Richard Vogel: Holt der Europameister eine WM-Medaille? © S. Lafrentz

Richard Vogel: Holt der Europameister eine WM-Medaille?

Im Springreiten ist vieles offen. Das HOOFORIA-Team hat bei seinen Diskussionen über die Top drei im Parcours mindestens sechs bis sieben Nationen ausgemacht, die spielerisch leicht ganz vorne stehen könnten, wenn am Tag X wirklich alles passt. Am Ende mussten wir uns für drei Nationen entscheiden, haben aber unsere Joker-Katagorie reichlich bestückt. Anders geht´s beim Springreiten wirklich nicht! Die Weltspitze liegt extrem eng beisammen. Benannt werden die endgültigen Teams erst vor dem Zeitspringen morgen, daher werden immer fünf Namen genannt.

Hier sind unsere Top 3:

Deutschland

Erinnern wir uns einmal für Deutschland an die Weltreiterspiele in Aachen vor 20 Jahren. Damals ging Deutschland als Top-Favorit an den Start. Marcus Ehning hatte mit Küchengirl den Großen Preis von Aachen gewonnen und Deutschland den Nationenpreis beim CHIO. Bei den Weltreiterspielen wurde es mit ach und krach (wörtlich zu nehmen) Platz drei. Der Mauerfall am Briefmarken-Hindernis von Marcus Ehning blieb in Erinnerung. Trotzdem leuchtete Bronze am Ende ziemlich Golden am Ende der Spiele. Denn es war unglaublich eng im Team und im Einzel, wo sich beispielsweise keiner der Top drei im Pferdewechsel auch nur einen Fehler ankreiden ließ und am Ende das Stechen entschied, dass Jos Lansink Weltmeister wurde. Im Team waren es die Niederlande.

Sophie Hinners und Singclair beim Vet-Check.

Sophie Hinners und Singclair beim Vet-Check. (© S. Lafrentz)

Doch das ist lange her. Nur zwei Dinge sind gleich: Zum einen ist Marcus Ehning ist wieder dabei, dieses Mal mit Coolio. Der ist wirklich verdammt cool drauf und dürfte an keinen Briefmarken scheitern. Die gibt´s wohl 2026 ohnehin nicht mehr als omnipräsentes Hindernis. Aber vielleicht eine iPad als Mauer? Wer weiß?

Und wie 2006 hat Deutschland eine Dame unter lauter Herren im Team. Damals wars Meredith Michaels-Beerbaum mit Shutterfly, heute ist es Sophie Hinners mit Singclair. Da fangen nicht nur beide Pferdenamen mit einem ‚S‘ an, Sophie hat MMB und Marcus Ehning schon mal als große Vorbilder bezeichnet. Und ähnlich wie bei Shutterfly ist auch Singclair ein eher schüchterner Zeitgenosse mit unglaublichem Springvermögen und Sophie versprüht den Kampfgeist einer MMB. Wer weiß, wo das hinführt?

Richard Vogel und United Touch: Holen die Europameister eine Medaille?

Richard Vogel und United Touch: die Europameister. (© S. Lafrentz)

Hinzu kommen die Europameister Richard Vogel und United Touch. Viel mehr muss man über die Nummer zwei der Welt eigentlich nicht sagen. Richi ist einfach immer auf den Punkt fit mit seinen Pferden. Hoffentlich auch beim größten Auftritt seiner noch jungen Karriere. Und dann wären da noch Daniel Deußer und Otello de Guldenboom. Auch Daniel ist schon lange dabei. Otello dagegen noch eher ein neues Gesicht mit seinen zwölf Jahren. Aber Daniel hat auch dessen Papa Tobago Z schon geritten – und ihn zu seinem Liebling unter dem Sattel erklärt. Spätestens seit dem Weltcup-Finale wissen wir, wie gut die beiden sind! Christian Kukuk und Checker stehen als Ersatzpaar bereit.

Aber die Konkurrenz ist groß für Deutschland, auch wenn wir uns alle eine Medaille oder sogar Gold erträumen. Das gab es zuletzt in Kentucky 2010 in den USA. Damals wurde auch Michael Jung Einzel-Weltmeister. Ein gutes Omen? Uns persönlich gefällt dieses Orakel!

Vereinigte Staaten von Amerika

Und wenn wir von Kokurrenz sprechen, kommen wir an den USA nicht vorbei. Die sind auch in diesem Jahr – ohne den Weltcup-Sieger Kent Farrington – wieder megastark besetzt. Bei ihnen ist es 2026 nicht ein einzelner überragender Protagonist. Aber die Masse an Klasse macht´s!

Das Who is Who im US-Team beginnt mit Laura Kraut auf Baloutinue, 16 Jahre alter Routinier von Balou du Rouet. Zu den beiden gesellen sich McLain Ward und der 13 Jahre alte High Star Hero. Bei diesem Reiter kann man immer mit einer Medaille rechnen. Lillie Keenan und Fasther, Natalie Dean und Mr. Boombastic sowie Katie Dinan, die mit Out of the Blue beim Weltcup-Finale mit Rang drei begeisterte, komplettieren das starke Team.

 

Die US-Mannschaft der Springreiter

Die US-Mannschaft der Springreiter (© US Equestrian)

Großbritannien

Scott Brash ist die Nummer vier der Springreitwelt, Ben Maher ist die Nummer fünf. Sagt schon ziemlich viel, oder? Die Briten sind immer für einen Sieg gut, das haben sie bei den Olympischen Spielen eindrucksvoll bewiesen. Scott Brash wird dieses Mal mit der elfjährigen Hello Mango dabei sein. Ein noch nicht ganz so dicht beschriebenes Blatt, aber wenn sich Teamchefin Di Lampard für diese Stute entscheidet, dann hat das seine Gründe. Ben Maher dagegen hat mit dem zwölfjährigen Point-Break einen Top-Kandidaten dabei, mit dem er schon viele Erfolge feierte. Dazu kommt Harry Charles in der ebenfalls noch recht frischen Kombination mit Holst Freda. Die beiden sind schon seit Monaten immer vorn dabei und durch seine Ehefrau Eve Jobs gibt es auch keinen finanziellen Mangel beim Erwerb von Top-Pferden.

Das Team komplettieren wird vermutlich Jack Whitaker, Sohn von Michael Whitaker, mit einem Pferd, das denselben Namen trägt: Jack. Dass er in seiner Kindheit lieber Fußball spielte, wird den er 24-Jährigen sicher nicht aufhalten. Neben den genannten komplettieren Adrian Whiteway und Chacco Volo die britische Delegation.

Bei den Olympischen Spielen hieß es Großbritannien vor den USA und Frankreich.

Bei den Olympischen Spielen hieß es Großbritannien vor den USA und Frankreich. (© S. Lafrentz)

Unsere Joker

Die Schweiz würde natürlich auch gern mit einer Medaille nach Hause fahren – und hat definitiv die Leute dafür. Steve Guerdat und Dynamix de Belheme sowie Martin Fuchs und Conner Jei haben wie immer auch im Einzel Top-Chancen.

Der Europameister von 2025, Belgien, muss auf seine beiden Stärksten – Gilles Thomas und Ermitage Kalone – verzichten. Aber mit Nicola Philippaerts und Katanga v/h Dingeshof, Abdel Said und Wathnan Quaker Brimbelles Z und Thibeau Spits mit Impress-K van’t Kattenheye Z sind sie dennoch top dabei!

Immer für eine Medaille gut ist Frankreich, vor allem in der Teamwertung. Julien Epaillard ist hier mit Fringan de Vesquerie ebenso stark einzuschätzen wie Nina Mallevaey, die momentan stärkste Amazone der Weltrangliste, mit Dynastie de Beaufour.

Auch die Iren können ein Wörtchen um die Medaillen mitreden. Mit Shane Sweetnam reitet hier die aktuelle Nummer drei der Welt mit James Kann Cruz. Hinzu kommen vor allem Darragh Kenny und Eddy Blue, die auch im Einzel weit nach vorne reiten können.

Für eine Überraschung könnten die Titelverteidiger aus Schweden sorgen, wenn alles super läuft. Mit Peder Fredricsson und Alcapone des Carmille sowie Henrik von Eckermann, dem Titelverteidiger im Einzel, mit Minute Man gibt es hier zwei sehr starke Paare.

Aus Italien sei Piergiorgio Bucci in Sachen Einzelwertung zu nennen, der in diesem Jahr wirklich eine Menge Großer Preise auf Fünf-Sterne-Niveau gewinnen konnte. Hier wären aus Brasilien auch Rodrigo Pessoa und Major Tom, Harrie Smolders mit Mr. Tac, Willem Greve mit Grandorado TN N.O.P. und noch einige andere als Mitfavoriten genannt.

Ihr seht: Die Konkurrenz im Springen ist offen. Wie so oft. Mögen die Besten gewinnen!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert