Mira Müller-Steinmann und ihre Pferde © Chiara Feiden

Mira Müller-Steinmann und ihre Pferde

Mira Müller-Steinmann ist Influencerin und Reiterin, auf Instagram folgen etwa 182.000 Menschen ihrem Alltag mit den Pferden. Wie sieht sie die derzeitige Stimmung im Reitsport und welchen Einfluss kann Social Media nehmen? Darüber haben wir mit ihr im Zuge unserer jüngsten Titelstory „Likes statt Lehrmeister“ gesprochen.

Skandale im Reitsport

Hooforia: Warum äußerst du dich öffentlich kaum zu Skandalen im Reitsport?

Mira: Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, Skandale primär über meine Social-Media-Kanäle zu kommentieren. Diese Plattformen begünstigen oft schnelle, zugespitzte Reaktionen. Mir ist wichtig, Themen differenziert und mit Kontext zu behandeln – dafür eignen sich andere Formate, wie beispielsweise mein Podcast, besser.

Hooforia: Ist diese Zurückhaltung bewusst oder gewachsen?

Mira: Beides. Sie hat sich über die Zeit entwickelt und ist heute eine bewusste Haltung. Mit wachsender Reichweite ist mir klarer geworden, dass nicht jede öffentliche Debatte automatisch der richtige Ort für meine Stimme ist.

Grenze zwischen Meinung und Verantwortung

Hooforia: Gab es Situationen, in denen du überlegt hast, doch Stellung zu beziehen?

Mira: Ja, viele. Gerade bei Themen, die mich emotional oder fachlich stark beschäftigen. Oft habe ich mich dann gefragt, ob ein öffentliches Statement wirklich zur Klärung beiträgt – oder eher zur weiteren Zuspitzung.

Hooforia: Wo ziehst du die Grenze zwischen persönlicher Meinung und öffentlicher Verantwortung?

Mira: Meine persönliche Meinung darf sich entwickeln und auch widersprüchlich sein. Öffentlichkeit verlangt jedoch Klarheit und Verantwortung. Diese Grenze versuche ich sehr bewusst zu ziehen.

Der Druck der Instagram-Community

Hooforia: Spürst du Erwartungen oder Druck aus der Community?

Mira: Manchmal. Gerade bei angespannten Themen. Ich entscheide mich aber bewusst dagegen, aus einer Erwartungshaltung heraus zu sprechen.

Hooforia: Wie wird Zurückhaltung in sozialen Medien wahrgenommen?

Mira: Sehr unterschiedlich. Manche empfinden sie als verantwortungsvoll, andere als Neutralität oder Wegsehen. Und das kann ich total nachvollziehen.

Verantwortung von Influencern

Hooforia: Welche Verantwortung tragen Influencer im Reitsport?

Mira: Sie prägen, oft unbewusst, Bilder davon, was im Reitsport als normal gilt. Diese Wirkung halte ich für mindestens genauso relevant wie offene Meinungsäußerungen, weshalb ich hier versuche meine Reichweite bestmöglich zu nutzen, um immer wieder aufzuzeigen, wie es meiner Meinung nach laufen kann und darf, mein Steckenpferd sind dabei sensible Sportpferde in artgerechter Haltung mit verständnisvollem Umgang.

Hooforia: Muss man sich zu Missständen äußern, um Haltung zu zeigen?

Mira: Ich finde: Nicht zwingend. Haltung zeigt sich auch darin, welche Inhalte man kontinuierlich vermittelt und welche Werte man langfristig sichtbar macht.

Hooforia: Wie kann man Verantwortung übernehmen, ohne Skandale öffentlich zu kommentieren?

Mira: Durch Aufklärung, Einordnung und das Vermitteln von Grundlagen und Werten – unabhängig von einzelnen Vorfällen.

Sachlichkeit vs. Konfrontation

Hooforia: Welche Rolle spielen Fachwissen und Einordnung bei deiner Entscheidung?

Mira: Eine sehr große. Viele Themen im Reitsport sind komplex, werden online aber stark vereinfacht. Ich äußere mich öffentlich nur dort, wo ich fachlich sicher einordnen kann und ich das Gefühl habe, das meine Meinung dazu voranbringend ist.

Hooforia: Wie gehst du mit Falschinformationen oder starken Vereinfachungen um?

Mira: Sachlich gegensteuern, ruhig erklären und nicht auf Konfrontation gehen.

Hooforia: Ihr setzt euch im Podcast sehr wohl kritisch mit Skandalen auseinander – warum dort?

Mira: Im Podcast „Pferde gut, Alles Gut“ mit Josi und mir haben wir den Raum, Themen differenziert, kritisch und mit Zeit zu besprechen. Dort können wir verschiedene Perspektiven beleuchten, Fragen stellen und auch Unsicherheiten zulassen – ohne den Druck, sofort eine zugespitzte Position liefern zu müssen. Ich finde dieses Format einfach viel geeigneter und fühle mich im Dialog bei solchen Themen wohler.

Vorbildsein auf Social Media

Hooforia: Siehst du dich als Vorbild – auch für junge Reiter?

Mira: Ich weiß, dass mir viele junge Reiterinnen und Reiter folgen. Vorbildsein bedeutet für mich nicht, alles richtig zu machen, sondern einen reflektierten Umgang mit Wissen, Verantwortung und Meinung vorzuleben. Meine Werte vertrete ich sehr klar, ohne (öffentlich) andere zu verurteilen.

Hooforia: Welche Werte möchtest du mit deinen Inhalten vermitteln?

Mira: Respektvoller Umgang mit dem Sportpartner Pferd. Ich möchte zeigen, dass Turniersport sich sehr wohl mit artgerechter Haltung und Fairness verbinden lässt. Mein Handeln ist dabei immer geprägt von den Gedanken: wie kann ich das Leben meiner Pferde so optimieren, dass sie sich wohl fühlen und meinem sportlichen Anspruch ohne Stress und Überforderung gerecht werden können?

Hetze und Meinungsverschiedenheiten auf Social Media

Hooforia; Trägt Social Media eher zur Spaltung oder zur Verständigung bei?

Mira: Beides. Hetze und Meinungsverschiedenheiten prägen den oft anonymen Austausch, gleichzeitig sehe ich großes Potenzial für Verständigung – wenn Formate bewusst gewählt werden.

Hooforia: Welche Rolle sollten Fachmedien im Vergleich zu Social Media übernehmen?

Mira: Fachmedien können einordnen, prüfen und vertiefen. Social Media kann Impulse geben, ersetzt aber keine fundierte Auseinandersetzung.

Hooforia: Gibt es etwas, das Influencer häufiger hinterfragen sollten?

Mira: Ob sie ein Thema teilen, weil es wichtig ist – oder weil es polarisiert.

Hooforia: Wie kann der Reitsport online sachlicher diskutiert werden?

Mira: Durch mehr Bereitschaft, zuzuhören, und weniger Druck, sofort Position zu beziehen.

Das wünscht sich Mira Müller-Steinmann für die Zukunft

Hooforia: Welche Verantwortung haben Worte und Bilder – auch beim Nicht-Äußern?

Mira: Auch Nicht-Äußerung sendet Signale. Deshalb ist mir wichtig, dass meine Inhalte insgesamt eine klare Wertebasis haben, die meinen Standpunkt verkörpern.

Hooforia: Was wünschst du dir von der Reitsport-Community?

Mira: Mehr Differenzierung, weniger Lagerdenken und mehr Respekt für unterschiedliche Wege, Verantwortung zu übernehmen. Klarer aber jedoch die gemeinsame Richtung sein: Fairness im Umgang mit unseren Tieren. Ich glaube, Verantwortung im Reitsport zeigt sich nicht nur darin, laut zu sein – sondern auch darin, bewusst den richtigen Rahmen für kritische Auseinandersetzung zu wählen. Haltung verkörpert auch Meinung.

 

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