Mentaltraining für Reiter – Tipps für mehr Selbstvertrauen


Bild vergrößern Mentaltraining für Reiter: Pferd im Regen

Eine beliebte Ausrede: Das vermeintlich schlechte Wetter. Pferde sind jedoch nicht aus Zucker. (© Adobe Stock)

Traumhaft: Selbstsicher eine Runde im Gelände drehen oder in der Dressur punkten. Damit der Traum kein Wunschtraum bleibt, hilft es, auf sich selbst zu schauen, statt Ausreden zu suchen.

„Wer zu mir kommt, der vermutet, dass er mentale Unterstützung braucht“, sagt Ursula Weber, die Mentaltraining für Reiter anbietet. Reiter wollen ihre eigenen Unsicherheiten oder Ängste, die starken Einfluss auf das Selbstbewusstsein haben, oft nicht wahrhaben. Stattdessen werden erst alle anderen Optionen ausgeschöpft. Haltung, Futter, Sattel et cetera vom Pferd geprüft, häufig mehrmals.

„An sich selbst denken die Reiter erst spät“, sagt sie. Das hat etwas damit zu tun, dass es immer noch ein Tabuthema sei, an seiner mentalen Verfassung zu arbeiten. Und damit, dass der Leidensdruck hoch sein muss. „Hilfe in Anspruch zu nehmen ist kein Anzeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Das ist vielen noch nicht bewusst, weil das Mentaltraining im Reitsport erst in den vergangenen Jahren populärer wurde“, sagt sie.

Wie frühe Prägungen das Reiten beeinflussen

„Als Kind brauche ich Liebe, Zuspruch und Anerkennung“, erklärt die Mentaltrainerin. Fehle etwas davon, prägt dies das restliche Leben und beeinflusst das Selbstvertrauen. Auch die Leistungsgesellschaft, in der wir leben, übt Druck auf den Reiter aus. „Viele wollen das Allerbeste für ihr Pferd und sind darauf bedacht, keine Fehler zu machen und blockieren sich damit selbst“, erklärt Ursula Weber mögliche Auswirkungen.

Wer unter Ängsten leidet, ohne sie genau einordnen zu können, neigt zu Ausreden oder Ausflüchten. Wer sich dabei ertappt, kann sich selbst „Stopp!“ sagen, auch laut. Eine probate Vorgehensweise, um sich auf sich und nicht auf außen zu fokussieren. „Wenn man anfängt, sich auf sich zu besinnen, wird es leichter“, erklärt sie und weiß, dass es vielen schwerfällt, die Gedankenspirale zu verlassen.

Mentaltraining für Reiter: Hilfe annehmen

„Aber wenn ich in einem Loch sitze, sollte ich aufhören, weiter in den negativen Gedanken zu graben und mir vielleicht Hilfe holen“, sagt sie und betont, dass Mentaltraining keine Psychotherapie ist, die bei psychischen Erkrankungen notwendig ist. Ihr ist wichtig, das deutlich voneinander abzugrenzen.

Gründe, warum etwas vermeintlich nicht funktionieren wird und warum man sich nicht mit seinen Ängsten, Unsicherheiten und seinem mangelnden Selbstvertrauen auseinandersetzen möchte, hat Ursula Weber schon viele gehört: „Die beliebteste Ausrede ist das Wetter“, erklärt Ursula Weber, die weiß, dass mehr dahinter steckt, als nur nicht im Regen reiten zu können. „Wer sagt, er kann nicht, der will nicht. Sie versagen nicht, sie geben vorzeitig auf“, sagt Ursula Weber.

Wenn Reiten zum Geduldsspiel wird

„Wenn ich mir allerdings meiner Schwächen selbst bewusst bin, kann ich mich dazu entscheiden, mich positiv zu verändern“, erklärt sie. Um selbst zu verstehen, warum man ‚Ich kann nicht‘ sagt, kann es helfen, kleinschrittig aufzuschreiben, was passieren muss, damit es klappt. „So ersetzt man die negativen Gedanken durch reale Lösungsansätze.“

Dabei hilft das Pferd, denn an der Binsenweisheit „Man bekommt immer das Pferd, das man im Leben gerade braucht“, sei viel Wahres, sagt Ursula Weber. Pferde spiegeln uns sehr gut. Ein Pferd spürt, wer mit sich ringt, und zeigt es. Darum versuchen viele, Situationen, in denen es schwierig wird, zu meiden oder gehen mit einem negativen Gefühl daran. „Die meisten Menschen tendieren dazu, Fehler lieber zu vermeiden, anstatt sie zu machen und sich weiterzuentwickeln“, bedauert Ursula Weber und sagt, dass Mentaltraining für Reiter eigentlich ein Training der Gefühle ist.

Kleine Übungen, große Wirkung

„Reiter haben Wünsche und möchten etwas mit dem Pferd unternehmen. Ob das 70 Prozent in der nächsten Dressurprüfung sind oder eine Nullrunde im Parcours, spielt dabei keine Rolle. Der Leidensdruck wird erst höher, wenn ich mir diesen Wunsch nicht erfüllen kann, weil die Selbstsicherheit fehlt. Nullrunden und Prozentsätze sind nur Zahlen und Schleifenfarben, die als Symbol für ein Gefühl stehen. Es macht Sinn, sich zu fragen, was einen antreibt und mit welchem Gefühl man reiten möchte“, sagt sie und motiviert, an sich zu arbeiten, damit der Wunsch kein Wunschtraum bleibt.

Ein erster Schritt kann die kleine Fingerübung sein. Dabei geht es darum, die negative Gedankenspirale zu verlassen und mit positiven Erlebnissen wortwörtlich zu überschreiben. „Alle loben ihr Pferd und vergessen, sich selbst zu loben. Es hilft, handschriftlich zu notieren, was an dem Tag gut war.“

Mentaltraining für Reiter: Positive Notizen

Wer handschriftlich niederschreibt, was alles gut geklappt hat, der kann sich selbst besser auf die positiven Erfahrungen konzentrieren und die Ist-Situation annehmen, ohne sich unter Druck zu setzen. Das Schreiben ist zudem eine vorwärts ausgerichtete und somit lösungsorientierte Bewegung, die mit dem Unterbewusstsein verknüpft ist.

Außerdem kann man sich diese Notizen immer wieder anschauen. Langfristig hat das Auswirkungen auf die Wahrnehmung und das Selbstbewusstsein. Probieren Sie es aus!

Wie gelingt echte Präsenz im Sattel?

Ein weiteres, weit verbreitetes Phänomen, das mehr schadet, als es nützt: Am Handy tippen während des Schrittreitens. Damit äußert sich, dass vielen das Gespür für ihren Wert als Reiter fehlt. „Statt sich auf sich zu konzentrieren und bei sich zu bleiben, ist der Reiter dabei deutlich umweltorientiert und mit dem Außen beschäftigt.“ Stattdessen sei es ratsam, sich auf sein Inneres zu fokussieren und sich damit zu beschäftigen, was man eigentlich möchte und wie man sich dabei fühlen möchte.

Um selbstbewusster auf dem Pferd zu sitzen, rät Ursula Weber grundsätzlich zu „Augen auf und rein“, statt die Floskel „Augen zu und durch“ zu befolgen. „Man muss an sich arbeiten wollen und dranbleiben“, sagt sie. „Ein dreijähriges Pferd geht im nächsten Jahr auch keinen Grand Prix.“ Es braucht Zeit, um ans Ziel zu kommen. Das gilt auch für den Reiter. Wichtig ist, sich überhaupt auf den Weg zu machen.

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