FEI in der Kritik: Blutregel, Schlaufzügel-Skandal und die Macht kleiner Nationen


Bild vergrößern Weltcup in Basel: Die FEI ist Ausrichter der internationalen Turniere.

Weltcup in Basel: Die FEI ist Ausrichter der internationalen Turniere. (© Stefan Lafrentz)

Der internationale Pferdesport erlebt turbulente Tage. Innerhalb weniger Wochen hat die FEI – der Weltreitsportverband – Entscheidungen getroffen, die weltweit für Schlagzeilen sorgen; positiv wie negativ. Doch wie ist der internationale Verband organisiert? Wir bringen Licht ins Dunkel.

Der internationale Pferdesport erlebt turbulente Tage. Innerhalb weniger Wochen hat die FEI – der Weltreitsportverband – Entscheidungen getroffen, die weltweit für Schlagzeilen sorgen; positiv wie negativ. Zum einen beschloss die Generalversammlung in Hongkong eine Lockerung der „No-Blood-Rule“ im Springreiten. Es folgte ein Aufschrei in den Sozialen Medien. Kurz darauf folgte eine weitere Regeländerung: Auch auf S-Niveau sollen Reiterinnen und Reiter ab dem kommenden Jahr künftig frei wählen dürfen, ob sie auf Kandare oder Trense starten – ein Schritt, den viele als Signal für mehr Flexibilität interpretieren, andere als Aufweichung traditioneller Standards.

Schlaufzügel-Skandal in Verona

Und dann kam das Video aus Verona. Bei einem Weltcup-Turnier war Olympiasieger Christian Kukuk zu sehen, wie er seine Stute Just Be Gentle mit blankem Schlaufzügel ritt und damit deutlich einwirkte. FEI-Offizielle griffen nicht ein, was auch daran liegt, dass sich das Regelwerk hier als Grauzone erweist. Die Szenen verbreiteten sich über den Account „Dressurstudien – fair zum Pferd“ rasend schnell in sozialen Medien und lösten Entsetzen aus: Wie passt ein solches Verhalten zu einem Verband, der „Horse Welfare first“ zu seinem obersten Grundsatz erklärt? Auch FN-Präsident Martin Richenhagen sagte in einem Statement, dass dieses Vorgehen „nicht akzeptabel“ sei.

Jetzt stellt sich die Frage: Wie ist die FEI überhaupt aufgebaut? Wir versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und zeigen die Struktur der FEI:

Was ist die FEI? Struktur, Mitglieder und Aufgaben

Die FEI wurde im Jahr 1921 gegründet und ist der internationale Dachverband für die olympischen Disziplinen:

  • Springen
  • Dressur
  • Vielseitigkeit
  • Fahren
  • Voltigieren
  • Distanzreiten
  • Reining (nicht olympisch)
  • Para-Dressur

Sitz des Verbandes ist Lausanne, Schweiz. Gründungsmitglieder waren Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Japan, die USA, Schweden und Norwegen. Deutschland ist seit 1927 Mitglied.

Aufgabe der FEI

Die FEI entwickelt und verwaltet weltweit geltende Regeln für Pferdesportwettbewerbe, vergibt Turniere und genehmigt den Turnierkalender für Meisterschaften, regionale, kontinentale sowie Olympische und Para-Olympische Spiele. Selbst ist sie Veranstalter aller internationalen Turniere, die von den Mitgliedern ausgerichtet werden. Außerdem stellt sie Offizielle, verantwortet das Anti-Doping-System für Pferde und betont in allen Publikationen das Thema “Horse Welfare“ als obersten Grundsatz.

Oberste Autorität: Die FEI-Generalversammlung

Die oberste Autorität bei der FEI ist die Generalversammlung, also diejenige, die jetzt auch über die Blood-Rule entschieden hat. Die setzt sich aus allen nationalen Verbänden zusammen und hat auch Verantwortung über Wahlen und das Budget. Das exekutive Leitungsorgan ist das sogenannte FEI-Board. Es führt die Beschlüsse der Generalversammlung aus und besteht aus Präsidenten, Vizepräsidenten und Vorsitzenden der Disziplin-Komitees. Und die sind Punkt drei auf der Liste: In den FEI-Komitees sind Berater und Beraterinnen, die Stellungnahmen und Regelentwürfe erarbeiten. Die Vorsitzenden sitzen automatisch auch im FEI Board. Es folgen darunter noch das FEI-Sekretariat sowie die nationalen Verbände. All das sind Infos der offiziellen FEI-Webseite.

Wie setzt sich die FEI zusammen

Jedes Land hat eine Stimme bei Entscheidungen – unabhängig von Pferdezahl oder Aktivität im Pferdesportbereich. Inzwischen gibt es insgesamt 136 Mitglieder, wie der Webseite der FEI zu entnehmen ist.  Alle haben genau eine Stimme in der Generalversammlung – egal, ob sie 12.000 registrierte Sportpferde haben oder null. Nachfolgende Zahlen stammen aus der FEI NF-Datenbank 2025.

Beispiele:

  • Frankreich: 11.223 registrierte Turnierpferde, 5.401 Reiterinnen und Reiter – 1 Stimme
  • Deutschland: ca. 8.633 registrierte Pferde / 3.664 registrierte Reiterinnen und Reiter – 1 Stimme
  • Österreich: 1173 Registrierte Pferde und 792 Reiterinnen und Reiter– 1 Stimme
  • Angola oder Äthiopien: 0 registrierte Pferde, 0 Reiterinnen und Reiter – 1 Stimme

Das schafft zwar eine mathematisch korrekte, aber praktisch schwer nachvollziehbare demokratische Situation. Andere internationale Sportverbände, darunter beispielsweise der Internationale Skiverband (FIS), haben daher ihre Stimmrechte gewichtet, abhängig von der Größe und der Bedeutung der Verbände. Könnte das auch eine Option für den Pferdesport sein?

Braucht es eine Reform der FEI?

In einer Pressemitteilung äußert sich dazu Elisabeth Max-Theurer, Präsidentin des Österreichischen Pferdesportverbandes (OEPS). Sie sagt: „Länder ohne nennenswerte Pferdesportaktivität entscheiden über Regelungen, die den Kern unseres Sports betreffen. Das hat mit echter Demokratie nichts zu tun.“ Weil der Pferdesport immer wieder im Fokus der Tierschutzdebatte steht, könnte jede fehlerhafte Regelentscheidung negative Folgen für die olympische Anerkennung haben. Max-Theurer warnt deutlich: „Wenn die FEI so weitermacht, verlieren wir irgendwann den olympischen Status. Jede Schwächung des Tierschutzes ist ein Schritt in die falsche Richtung.“

Die jüngsten Ereignisse haben die Strukturen der FEI in den Mittelpunkt gerückt. Europa fordert mehr fachliche Verantwortung, mehr Transparenz und vor allem: konsequenten Schutz des Pferdes. Oder wie Max-Theurer es formuliert: „Das Pferd ist Partner, kein Sportgerät. Wenn wir das vergessen, verlieren wir den Kern unseres Sports.“

 


Imke Perne-Harms ist auf einem Pferdehof am Rande des Sauerlands aufgewachsen und kann sich deshalb einen Alltag ohne Hufgetrappel und Pferdeschnauben überhaupt nicht mehr vorstellen. In ihrer Kindheit hat die Familie hobbymäßig Deutsche Reitponys gezüchtet und seitdem kommt sie vom "Ponytraum" nicht mehr los, obwohl sie dafür eigentlich ein bisschen zu hoch gewachsen ist. Eines dieser Zuchtprodukte ist seit nunmehr fast 20 Jahren an ihrer Seite, ist ihr Anker, ihr Wegbegleiter – und eine ihrer größten Aufgaben. Nach dem Volontariat bei einer Tageszeitung und den ersten Jahren im Journalismus verbindet sie bei Hooforia nun ihre Schreib-Leidenschaft mit der Pferde-Leidenschaft.

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