Ursprünglich aus Amerika kommend, haben die Quarter Horses mittlerweile Fans auf der ganzen Welt. Kein Wunder, sind sie doch vielseitig einsetzbar, leistungsbereit, nervenstark und freundlich.
Es ist ein Pferd der Superlative. Wäre der Sprinter Usain Bolt ein Pferd, dann wäre er ein Quarter Horse. Denn auf der Kurzstrecke sind die kräftigen Boliden unschlagbar. Bei Rennen, die über eine Viertelmeile (Quartermile daher der Name der Rasse) gehen, erreichen sie eine unglaubliche Geschwindigkeit von bis zu 88 Stundenkilometer. Damit sind sie die ungeschlagenen Sprintkönige auf der Kurzstrecke.
Aber nicht nur das. Mit einer Gesamtpopulation von mehr als 5,5 Millionen registrierten Tieren ist die American Ouarterhorse Association der weltgrößte Zuchtverband. Zugleich galt die aus Nordamerika stammende Rasse früher einmal als Allrounder, den man in zahlreichen Disziplinen einsetzen kann. Kaum ein anderes Pferd galt als so vielfältig verwendbar wie das Quarter Horse. Das liegt in seiner Geschichte begründet, die bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht.

Das Quarter Horse kann in verschiedenen Wettbewerbsdisziplinen eingesetzt werden. (© Ilja van de Kasteele)
Entstehung der ersten amerikanischen Pferdetypen
Bevor die Europäer nach der Entdeckung des amerikanischen Kontinents 1492 durch Christoph Columbus mit der Besiedlung begannen, waren Pferde hier schon seit Jahrtausenden ausgestorben. Die spanischen Eroberer brachten erstmals wieder Pferde nach Amerika, überwiegend Araber und Berber. Die Indianer, die bis dahin keine Reiter gewesen waren, züchteten mit entlaufenen oder erworbenen Pferden kleine, harte und genügsame Pferde.
Im 17. Jahrhundert brachten dann englischstämmige Einwanderer lokale Rassen aus ihrer Heimat mit. Hinweise auf erste Kreuzungen zwischen diesen und den indianischen Pferden finden sich bereits für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es sind die Prototypen des American Ouarter Horse. Welche Rassen genau an der Entstehung mitgewirkt haben, ist heute nicht mehr genau nachvollziehbar.
Die Ursprünge des Quarters liegen in den damaligen Kolonien Virginia und Carolina. Hier fand die Rasse auch ihren Namen, denn die Siedler frönten ihrer Wettleidenschaft. Für die Pferde bedeutete das: Nach einem harten Arbeitstag auf den Feldern, bei der Rinderarbeit oder vor der Kutsche mussten sie abends oder an Sonntagen noch bei Sprintrennen gegeneinander antreten.
Dafür gab es keine speziellen Rennbahnen. Die Wettkämpfe wurden auf der Straße oder frei geschnittenen Pfaden mitten in der Landschaft ausgetragen. Das sorgte für kurze Strecken, in der Regel nicht länger als eine Viertelmeile.
Diese Distanz gab der Rasse ihren Namen: Celebrated American Quarter Running Horse. Heute sind die Rennen dagegen ein Multimillionen-Dollar-Spektakel mit über tausend Rennen pro Jahr.
Vom Ranchpferd zur organisierten Zucht
Bei der weiteren Besiedlung des Wilden Westens leistete diese neue Rasse hervorragende Dienste. Hart im Nehmen, genügsam in der Haltung, freundlich, nervenstark und arbeitswillig, waren ihre Vertreter ideal geeignet, im rauen Alltag ihren Reitern zur Seite zu stehen. Ihre Hauptaufgabe war nun die Rinderarbeit auf den Ranches. Durch die Einkreuzung von Mustangs erhielten die Tiere noch den sogenannten Cowsense, ein natürlicher Instinkt, der sie befähigte, das Verhalten des Rinds vorauszusehen. Das American Quarter Horse war geboren.
Erst viel später wurde die American Quarter Horse Association (AQHA) gegründet. Ihr Ziel ist die Aufzeichnung und der Erhalt der Pedigrees, die Führung des Herd- und Stammbuchs sowie Maßnahmen zur Geschichte, Zucht, Öffentlichkeitsarbeit und Verkauf des Quarter Horse.
Wegen des zunehmenden Einflusses des englischen Vollblutes auf die Zucht spalteten sich die FOHA (Foundation Ouarter Horse Association) und NFOHA (National Foundation Ouarter Horse Association) ab. Ihre Mitglieder wollen eine reine Erhaltungszucht mit American Quarter Horses, die weniger als 20 Prozent Vollblutanteil führen und von den elf Blutlinien der alten Gründerhengste abstammen.
War das Quarter Horse früher vor allem als Allrounder bekannt und beliebt, hat sich im Zuge der zahlreichen Wettbewerbsdisziplinen die Zucht spezialisiert. Es haben sich verschiedene Blutlinien entwickelt, die für bestimmte Disziplinen geeignet sind. So gibt es neben den oben erwähnten Foundation Horses noch Halter Horses, Pleasure Horses, Hunter Horses, Racing Horses und Reining und Cutting Horses.
Wer sich also einen Quarter kaufen möchte, sollte sich vorher genau überlegen, was er mit dem Pferd machen möchte, unabhängig davon, ob er auf Turnieren starten oder freizeitmäßig reiten möchte. Wer ein nervenstarkes, ausdauerndes, ausgeglichenes, freundliches, extrem leistungsstarkes und wendiges Pferd sucht und sich vorher informiert, welches Zuchtziel der entsprechende Züchter verfolgt hat, findet in einem American Ouarter Horse den idealen Partner.
Steckbrief Quarter Horse
- Rasse: American Quarter Horse
- Größe: ca. 1,45 bis 1,65 Meter Stockmaß
- Farben: alle Farben außer Schecken
- Gebäude: keilförmiger Kopf, starke Ganaschen bei großer Ganaschenfreiheit, kleine Ohren, große Augen, mittellanger Hals, kurze Röhrbeine, harte Hufe, Rechteckformat mit schräger Schulter, kurzer und kräftiger Rücken, starke Bemuskelung vor allem der Hinterhand
- Wesen: gutartig, freundlich, nervenstark, intelligent, angenehmes Temperament


