Ventilator und Pferd © Ventilator und Pferd

Ventilator und Pferd

Kaum einer, den das heftige Hitzewochenende im Juni nicht bewegt hat. Viele Turniere wurden abgesagt, die Veranstalter blieben teils auf hohen Kosten sitzen. Nun steigen die Temperaturen wieder weit über 30°C. Und so wird es in den nächsten Jahren durch den Klimawandel öfter aussehen. Es gilt also Entscheidungen zu treffen, was individuell für Pferde und Reiter wichtig ist. Ein Richtig oder Falsch zu erfassen, fällt schwer.

„Der Schutz der Pferde hat für alle Beteiligten oberste Priorität“, betont Dr. Henrike Lagershausen, Leitung Veterinärmedizin und Tierschutz bei Pferdesport Deutschland. „Gleichzeitig ist es wichtig, die tatsächlichen Auswirkungen von Hitze auf Pferde fachlich einzuordnen.“ Pferde verfügen über ausgeprägte Mechanismen zur Wärmeabgabe während körperlicher Belastung. Hierzu zählen insbesondere eine hohe Schweißproduktion sowie eine verstärkte Hautdurchblutung, die den Abtransport von Wärme unterstützen.

Maßnahmen aus Sicht des Tierschutzes sind insbesondere dann angezeigt, wenn Ausdauerleistungen gefordert werden und gleichzeitig eine hohe Luftfeuchtigkeit das Schwitzen als wichtigsten Kühlmechanismus des Pferdes deutlich beeinträchtigt. Bei vielen abgesagten Veranstaltungen spielen jedoch nicht allein Aspekte des Pferdewohls eine Rolle. Ebenso müssen die Belastungen für Reiterinnen und Reiter, Helfer, Offizielle, Ehrenamtliche sowie Zuschauer berücksichtigt werden.

Masterplan für Turnierabsagen und Modifikationen

Zahlreiche Veranstalter haben in den vergangenen Hitzeperioden bewiesen, dass sich mit Anpassungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein praktikable Lösungen finden lassen, um den Turnierbetrieb auch bei sommerlichen Temperaturen sicher durchzuführen. Dazu gehören unter anderem:

  • Anpassung der Zeitpläne durch die Verlegung von Prüfungen in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden.
  • Nutzung schattiger Bereiche für Prüfungs- und Vorbereitungsplätze, soweit die örtlichen Gegebenheiten dies zulassen.
  • Verzicht auf Siegerehrungen oder die freiwillige Teilnahme
  • Reduzierung der Prüfungsanforderungen auf das notwendige Minimum, beispielsweise durch die minimale Anzahl geforderter Hindernisse oder die Verkürzung von Geländestrecken innerhalb der zulässigen Regularien.
  • Vermeidung von Standzeiten auf Pferdetransportern und Anhängern, ausschließlich zum Transport.
  • Sicherstellung einer umfassenden Wasserversorgung, etwa durch Wasserschläuche zum Tränken und Abspritzen der Pferde.
  • Leichte Berieselung von Vorbereitungsplätzen, beispielsweise durch Sprenkleranlagen.
  • Einrichtung von Cool-down-Zonen mit Ventilatoren und Wasser zur schnellen und effektiven Abkühlung nach der Belastung.

Dr. Henrike Lagershausen appelliert deshalb an Veranstalter, Richter, Offizielle, Teilnehmer und Pferdebesitzer, die Wetterentwicklung stets aufmerksam zu verfolgen und situationsgerecht zu handeln. Starre Regeln könnten die individuellen Bedingungen vor Ort nicht vollständig abbilden. Entscheidend sei eine verantwortungsvolle Einschätzung der jeweiligen Situation und die Bereitschaft, Abläufe flexibel anzupassen.

„Die Beispiele der vergangenen Wochen zeigen, dass sich Turniersport und verantwortungsvoller Hitzeschutz nicht ausschließen. Wo Belastungen reduziert, Kühlmöglichkeiten geschaffen und die Bedürfnisse von Pferden und Menschen gleichermaßen berücksichtigt werden, können Veranstaltungen auch bei sommerlichen Temperaturen sicher durchgeführt werden“, lautet das Fazit von Dr. Henrike Lagershausen. 

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