Aachen haben Richard Vogel und United Touch schon gewonnen. Folgt jetzt Spruce Meadows?
Am Ende jubelte das gesamte Hauptstadion in Aachen mit Richard Vogel und United Touch S. Sie werden als Helden des tsCHIO 2026 in die Annalen von Aachen eingehen. Nicht nur den Großen Preis gewann das Europameister-Paar, sondern auch 500.000 Euro Preisgeld extra, da sie bereits den Großen Preis beim Dutch Masters in s´Hertogenbosch gewonnen hatten. Wenn sie im September auch noch Spruce Meadows gewinnen, ist Richard Vogel der zweite Reiter nach Scott Brash, dem das gelingt.
Mit Tränen in den Augen erklärte er völlig aufgelöst: „Es war immer mein Kindheitstraum, einmal den Großen Preis von Aachen zu gewinnen. Ein Championat zu reiten und zu gewinnen, ist natürlich etwas ganz Besonderes. Aber Aachen ist einfach Aachen. Ich kann es nicht in Worte fassen.“ Sein besonderer Dank galt seinem Team und natürlich United Touch S. „United hat einen Charakter und Kampfgeist, das ist absolut sagenhaft. Wenn du als Anwärter auf den Rolex Grand Slam ins Stechen einreitest, gibt es keinen Gedanken daran, Zweiter oder Dritter zu werden. Dann gibt es nur ein Ziel.“
Sophie Hinners auf Platz drei
Vogel ließ sich bei der Siegerehrung vom Publikum feiern. Und wird es jetzt ganz sicher längst mit Sophie Hinners getan haben. Seine Partnerin holte schließlich Platz drei im Großen Preis. Gemeinsam mit David Will, der ihnen den ganzen Tag über in jeder Lebenslage zur Seite stand, betreiben sie einen Turnierstall in Südhessen, der bald zu einer womöglich noch größeren Anlage wachsen soll. Hinners strahlte am Sonntag mit der Sonne um die Wette.
„Das habe ich mir immer gewünscht: Im Großen Preis von Aachen auf dem Podium zu stehen. Mein Pferd hat so toll für mich gekämpft. Hier auf dem Podium zu stehen, damit geht ein Lebenstraum in Erfüllung“, so Sophie Hinners.
Und noch einer freute sich ganz besonders am Sonntag: Jose Maria Larocca, 57 Jahre aus Argentinien. Er lebt seit Jahren in der Schweiz und brachte mit Finn Lente an diesem Wochenende einen Routinier von 16 Jahren an den Start. Die beiden spielten ihre ganze Erfahrung aus und triumphierten auf ihre persönliche Art und Weise mit Platz zwei im Großen Preis. „Ich könnte nicht glücklicher sein“, so der Springreiter. „Hinter Richi Zweiter zu werden, ist einfach großartig.“ Es war der größte Erfolg seiner Karriere. Larocca war übrigens vor zwanzig Jahren bei den legendären Weltreiterspielen in Aachen am Start und wird voraussichtlich im August zurückkehren.

Jose Maria Larocca feierte auf Finn Lente mit 57 Jahren den größten Erfolg seiner Karriere. (© S. Lafrentz)
Glücklich war auch André Thieme nach der Aufholjagd schlechthin. In Runde eins kamen sie am Wasser völlig aus dem Rhythmus. Das enorme Geschick der Stute verhinderte mehr Fehler. Am Ende wurde es der sechste Platz für die Sieger von 2024. Damit rückt ein Platz im WM-Team von Otto Becker in immer greifbarere Nähe.
Youngster Cup an Janika Sprunger
Doch das war nicht alles an diesem großen Sonntag in Aachen. Janika Sprunger und ihre Zangersheider Stute Victory Music Z gewannen bei den Youngstern. Der Name der Achtjährigen ist Programm und zusammen genossen Reiterin und Pferd wahrlich die Victory Music, immer unter den stolzen Blicken von Sprungers Ehemann Henrik von Eckermann.
Das Paar aus der Schweiz hatte auch die zweite Qualifikation zum Youngster Finale gewonnen. Quali Nummer eins ging an Richard Vogel und United Call JPS. Der ist ein ganz besonderes Pferd: Achtjährig, Sohn des United Touch S und aus der Zucht von dessen Züchter Julius Peter Sinnack. Dieser war wie Vogel nach dem tsCHIO völlig aufgelöst. Was er dank seiner Pferde hier erleben konnte, passiert einem Züchter wahrlich nicht alle Tage!
„Für uns Reiter ist es ein großes Privileg, hier in Aachen an den Start gehen zu dürfen. Ich war bereits einige Male hier, doch das Kribbeln und die Gänsehaut, die diese einzigartige Atmosphäre auslöst, bleiben jedes Mal unverändert“, erklärte Sprunger nach dem Sieg im Finale. „Mein Pferd hat großartig mitgearbeitet, ich bin unheimlich stolz auf sie. Ihre Einstellung, immer ganz vorne mitmischen zu wollen und für mich zu kämpfen, ist wirklich außergewöhnlich.“
Philipp Weishaupt und der achtjährige Aberdeen Z, der im Besitz von Jose Maria Larocca steht, wurden Zweite vor René Dittmer und dem ebenfalls achtjährigen Casall-Sohn Cajero aus der Holsteiner Zucht.
Schon kurz vor ihrem Auftritt mit Victory Music hatte Janika Sprunger ihrem Herzblatt Henrik von Eckermann zujubeln dürfen. Denn das erste Springen des Tages ging an den Schweden und seine 15 Jahre alte Stute Glamour Girl. Christian Ahlmann und Sheeran WL ritten auf den dritten Platz.
Das größte „Pferd und Sinfonie“ aller Zeiten
Insgesamt waren es zwar deutlich weniger Springen – und keine anderen Disziplinen – bei diesem kleinen CHIO mit dem originellen Namen tsCHIO. Aber die Stimmung fiel kein bisschen geringer aus als sonst. Das betonte auch Sportchefin Birgit Rosenberg: „Der Sonntag war ein perfektes Finish. Wir haben fantastische Leistungen gesehen, hatten jeden Tag eine tolle Mischung aus Weltklasse-Sport und stimmungsvollem Rahmenprogramm. Die Zuschauer haben die Pferde und die Reiter bei perfektem Sommerwetter gefeiert.“
Am Abend zuvor hatte vor ausverkauftem Haus eine Show zum Thema James Bond stattgefunden, die in diesem Jahr ihresgleichen suchte. Gleich zu Beginn glitt eine Gestalt an einer Slipline in die Tiefe, flog über den Rasen, direkt ins Zentrum der Arena. Es war Christopher Ward, Generalmusikdirektor der Stadt Aachen für seine letzte Mission als Dirigent von „Pferd & Sinfonie“. Erstmals und einmalig zog das Erfolgsformat in die große Arena ein – und schenkte seinem musikalischen Kopf einen Abschiedsabend, der all das bündelte, was diese Konzertreihe seit Jahren prägt. Ein besonderes Highlight waren Moritz Treffinger, Youngster im deutschen Dressurkader, und Isabell Werth, achtfache Olympiasiegerin, im Pas-de-Deux mit ihren Pferden Vincero und Quantaz. Als Publikumslieblinge präsentierten sich Shetlandponys, die durch die Arena, als seien sie längst im Dienste Ihrer Majestät.
Lillie Keenan und Daniel Coyle Sieger in den Hauptspringen
Auch am Freitag und Samstag hatte es in Aachen viel Jubel für die Sieger gegeben. Daniel Coyle gewann mit dem 15 Jahre alten irischen Cardento-Sohn Farrel die erste Qualifikation zum Großen Preis vor den Publikumslieblingen Luciana Diniz und dem 17 Jahre alten Vertigo du Desert, der mit seinem strahlenden Weiß wie ein Einhorn im großen Stadion wirkte.
Bei seinem Einzug in die zweite Runde des Großen Preises war das Publikum zu Schluss noch einmal hellauf begeistert. Am Samstag rasten in der zweiten Qualifikation zum Großen Preis die US-Amerikanerin Lillie Keenan und der zwölfjährige Hengst Kick On mit einer wahrlich blitzschnellen Runde im Stechen zum Sieg.
Es waren diese Momente, die Aachen einmal mehr prägten. Und als Richard Vogel stolz vor seinem Namen auf der Siegertafel posierte, kamen wohl auch einigen Zuschauern die Tränen. Und wenn nicht dort, dann spätestens beim Blick auf die innige Zweisamkeit von United Touch und seiner Pflegerin und Bezugsperson Felicia Wallin. „Er bedeutet mir alles und ist mein Leben“, betonte diese. „Es ist das größte Geschenk, dass ich dies hier mit ihm erleben kann.“
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