Für das Podium reichte es nicht ganz für die deutschen Teilnehmer beim Weltcup der Dressurreiter in Neumünster.
Am Ende waren es zwei andere Nationen, welche den Sieg in der Weltcup-Dressur von Neumünster unter sich ausmachten. Belgien stand gemeinsam mit Portugal auf dem Podium. Ganz vorn bei der Siegerehrung befand sich dieses Mal aber nicht der Vortagessieger und Einzel-Europameister Justin Verboomen mit seinem elfjährigen Oldenburger Hengst Djembe de Hus von Damon Hill. Trotz einer schön anzusehenden, harmonischen Vorstellung unterliefen den beiden ein paar Fehler, die sie zu einem Endergebnis von 81,985 Prozent führten. Den Sieg holte sich Verboomens Teamkollegin Larissa Pauluis mit ihrem 16 Jahre alten Routinier Flambeau von Ampere aus der niederländischen Zucht. Den beiden gelang es, sich fehlerfrei, kraftvoll und ausdrucksstark mit 84,015 Prozent von der Konkurrenz abzusetzen. Es war eine persönliche Bestleistung für das über lange Jahre gemeinsam agierende Paar, welches bereits 2021 und 2024 an den Olympischen Spielen, 2022 an den Weltmeisterschaften sowie 2021, 2023 und 2025 an den Europameisterschaften teilgenommen hat.
„Wir kennen uns in und auswendig“, betonte Pauluis. „Und wir teilen eine lange gemeinsame Geschichte. Diese vielleicht beste Kür unseres Lebens war ein besonderer Moment für uns. Ich glaube, Flambeau mag dieses Turnier sehr, weil er sich in dieser eigentlich schwierigen Arena unglaublich wohl fühlt. Er war während der gesamten Prüfung ganz bei mir. Besonders die Piaffe-Passage-Tour war heute sehr ausdrucksstark. Es war ein großes Vergnügen, ihn zu reiten.“ Obgleich sie nun in der Weltcup-Wertung nach dem Sieg in Neumünster sowie einem weiteren Erfolg bei ihrem Heimturnier in Mechelen führt, ließ sie den Start beim Finale in den USA offen: „Im Moment ist das Wichtigste unser Team. Mein Ziel ist die Nominierung für die Weltmeisterschaften in Aachen und perspektivisch die Olympischen Spiele.“
Platz zwei für Justin Verboomen
Shooting Star Justin Verboomen freute sich derweil mit der Teamkollegin. „Ich wusste schon vor dem Einreiten, dass der Schritt heute schwierig werden könnte – wegen der Atmosphäre und des Publikums“, erklärte Verboomen. „Ich habe die ganze Zeit versucht, ihn bei mir zu halten. Am Ende hat er sich zwar entspannt, aber da war es schon zu spät. Trotzdem bin ich stolz auf ihn – auch wenn es heute noch besser hätte sein können. Für Larissa bin ich unheimlich glücklich, dass sie diese Traumkür zeigen und gewinnen konnte!“
Rang drei ging an den Portugiesen João Pedro Moreira mit dem elfjährigen Fürsten-Look-Sohn Drosa Fürst Kennedy OLD. Er freute sich über seinen Platz auf dem Poduim mit 81,080 Prozent. „Neumünster ist weltweit ein bedeutendes Turnier – gerade für mich, da ich in Deutschland lebe“, beschrieb er. „Nach Mechelen habe ich meine Saison geplant und wusste sofort, dass ich hier reiten möchte. Es war es mir wichtig, eine fehlerfreie, harmonische Prüfung zu zeigen. Kennedy ist ein besonderes Pferd, und ich habe ihm wieder gesagt: Bitte hilf mir heute durch die Prüfung. Trotz seiner geringen Erfahrung hat er sich großartig angefühlt – besonders in der Trabtour. Ich bin unglaublich stolz auf ihn.“
Platz vier und fünf für Deutschland
Bester Deutscher wurde Raphael Netz auf Platz vier. Er hatte sein Top-Pferd Great Escape Camelot, 15 Jahre alter Johnson-Sohn, mit zum Top-Turnier nach Neumünster gebracht. Tags zuvor im Grand Prix waren die beiden noch mit Platz drei auf das Podium geritten. Dieses Mal verpassten sie es knapp mit 80,940 Prozent. Kleinere Unsicherheiten sorgten für eine etwas niedrigere Wertung als bei den Paaren auf dem Podium. Dennoch freute sich Netz einmal mehr über eine Top-Platzierung und die endgültige Sicherheit, dass es für ihn und eines seiner Pferde aus Weltcup-Niveau – neben Camelot ist dies Dieudonné – nach Fort Worth/Texas geht.
„Klar wünscht man sich immer den Sprung auf das Podium“, so Netz. „Aber das Wichtigste ist, dass man mit der eigenen Leistung zufrieden ist, beziehungsweise reflektiert, an welchen Stellen diese noch besser sein kann.“
Immer mit der Reflexion der eigenen Leistung beschäftigt und hochprofessionell ist auch der 22 Jahre junge Moritz Treffinger unterwegs. In Neumünster gab es einen weiteren Erfolg mit dem fünften Platz auf dem bereits 17 Jahre alten Fiderdance vom Gestüt Bonhomme. Auch der Sohn des Fidertanz aus der Oldenburger Zucht überzeugte mit 78,365 Prozent. Damit darf sich Treffinger womöglich ebenfalls auf eine Reise in die USA freuen. Noch ist es nicht ganz sicher, aber die Zeichen stehen gut. Ingrid Klimke wurde mit First Class Achte, Laura Strobel mit Sisters Act OLD Neunte.
Durch ihren Sieg übernimmt Larissa Pauluis mit nun 67 Punkten die Führung in der Westeuropa-Liga. Raphael Netz rutscht auf Rang zwei, Becky Moody bleibt Dritte. Justin Verboomen verbesserte sich deutlich von Platz zwölf auf Rang drei.
Alle Ergebnisse aus Neumünster gibt es hier.



