Wer möchte nicht bei einem gemütlichen Filmabend mit Zaina durch die Wüste galoppieren?
Herbst, Winter, Vorweihnachtszeit – sie alle haben etwas gemein. Es wird um uns herum kühler und auch ein bisschen ruhiger. Zeit für gemütliche Zeit zu Zweit oder mit der Familie. Und Zeit für den einen oder anderen Filmabend. Natürlich am besten mit einem Pferdefilm. Für alle, die „Ostwind“, „Flicka“ und „Bibi und Tina“ schon rauf und runter geschaut haben und auch mit „Secretariat“ und „Seabiscuit“ vertraut sind, hat HOOFORIA fünf Filme zusammengetragen, die nicht auf jeder Pferdefilm-Liste zu finden, aber dennoch sehr sehenswert sind!
1) Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm (Hidalgo)
2004
Mit Viggo Mortensen, Omar Sharif. Regie: Joe Johnston
Der Film erzählt die Geschichte von Halbindianer Frank T. Hopkins und seinem historischen Ritt auf Mustang Hidalgo durch die arabische Wüste im Jahre 1890. Allerdings ist der Film ist kein historisches Porträt, sondern ein fiktionalisiertes Abenteuer, das auf den Erzählungen Frank T. Hopkins‘ aufbaut.
Frank ist ein erfahrener Distanzreiter und tritt mit seinem Pferd Hidalgo in Buffalo Bills Wildwestshow auf. Doch er trägt schwer an seinen Erlebnissen rund um das Massaker an den Indianern von Wounded Knee. Dadurch ist er traumatisiert, trinkt zu viel und hat den Halt verloren. Sein Mustang Hidalgo ist für ihn weit mehr als ein Arbeitspferd, sondern sein engster Vertrauter. Als ein arabischer Scheich von Franks Fähigkeiten erfährt, lädt er ihn zu einem außergewöhnlichen Wettbewerb ein: dem sogenannten „Ocean of Fire“, einem rund 3.000 Meilen langen Rennen durch die arabische Wüste. Die Herausforderung ist provokant. Frank soll mit seinem amerikanischen Mustang gegen arabische Vollblüter antreten …
„Hidalgo“ wirkt wie ein Western mit völlig neuem Setting und wird gerade dadurch interessant. Auch wenn einige Klischees bedingt werden, gibt es fantastische Landschaftsaufnahmen, mitreißende Rennszenen und jede Menge abenteuerliche Handlung. Viggo Mortensen führte fast alle Pferde-Stunts selbst aus. Nach den Dreharbeiten erwarb Viggo Mortensen das Pferd RH Tecontender (Kurzform: T.j.), eines der fünf Paint Horses, welche Hidalgo verkörperten.
2) Zaina – Königin der Pferde (Zaïna, cavalière de l’Atlas)
2005
Mit Aziza Nadir, Simon Abkarian. Regie: Burlem Guerdjou
Ein besonderer Pferdefilm ist „Zaina – Königin der Pferde“ schon allein durch seinen Handlungsort. Denn der Film spielt in der marokkanischen Wüste. Zaina ist ein elfjähriges Mädchen, dessen Mutter stirbt und das dadurch bei seinem Vater leben muss, den es nie kennengelernt hatte. Kaum hat Zaina sich dem Nomaden angeschlossen, kommt es auch schon zur ersten Begegnung mit Zingal, dem prächtigen, aber unbändigen Zuchthengst des Vaters. Zwischen Zaina und dem Pferd entsteht eine emotionale Verbindung. Schwieriger ist das Verhältnis zum Vater, der ein sehr veraltetes Weltbild für die Frau verkörpert. Zaina dürfte seiner Meinung nach nie an dem großen Rennen in Marrakesch teilnehmen, obwohl sie mit Zingal dort das beste Pferd unter dem Sattel hätte.
In wunderschönen Bildern inszenierte der französische Regisseur mit marokkanischen Wurzeln, Bourlem Guerdjou, die Geschichte eines Mädchens, das selbstbestimmt leben möchte. Die Kultur Marokkos spielt im Film ebenso eine Rolle wie die emotionale Geschichte des kleinen Mädchens, das sich zunächst völlig verloren einen Platz in der Welt erkämpfen muss. Die Musik verdient ein Extra-Lob. Sie trägt maßgeblich dazu bei, dass man sich in eine völlig andere Welt versetzt glaubt.
3) Gefährten (War Horse)
2011
Mit Jeremy Irvine, Emily Watson. Regie: Steven Spielberg
Sechs Oscar-Nominierungen inklusive Bester Film.
Regisseur Steven Spielberg inszenierte den Weltkriegs-Film als die Geschichte eines Pferdes aus dessen Perspektive. EDie Kamera folgt seinen Augen und seinem Weg durch die Wirren einer schweren Zeit. Trotz harter Arbeit vor dem Pflug hat “Joey” ein gutes Leben und einen echten Freund, den Bauernsohn Albert. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verändert alles.
Tatsächlich zählt der Film trotz der zahlreichen Oscar-Nomnierungen und weiteren Auszeichnungen zu den unbekannteren Werken der Regie-Legende Steven Spielberg. Dabei hat er eine ganz besondere Art des Erzählens. Denn als Zuschauer nimmt man die Perspektive von Pferd Joey ein. 146 Minuten sind dabei recht lang, aber es wird nicht langweilig. Im Gegenteil: Manchmal ist der Film sogar sehr schwere Kost und die Bilder müssen erst einmal verdaut werden. Dennoch gibt es große Emotionen, welche in stimmungsvollen Bildern und durch die bewegende Musik von John Williams übermittelt werden.Beeindruckend sind sowohl die Schlachtenszenen des Ersten Weltkrieges als auch die leisen Töne zwischendurch, wenn nur ein junger Mann und ein Pferd füreinander da sind. Der Galopp von Joey durch den Schützengraben bleibt wohl lange im Gedächtnis derer, die sich für diesen Film entscheiden, der Zeit braucht, nachwirkt, zum Nachdenken anregt.
4) Die Legende der weißen Pferde (The Legend of Longwood)
2014
Mit Lucy Morton, Miriam Margolyes. Regie: Lisa Mulcahy
In der niederländisch-irischen Co-Produktion geht es um die zwölfjährige Mickey Miller. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder in New York. Als die Familie aufgrund einer Erbschaft nach Longwood in Irland zieht, ist Mickey zunächst alles andere als begeistert. Sie vermisst ihr bisheriges Leben und hofft außerdem noch immer auf die Rückkehr ihres Vaters, der bei einer Expedition in Ägypten verschwunden ist. Doch die neue Heimat birgt Geheimnisse. Denn hier leben die faszinierenden Connemara Ponys.
Mickey erfährt von der jahrhundertealten Legende eines geheimnisvollen schwarzen Ritters. Einst war er ein angesehener Herrscher, doch nachdem seine Tochter entführt worden war und sieben Kinder bei einem verheerenden Feuer ums Leben kamen, soll er einen Fluch über Longwood gebracht haben. Der Legende zufolge sind die Seelen der sieben Kinder in weißen Pferden gefangen.
Auch wenn der Film eher Kinder und Jugendliche anspricht, ist er auch für Erwachsene, gerade in der Winterszeit, ein kuschelig-schönes Märchen. Die Verbindung von Pferdeabenteuer, Fantasy und irischer Sagenwelt funktioniert und die irisichen Landschaften sind einfach immer sehenswert und wecken die Lust auf eine Reise nach Irland.
5) The Rider
2017
Mit Brady und Tim Jandreau. Regie: Chloe Zhao
Cannes Filmfestival Art Cinema Award
Eine bewegende Geschichte, die auf beeindruckende Weise mit Laiendarstellern verfilmt wurde. Im Mittelpunkt steht Brady Blackburn, der beim Rodeo eine beinahe tödliche Kopfverletzung erlitten hat. Für Brady ist diese Diagnose mehr als das Ende einer sportlichen Karriere. Er hat kaum eine Vorstellung davon, wer er ohne Pferde und Rodeo sein soll. Er kämpft mit den Folgen und wird ein Leben lang eingeschränkt bleiben. Doch Pferde sind und bleiben sein Leben und er möchte wieder zurück in den Sattel. Als er trotz seiner Verletzung erneut in den Sattel steigt, wird deutlich, wie stark seine Sehnsucht nach dem früheren Leben ist.
Zu den stärksten Szenen des Films gehören die Momente, in denen Brady mit Pferden arbeitet. Er beobachtet ihre Reaktionen, passt sich ihren Bewegungen an und versucht, Vertrauen aufzubauen. Brady Jandreau spielt eine fiktionalisierte Version seiner selbst; sein Vater, seine Schwester und mehrere Freunde treten ebenfalls auf. Das verleiht dem Film eine dokumentarische Qualität, ohne dass er eine klassische Dokumentation ist.
Alle Filme sind auf BluRay/DVD erhältlich. Bis auf „Zaina“ sind alle über Streaming-Dienste wie Amazon Prime, Google Play und YouTube verfügbar. „Zaina“ läuft als Stream derzeit ausschließlich auf Joyn.




