche Tod von Woodsides Ashby im Vielseitigkeitssport für traurige Schlagzeilen. Das Pferd brach im Gelände zusammen und starb noch vor Ort. In der Berichterstattung wurde ein vermuteter Aortenriss als Ursache genannt. Der Fall zeigte schon damals, wie abrupt und ohne echte Vorwarnung solche Ereignisse eintreten können.
- Plot Green: Das Pferd von Leonie Pander brach kürzlich bei einem Ausritt plötzlich zusammen und verstarb. Auch in diesem Fall wird eine Aortenruptur als mögliche Ursache diskutiert. Der Fall zeigt, wie aktuell und präsent das Thema weiterhin ist und dass die Experten noch immer nach Erklärungen suchen.
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