Los geht´s nach Aachen für Kathrin Meyer und Kappi © S. Lafrentz

Los geht´s nach Aachen für Kathrin Meyer und Kappi

Für einige unserer Teilnehmer sind die Weltmeisterschaften in Aachen der erste große Meilenstein in ihrer Karriere. Andere sind nach 20 Jahren wieder dabei, so wie Isabell Werth in der Dressur – und denken noch nicht ans Aufhören. Bei Kathrin Meyer aus Hamburg ist das ein wenig anders. Die 25 Jahre alte Voltigiererin hat in ihrer Karriere alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Und jetzt möchte sie sich anderen Dingen in ihrem Leben widmen. Aachen soll der perfekte Abschluss einer großen Karriere werden.

Seit frühester Kindheit dabei

Voltigieren ist Kathrin Meyers Leben. Sie betreibt ihren Sport schon seit frühester Kindheit. Zunächst motiviert durch eine Freundin im Kindergarten. So begann sie bei Ivonne Heitmann in Tangstedt mit dem Voltigieren, wechselte bald zum FV Hoisbüttel und traf dort auf Ruth Jückstock. Mit 13 absolvierte sie ihre ersten Deutschen Juniorenmeisterschaften, nahm 2015 bis 2018 jährlich am Preis der Besten in Warendorf teil. Mit dem bis M*-erfolgreichen Dressurpferd ihrer Mutter Sonja Meyer ging es weiter in den großen Sport. Zunächst war Nina Vorberg ihre Longenführerin, dann ihre Mutter. Der Durchbruch im Topsport gelang dann 2019 mit dem Wechsel nach Fredenbeck und Longenführerin Gesa Bührig. Ihren ersten WM-Titel holte sie mit der Gruppe und im Nationenpreis mit Capitain Claus von Gesa Bührig 2021. Wenig später wurden die Siege von Kathrin Meyer mit Capitain Claus und Familienpferd San Classico, der mittlerweile in Rente ist, zur Selbstverständlichkeit. Bis jetzt. Bis zum letzten großen Event in Aachen in ein paar Wochen.

Kathrin Meyer und Capitain Claus OLD

Spektakuläre Übungen: Dafür sind Kathrin Meyer und Capitain Claus bekannt. (© S. Lafrentz)

Verlasspferd Capitain Claus OLD

Für Kathrin Meyer ist Capitain Claus OLD, oder ‚Kappi’wie sie ihn nennt, Verlasspferd und Freund. Zusammen mit Longenführerin Gesa Bührig bilden sie ein eingespieltes Team – und das muss auch so sein, sonst funktioniert das Turnen auf dem Pferd nicht auf diesem hohen Niveau. „Wir haben bereits im vergangenen Jahr neue, komplexe Übungen mit einem hohen Schwierigkeitsgrad in unsere Kür eingebaut, damit sie in dieser Saison schon gefestigt und sicher abrufbar sind. In den letzten Wochen vor der WM geht es daher vor allem um den Feinschliff: Choreografie, Videoanalysen der letzten Wettkämpfe sowie kleine technische Anpassungen, die wir nun noch vornehmen können. Das Ziel ist natürlich, dass am Ende alles bis ins letzte Detail passt. Aber das war vor jedem Championat so. Es ist jetzt nicht noch intensiver als sonst.“

Kathrin Meyer und Capitain Claus mit Gesa Bührig in Herning 2022

Kathrin Meyer und Capitain Claus mit Gesa Bührig in Herning 2022 (© www.sportfotos-lafrentz.de / Dirk Caremans)

Nur 20 Minuten gemeinsam pro Woche

Erstaunlich ist, was Kathrin Meyer uns in Sachen Training mit ‚Kappi‘  verrät: „Wir trainieren pro Woche nur 20 Minuten gemeinsam. Er läuft zwar rund zwei Stunden Voltigiertraining, allerdings besteht ein großer Teil davon aus Aufwärmen und Schrittpausen zwischen den Galopprunden. Kappi wird zudem dreimal pro Woche dressurmäßig geritten. An zwei Tagen hat er ein lockeres Programm mit beispielsweise Bodenarbeit oder einem Ausritt. Mein eigenes Training setzt sich aus Techniktraining am Boden und auf dem Movie [also dem sich bewegenden mechanischen ‚Pferd‘], Krafttraining, Physiotherapie sowie Modern Dance und Ballett zusammen. Insgesamt komme ich dadurch auf etwa 15 bis 20 Trainingsstunden pro Woche.“

Riesige Vorfreude auf Aachen

Alles für das große Ziel, für diesen letzten Auftritt: „Am meisten freue ich mich auf das Heimpublikum und darauf, dass so viele Freunde und Familienmitglieder Karten gekauft haben und vor Ort dabei sein werden. Ich würde sagen, ich empfinde gerade eine gute Mischung aus allem: Aufregung, Anspannung und Vorfreude. Aber die Vorfreude überwiegt definitiv. Es ist einfach ein tolles Gefühl, mit meinem Verlasspartner Kappi noch einmal vor dieser Kulisse auftreten zu können. Kappi und ich haben uns ja schon vor über acht Jahren kennengelernt und er war mehrfach Ersatz für San Classico – und was für einer mit seinen vielen Siegen. Seit letztem Jahr sind wir wieder ein festes Team und zusammengewachsen, beispielsweise auch durch seinen EM-Sieg. Er gibt mir bei diesem Schritt zum Abschluss ganz viel Sicherheit.“

Planung ist wichtig

„Gesa erstellt die gesamte Jahresplanung für Hufschmied-, Tierarzt- und Physiotherapietermine bereits vor Saisonbeginn. So können alle Maßnahmen optimal auf die Turnierplanung abgestimmt werden“, berichtet Kathrin Meyer. „Die Fütterung wird von Gesa in enger Absprache mit den Experten von Masterhorse geplant. Dabei wird immer individuell auf die Bedürfnisse des Pferdes eingegangen und bei Bedarf angepasst.“

Und wenn es dann tatsächlich gleich losgeht? Ist sie schon aufgeregt?

„Natürlich sehr, aber positiv. Die Sachen für das Pferd packen wir meistens direkt nach dem letzten Training vor der Abfahrt. Für Aachen wird das vermutlich schon am Donnerstag sein. Mit meinem eigenen Koffer beginne ich meist etwa eine Woche vorher, damit ich noch genügend Zeit habe, eventuell fehlende Dinge zu besorgen. Große Veränderungen nehmen wir kurz vor dem Championat nicht mehr vor dann sollte alles stehen.“

Kathrin Meyer und Kappi beim Weltcup-Finale in Basel 2025.

Tiefe Dankbarkeit. Kathrin Meyer und Kappi beim Weltcup-Finale in Basel 2025. (© www.sportfotos-lafrentz.de / Stefan Lafrentz)

INTERVIEW: ALEXANDRA KOCH

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