Bei diesem Test musste sich unsere Testerin Melissa mit verschiedenen Reitmänteln in die Kältekammer stellen – bei minus zehn Grad und strammem Wind von hinten. Welche Modelle haben überzeugt?
Wenn der Winter Einzug hält und die Temperaturen langsam unter den Gefrierpunkt rutschen, zeigt sich, welche Reitmäntel wirklich etwas taugen. Genau das wollte unsere Redaktion herausfinden – und wie immer stellte sich die Frage: Wie testen wir so neutral, objektiv und praxisnah wie möglich? Ein einfacher Ausritt genügt schließlich nicht, wenn Hunderte Leserinnen und Leser ihrem Equipment – in diesem Fall dem Reitmantel für den Winter – später bei Schnee, Wind und klirrender Kälte vertrauen sollen.
Mit dem Winter-Reitmantel ab in die Kühlkammer
Also begann die Überlegung schon Wochen vorher mit einer Diskussion, die eigentlich ganz harmlos startete: „Können wir nicht einfach in einer Skihalle testen?“ Doch schnell war klar: Konstante Bedingungen? Fehlanzeige. Eine künstliche Winterlandschaft ist zwar schön, aber weder die Temperatur noch der Wind lassen sich zuverlässig reproduzieren. Ein Labor oder gar eine Kältekammer erschienen da deutlich besser geeignet. Also suchten wir eine mobile Kühlkammer, die auf minus 20 Grad runterkühlen kann. Doch wohin damit? Das Redaktionsgebäude hat leider keinen Starkstromanschluss…
Fündig wurden wir schließlich ganz in der Nähe, auch thematisch passend: ein Reiterhof vor den Toren Hamburgs, gut erreichbar, ausreichend Platz – und bereit, ein paar frostige Experimente zu ermöglichen. Doch wo Kälte gemessen wird, braucht es auch die richtige Technik. Also startete die nächste Recherche: Wärmebildkamera, externe Wärmesensoren für die Hautoberfläche und Datenlogger für eine verlässliche Aufzeichnung.

„Gefühlte Kälte“? Nicht bei uns! Wir setzen die Wärmebildkamera ein, um vergleichbare und faire Ergebnisse zu erzielen. (© Telletic / Jahr Media)
Reitmantel für den Winter: Der Testaufbau
Mit Standort und Equipment stand die nächste Frage im Raum: Wie schaffen wir faire, wiederholbare Testbedingungen? Denn wer neutral bewerten will, darf nichts dem Zufall überlassen. Deshalb entschieden wir uns für standardisierte Kleidung unter den Mänteln: immer dieselbe Hose, dieselben Schuhe, dieselbe Kopfbedeckung. Gleiches Aktivitätslevel. Gleich lange Testintervalle. Gleich viel Zeit zwischen den Messungen.
Die Testbedingungen auf einen Blick:
- Eine Testerin (Melissa)
- Sieben verschiedene Reitmäntel
- Identische Kleidung unter jedem Mantel
- Temperatur konstant bei –10 °C
Der perfekte Winter-Reitmantel muss auch Wind abkönnen
Ein Punkt blieb allerdings heikel: der Windchill-Effekt. Jeder, der in der Winterzeit ausreitet, weiß: Kälte ist eine Sache, aber Kälte mit Wind ist eine ganz andere. Doch wie bildet man Wind zuverlässig nach? Die naheliegende Lösung kam diesmal aus einer ganz anderen Branche, nämlich der Filmwelt. Dort wird häufig mit professionellen Windsimulatoren gearbeitet, um stürmische Szenen realistisch darzustellen. Genau so ein Gerät kam schließlich bei unserem Test zum Einsatz – und lieferte uns reproduzierbare Windstärken ohne unberechenbare Wetterkapriolen.
All diese Überlegungen, Umwege und Entscheidungen führten zu einem Testaufbau, der so zuverlässig und praxisnah wie möglich ist. Damit wir Ihnen am Ende kein Bauchgefühl präsentieren, sondern belastbare Ergebnisse, auf die Sie sich verlassen können.
Der Ablauf des winterlichen Reitjacken-Tests
So lief der Test im Kältecontainer bei –10 °C ab.
| Phase | Dauer | Bedingungen | Messung |
| 1. Standphase | 5 Minuten | Ohne Wind, Bewegung minimal | Hauttemperatur |
| 2. Windphase | 5 Minuten | Windmaschine von hinten | Wärmeverlust über Sensoren |
| 3. Bewegungsphase | 5 Minuten | Ohne Wind, leichte Bewegung | Oberflächentemperatur per Wärmebildkamera |
Dabei wurde die Hauttemperatur über Sensoren und die Oberflächentemperatur per Wärmebildkamera gemessen. Das Ergebnis: knallharte Daten und ehrliche Eindrücke.
Wärmebildkameras – Was zeigen sie wirklich?
Wie sind die Aufnahmen von Wärmebildkameras zu verstehen? Wärmebildkameras erfassen keine „Kälte“ oder „Wärme“ im eigentlichen Sinne, sondern die Infrarotstrahlung, die von Oberflächen abgegeben wird. Das bedeutet:
- Helle Bereiche auf dem Bild = höhere Oberflächentemperatur
- Dunkle Bereiche = geringere Oberflächentemperatur
Die Kamera misst nicht, wie warm es sich anfühlt, sondern wie viel Wärme nach außen dringt. Eine Jacke, die außen „kälter“ erscheint, isoliert in der Regel besser, weil weniger Körperwärme nach außen entweicht. Die Werte hängen stets von äußeren Bedingungen ab: Wind, Feuchtigkeit oder Materialbeschaffenheit beeinflussen das Ergebnis.
Wichtig ist daher: Eine Wärmebildaufnahme ist kein ästhetisches Foto, sondern ein technisches Messbild – sie hilft zu beurteilen, wie effektiv eine Jacke Wärme speichert oder entweichen lässt.
Test-Ergebnisse der sieben Winter-Reitmäntel
Mountain Horse Royal Saga Coat
Ich habe direkt gemerkt, wie viel der flauschige Kragen bringt. Da habe ich auch mein Gesicht drin versteckt.

Mit seinem flauschigen Kragen überzeugte der Mountain Horse Royal Saga Coat unsere Testerin. (© Telletic)
Messergebnisse
| Temperaturabfall | nach 5 Min. (Stillstand) | nach 10 Min. (Wind) | nach 15 Min. (Bewegung) |
| Haut | – 0,2 | – 0,44 | – 0,96 |
| Material | – 8,3 | – 10 | – 13,1 |
Details zum Mountain Horse Royal Saga Coat
- Wärmender Kragen
- Wasser- und Winddichtes Material
- Schützende Frontleiste
- Lange Passform
- UVP: 239,00€
- Hersteller/Vertrieb: Mountain Horse
Der Mountain Horse Felica Coat im Test
Dieser Mantel ist sehr lang und hat mich an den Beinen wärmer gehalten als das Modell davor.
Messergebnisse
| Temperaturabfall | nach 5 Min. (Stillstand) | nach 10 Min. (Wind) | nach 15 Min. (Bewegung) |
| Haut | – 0,57 | – 1,23 | – 1,98 |
| Material | – 11 | – 10,3 | – 14,4 |
Details des Mountain Horse Felica Coat
- Windschützende Konstruktion
- Reflektierende Elemente
- Federweiche Wattierung
- Elastisches Innenbündchen
- Preis: 189,00€
- Hersteller/Vertrieb: Mountain Horse
Der Kältesieger: Equestrian Stockholm Denali
Im Laufe des Tests habe ich nicht so sehr gefroren wie davor.
Messergebnisse
| Temperaturabfall | nach 5 Min. (Stillstand) | nach 10 Min. (Wind) | nach 15 Min. (Bewegung) |
| Haut | – 0,19 | – 0,5 | – 1,16 |
| Material | – 8,4 | – 8,7 | – 4,8 |
Details des Equestrian Stockholm Denali
- Umklappbare Ärmel
- Doppelte Front
- Hohe Waschbeständigkeit
- Isolierung bis -20 Grad
- UVP: 279,00€
- Hersteller/ Vertrieb: Equestrian Stockholm
Le Mieux Hydroshield Robe
Es wäre ein absolut unschlagbarer Herbstmantel.
Messergebnisse
| Temperaturabfall | nach 5 Min. (Stillstand) | nach 10 Min. (Wind) | nach 15 Min. (Bewegung) |
| Haut | – o,19 | – 0,64 | – 1,37 |
| Material | – 13,1 | – 12,6 | – 10,3 |
Details der Le Mieux Hydroshield Robe
- Feuchtigkeitsabweisendes Fleecefutter
- Winddichtes Bündchen
- Atmungsaktives Material
- Langer Oversize-Schnitt
- UVP: 230,95€
- Hersteller/Vertrieb: Le Mieux
Der Mantel mit dem höchsten Tragekomfort: Pikeur Raincoat
Ich habe fast gar nicht gefroren und kann mir vorstellen, dass der Mantel auch im Winter zum Reiten gut geeignet ist.
Messergebnisse
| Temperaturabfall | nach 5 Min. (Stillstand) | nach 10 Min. (Wind) | nach 15 Min. (Bewegung) |
| Haut | – 0,68 | – 1,12 | – 1,46 |
| Material | – 13,1 | -10,1 | -10,1 |
Details zum Pikeur Raincoat
- Softes Obermaterial
- Magnetische Knöpfe
- Angenehmes Meshfutter
- Wasser- und winddicht
- UVP: 279,95€
- Hersteller/Vertrieb: Pikeur
PS of Sweden Diane
Die PS of Sweden hat mich sehr viel wärmer gehalten als erwartet.
Messergebnisse
| Temperaturabfall | nach 5 Min. (Stillstand) | nach 10 Min. (Wind) | nach 15 Min. (Bewegung) |
| Haut | – 0,28 | – 1,28 | – 0,77 |
| Material | – 15 | – 18,8 | – 14,7 |
Details zur PS of Sweden Diane
- Geschützter Stauraum
- Abnehmbarer Rock
- Abnehmbare Kapuze
- Extrawarme Pufferkonstruktion
- UVP: 299,00€
- Hersteller/Vertrieb: PS of Sweden
Unser Preis-Leistungs-Sieger: Cavallo Cavalreza
Ich sehe den Mantel so im höheren Mittelfeld.
Messergebnisse
| Temperaturabfall | nach 5 Min. (Stillstand) | nach 10 Min. (Wind) | nach 15 Min. (Bewegung) |
| Haut | – 0,21 | – 0,35 | – 1,22 |
| Material | – 16.1 | – 14 | – 11,9 |
Details zur Cavallo Cavalreza
- Gutschließende Kapuze
- Fleecegefütterte Taschen
- Fake-Daunen-Füllung
- 2-Wege-YKK-Reißverschluss
- UVP: 179,90€
- Hersteller/Vertrieb: Cavallo






