Eine Stunde Uhr zurück heißt es heute.
Am letzten Wochenende im Oktober endet in Deutschland die Sommerzeit. Die Uhren werden umgestellt. Ganz genau um 3.00 Uhr tief in der Nacht wird der Zeiger auf 2.00 Uhr zurückgedreht. Das bedeutet: Der Sonntag ist eine Stunde länger als üblich. Und: Wir können eine Stunde länger schlafen …
Wie reagieren Menschen und Pferde auf die Zeitumstellung?
Die gewonnene Stunde führt, ebenso wie die fehlende Stunde zum Start der Sommerzeit am letzten Wochenende im März, regelmäßig zu Kontroversen. Ob das Zwei-Zeiten-Modell Sinn ergibt und wenn ja, für wen, wird heiß diskutiert. Fest steht: Jedwede Zeitumstellung bring den Biorhythmus kurzfristig durcheinander. Bei Mensch und Tier – bei Reiter und Pferd. Wenn auch nicht im gleichen Maß!
Gestörter Biorhythmus und Mini-Jetlag
Bei Menschen äußert sich der gestörte Biorhythmus durch das Zurückstellen der Uhren unter anderem mit Müdigkeit, zeigt sich in Schlafproblemen Konzentrationsschwächen und manchmal auch in Kopfschmerzen. Warum das so ist? Unsere innere Uhr tickt. Regelmäßig. Der Körper folgt dabei einem festen 24-Stunden-Takt, der maßgeblich durch natürliches Tageslicht gesteuert wird. Nun gerät unser konstanter Rhythmus durcheinander, unser gewohnter Ablauf stimmt plötzlich nicht mehr mit den äußeren Lichtverhältnissen überein und wir erleben im Zuge der Zeitumstellung sozusagen einen Miniatur-Jetlag.
Auch wenn nun bei der Umstellung auf die Winterzeit theoretisch eine Stunde mehr Schlaf in der Nacht der Umstellung möglich ist, bekommen viele Menschen dann in den folgenden Nächten Schlafprobleme, leiden unter den oben genannten Symptomen.
Warten auf Futter: Unruhe durch Zeitumstellung im Pferdestall
Unsere Pferde bemerken die Zeitumstellung im Grunde nur durch die etwas längeren Wartezeiten auf ihr Futter, denn in Bezug aufs Fressen haben sie eine sehr gut gehende innere Uhr. Das Warten auf ihre regelmäßigen Mahlzeiten kann deshalb in den ersten Tagen der „neuen Zeit“ für ein wenig Unruhe sorgen. Viele Stallbetreiber regeln das, indem sie die Futterzeiten schrittweise anpassen. Sie verzögern in der Woche vor oder nach dem Stichtag das Füttern im Viertelstundentakt. Das ist eine Maßnahme, die aus der Nutztierhaltung bestens bekannt und bewährt ist.
Gerade in Turnierställen ist die Umstellung der Uhr und die damit verbundene Zeitverschiebung in der Regel noch unproblematischer, da die Pferde von den Turnieren her gewohnt sind, dass die Fresszeiten mal um eine halbe Stunde vor- oder rückverlegt werden. Wobei das frühere Füttern für die Pferde durchaus leichter „zu verdauen“ ist, als das Ausharren bis zur Futterausgabe um einige verspätete Minuten. Eine Extra-Portion Raufutter ist für Pferde der beste Zeitvertreib, um bis zum Krippenfutter geduldig auszuharren.
Winterzeit – dunkle Zeit
Die Winterzeit ist ohne Frage eine dunkle Jahreszeit. Und daran ist eigentlich nicht die Zeitumstellung Schuld! Denn der früheren Dämmerung am Nachmittag setzt das Zurückdrehen der Uhren ja zumindest für ein Weilchen mehr Morgenlicht entgegen. Die natürliche Helligkeit fehlt, weil die Sonnenstrahlen in dieser Zeit flacher auf die Nordhalbkugel treffen als im Sommer. Dadurch sind die Tage zwar nicht wirklich „kürzer“, denn genau genommen hat jeder Tag 24 Stunden, egal ob im Sommer oder im Winter. Aber das Tageslicht zwischen Morgengrauen und blauer Stunde ist somit deutlich reduziert. Genau dieser Lichtmangel ist es, der Mensch und Pferd die dunklen Monate über ein wenig träge werden lässt.
Träge Pferde im Winter? Energiesparmodus ist der Grund
Wenig Nahrung, Lichtmangel und kühle Temperaturen kennzeichnen die dunkle Winterzeit. Im Grunde ist das Herunterfahren des Energielevels von Mensch und Tier eine Reaktion auf diese äußeren Umstände und ein ganz natürlicher, absolut sinnvoller Prozess, der evolutionär tief verwurzelt ist. Wer wenig Nahrung zur Verfügung hat, muss Energie sparen und die Energie, die vorhanden ist, zum Heizen des Körpers nutzen und nicht um Einerwechsel oder Zwei-Meter-Oxer zu springen. So jedenfalls hat es die Natur vorgesehen.
Licht und Hormone
Die Hormone reden beim Winterschlaf-Modus von Ross und Reiter ein gehöriges Wörtchen mit: Für die typische Abgeschlagenheit im Winter ist vor allem das Zusammenspiel aus zwei zentralen Hormonen verantwortlich, deren Produktion stark vom fehlenden Tageslicht beeinflusst wird: Das Schlafhormon Melatonin und das Glückhormon Serotonin.
Weil die Tage kürzer und dunkler sind, produziert der Körper mehr Melatonin, macht also von innen heraus müde. Den Wachmacher Serotonin hingegen stellt der Organismus nun nur noch auf Sparflamme her, denn seine Produktion wird vom Sonnenlicht angekurbelt.
Hinzu kommt, ein Vitamin D-Mangel: Da der Körper für die Bildung Sonnenlicht benötigt, leeren sich die Speicher zwischen Oktober und März. Ein ausgeprägter Mangel an Vitamin D verstärkt die Erschöpfung während der grauen Monate.
Weide und Vitamine – Was Pferden gegen Lichtmangel hilft
Eine gewissen Wintermüdigkeit ist also bei Reiter und Pferd absolut nachvollziehbar. Sie sollte sich aber nicht zu einem veritablen Winterblues auswachsen. Um die Winterzeit leidlich fit und frohgemut zu überstehen, gibt es eine Reihe von Erste Hilfe-Maßnahmen gegen Winterdepressionen, die tatsächlich auch bei Pferden regelmäßig attestiert werden.
Tagsüber sollten Pferd so viel natürliches Licht wie möglich bekommen. Weidegang oder aber zumindest Auslauf auf einem matschfreien Paddock bieten sich hier ebenso an wie Ausritte, die dann auch dem Reiter eine kleine Lichtdusche verpassen. Selbst bei schlechtem Weter übrigens!
Nahrungsergänzungsmittel oder Futtermittelzusätze können darüber hinaus wertvolle Impulse für mehr Energie und Leistungsfähigkeit liefern. Auch Wärme in jedweder Form hilft beim Wohlfühlen im Winter und gegen die typischen Kälte-Wehwehchen.
Licht und Fellwechsel
Wie sehr Pferde auf Sonnenlicht reagieren, beweist auch das Thema Fellwechsel. Hier zeigen Studien nämlich, dass es nicht primär die steigenden oder fallenden Temperaturen sind, die den Fellwechsel in Gang bringen. Es ist vielmehr die Tageslichtdauer, die zur Produktion oder zum Ausfall des Winterfells führt. Bereits die Sommersonnenwende am 21. Juni konnten Forscher als Startgeber für erste Schritte in Richtung Winterpelz konkretisieren.
Gefahr durch Wildunfälle in der Dämmerung
Einstaller, die erst nach der Arbeit oder dem Schulschluss zum Pferd fahren können, kommen jetzt beim Einbreche der Dunkelheit am Stall an. Die Fahrt durch die Dämmerung erhöht das Risiko mit Wild zu kollidieren: In der Dämmerung sind die Wildtiere besonders aktiv, begeben sich auf Futtersuche und überqueren dabei die Straßen. Insbesondere auf weniger befahrenen ländlichen Straßen steigt das Unfallrisiko durch den Wildwechsel stark an. Vorsicht ist deshalb angesagt auf dem täglichen Weg zum Stall und eine angemessene Fahrweise angeraten – langsam und mit Abblendlicht. Wichtig zu wissen ist auch: Die Wildtiere sind in Gruppen unterwegs. Läuft ein Tier über die Straße folgen in der Regel noch weitere. Also gilt: Abwarten bis der ganze Schwung die Fahrbahn passiert hat.
Winterzeit, Normalzeit
Die jetzige Winterzeit – viel wissen das gar nicht mehr – ist übrigens unsere „ Normalzeit“.
Warum normal? Zum einen ist sie die Zeit, die vor der Einteilung in Sommer- und Winterzeit bei uns galt. Zum anderen entspricht diese Tagesstruktur unserer inneren biologischen Uhr eher als die Sommerzeit. Erstmals wurde der Zeitenwechsel 1916 in Deutschland während des Ersten Weltkriegs vollzogen. Damals wurde die Uhr um eine Stunde vorgestellt, um durch das längere Tageslicht Rohstoffe und Energie insbesondere für die Rüstungsindustrie zu sparen. Zahlreiche andere Länder von Großbritannien über Frankreich bis zu Teilen Kanadas folgten im selben Jahr.
Danach wurde dieser Turnus aber immer wieder für lange Zeit unterbrochen. Seit 1980 nun gilt der Wechsel zwischen der Winter- und der Sommersaison regelmäßig. Übrigens gibt es die Zeitumstellung größtenteils nur in Europa, Nordamerika und einigen weiteren Staaten wie Neuseeland. Selbst Teile Australiens verzichten, ebenso wie fast ganz Asien, Südamerika und Afrika.



