Parcoursbauer Olaf Petersen jr. im Gespräch mit HOOFORIA auf dem Hamburger Derbyplatz.
Das Hamburger Derby lebt von seinen festen Hindernissen, von seiner Geschichte und Tradition und irgendwie auch von der Faszination des Risikos durch den Parcours. Doch wie baut man eigentlich einen Parcours für eines der traditionsreichsten Turniere der Welt, ohne dabei die Grenze der Überforderung zu überschreiten?
Olaf Petersen Jr. gehört zu den renommiertesten Parcoursdesignern im internationalen Springsport. Der FEI-Level-4-Parcoursbauer – das ist die höchste internationale Stufe – stammt aus einer echten Parcoursbauer-Familie: Schon sein Vater, Olaf Petersen Sr., prägte den internationalen Springsport über Jahrzehnte hinweg, baute unter anderem Olympische Spiele und gilt bis heute als einer der einflussreichsten Parcoursdesigner weltweit.
Wer gestaltet den Parcours vom Hamburger Derby?
Olaf Petersen Jr. selbst war früher Springreiter bis zur schweren Klasse, arbeitet seit Jahrzehnten international als Parcourschef und baut heute vor allem große Vier- und Fünf-Sterne-Prüfungen. Und in diesem Jahr eben das erste Mal das Hamburger Derby.
Als ich gefragt wurde, ob ich das dieses Jahr übernehmen könnte, habe ich sofort Ja gesagt.
– Olaf Petersen Jr. im Gespräch mit HOOFORIA.
Hamburger Derby ist traditionsreiches Turnier
„Das Hamburger Derby ist eines der traditionsreichsten und tollsten Turniere, die wir in Deutschland haben.“ Gerade der besondere Charakter des Derbys mache die Aufgabe reizvoll – aber auch anspruchsvoll. Denn anders als bei klassischen Springturnieren spielen in Hamburg die festen Naturhindernisse eine zentrale Rolle. „Der Derby-Parcours ist ja fix“, sagt Petersen, während im Hintergrund noch das Springen läuft und sich wieder ein kleiner Schauer ankündigt. „An dem Platz kann ich gar nicht viel ändern.“
Trotzdem plant der erfahrene Parcoursdesigner in diesem Jahr überraschend flexibel. „Meine Parcoursplanung mache ich wirklich von Tag zu Tag“, erklärt er. „Ich bin hier hingekommen ohne große Pläne – außer für den ersten Tag.“ Gerade zu Beginn eines Turniers gehe es zunächst darum, die Pferde an Platz, Atmosphäre und Handschrift des Parcoursbauers zu gewöhnen. Erst danach entwickele sich Schritt für Schritt ein genaueres Bild davon, wie schwierig ein Parcours werden könne oder müsse, gibt Petersen Einblicke in seine Aufgaben. Auffällig ist dabei: Petersen denkt weniger in spektakulären Einzelproblemen als in einem gleichmäßigen sportlichen Ablauf.
Herausforderung auf dem Derby: Ja, aber keine Fallstricke
„Ich möchte eigentlich keine zu große Herausforderung stellen, vor allem nicht an einem bestimmten Sprung“, sagt er. „Fehler sollten überall passieren – nicht nur an einer Stelle.“ Natürlich sei eine dreifache Kombination immer besonders anspruchsvoll, aber die Kunst eines guten Parcours sei, dass Fehler verteilt entstehen und nicht ein einzelnes Hindernis zur unfairen Hauptfehlerquelle werde.
Auch deshalb beobachtet Petersen die Prüfungen genau. Wo entstehen Fehler? Wie entwickeln sich Rhythmus, Galopp und Linienführung? Welche Distanzen funktionieren?
Springsport auf Gras macht viel Arbeit
Besonders auf Grasplätzen sei das eine Herausforderung. „Ich liebe Sport auf Gras“, sagt Petersen. „Aber das bedeutet auch viel Arbeit.“ Nach nahezu jedem Springen müssten Hindernisse versetzt werden, um Absprung- und Landebereiche zu schonen. Gleichzeitig schwärmt Petersen vom Hamburger Boden: „Der Boden ist extrem gut hier, trotz des Regens.“
Dass Derby-Pferde besondere Eigenschaften mitbringen müssen, bestätigt auch Petersen sofort. Viele der Pferde würden gezielt für diese Prüfungen vorbereitet und speziell geschult. „Derby-Pferde sind anders. Auch wer ein Derby reitet, muss spezielle Charaktereigenschaften mitbringen“, erzählt Petersen im Interview und lacht. Es gebe besondere Trainingsanlagen, die Derby-Hindernisse nachbauen, um Mensch und Tier perfekt auf die Herausforderung vorzubereiten.
Wie sicher ist der Parcours beim Hamburger Derby?
Bei seinen Kursen setzt Petersen stark auf Teamarbeit. Gerade beim Derby verlasse er sich auf erfahrene Unterstützer und Experten, die die besonderen Anforderungen der traditionellen Hindernisse genau kennen. Überhaupt fällt auf, wie sehr Petersen das Thema Pferdewohl mitdenkt. Er beschreibt sich selbst ausdrücklich als „Horseman“. „Ich war selber Reiter, ich bin Vater einer Tochter, die reitet, ich bin Pfleger gewesen, LKW-Fahrer – ich kenne das komplette Programm von jeder Seite.“ Als Parcourschef sehe er sich deshalb in der Verantwortung, Anforderungen nicht zu hoch werden zu lassen und Faktoren wie Boden, Wetter oder Lichtbedingungen ständig mitzudenken. „Der Sport ist sicherer geworden“, resümiert Petersen rückblickend.
Früher sei vieles weniger technisch und weniger reguliert gewesen. Heute gebe es mehr Sicherheitsauflagen, bessere Böden und vor allem eine völlig andere Pferdezucht. „Die Pferde haben heute viel mehr Raumgriff und Galopp.“ Dadurch hätten sich auch Distanzen verändert. Moderne Parcours müssten deutlich stärker auf Fluss und Rhythmus ausgelegt sein. Seine wichtigste Leitidee beschreibt Petersen deshalb mit einem englischen Ausdruck: „Free forward galloping.“
Parcoursbauen im Fluss des Galopps
Die Pferde müssten im Fluss bleiben, vorwärts galoppieren können und dabei trotzdem kontrollierbar bleiben. Und: „Es muss immer gut aussehen, harmonisch.“ Für Sonntag wünscht sich Petersen vor allem eines: ein spannendes Derby vor voller Tribüne.
„Vor Zuschauern zu bauen, unseren Sport vor Zuschauern darzustellen – das ist einfach etwas Besonderes“, freut sich der Experte auf die kommenden Tage.
Und natürlich hofft auch er auf ein Finale, das sportlich in Erinnerung bleibt. „Vielleicht doch ein Stechen“, sagt Petersen und lacht. „Das würde ich schön finden.“