Pferdewirt-Auszubildende im Stall © IMAGO / Frank Sorge

Das neue Ausbildungsjahr für Pferdewirte beginnt!

Pferdewirte kümmern sich ganz generell um die Versorgung und Ausbildung von Pferden. Vom frühmorgendlichen Misten bis zum letzten Füttern am Abend sind sie gewissermaßen rund um die Uhr für ihre Vierbeiner da.

Die Ausbildung zum Pferdewirt ist vielseitig!

Sie bilden Pferde in den verschiedenen Disziplinen aus, trainieren sie und stellen sie oft auch öffentlich vor. Zudem beraten sie die Kundschaft und erteilen Unterricht im klassischen Reitsport. Sie füttern, tränken und pflegen die Tiere und sorgen für ausreichende Bewegung. Schließlich sorgen sie für einen artgerechten Transport, säubern Ställe und Ausrüstung und beobachten den Gesundheitszustand der Pferde.

Spezialisierung in bestimmten Fachgebieten

Im Rahmen der Lehre können die angehenden Pferdewirte sich je nach Interesse auf verschiedene Fachgebiete spezialisieren. Besonders häufig wählen die Auszubildenden zum Pferdewirt die Bereiche Klassische Reitausbildung sowie Pferdehaltung und Service. Zur Wahl stehen darüber hinaus Pferdezucht, Spezialreitweisen oder Pferderennen.

Pferdewirte arbeiten hauptsächlich in Reitställen, Pferdebetrieben, Gestüten oder Deckstationen. Auch bei Reitsportvereinen, Reitschulen und Rennställen zählen zu ihren Arbeitgebern.


Pferdewirt und Influenzer Josef Libal (@tschossl) über seine Ausbildungszeit

Ich habe die Ausbildungszeit als Pferdewirt sehr genossen und würde es immer wieder so machen, auch wenn es natürlich nicht immer einfach und leicht war!

Ich selber war nie der stärkste Reiter, weshalb ich mich auch erst für die Ausbildung mit dem Schwerpunkt Pferdehaltung und Service entschieden habe. Gegen Ende der Ausbildungszeit war für mich ganz klar, den Schwerpunkt klassische Reitausbildung auch noch machen zu wollen.

Einige waren der Meinung, dass ich es nicht schaffen werde. Ich wollte es aber unbedingt. Das weitere Jahr war teilweise wirklich schwer, ich habe mir selbst viel Druck gemacht, gezweifelt und hinterfragt. Aber am Ende konnte ich auch dieses weitere Ausbildungsjahr erfolgreich und zufrieden abschließen um dann als Bereiter zu arbeiten.

Auch wenn ich mittlerweile nicht mehr in diesem Beruf arbeite, ist es ein toller und abwechslungsreicher Beruf bei dem viel Liebe, Feingefühl und Verständnis gebraucht wird. Bis heute lerne ich nicht aus, hinterfrage weiter und gehe den Weg, der sich für mich und die Pferde am richtigsten anfühlt!

Pferdewirt Josef Libal mit Pferd

Josef Libal gibt zu, dass er in der Ausbildung streckenweise auch Durchhaltevermögen beweisen musste – dass sich dies aber gelohnt hat und er sich auch wieder dafür entscheiden würde. (© Josef Libal)

Manche Dinge mache ich heutzutage anders, als ich es gelernt habe – es gibt nicht nur richtig oder falsch. Man arbeitet mit Tieren und dementsprechend darf man nie vergessen, immer individuell zu agieren.

Libals drei Pferdewirt-Azubi-Tipps

  1. durchhalten und nicht so schnell aufgeben
  2. seine Ziele verfolgen und weiter daran arbeiten
  3. immer wieder versuchen auch über den Tellerrand zu schauen und offen sein für neues

Berufung für Azubis mit Leidenschaft

Obwohl die Beruf „Pferdewirt“ zu einem der rund 300 Lehrberufen mit dualer Ausbildung zählt, ist Pferdewirt ja eigentlich kein Job. Es ist vielmehr Berufung für Menschen mit einem großen Herz für Pferde; Pferdewirt ist ein Beruf für Persönlichkeiten mit Packan, mit Fleiß und Elan.

Wer regelmäßig sein freies Wochenende braucht, Wind und Wetter fürchtet und sich die Finger nicht gerne dreckig macht, ist hier falsch! Angehende Pferdewirte müssen körperlich und mental belastbar sein, denn ihr Alltag ist lang und kräftezehrend. Für echte Pferdeliebhaber ist solch ein Alltag inmitten von Pferden, von reiten, pflegen und fegen aber auch ein gelebter Traum.

Duale Ausbildung zum Pferdewirt

Die Ausbildung zum Pferdewirt erfolgt im dualen Ausbildungssystem, das heißt die Lehrlinge wechseln Stall und Schulbank in regelmäßigen Abständen, fahren also ein- bis zweimal pro Woche aus ihrem anerkannten Ausbildungsbetrieb. Manchmal wird die Unterrichtszeit auch im Block angeboten.

Der Beruf Pferdewirt gehört organisatorisch zu den 14 „grünen Berufen“ in der Agrarwirtschaft und ist mit rund 88 Prozent Frauenanteil ziemlich fest in weiblicher Hand.

Ja, zum Pferd – Ja zur Zukunft als Pferdewirt!

Auch wenn der Alltag eines Pferdewirts hart und die Bezahlung nicht gerade üppig ist, gibt es doch viel, was für die Ausbildung zum Pferdewirt spricht: Die Berufsaussichten eines Pferdewirtes sind nach wie vor positiv, denn es besteht Bedarf an gut qualifizierten Pferdewirten. Und da weder KI noch Roboter in naher Zukunft in den Sattel steigen, wird das auf Sicht so bleiben. Zudem gibt es gute Weiterbildungsmöglichkeiten und wer offensiv networkt und sich gut connectet, wird auch finanziell nicht unbedingt schlecht dastehen.

Die wichtigsten Argumente, Pferdewirt zu werden sind aber ganz zweifelsohne die Pferde selber.

Das Pferd als beruflicher Fokus

Wer das Thema „Pferd“ beruflich zu seinem ganz persönlichen Mittelpunkt machen möchte, kann das übrigens auch in einer Reihe von anderen Berufen tun. Je nachdem ob man eine Lehre, oder ein (duales) Studium absolvieren möchte, es gibt viele interessante Möglichkeiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Vom Pferdewissenschaftler über den Hufschmied bis hin zum Einzelhandelsverkäufer im Pferdesportfachgeschäft …

Hufschmied schmiedet ein glühendes Hufeisen auf einem Amboss.

Die Arbeit mit und an Pferde hat viele Facetten. (© AdobeStock / Piaffe Photography)


Vorfreude pur: Ich werde Pferdewirtin!

Celina Bödecker, 21, wechselt nach dreijähriger Ausbildung zur Steuerfachangestellten aus dem Büro in den Stall und beginnt ihre Lehre zur Pferdewirtin im Ausbildungsbetrieb Bescht.

Celina Bödecker: Pferdewirtin wollte ich schon mein ganzes Leben lang werden, aber ich habe dann doch auf den Rat meiner Eltern gehört und zunächst eine Lehre als Steuerfachangestellte absolviert. Dadurch habe ich mir eine ’standfeste Basis‘ geschaffen, da ja der Beruf Pferdewirt nicht ganz ohne Risiko ist. Da kann – und dessen bin ich mir bewusst – immer mal etwas passieren.

Die Ausbildung im Steuerbüro habe ich nun erfolgreich abgeschlossen und jetzt freue ich mich wahnsinnig darauf, endlich meinen Traum zu realisieren.

Es geht endlich los

Morgen habe ich meinen ersten Arbeitstag, kann also noch gar nicht sagen, wie es ist oder wie es wird. Aber eine liebe Freundin vor mir, macht die Ausbildung ebenfalls, hat schon im August angefangen und findet es ‚einfach nur geil‘.

Worauf ich mich besonders freue? Auf die Pferde natürlich. Und auf abwechslungsreiche Tage. Und einfach darauf, all das zu machen, was ich liebe und was ich von der Pike auf lernen will, um es besonders gut zu machen. – Celina Bödecker, Pferdewirt-Azubi –

Respekt ja, Angst nein

Natürlich habe ich auch ein bisschen Respekt vor dem was kommt, vielleicht Fehler zu machen oder mit der ein oder anderen Situation ein bisschen überfordert zu sein, aber ich denke, das hat man in jeder Ausbildung. Angst jedenfalls habe ich nicht! Und ich bin in einem anerkannten Lehrbetrieb, das bedeutet, die werden mir da sicher zeigen, wie man alles richtig macht. Es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Ja zu harter Arbeit

Ich habe schon mein Leben lang mit Pferden zu tun und weiß, dass das körperlich anstrengend ist. Ich bin aber von Natur aus kein Mensch, der stundenlang auf der Couch liegt sondern gern in Bewegung und an der frischen Luft ist. Auch deshalb ist es höchste Zeit für mich, aus dem Büro rauszukommen.

Ich bin mir absolut sicher, dass ich die Ausbildung sowohl körperlich als auch mental gut wegstecke und bin total glücklich, dass es nun endlich losgeht.


Katharina Hemmer: „Haltet durch und lernt von den Pferden“

„Ich wünsche allen Pferdewirt-Azubis ganz viel Spaß und Erfolg bei ihrer neuen Ausbildung“, das sagt keine Geringere als die frisch gebackene Mannschaftsweltmeisterin Katharina Hemmer. Die Dressurreiterin, die im Stall von Team-Olympiasieger Hubertus Schmidt angestellt ist, weiter: „Ich wünsche ihnen allen viel Durchhaltevermögen und kann nur bestätigen, dass Fleiß sich am Ende immer auszahlt.“

Die viel gefeierte Bronzemedaillistin der Dressur-Kür ist überzeugt, „dass es sich wirklich lohnt, sich in jedes Pferd hineinzufühlen und es intensiv zu studieren“, da man von jedem Pferd lernen könne. Diese Erkenntnis sei wirklich entscheidend für sie gewesen, so Hemmer weiter. Auch wenn es mal schwierig würde, lohne es sich immer weiterzumachen. „Das zahlt sich am Ende aus, glaubt mir“, schickt der Shooting-Star eine große Portion Motivation in Richtung der Lehrlinge des Jahrgangs 2026.

Katharina Hemmer mit Denoix PCH

„Lernt von den Pferden“, gibt die neue Mannschaftsweltmeisterin Karharina Hemmer den Pferdewirt-Auszubildenden mit auf den Weg. (© Marie-Sophie Hemmer)

Willkommen, ich gratuliere Euch herzlich!

Christoph Hess beglückwünscht bei HOOFORIA alle Berufsstarter herzlich zu der Entscheidung, eine Pferdewirt-Ausbildung zu beginnen. Er weiß wie kaum ein zweiter, Pferdewirt zu werden ist etwas ganz besonderes, denn es ist „eine herrliche Berufung mit Tieren zu Arbeiten und ganz besonders mit Pferden.“

Christoph Hess: Lehrjahre sind keine ‚Herrenjahre‘. Das ist ein Satz, der für einen Auszubildenden wichtig ist. Dennoch Augen und Ohren offen halten und versuchen, in der Ausbildungszeit möglichst viel mitzunehmen, möglichst viel vom Ausbilder zu lernen. Das ist mir ganz besonders wichtig! Warum? Davon profitiert Ihr Euer Leben lang!

Im Umgang mit Pferden ist Demut eine wichtige Eigenschaft. In Eurer Ausbildungszeit werdet Ihr Erkennen, dass nicht alles nach Plan läuft, dass man Herausforderungen mit einzelnen Pferden hat, die man nicht einfach lösen kann. Aber im Regelfall gibt es dann doch immer einen Weg – einen PFERDEGERECHTEN Weg! Und ich hoffe, dass ihr dafür in eurer Ausbildung ein Gefühl dafür entwickelt, pferdegerecht mit jedem einzelnen Pferd umzugehen, damit jedes einzelne Pferd am Ende ein ‚Happy Horse‘ ist.

Trainier und Richter Christoph Hess

Trainier und Richter Christoph Hess rät allen angehenden Pferdewirten, alles an aufzusaugen, was sie im und um den Stall lernen können. (© Melissa Tielesch)

Wenn es in der Ausbildungszeit mal nicht so gut für euch läuft – warum auch immer – dann bitte durchalten. Durchhalten ist eine ganz wichtige Eigenschaft, die man lernt, wenn man mit Pferden umgeht. Nur derjenige, der wirklich durchhält, wird derjenige sein, der am Ende viel Freude und viel Erfolg mit Pferden haben wird. Und das wünsche ich euch.

Hals und Beinbruch für Eure Ausbildungszeit! Möge eine gute, eine glückliche Zeit vor euch liegen, möget ihr ganz ganz viel lernen und möget ihr nach der Lehre sagen: ‚Es hat sich gelohnt Pferdewirt zu werden.‘ Und dann steht euch die Welt offen, in der Pferdewelt, aber auch sicherlich darüber hinaus; denn das, was man von Pferden lernt und mit Pferden lernt, kann man in fast allen Lebensbereichen einsetzen, und auch das wünsche ich euch von ganzem Herzen.
Euer Christoph Hess

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert