Ein Team, ein Ziel: Die deutschen Springreiter starten heute in ihre WM-Woche. Von links: Daniel Deusser, Richard Vogel, Sophie Hinners, Christian Kukuk und Marcus Ehning. © Stefan Lafrentz

Ein Team, ein Ziel: Die deutschen Springreiter starten heute in ihre WM-Woche. Von links: Daniel Deusser, Richard Vogel, Sophie Hinners, Christian Kukuk und Marcus Ehning.

Wir haben mit unseren Springreitern gestern Interviews führen können und sie zu ihren Gefühlen kurz vor dem WM-Start befragt.

Hier kommen

Sophie Hinners: „Nach Sprung eins weiß ich, wie der Tag wird“

Sophie Hinners, die Dame im Team

Ist eine Heim-WM mehr Motivation oder setzt dich das eher unter Druck?

Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem. Erstmal sind wir hochmotiviert! Es ist immer was ganz Besonderes, so viele Fans zu haben und Unterstützer zu haben. Ich glaube, in Aachen ist es immer ganz besonders als deutscher Reiter einzureiten Und hier als WM ist es noch spezieller! Aber natürlich setzt man sich da auch unter Druck. Ich würde sagen, dass man sich diesen Druck selbst macht, nicht die Zuschauer. Ich denke aber, das ist ein einmaliges Erlebnis und ich freue mich riesig, dass es losgeht.

Jetzt bist du ja auch die einzige Frau im Team. Wie fühlt sich das für dich an und was ist so deine Message an andere Reiterinnen?

Meine Message an andere Reiterinnen ist, dass man immer sein Ziel vor Augen haben, immer hart dafür arbeiten sollte, vielleicht auch härter als andere, aber immer auch irgendwo Ruhe behalten sollte, nicht überfordern oder erzwingen, was gar nicht möglich ist. Man muss stattdessen Geduld haben. Aber dass ich hier die einzige Frau im Team bin, darüber denke ich eigentlich gar nicht so viel nach.

Gibt es bei deinem Pferd Singclair ein bestimmtes Zeichen, woran du merkst, heute ist ein richtig guter Tag?

Ich habe das Gefühl, sobald ich in den Parcours reite und über Sprung eins gesprungen bin, weiß ich schon, heute ist ein richtig guter Tag. Oder vielleicht auch, oh, heute sind wir vielleicht nicht ganz so gut drauf. Das gibt es ja auch mal. Das sind alles Lebewesen. Aber ich hoffe, dass hier in Aachen immer ein guter Tag ist!

Was sollte ein Pferd für eine Weltmeisterschaft mitbringen?

Ich glaube, ein Pferd für die Weltmeisterschaft sollte auf jeden Fall einen großen Kampfgeist mitbringen. Wir haben natürlich alle eine besondere Beziehung zu unserem Pferd, kennen uns schon sehr lange, haben schon sehr viel Erfahrung vorher gesammelt, was sehr wichtig ist für eine Meisterschaft.

Was muss denn in den nächsten Tagen passieren, dass du sagst, das war eine richtig erfolgreiche WM?

Ich würde sagen, dass ich sehr zufrieden bin, wenn wir einfach gute Runden zeigen konnten. Ich möchte hinterher sagen können, mein Pferd ist super gesprungen und ich habe reiterlich auch das gezeigt, was möglich ist.

 

Daniel Deußer: „Zuschauen macht mich nervöser als selber reiten“

Heute geht es auch für ihn ab in Zeitspringen: Daniel Deusser.

Heute geht es auch für ihn ab in Zeitspringen: Daniel Deußer. © Stefan Lafrentz

Eine Weltmeisterschaft in Aachen – ist das für eher zusätzlicher Druck oder zusätzliche Motivation?

Beides: Druck und Motivation. Natürlich ist es eine Motivation, weil das deutsche Publikum hier in Aachen wirklich hinter seinen Reitern steht. Gleichzeitig entsteht dadurch aber auch Druck. Wir wollen den Erwartungen gerecht werden, gute Erfolge und natürlich auch eine gewisse Leistung zurückgeben. Aber ich denke, wir haben ein sehr gutes Team und können mit diesem Druck umgehen.

Wie schätzt Du die Chancen der deutschen Mannschaft im Springen ein?

Ich glaube, dass wir im Springreiten sehr viele Mannschaften haben, die eine Chance auf eine Medaille haben. Aber ich sehe uns ganz klar mit als einen der Favoriten auf die ersten drei Plätze.

Was macht Dich nervöser: selbst im Parcours zu sein oder den Teamkollegen zuzuschauen?

Ich glaube, mich macht das Zuschauen nervöser. Wenn ich in den Parcours gehe, versuche ich wirklich, mich auf mein Pferd zu konzentrieren, zu fühlen, was es mir sagt. Dann bin ich einfach beschäftigt. Wenn ich dagegen auf der Tribüne sitze und zuschauen muss und es nicht wirklich in meiner Hand liegt, entsteht schon eine gewisse Anspannung.

Wie viel von einem Parcours kann man vorher wirklich planen – und wie viel entscheidet sich spontan?

Grundsätzlich laufen wir den Parcours ab und machen uns einen Plan nach der Erfahrung und den Eigenschaften unseres Pferdes. Gibt es eine Zwischendistanz? Ist es für das eine Pferd besser, einen Galoppsprung mehr zu machen, für das andere einen weniger? Trotzdem ist es ganz wichtig, sich nicht hundertprozentig festzulegen. Da muss auch der Instinkt des Reiters durchkommen. Ist das Pferd bei dir? Ist es in Balance? Ist es am letzten Sprung etwas kürzer gelandet oder weiter gesprungen als erwartet? Dann muss man vielleicht an der Distanz noch etwas verändern. Dieses Gefühl zwischen Reiter und Pferd ist ganz, ganz wichtig.

Marcus Ehning: „Das ist meine zweite Chance“

Der erfahrenste Reiter im Team: Marcus Ehning. © Stefan Lafrentz

 

Vor 20 Jahren warst du schon bei der Heim-WM in Aachen dabei. Was bedeutet es, jetzt noch einmal diese Chance zu bekommen?

Vor 20 Jahren konnte ich eine Medaille mitnehmen, aber es ist damals trotzdem nicht so rund gelaufen, wie ich es gerne gehabt hätte. Dieses Jahr ist es meine zweite Chance – und die versuche ich hoffentlich zu nutzen.

Was hat sich in diesen 20 Jahren verändert – im Springsport und bei dir selbst als Reiter?

In 20 Jahren ist viel passiert. Ich konnte zum Glück dazwischen noch zweimal den Großen Preis gewinnen. Das beflügelt mich, und daran versuche ich auch zu denken, um diesen positiven Hype mitzunehmen. Aber natürlich haben sich auch viele Dinge im Sport verändert: das Hindernismaterial, die Abläufe, die Arbeit der Stewards und vieles drumherum. Ich glaube, dass die Entwicklung im Sport in den vergangenen Jahren insgesamt sehr positiv war.

Im internationalen Springsport trifft man sich ständig wieder. Sind die anderen Reiter eher Konkurrenten oder auch Freunde?

Wie im wahren Leben hat man seine Pappenheimer, die man jede Woche sieht, mit denen man sich viel austauscht und die man gut kennt. Über die Jahre wachsen da schon Freundschaften, und das hat nicht unbedingt etwas mit der Nationalität zu tun. Wenn man in den Parcours reitet, ist man Konkurrent. Außerhalb versucht man sich aber schon gegenseitig zu helfen – bei vielen zumindest, nicht bei allen. Wir wollen alle das Gleiche und versuchen, das Beste für die Pferde zu machen.

Wann bist du nervöser: wenn du selbst in den Parcours reitest oder wenn deine Teamkollegen dran sind?

Eigentlich bin ich viel nervöser, wenn meine Teamkollegen reinreiten. Nicht, weil sie schlecht reiten würden, sondern weil am Boden zu stehen und nichts machen zu können das Schlimmste ist. Bei mir selbst beginnt die Anspannung schon beim Abreiten. Wenn man dann das passende Pferd, den richtigen Partner hat, kann der einem sehr viel Nervosität nehmen – oder auch geben. Und wenn man hier in Aachen einreitet, ist die Anspannung schon noch einmal ein bisschen höher.

Was muss passieren, damit du am Ende von einer erfolgreichen WM sprichst?

Als Allererstes eine Nullrunde – am liebsten mehrere. Und eine Medaille wäre natürlich ein Traum.

 

Richard Vogel: „United ist für uns ein Once-in-a-Lifetime-Horse“

Nummer Vier im Bunde: Richard Vogel.                          © Stefan Lafrentz

Aachen ist dein Lieblingsturnier – jetzt findet hier auch noch eine Heim-WM statt. Was ist das für ein Gefühl?

Unglaublich. Aachen ist immer ein ganz besonderes Turnier. Jetzt hier bei einer Weltmeisterschaft vor heimischer Kulisse zu reiten, ist etwas Einzigartiges. Natürlich ist da vielleicht auch ein bisschen mehr Druck, aber den haben wir auf einem Championat immer. Das Publikum in Aachen ist ohnehin besonders, und bei einer WM werden die Leute wahrscheinlich noch enthusiastischer mitfiebern und uns anfeuern. Wir blicken mit voller Vorfreude auf die kommende Woche.

Was ist in der Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft anders als bei einem normalen Turnier?

Der größte Unterschied ist wahrscheinlich, dass man schon sehr lange vorher darüber nachdenkt. Schon vor der Europameisterschaft im vergangenen Jahr hatten wir die WM im eigenen Land im Hinterkopf. Spätestens danach wurde sehr genau geplant: Welcher Weg ist der beste? Welche Turniere passen? Und das vor allem pferdespezifisch. Bei United Touch haben wir uns zum Beispiel gefragt: Wie viele Turniere auf Gras sollte er vorher gehen? Wie viel Pause braucht er? Wie viele Turniere braucht er wiederum, um in Wettkampfform zu sein? Da macht man sich sehr viele Gedanken und Pläne. Zu vielen anderen Turnieren fahren wir deutlich spontaner.

Wie viel schaust du dir von den anderen Reitern und Nationen an?

Man versucht, ein gutes Maß zu finden. Das Allerwichtigste ist, mit dem Fokus bei sich selbst zu bleiben. Natürlich fiebert man mit den Teamkollegen mit und hilft, wo man kann. Aber man beobachtet auch die Konkurrenten. Gerade wenn man im Parcours nicht früh dran ist, schaut man: Wo liegen vielleicht Tücken, die wir beim Ablaufen gar nicht erkannt haben? Welche Stellen reiten sich leichter als gedacht? Daraus versucht man, für sich selbst den besten Plan zu machen. Am Ende sollte der Fokus aber so gut wie möglich auf einem selbst und auf dem eigenen Team liegen.

Wie schätzt du die Chancen des deutschen Teams ein?

Ich glaube, wir haben ein sehr, sehr gutes Team. Gleichzeitig ist unser Sport in den vergangenen Jahren sehr zusammengerückt und die Dichte der Spitzenteams ist unheimlich groß geworden. Da kann nicht nur ein Hindernisfehler, sondern schon ein Zeitfehler zu viel sein. Aber wir haben auf jeden Fall den Anspruch und – glaube ich – auch die nötige Leistung, um hier um eine Medaille mitzukämpfen. Hoffentlich natürlich auch um Gold. Und die Goldmedaille müssten wir diesmal nicht nach Hause bringen, sondern könnten sie direkt hier zu Hause gewinnen.

United Touch begleitete dich auf deinem Weg an die Weltspitze. Was bedeutet dir dieses Pferd persönlich?

United ist für uns ein Once-in-a-Lifetime-Horse. Natürlich haben wir schon viele tolle Erfolge mit ihm feiern dürfen, aber auch seine Persönlichkeit ist etwas ganz Besonderes. Was es für uns zusätzlich besonders macht: Wir haben ganz viele Dinge zum ersten Mal zusammen erlebt. Wir sind unsere ersten Großen Preise zusammen geritten, haben unsere ersten Championate zusammen bestritten und sind gemeinsam auf dieses Niveau hineingewachsen. Wir haben uns das ein Stück weit zusammen erarbeitet. Das hat uns sehr zusammengeschweißt und macht unsere Verbindung so besonders.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert