Durch guten Brandschutz im Pferdestall einen Stallbrand verhindern © IMAGO/TT

Ein Stallbrand hat viele mögliche Ursachen – und wenn Pferde in Panik geraten, bleibt wenig Zeit.

Furchtbare Brandkatastrophen versetzten Stallbetreiber und Pferdebesitzer immer wieder in Angst und Schrecken – darunter auch bekannte Opfer: So brannte die renommierte Hengststation Bachl aus Bayern nach einen Blitzschlag ab, auf dem Erlenhof von Familie Rothenberger löste ein technischer Defekt ein verheerendes Feuer aus und beim Ausbildungsstall Mieleszko-Vekens in Paderborn stand zumindest zunächst Brandstiftung als Feuerursache im Raum.

Zu den häufigsten Brandursachen in Stallungen gehören: Brandstiftung, Blitzschlag, Zigarettenkippen, Funkenflug bei Reparaturen im Stall, schadhafte elektrische Anlagen und selbstentzündetes Heu. Auch die Gefahr durch flächendeckende Waldbrände nimmt zu. Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den einzelnen Brandauslösern und vor allem, wie Sie Ihren Stall und Ihre Pferde schützen können.

Brandschutz im Pferdestall: Unbedingt Funkenflug vermeiden!

Einfach umzusetzen und sehr effektiv: Ein Rauchverbot sollte nicht nur für den Stallbereich und in der Reithalle gelten, in der Nähe von Stroh- und Heulagern sind Glimmstängel ebenfalls absolut tabu! Wer Sicherheit groß schreibt, hält einfach sein gesamtes Betriebsgelände zigarettenfrei und dokumentiert das Rauchverbot mit entsprechenden Schildern.

Bei Arbeiten in der Reitanlage ist darauf zu achten, dass keine Reparaturen durchgeführt werden, die Funkenflug verursachen können (z.B. Schweiß-, Schleif-, Trennarbeiten). Deshalb dürfen zum Beispiel die Hufschmiedearbeiten nur in Arealen verrichtet werden, die ausreichenden Abstand zu brennbaren Materialien haben. Wenn das Pferd auf der Stallgasse beschlagen wird, ist diese vorher von Stroh und Heuresten zu reinigen, denn schließlich ist das glühende Eisen eine Zündquelle.

Am besten steht für solche solchen Arbeiten zusätzlich stets ein Feuerlöscher bereit. Nach Beendigung der „funkelnden“ Arbeiten sind unbedingt Kontrollen durchzuführen, um zu überprüfen, ob durch Funkenflug oder Glutspritzer brennbare Substanzen zu schwelen begonnen haben.

Hufschmied mit glühendem Hufeisen am Pferdehuf

Bei der Hufbearbeitung sind Hitze und Funken nicht unüblich. Hier gilt besondere Vorsicht! (© Carsten Vogt)

Um nicht vom Blitz getroffen im Brand zu geraten müssen Reiterhöfe gegen Blitzschlag geschützt werden. Insbesondere bei allein liegende Reitanlagen müssen alle Ihre Gebäude mit wirksamen Blitzschutzanlagen versehen sein. Das Risiko eines Blitzeinschlages ist bei exponierten Gehöften ungleich größer als innerhalb einer geschlossenen Bebauung.

Sauberkeit im Pferdestall ist aktiver Brandschutz

„Sauberkeit und Ordnung“, das ist ein wichtiges Gebot bei der Brandvorsorge. Ungesichert aufbewahrte brennbare Stoffe und „wilde Müllkippen“ sind sehr häufig Ausgangspunkte von folgenschweren Bränden. Der gesamte Stallbereich sollte möglichst staubfrei gehalten werden, und das nicht nur der Pferdelungen wegen. Staubentwicklung kann ein erhebliches Risiko darstellen; in Extremfällen kommt es sogar zu Staubexplosionen.

Folgende Faustregel gilt in der Praxis: Wenn eine 25-Watt-Glühlampe aus einer Entfernung von zwei Metern eben nicht mehr zu sehen ist, hat ein zwischen Auge und Lampe befindliches Staub-Luft-Gemisch eine Konzentration von 40 g/m³. Eine Staubexplosion oder mindestens eine Verpuffung ist dann möglich. Elektrogeräte, die Wärme erzeugen können, müssen ebenfalls regelmäßig und bei Bedarf von Staub und Schmutz befreit werden.

Wichtig ist darüber hinaus das regelmäßige Spinnweben-Fegen. Die klebrigen Fäden wirken im Brandfall nämlich wie Zündschnüre und beschleunigen das Ausbreiten der Flammen.

Staub wegkehren als Brandschutz im Pferdestall

Staub ist im Stall unvermeidbar. Da er rasend schnell verbrennen, verpuffen und sogar Explosionen hervorrufen kann, ist die Reinigung von Pferdeställen auch als Brandschutzmaßnahme essenziell. (© Adobe Stock / Nadine Haase)

Brandauslöser Elektrogerät

Elektrische Leitungen und Elektrogeräte – und vor allem aber auch alte Leuchtröhren ohne sogenannte „F-Kennzeichnung“  – dürfen nicht an brennbarem Material (z.B. auf Holzbalken) befestigt werden. Bei neueren Lampen entfällt die Kennzeichnung. Alle, die die Anforderungen nicht erfüllen, müssen jetzt mit einem Warnhinweis versehen werden.

Die Brandgefahr gilt im Übrigen auch für Leuchtstofflampen, die mit Vorschaltgeräten ausgestattet sind: Normalerweise erwärmen sich die Vorschaltgeräte dieser Lampen zwar nur geringfügig, doch fällt die aus, kann sich die Apparatur auf bis zu 200 °C, bei Defekt in demselben sogar bis auf das Doppelte erhitzen. So entstehen – meist unbemerkt – gefährliche Zündquellen!

Aus gleichem Grund sollten defekte Lampen immer sofort repariert oder entfernt werden…

Auch beim Strom gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht

Elektrische Anlagen sollten regelmäßig von Profis überprüft werden. Reparaturen an Elektrogeräten dürfen selbstverständlich  nur von autorisierten Fachleuten durchgeführt werden. Doch auch die tägliche Aufmerksamkeit aller im Stall agierenden Personen kann Brände verhindern. Funktioniert eine Steckdose nicht, bedeutet das, dass irgendwo im Leitungsgeflecht nun ein Stromstau besteht. Funkensprühende Steckdosen sind ebenfalls eine Gefahr und müssen gemeldet und durch Profis ausgetauscht werden.

Nicht zu unterschätzen sind auch in die Jahre gekommene Kleingeräte wie Wasserkocher, Föhn oder Kaffeemaschinen. Sie sind unauffällige und völlig unterschätzte Risikofaktoren, die über Kurzschlüsse, Kabelbrände oder Funkenflug eine tödliches Inferno auslösen können.

Brandschutz im Pferdestall: Kein Raufutter fürs Feuer!

Von Heu und Stroh geht eine doppelte Brandgefahr aus. Zum einen brennt das luftige, getrocknete Material wie Zunder und bietet gierigen Flammen reichlich leichte Nahrung. Um nicht zu viel Brandlast im Stall zu haben, sollten wirklich nur die täglich zum Einstreuen und Füttern benötigten Mengen im Gebäude sein.

Feuerwehrleute löschen brennendes Heu

Heu und Stroh brennen leider hervorragend. Besonders die mögliche Selbstentzündung ist eine Gefahr für Stall und Pferde. (© IMAGO/5VISIONS.NEWS)

Zum anderen sind Heu und Stroh unter Umständen aber auch selber Brandherde: Faktoren für die Selbstentzündung von Heu und Stroh sind:

  • Feuchtigkeit
  • nachträgliche Durchfeuchtung
  • starke Pressung

Wenn eine risikofreie Bevorratung erreicht werden soll, darf die Restfeuchtigkeit des einzulagernden Heus keinesfalls über 20 Prozent liegen. Die Erwärmung des Futters auf Werte um 40 °C ist absolut normal. Ja, sie muss sogar vorhanden sein, denn sonst könnte die Fermentation des Futters nicht abgeschlossen. Aber bis zum Eintritt der Temperatur in den „brenzligen Bereich“ ist nur noch ein geringes Ansteigen auf 60 °C nötig – eine schwache Erwärmung, die innerhalb weniger Stunden geschieht.

ein Haufen brennendes Heu

Heu und Stroh brennen leider hervorragend. Besonders die mögliche Selbstentzündung ist eine Gefahr für Stall und Pferde. (© AdobeStock / Fabio Roncaglia)

Heu und Stroh regelmäßig kontrollieren

  • Die Temperatur des Lagerguts sollte regelmäßig per Heustocksonde gemessen werden.
  • Beobachtungen wie Muldenbildung oder brandige Geruchswahrnehmungen sind Anzeichen eines kurz bevorstehenden Brandausbruchs.
  • Bei der Lagerung von Heu und Stroh ist darauf zu achten, die Massen auf kleinere Stapel zu verteilen. So wird die Lagerdichte nicht allzu groß, die Wärmeabfuhr ist besser gewährleistet. Auch Hockdruckballen müssen mit einem ausreichenden Zwischenraum gestapelt werden.

Steigendes Brandrisiko durch den Klimawandel

Der Klimawandel erhöht das Risiko für Waldbrände deutlich, das liegt nicht nur auf der Hand sondern ist auch durch Studien, wie beispielsweise die neueste Erhebung des Forschungsnetzwerks World Weather Attribution (WWA) belegt.

Wenn extreme Hitze und Trockenheit häufiger werden, steigt auch die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Feuerwetterlagen. Hinzu kommen vermehrt (trockene) Unwetter mit Blitz und Donner und starken Stürmen. Dabei können sich Brandeinschläge viel Luft verschaffen um schnell und weitflächig zu wüten.

Auch die Ausbreitung sogenannter niedriger Vegetation, wie sie nach feuchten milden Wintern und anschließender trockener Hitze zu beobachten ist, unterstützt das rasante Vorwärtskommen von Buschfeuer. Hier übrigens kommen Vierbeiner wie Schafe, Rinder aber auch Pferde als natürliche Fire-Fighter ins Spiel. In ihrer Rolle als „Landschaftspflegetiere“ sollen sie den Boden „sauber“- und Brandschneisen fressend freihalten.

Pferde in der Steppe, Blitz im Hintergrund

Zwei klimawandelbedingte „Brandbeschleuniger“: Die Ausbreitung von niedriger Vegetation und mehr trockene Unwetter mit Blitzen. (© AdobeStock / hlxandr)

3 Technische Helfer für effektiven Brandschutz im Pferdestall

Es gibt eine Reihe von technischen Gerätschaften, die helfen, Brände zu verhindern, sie frühzeitig zu melden, oder sie wirksam zu bekämpfen.

1. Die Fehlerstrom-Schutzeinrichtung

Wirklich hilfreich ist bei der Brandvorsorge eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung. Das kleine aber effektive Schutzgerät wird im Sicherungskasten installiert und schützt nicht nur vor gefährlichen Stromschlägen sondern auch, um Brände durch defekte Kabel zu verhindern, denn es schaltet den gesamten Strom bei auffälligen Messungen einfach ab.

2. Rauchmelder für den Pferdestall

Um einen Brand im Keim ersticken zu können, zählt jede Sekunde. Alarmierende Rauchmelder, wie man sie aus dem Zuhause kennt, eignen sich für den Stallbereich allerdings nicht. Diese Frühwarnsysteme arbeiten mit einer foto-optischen Linse: Bei Rauchausbreitung wird diese Linse getrübt,  die Apparatur setzt die Sirene in Gang: Dieses Prinzip führt in Stallungen allerdings häufig zu Fehlalarm, da auch aufgewirbelter Staub den Melder auslöst und davon gibt es in Stallgebäuden nun mal reichlich.

Sogenannten Multisensormelder sind für den Stall bessere Brandmelder. Sie sind vor der Einwirkung von Stäuben geschützt und reagieren zudem auf einen bedenklichen Temperaturanstieg. Es ist übrigens in der Bauvorschrift des Stallgebäudes klar festgelegt, wo die Geräte angebracht werden müssen. Lebensrettende Technik bietet auch eine Entrauchungsanlage: Solche eine Rauch- und Wärmeabzugsanlage leitet im Brandfall giftigen Rauch und heiße Gase gezielt aus dem Stall. Sie schützt dadurch Leben, reduziert Stallschäden und verhindert, dass Tiere ersticken.

Feuermelder im Pferdestall

Solche Multisensorekleinen-Feuermelder sind für Ställe optimal. Bei Hitzeentwicklung lösen sie zuverlässig aus. (© AdobeStock / CrimeScene)

3. Sprinkleranlagen und baulicher Brandschutz im Pferdestall

Sprinkleranlagen können im Brandfall guten Dienste liefern und die Löscharbeiten wirkungsvoll einleiten und unterstützen. Auch an sonstigen baulichen Brandschutz sollte beim Neubau von Reitanlagen gedacht werden. Dazu zählt unter anderem die Verwendung entsprechend schwer entflammbarer Materialien sowie das Einteilen der Gebäude in Abschnitte durch Brandwände und feuerbeständige Türen.

Aufgrund der aktuell anhaltenden Hitze und den Bränden vielerorts in Europa, hat sich Ihr HOOFORIA-Team entschieden, eine kleine Serie an Artikeln zum Thema „Stallbrand“ zu veröffentlichen. Sie finden alle gesammelt unter hooforia.com/stallbrand.

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