Matthias Alexander Rath beim Hamburger Derby © Stefan Lafrentz

Matthias Alexander Rath beim Hamburger Derby

Derby-Chef Matthias Rath spricht über die Risiken des Parcours, die Rolle von Al Shira’aa und die öffentliche Kritik am Reitsport – und warum Social Media Diskussionen oft schwieriger macht.

Das Hamburger Derby gilt als eines der traditionsreichsten Reitturniere der Welt. Gleichzeitig steht der internationale Pferdesport heute stärker unter Beobachtung denn je: Diskussionen um Pferdewohl, die Frage nach der Verantwortung im Spitzensport und die Wirkung von Social Media begleiten inzwischen nahezu jede große Veranstaltung. Wie geht ein Turnier wie das Derby mit diesem Spannungsfeld um? Im Interview mit HOOFORIA spricht Turnierchef Matthias Rath über Tradition, Veränderung, neue Partner wie Al Shira’aa – und darüber, warum der Reitsport seiner Meinung nach oft zu negativ dargestellt wird.

Matthias Alexander Rath über Derby-Hindernisse

Das VIP-Zelt am Springplatz ist gut besucht, am Freitag ist auch der Sonnenschein zurück im Derbypark in Hamburg, der am Himmelfahrtstag noch ein paar kräftige Regenschauer einstecken musste. HOOFORIA trifft sich auf einen Kaffee mit Turnierchef Matthias Alexander Rath. Ob es ihn selbst in den Fingern juckt, so einen Wall mal hoch und wieder hinunter zu reiten, wenn er den Blick über den Platz schweifen lässt? „Nie im ganzen Leben würde ich solche Hindernisse anreiten, das muss nicht mal der Wall sein. Die normalen Sprünge finde ich auch schon irre hoch“, sagt der Dressurreiter mit einem Lachen. Dennoch sei es natürlich fasziniert von dem Kurs und der Tradition, die dieses Turnier mit sich bringt. „Tradition ist etwas unheimlich Schönes“, sagt Rath. Gleichzeitig müsse sich auch ein traditionsreiches Turnier weiterentwickeln dürfen. „Wenn man nichts ausprobiert, dann passiert natürlich auch nichts Neues. Deshalb versuchen wir, Bewährtes zu erhalten, ohne stehenzubleiben – mit „viel Vorsicht und Fingerspitzengefühl“, wie Rath es beschreibt.

Neuer Parcoursdesigner mit viel Erfahrung

Eine der Neuerungen in diesem Jahr ist Parcoursdesigner Olaf Petersen Jr., der erstmals für das Derby verantwortlich zeichnet. Für Rath war die Zusammenarbeit allerdings schnell klar. „Wir kommen menschlich unheimlich gut miteinander aus und auch sportlich bringt Olaf enorme internationale Erfahrung mit – unter anderem aus Nordamerika und Mexiko.“ Trotzdem müsse man sich an einen Derby-Platz wie Hamburg erst herantasten. „Gerade Rasenplätze haben ja auch so ihre Stellen, auf die man achten muss, die man öfter verwenden oder lieber schonen sollte“, erklärt Rath. Besonders wichtig sei es, den Boden über mehrere Tage hinweg clever zu nutzen, damit die Bedingungen bis zum Derby-Sonntag optimal bleiben. Dass der eigentliche Derby-Parcours trotzdem nur begrenzt verändert werden kann, gehört zur Besonderheit der Veranstaltung.

Hamburger Derby und Al Shira’aa: Warum Sponsoren heute so wichtig sind

 

Auch wirtschaftlich hat sich das Derby verändert. Seit vergangenem Jahr gehört Al Shira’aa zu den wichtigsten Partnern der Veranstaltung. Für Rath ist klar: Ohne starke Sponsoren wären internationale Traditionsturniere heute kaum noch umsetzbar. Aber er sieht das über den Titelsponsor hinaus: „Wir könnten so eine Veranstaltung ohne alle Partner, die wir haben, gar nicht durchführen.“ Gleichzeitig betont Rath, dass es nicht nur um finanzielle Unterstützung gehe, sondern auch um ein gemeinsames Verständnis für den Sport. „Al Shira’aa unterstützt genau das Gleiche, was uns wichtig ist: Tradition, den Reitsport und die Pferde.“ Vor allem langfristige Planbarkeit sei heute entscheidend.

Pferdewohl im Reitsport: „Es wird oft viel zu schnell negativ“

Besonders deutlich wird Rath beim Thema öffentliche Wahrnehmung des Reitsports. Zwar hält er kritische Diskussionen ausdrücklich für wichtig. Gleichzeitig gehe dabei seiner Meinung nach häufig verloren, wie stark sich der Sport in den vergangenen Jahren verändert habe. „Es hat sich schon so viel weiterentwickelt.“ Viel zu selten werde darüber gesprochen, was heute bereits verbessert worden sei – etwa im Bereich Pferdewohl, Trainingsmanagement oder allgemein im Umgang mit den Pferden.
„Wir müssten viel mehr nach außen kehren, was wir eigentlich alles für unser Partner Pferd machen.“ Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, Kritik abzublocken. „Es gibt immer Dinge, über die man diskutieren muss.“ Das Problem beginne für Rath eher dort, wo Diskussionen ausschließlich über einzelne Bilder oder kurze Videos in sozialen Netzwerken geführt würden. Gerade auf großen Turnieren werde heute deutlich genauer hingeschaut – sowohl von Zuschauern als auch online. „Und das ist gut! Die Zuschauer sind sensibilisierter.“ Kritisch sieht Rath allerdings die Dynamik
„Oft wird ja nicht in der Situation direkt das Gespräch gesucht, sondern häufig erst am nächsten Tag ein Video veröffentlicht oder Wochen später plötzlich ein Bild gezeigt.“ Viel sinnvoller wäre aus seiner Sicht der direkte Austausch vor Ort. „Hier stehen Stewards, Richter, Trainer und Reiter – man kann jeden ansprechen, hier sind alle nahbar.“
Denn nicht jede Situation lasse sich aus einem einzelnen Bild heraus beurteilen.
„Wir arbeiten mit einem Lebewesen zusammen, mit dem man nicht reden kann.“
Natürlich gebe es Momente, die auf Bildern „nicht schön aussehen“. Genau darüber müsse man offen sprechen – aber eben miteinander und nicht nur übereinander.

Warum das Derby die Menschen bis heute fasziniert

 

Dass das Hamburger Derby bis heute eine enorme Anziehungskraft besitzt, erklärt Rath vor allem mit den besonderen Hindernissen und der außergewöhnlichen sportlichen Herausforderung. „Das Risiko, einen Fehler zu machen, ist sehr viel höher.“ Naturhindernisse, unterschiedliche Untergründe, Wälle, Gräben oder Eisenbahnschranken machten das Derby einzigartig – sowohl für Pferde und Reiter als auch fürs Publikum. „Das ist für die Zuschauer faszinierend anzuschauen.“
Und genau darum gehe es letztlich auch aus Veranstaltersicht: gute Bedingungen für Reiter und Pferde zu schaffen – und gleichzeitig ein spannendes Derby vor vollen Tribünen zu ermöglichen. „Wenn Reiter und Zuschauer glücklich sind, dann sind wir es auch.“

 

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