Pferd Janoschs Traumstunde © Screenshot Janoschs Traumstunde

Natürlich gehörten Pferde zu Janoschs Traumwelt dazu.

Tschüss, Janosch, Held der Kindheit! Am 3. November ist er gestorben.

95 Jahre durfte er alt werden, der Künstler, Illustrator und Autor Janosch. Ein biblisches Alter. Ein traumhaftes, langes Leben. Und doch ist es traurig.

Denn Janosch war Held meiner Kindheit. Keine Woche, in der ich in den späten 1980ern nicht schon als ganz kleines Kind vor dem Fernseher saß und „Janoschs Traumstunde“ verfolgte. Figuren wie der kleine Bär, der kleine Tiger, der Quasselkasper und Günther Kastenfrosch begleiteten mich durch Kindergarten und Grundschulzeit. Mit „Oh, wie schön ist Panama“, „Komm, wir finden einen Schatz“, „Ich mach dich gesund, sagte der kleine Bär“ und „Post für den Tiger“ lernte ich nicht nur früh lesen, ich habe auch Werte wie Liebe, Freundschaft und Abenteuerlust auf besondere Art und Weise vermittelt bekommen. Denn das konnte Jansoch – und ich bin ganz sicher, dass meine Reisebegeisterung etwas mit dem Buch „Oh, wie schön ist Panama“ zu tun hat. Auch wenn der Bär und der Tiger gar nicht so weit gekommen sind und die Quintessenz darin liegt, dass es zuhause mindestens genauso schön ist und das Glück überall wartet.

Mit bürgerlichem Namen hieß er Horst Eckert und kam in Oberschlesien, das heute zu Polen gehört, zur Welt. Mit seiner Familie lebte er in einem Industriegebiet. Der Vater war Alkoholiker, die Mutter strenggläubig. Das hat ihn geprägt, sagte er später. Als Jungendlicher machte er eine Lehre zum Schmied. In Interviews betonte er, dass dies die wichtigste Zeit seines Lebens gewesen sei. Und vielleicht brachte sie ihn auch dazu, dass Pferde in seinem Werk eine wichtige Rolle spielten, auch wenn wir eher an Bären und Tiger denken.

Nach der Flucht im Zweiten Weltkrieg begann für Horst ein neues Leben. Er ging auf die Werkkunstschule Krefeld, nach Paris und studierte an der Akademie der bildenden Künste in München.

Eine Geschichte vom Pferd

1960 erschien sein erstes Kinderbuch, „Die Geschichte von Valek dem Pferd“. Die Hauptfigur ist ein einsames, etwas sonderbares Pferd, das schließlich den alten Wanja findet und ihm beim Ziehen eines Karrens hilft. Die Geschichte ist keineswegs nur heiter: Sie erzählt von Einsamkeit, Zuneigung und der Suche nach einem Platz im Leben. Vielleicht verarbeitete Janosch damit Kindheitserinnerungen. Es ist anzunehmen, konkret bestätigt hat er es nicht.

Valek das Pferd

Das Cover des ersten Buches von Janosch. (© Screenshot Valek das Pferd)

In der Geschichte heißt es an einer besonders schönen Stelle:

Und so ist Valek, das Pferdchen, dem Jarosch in stockdunkler Nacht nachgegangen. Ganz von allein. Niemand hätte sagen können, Jarosch hätte den Valek gestohlen. Nein, es war etwas ganz anderes: Valek hat die Geige geliebt. Denn muss man nicht irgendetwas lieben?

Mit „Valek und Jarosch“ folgte eine weitere Pferdegeschichte. Qusai eine Fortsetzung. Darin kommt der Schimmel Valek zu einem Mann namens Jarosch, dessen Geigenspiel ihn so berührt, dass er weinen muss. Doch die Armut zwingt Jarosch, sein Pferd zu verkaufen. Auch hier stehen die emotionale Bindung zwischen Mensch und Tier und die Verletzlichkeit des Außenseiters im Mittelpunkt. Auch später liefen immer wieder Pferde durch Janoschs bunte Tierwelt.

In den 1970er und 1980er Jahren kam der große Erfolg. Aber es war auch eine Zeit, in der Janosch krank wurde und sich nach Teneriffa zurückzog. Eine Zeit des Ruhms, mit der er manchmal haderte. Bis zum Schluss lebte er zurückgezogen und doch voller Tatendrang auf seinem Refugium im Atlantik.

Zu Pferden sagte er einmal auf die Frage im „Zeit Magazin“ hin, was man sich für ein Haustier anschaffen sollte:

Sie verbreiten eine gemütliche Stimmung. Und falls man mal schnell verschwinden muss, ist man damit flugs davon.

Als die Frage im „Zeit Magazin“ erneut aufkam, bekräftigte er seine Aussage auf typisch charmante Janosch-Weise:

Man sollte sich ein Pferd hinterm Haus zulegen. Es macht Eindruck. Und Rasen mähen muss man auch nicht mehr.

Janosch und die Pferde

Welches Tier sollte man sich anschaffen? Natürlich ein Pferd! (© Screenshot Zeit Magazin 2016)

Der große Waldbär

In „Janoschs Traumstunde“ sagte am Ende eine der Figuren immer: „Und jetzt kommt der große dicke Waldbär“. Das war für mich das Signal, dass Schluss war mit vor der Glotze sitzen. Doch die Freude über die jeweils neue Episode war immer groß. Dass es insgesamt nur 26 waren, eine nach den Maßstäben vieler aktueller Serien ganz geringe Zahl, kann ich aus heutiger Sicht kaum glauben. Denn sie haben mich geprägt wie wenige andere Fernsehsendungen. Nur „Pumuckl“ konnte mithalten.

Janosch

Pferde waren bei Janosch als Künstler immer präsent. (© Janosch Film und Medien AG)

In diesem Sinne: Danke, Janosch! Für 95 Jahre und all die Wunder, die in dieser langen Zeit entstaden. Und für deine Pferde und anderen Figuren! Für die Wunder der Kindheit, mit denen du viele heute Erwachsene geprägt hast!

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