Melanie Wienand
Die Para-Dressurreiterin Melanie Wienand aus Arnsberg wird künftig im Talentpool für Förderpatenschaften der Stiftung Deutscher Pferdesport unterstützt. Eine Spendergemeinschaft begleitet damit ihren weiteren sportlichen Weg.
Pferde spielen im Leben der Sauerländerin seit ihrer Kindheit eine zentrale Rolle. Nach ersten Erfahrungen im Voltigieren begann sie zu reiten und bemerkte schnell, dass Pferde für sie weit mehr als nur ein Hobby waren. Während ihres Studiums in Osnabrück besserte sie ihre Finanzen auf, in dem sie Pferde für andere ritt. Es folgten Stationen in den USA und schließlich eine Tätigkeit als Auktionsreiterin in Verden.
Dort machte sich Wienand innerhalb kurzer Zeit einen Namen. Wenige Wochen vor ihrem folgenschweren Unfall präsentierte sie den Hengst Lemony’s Nicket auf einer Auktion. Er war das seinerzeit teuerste bei einer Auktion verkaufte Reitpferd Deutschlands.
Im Jahr 2011 änderte jedoch ein Reitunfall ihr Leben grundlegend. Wienand erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, lag vier Wochen im Koma und musste anschließend viele grundlegende Fähigkeiten neu erlernen. Sprechen, Schreiben und Gehen wurden zur täglichen Herausforderung. Bis heute lebt sie mit Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen.
Den Weg zurück in den Sattel begann sie Schritt für Schritt. Erste Reitversuche auf einem Islandpferdehof gaben ihr neue Zuversicht. Schon damals wurde ihr bewusst, dass die Verbindung zu Pferden trotz aller Einschränkungen bestehen geblieben war.
Eine besondere Rolle übernahm dabei Lemony’s Loverboy. Das Pferd stammt von jenem Hengst ab, den Wienand kurz vor ihrem Unfall selbst präsentiert hatte. Was zunächst als Herzensprojekt begann, entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen sportlichen Partnerschaft.
Gemeinsam schafften es Wienand und Loverboy bis an die internationale Spitze des Para-Dressursports. Zu ihren größten Erfolgen zählen Einzel-Bronze und Team-Silber bei den Europameisterschaften in Riesenbeck, die Nominierung als Ersatzreiterin für die Paralympischen Spiele in Paris sowie Team-Gold bei der Europameisterschaft im niederländischen Ermelo.
Die Aufnahme in den Talentpool der Stiftung Deutscher Pferdesport stellt für die Para-Reiterin eine wichtige Unterstützung dar. Neben der finanziellen Förderung sieht sie darin auch eine Anerkennung ihres bisherigen Weges. Darüber hinaus engagiert sich Wienand für die Sichtbarkeit des Para-Sports. Gemeinsam mit ihrer Team-Kollegin Regine Mispelkamp rief sie die Initiative „100 für 100“ ins Leben. Ziel ist es, mehr Aufmerksamkeit für den Para-Sport zu schaffen und zusätzliche Unterstützer für Inklusion und sportliche Teilhabe zu gewinnen.