Influencerin und Moderatorin Lisa Kestel gemeinsam mit ihrem Jungpferd Mooni.
Einen einzelnen #doitride-Moment habe ich eigentlich nie erlebt. Für mich war es immer ein Prozess. Ein fortlaufendes Hinterfragen, ein Abwägen und Lernen. Ich habe mich oft gefragt, ob ich überhaupt etwas Besonderes mache. Denn eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass jeder Mensch, der Verantwortung für ein Lebewesen übernimmt, nach bestem Wissen und Gewissen handelt.
Pferde können sich nicht aussuchen, bei wem sie ihr Leben verbringen. Genau deshalb liegt die Verantwortung vollständig beim Menschen. „Pro Pferd“ zu sein bedeutet für mich zunächst nichts Außergewöhnliches, sondern die Grundlage: artgerechte Haltung, gutes Futter in ausreichender Menge, Wasser, Zuwendung, tierärztliche Versorgung, regelmäßige Termine beim Schmied.
Wann beginnt echte Verantwortung im Reitsport?
Das sind keine besonderen Leistungen, sondern Selbstverständlichkeiten. Erst wenn darüber hinaus der Wunsch entsteht, ein Pferd zu reiten oder sportlich zu nutzen, beginnt der eigentliche Anspruch. Reiten ist kein Bedürfnis des Pferdes, sondern meines. Deshalb muss ich umso mehr darauf achten, dass seine Bedürfnisse jederzeit erfüllt sind und unsere Zusammenarbeit partnerschaftlich bleibt.
Dabei habe ich gelernt, dass „gut gemeint“ nicht automatisch „gut gemacht“ ist. Ich war lange überzeugt, dass Offenstallhaltung grundsätzlich die beste Lösung für jedes Pferd ist. Mit der Zeit wurde mir klar, dass es diese eine richtige Form nicht gibt. Jedes Pferd bringt eine eigene Geschichte mit, eigene Bedürfnisse, eigene Grenzen.
Was heißt „Pro Pferd“ im Alltag?
Ein Pferd, das viele Jahre anders gehalten wurde, kann von heute auf morgen mit einem vermeintlich idealen Haltungssystem überfordert sein. Dann geht es nicht darum, ein Ideal durchzusetzen, sondern individuell zu schauen, was dieses Pferd braucht – körperlich und mental. Vielleicht war genau das mein prägendster Lernprozess: das eigene Ideal nicht über das Pferd zu stellen. Stattdessen sensibel zu beobachten, das Tempo anzupassen und Veränderungen so zu gestalten, dass das Pferd mitgehen kann.
Gleichzeitig gehört zur Ehrlichkeit aber auch dazu, den Menschen nicht auszublenden. Reiten ist ein Hobby, oft teuer, zeitintensiv und emotional. Es darf deshalb auch Entscheidungen geben, die aus den eigenen Bedürfnissen entstehen. Wichtig ist nur, dass sie nicht zulasten des Pferdes gehen.
Eigene Bedürfnisse vs. Pferdewohl
Wenn ein Pferd und die eigenen Ambitionen langfristig nicht zusammenpassen, kann es die bessere Entscheidung sein, ihm einen anderen Platz zu suchen. Nicht aus Egoismus, sondern aus Verantwortung. „Pro Pferd“ heißt nicht zwangsläufig, alles um jeden Preis selbst weiterzuführen. Es kann auch bedeuten, loszulassen und eine Lösung zu finden, in der das Pferd genauso gut versorgt ist.
Was mich manchmal irritiert, ist die Romantisierung rund um Begriffe wie „pro Pferd“ oder „#doitride“. Es wirkt, als gäbe es eine einzige richtige Entscheidung. In Wirklichkeit ist es viel komplexer. Verantwortung bedeutet nicht Perfektion, sondern ständiges Beobachten, Hinterfragen und Anpassen. Deshalb gibt es für mich auch keinen klaren #doitride-Moment. Es ist vielmehr ein Weg, der nie abgeschlossen ist – und der mit jedem Pferd, jeder Erfahrung und jeder Entscheidung weitergeht.
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