Impression WM Aachen 2026 © S. Lafrentz

Wir blicken hinter die Kulissen der WM. Welche Glücksbringer begleiten unsere Stars und was ist wichtiger als jede Medaille?

Zuvor haben wir deutsche Weltmeisterschaft-Kandidatinnen und -Kandidaten auf ihrem Weg nach Aachen begleitet. Nun ist es so weit! Hinter den Kulissen wird in Aachen kontrolliert, organisiert, geplant und immer wieder auf- oder umgebaut. Wir werfen einen Blick auf die Weltmeisterschaft abseits der Prüfungen – dorthin, wo große Geschichten beginnen, lange bevor die erste Medaille vergeben wird.

HOOFORIA hat im Vorhinein mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern der WM gesprochen und wollte von ihnen wissen, welche Glücksbringer nicht fehlen dürfen, wenn es drauf ankommt, und welche Erfahrung wichtiger ist als jede Medaille. Hier sind die Antworten auf unsere beiden Fragen von unserem WM-Quartett im Parasport:

Was gibt Regine Mispelkamp bei der Weltmeisterschaft in Aachen Kraft?

Ich habe eine Fliegenmütze, die mich seit meinem ersten Para-Auftritt begleitet. Ich benutze sie zwar nicht mehr am Pferd, aber sie reist im Turnierschrank mit. Außerdem habe ich ein Bild mit zwei Männchen, das mir viel bedeutet. Denn ich sehe es mittlerweile so, dass ich durch das Öffentlichmachen meiner Erkrankung und meine innere Akzeptanz mein Glück selbst in die Hand genommen habe.

Eine Goldmedaille ist für mich eine Bestätigung unseres Trainings – mit viel Glück und Tagesform. Aber der Weg dorthin ist viel wichtiger und wertvoller: die Erfahrungen mit dem Pferd, alles, was man dabei über sich selbst lernt.

Regine Mispelkamp auf ihrem Pferd

Mit Freude Richtung Weltmeisterschaften: Regine Mispelkamp. (© Stefan Lafrentz)

Das gibt Helen Brandt Sicherheit

Mein materieller Glücksbringer ist eine Kette mit einem Ring, das letzte Geschenk meiner verstorbenen Oma. Und ich habe noch einen kleinen Anhänger, den mir meine Trainerin Melanie Schroll geschenkt hat. Bei den Personen sind vor allem mein Mann und meine Trainerin meine Glücksbringer.

Wertvoller als jede Goldmedaille ist für mich die Gesundheit meiner Pferde und auch meine eigene. Denn sie kann eine Goldmedaille erst ermöglichen und bildet für mich somit das Fundament für alles!

Helen Brandt klopft ihr Pferd

Brav gemacht: Helen Brandt setzt bei der WM auf eine Kombination aus materiellen und menschlichen Glücksbringern. (© Stefan Lafrentz)

So bereitet sich Anna-Lena Niehues auf die Weltmeisterschaft in Aachen vor

Ich habe keinen festen Glücksbringer. Ich versuche, mein Pferd und mich immer so gut wie möglich vorzubereiten, sodass ich mit einem sicheren und guten Gefühl starten kann. Wenn ich aber jemanden als Glücksbringer bezeichnen müsste, dann wäre das wohl meine Freundin Tabea. Sie ist als Pferdepflegerin an meiner Seite und begleitet mich seit meinem ersten Para-Turnier. Allein zu wissen, dass sie da ist, gibt mir Ruhe und ein gutes Gefühl.

Es gibt viele Dinge, die für mich wertvoller sind als jede Goldmedaille.

An erster Stelle stehen natürlich mein Mann und meine Tochter. Danach kommen die Menschen, die mich auf meinem Weg treu begleiten und unterstützen. Und natürlich ist mir meine Gesundheit wichtiger als jede Goldmedaille. Im Parasport hat sie noch einmal eine ganz besondere Bedeutung. Sportlich betrachtet ist eine Goldmedaille das Ergebnis jahrelanger Arbeit und Ausbildung. Für mich wäre sie auch eine Bestätigung dafür, dass ich diesen Weg gemeinsam mit meinem Pferd richtig gegangen bin.

Anna-Lena Niehues und ihr Pferd bereiten sich auf Weltmeisterschaft Aachen vor

Vorbereitung als Schlüssel: Anna-Lena Niehues setzt für die WM auf minutiöse Planung. (© Stefan Lafrentz)

Mit diesem Motto geht Heidemarie Dresing an den Start

Mein Glücksbringer ist ein guter Plan fürs Championat! Mein Leitspruch ist:

Glück hat nur der Tüchtige!

Mein lieber Mann ist mir natürlich viel wichtiger als jede Goldmedaille. Und dass meine geliebten Vierbeiner gesund und glücklich sind, ist mir ebenfalls unheimlich wichtig. Dass ich immer wachsam bin und richtig in sie hineinhören kann.

Heidemarie Dresing auf ihrem Pferd

Das Pferd im Mittelpunkt: Für Heidemarie Dresing ist das Wohlergehen des Tieres wichtiger als jede Medaille. (© Stefan Lafrentz)

Ohne diesen Glücksbringer geht für Kathrin Meyer bei der Weltmeisterschaft Aachen nichts

Mein Glücksbringer ist mein „Partner in crime“ Capi. Ohne ihn geht nichts, wäre ich nicht hier in Aachen, könnte ich all dies hier nicht erleben. Meine Longenführerin Gesa hat Glückshufeisen von ihm. Die helfen bestimmt auch.

Wichtiger als jede Goldmedaille sind uns beiden, also Gesa und mir, unsere Tiere und Familien.

Kathrin Meyer und ihr Capi

Noch einmal gemeinsam zum großen Auftritt: Voltigiererin Kathrin Meyer und ihr Capi haben Aachen fest im Blick. (© Stefan Lafrentz)

Julia Krajewski spricht über ihren größten Rückhalt

Menschlich wird mich wieder mein Freund Pietro Roman unterstützen. Er ist nicht nur mein Partner, sondern auch mein Coach und war in Tokio, Pratoni und Paris dabei. Daher hat er sich längst ganz sicher als Glücksbringer qualifiziert.

Medaillen sind natürlich schon das Ziel als Sportler und auch der Antrieb. Aber die meiste Freude bereitet es mir, wenn ich die Menschen, die mich unterstützen, stolz machen und ihnen Freude bereiten kann. Die Gesundheit von meinen Pferden und Menschen, die mir nahestehen, würde ich aber sofort gegen alle Medaillen eintauschen.

Julia Krajewski und ihr Pferd bereiten sich für die Weltmeisterschaft in Aachen vor

Medaille als Ziel, aber nicht um jeden Preis: Olympiasiegerin Julia Krajewski empfindet Gesundheit als höchstes Gut. (© Stefan Lafrentz)

Wer Anna Mareike Meier den Rücken stärkt

Ich habe gar keine materiellen Glücksbringer, aber meine Glücksmenschen: In Aachen sind mein Ehemann und meine Tochter dabei. Über diesen Rückhalt freue ich mich unglaublich.

Wertvoller als jede Goldmedaille ist natürlich die Gesundheit meiner Familie, meiner Pferde und unseres ganzen Teams. Dies weiß man leider oft erst dann zu schätzen, wenn es nicht so ist.

Anna Mareike Meier im Vierspänner

Setzt auf die Unterstützung ihrer Familie: die erfahrene Vierspänner-Fahrerin Anna Mareike Meier. (© Stefan Lafrentz)

Der wichtigste Check der Weltmeisterschaft in Aachen

Noch bevor die erste Medaille vergeben wird, entscheidet sich für jedes Pferd, ob es überhaupt an den Weltmeisterschaften teilnehmen darf. Denn ohne ein „Accepted“ beim Vet-Check gibt es keinen Start.

Zwar werden die Pferde bereits zuhause, bei Sichtungen sowie bei Vorbereitungslehrgängen engmaschig tierärztlich betreut. Die entscheidende Gesundheitskontrolle erfolgt jedoch erst auf dem Championat.

So läuft der Vet-Check ab

„Zunächst prüfen wir den Pferdepass und lesen den Chip aus. Anschließend wird das Pferd im Schritt und Trab auf hartem Boden vorgestellt, damit wir Lahmheiten sicher ausschließen können“, erklärt FEI-Tierarzt Dr. Matthias Baumann, Mannschafts-Olympiasieger der Vielseitigkeit von 1988. Sein Fazit: An den Start dürfen nur Pferde, die zu hundert Prozent fit sind.

Damit endet die Gesundheitskontrolle allerdings nicht. Fast jedes Team reist mit einem eigenen Mannschaftstierarzt an, zusätzlich überwachen Reiter und Pfleger den Gesundheitszustand ihrer Pferde täglich – unter anderem durch regelmäßiges Messen der Temperatur. Denn das Wohl der Pferde hat auch während der Weltmeisterschaft oberste Priorität.

FEI-Tierarzt Dr. Matthias Baumann

In Aachen an der Seite der Reiterinnen und Reiter und der Pferde: FEI-Tierarzt Dr. Matthias Baumann. (© Stefan Lafrentz)

Besonderes Mutter- und Tochter-Duo bei der Weltmeisterschaft in Aachen

Für Meredith Michaels-Beerbaum schließt sich bei den Weltmeisterschaften in Aachen ein Kreis. Vor zwanzig Jahren gewann sie mit ihrem legendären Shutterfly Doppelbronze und durfte damals die Einzel-Medaille von Bundeskanzlerin Angela Merkel entgegennehmen.

Nun wird Tochter Brianne in Aachen mit von der Partie sein. Zwar (noch) nicht als Teilnehmerin, doch die 16-Jährige ist Teil der Eröffnungsfeier. Und da wir die beiden als Mutter-Tochter-Gespann ohnehin in der kommenden Ausgabe vorstellen, haben wir ihnen ebenfalls unsere beiden Fragen gestellt.

Meredith Michaels-Beerbaum, Brianne Michaels-Beerbaum, Markus Beerbaum

Familie über alles: Für Meredith Michaels-Beerbaum schließt sich bei der WM ein Kreis. Tochter Brianne ist bei der Eröffnungsfeier dabei. Das freut natürlich auch Papa Markus Beerbaum. (© Stefan Lafrentz)

Welcher Glücksbringer Meredith Michaels-Beerbaum nie verlässt

Ich habe 1985 in Del Mar bei einem großen Turnier im Alter von 15 Jahren einen Gürtel im Western-Stil mit einer Silberschnalle und blauen Saphiren gewonnen. Dieser Gürtel hat mich zu allen Turnieren begleitet. Und ich hatte noch einen anderen Gürtel, der speziell für mich von einem Freund unserer Familie hergestellt wurde, der mir aber immer zu eng war.

Diesen Gürtel habe ich meiner Tochter gegeben. Es sind farbenfrohe Ms darauf gestickt. Ich habe Bri diesen Gürtel für ihre ersten Ritte gegeben, und er passt ihr heute immer noch. Wir haben also beide einen Glücksgürtel. Viel wichtiger als jede Goldmedaille ist für mich die Gesundheit und das Glück meiner Familie.

Wie Brianne Beerbaum die Weltmeisterschaft in Aachen erleben möchte

Den Glücksgürtel hat meine Mama ja schon erwähnt. Für mich sind meine Pferde und meine Familie das größte Glück, das ich mir im Leben vorstellen kann. Unser Motto für diese Weltmeisterschaften heißt „Welcome Home“. Wir möchten die bestmöglichen Gastgeber sein, für Pferde, Reiter und alle Zuschauer.

Wenn sich jeder hier zu Hause fühlt und es uns gelungen ist, die Menschen aus der ganzen Welt für die Veranstaltung und für den Reitsport zu begeistern, dann können wir ein positives Fazit ziehen.

So luxuriös wohnen Pferde und Grooms

Ein eigens für die WM gebautes modernes Stallgebäude beherbergt „Ross und Reiter“ in insgesamt 204 großzügig dimensionierten Boxen, die hinsichtlich Stallklima, Licht und Funktionalität neun Standards entsprechen.

Im neuen Stalltrakt sorgen kurze Wege und ein eigener, großzügiger Bereich mit Verpflegungs- und Rückzugsmöglichkeiten ausschließlich für die Grooms für Entlastung im intensiven Turnieralltag. Auch das Thema Barrierefreiheit wurde bautechnisch umgesetzt, sodass Inklusion hier im weltmeisterlichen Miteinander gelebt wird.

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