Pferde eindecken – sinnvoller Schutz oder gut gemeinter Fehler?


Bild vergrößern Pferdekörper: Ist Pferde eindecken im Winter sinnvoll?

Pferde eindecken kann sinnvoll sein – wenn Bedürfnisse, Witterung und Management zusammengedacht werden. (© Christiane Slawik)

Haben Sie schon gewusst, dass Pferde im Winter ihre eigene „eingebaute Heizjacke“ aktivieren können? Winzige Muskeln unter der Haut stellen dabei das Fell auf und schaffen ein isolierendes Luftpolster – ein hocheffektives, natürliches Wärmesystem, das selbst eisige Temperaturen abpuffert.

Pferde haben von Natur aus eine perfekte Thermoregulation. Dieses macht es ihnen möglich, Temperaturen im Minusbereich sowie Wind und Regen standzuhalten. Die Wohlfühltemperatur des Pferdes liegt zwischen 5 und 25 Grad Celsius. Der Mensch dagegen fühlt sich bei 15 bis 25 Grad wohl.

Für Pferde, die regelmäßig geritten werden sollen, ist der dicke Winterplüsch jedoch hinderlich: Schweiß trocknet nur sehr langsam und kann, gerade bei zusätzlichem Zug, zu Atemwegsinfektionen führen. Dies kann man sowohl durch das Scheren des Pferdes als auch durch frühzeitiges Eindecken beeinflussen. Einige Dinge gilt es dennoch zu beachten.

Pferde eindecken

Typisches Deckensammelsurium im Reitstall, um für jede Witterung gewappnet zu sein. (© Christiane Slawik)

Worauf beim Pferde eindecken geachtet werden muss

  • Spätestens alle zwei Tage sollte man die Decke für kurze Zeit abnehmen. Die Haut kann dann besser atmen, und man kann potenzielle Druckstellen sehen. Außerdem kann man nur beim abgedeckten Pferd seinen Körperzustand beurteilen.
  • Geschorene Pferde brauchen Decken im Winter, weil man ihnen die Möglichkeit zur Thermoregulation nimmt.
  • Wichtig: Decken nicht nur nach dem Winter waschen, sondern auch zwischendurch. Alle drei Wochen – das ist tatsächlich die ideale Reinigungsfrequenz für Pferdedecken!
  • Pferdedecken je nach Witterung wechseln, damit die Thermoregulation nicht völlig aus dem Gleichgewicht gerät.
Pferde eindecken

Pferde eindecken ist gut gemeint, braucht aber Sachverstand. (© Christiane Slawik)

Wärmequellen vor dem Reiten

Wärme entspannt die Muskulatur, fördert die Durchblutung und hilft dem Körper, Schmerzen sowie Entzündungsstoffe schneller abzubauen. So arbeiten die Muskeln effizienter, und das Verletzungsrisiko sinkt. Deshalb kann es durchaus sinnvoll sein, im Winter noch eine Wärmequelle vor dem Reiten hinzuzuziehen. Welche Methode am besten geeignet ist, hängt jedoch stark von der Art der Wärmequelle ab.

Ganz wichtig: Ob mit oder ohne vorheriges Wärmen, Sie müssen ausreichend Schritt reiten! Denn nur so werden die Gelenke mit ausreichend Gelenkflüssigkeit versorgt. Minimum im Winter: 15 Minuten. Und noch besser: Sich selber neben dem Pferd warmlaufen, damit der eigene Körper ebenfalls schon vor dem Reiten aufgewärmt ist.

Warmes Wasser

Pferde nehmen im Winter oftmals weniger Wasser auf und können sogar dadurch Verstopfungskoliken bekommen. Bei der Gabe von warmem Wasser kann die Wasseraufnahme um bis zu 40 Prozent gesteigert werden. Außerdem verbraucht der Körper weniger Energie, um das Wasser im Magen zu erwärmen.

Tränke

Warmes Wasser kann im Winter die Flüssigkeitsaufnahme fördern und entlastet den Stoffwechsel. (© Christiane Slawik)

Wärmflasche, Dinkelkissen

Zu Hause gemacht und dann mit in den Stall genommen, ist man unabhängig von Warmwasser oder Mikrowellen. Wichtig: Verbrennungen möglich, daher bitte nur höchstens auf 45 Grad erwärmen!

Warmer Wickel

Gezielte Wärme kann die Muskulatur vor dem Reiten entspannen – bei sachgemäßer Anwendung. (© Privat)

Solarium

Der ideale Abstand zwischen Solarium und Pferd liegt bei 60 bis 80 Zentimetern. Eine Dauer von 25 Minuten sollten Sie nicht überschreiten. Danach ganz wichtig: Nicht wieder direkt in die Kälte stellen, sondern die Wärme mit Nierendecken oder einer zusätzlichen Wolldecke halten!

Solarium

Wärme aus dem Solarium kann die Durchblutung fördern – Abstand und Dauer sind entscheidend. (© Christiane Slawik)

Wärmedecke

Es gibt diverse Decken, die eine extra Portion Wärme spenden sollen. Ein Beispiel sind Decken mit Keramikpartikeln, welche die Körperwärme des Pferdes reflektieren. Auch Heizdecken, Decken mit Edelsteinpulver (Turmalin) oder gar Plastikstacheln (Akupressurdecken) sind auf dem Markt und können zum Eindecken der Pferde genutzt werden.

Pferde eindecken

Beim Pferde eindecken gilt: Nicht jede Decke passt zu jedem Pferd oder jeder Situation. (© arnd.nl)

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