Viele Kinderhände und ein großes Glück: Ponys zu Besuch bei LIFE Hamburg. © Valerie Jenner

Viele Kinderhände und ein großes Glück: Ponys zu Besuch bei LIFE Hamburg.

Zwei Shetland-Wallache mitten in Hamburg, viele Kinderhände und eine Frage, die schnell ganz praktisch wird: Wie nähert man sich einem Pferd?

„Guck mal, meine Hände.“ Ein Mädchen hält beide Handflächen in die Kamera. Pferdestaub, lose Haare, ein bisschen Schmutz: Man sieht den Händen an, was das Mädchen an diesem Vormittag erlebt hat. HOOFORIA-Chefredakteurin Charlotte Karlinder beugt sich vor, riecht daran und stellt fest: „Riecht nach Pferd.“

Zwei kleine Shetland-Ponys – Winzer und Surprise – sind aus dem Stall in die Großstadt gekommen. Auf dem Schulhof warten Kinder, von denen einige Pferde bislang vor allem aus Büchern, Filmen oder aus der Ferne kennen. Nun stehen sie direkt vor ihnen: ein Schimmel mit dichter heller Mähne und ein brauner Wallach, ruhig genug für all die Hände, Bürsten und Fragen, die gleich auf sie zukommen werden.

Zwei Ponys auf Mission in der Vielfalt Pferd Aktionswoche: Winzer und Surprise.

Zwei Ponys auf Mission in der Vielfalt Pferd Aktionswoche: Winzer und Surprise. (© Valerie Jenner)

Wenn das Pferd zu den Kindern kommt

„Wer möchte denn mal so ein Pony putzen?“, fragt Karlinder. Die Antwort kommt sofort und vielfach: „Ich!“ Hände schnellen nach oben, die Kinder drängen neugierig nach vorn. Wenig später fahren Bürsten durchs Fell. Ein Huf wird angehoben und ausgekratzt. Kinder führen die Ponys am Strick, flechten eine Mähne und lernen, dass zum Umgang mit Pferden auch das gehört, was weniger fotogen ist. Ein Junge greift zur Schaufel und räumt Pferdeäpfel vom Hof. Die Kinder erfahren, wie nah sie herantreten dürfen, wo ein Pony sie sehen kann und wie es auf ihre Bewegungen reagiert. Die Tiere sind dabei kein Programmpunkt, der einfach abgespult wird. Sie geben das Tempo vor. Genau deshalb trägt die Begegnung den Titel „Auf Augenhöhe“. Bei Shetlandponys darf man das wörtlich nehmen. Gemeint ist aber auch: Wer einem Pferd begegnet, muss aufmerksam sein, beobachten und reagieren.

Für viele Kinder ist es der erste unmittelbare Kontakt zu Pferden.

Für viele Kinder ist es der erste unmittelbare Kontakt zu Pferden. (© Valerie Jenner)

Janina Lin Otto: vom Pferd zur Schule

Für Janina Lin Otto führt dieser Tag zwei Teile ihres Lebens zusammen. „Ich war so pferdeverrückt, dass ich sogar mit meinem Pferd zur Schule geritten bin“, erzählt die Unternehmerin und Springreiterin. Heute sind die Pferde zu Gast an einem Bildungsort, den sie gemeinsam mit ihrem Mann Benjamin Otto auf den Weg gebracht hat. Aus der Arbeit ihrer gemeinnützigen Holistic Foundation entstand LIFE HAMBURG im Stadtteil Bramfeld: Ein Campus für lebenslanges Lernen, generationsübergreifendes Miteinander und ganzheitliches Wohlbefinden. Zum Campus gehört auch die Academy of LIFE, eine ebenfalls von dem Stifterpaar gegründete Schule in freier Trägerschaft, die mehr stärker auf individuelle Stärken, Vertrauen und jahrgangsübergreifendes Lernen setzt als auf klassischen Gleichschritt. Der Pferdebesuch passt deshalb gut an diesen Ort.

Janina Lin Otto mit Chefredakteurin Charlotte Karlinder und Redakteurin Melissa Tielesch sowie den Ponys Surprise und Winzer.

Janina Lin Otto mit Chefredakteurin Charlotte Karlinder und Redakteurin Melissa Tielesch sowie den Ponys Surprise und Winzer. (© Valerie Jenner)

„Gerade diese Inspiration für unterschiedliche Aspekte des Lebens ist hier etwas ganz Besonderes“, sagt Janina Lin Otto. Als sie über die Begegnung der Kinder mit den Ponys spricht, ist ihr anzusehen, wie persönlich ihr das Thema ist. „Sich einfach mal inspirieren zu lassen, mal so ein Pferd zu streicheln, mal zu schauen: Was macht das mit mir? Wie guckt es mich an? Wie reagiert es, wenn ich etwas Bestimmtes mache? Das kann neue Perspektiven öffnen und den einen oder anderen dafür begeistern, sich mehr mit der Verbindung zwischen Mensch und Pferd auseinanderzusetzen.“

Darin erkennt sie auch die gemeinsame Linie mit HOOFORIA: „Menschen wieder an die Hand zu nehmen und gemeinsam Neues zu entdecken.“

Ganz vorsichtig und behutsam nahmen einige der Kinder Kontakt zu den Ponys auf.

Ganz vorsichtig und behutsam nahmen einige der Kinder Kontakt zu den Ponys auf. (© Valerie Jenner)

Eine Aktionswoche für die erste Begegnung

Der Besuch ist Teil der zweiten bundesweiten Aktionswoche „Vielfalt Pferd“, die vom 12. bis 20. September 2026 stattfindet. Der gleichnamige Verein will das Pferd in der Gesellschaft wieder sichtbarer machen und vor allem Menschen erreichen, die bislang kaum Berührungspunkte mit Pferden hatten. Bei der Premiere 2025 kamen nach Angaben des Vereins durch 700 Aktionen mehr als 50.000 Menschen mit dem Thema Pferd in Kontakt. Die Idee ist so simpel wie faszinierend: Pferdemenschen öffnen Ställe oder bringen Pferde dorthin, wo Menschen sind. „Aktionswochen wie die von Vielfalt Pferd sind einfach wichtig“, sagt Charlotte Karlinder. HOOFORIA unterstütze die Initiative, „weil das Pferd weiterhin eine wichtige Rolle im Leben von vielen Menschen spielen soll“.

Ponys auf dem Schulhof

Ponys auf dem Schulhof: Welcher Erwachsene hätte sich das früher nicht selbst gewünscht? (© Valerie Jenner)

An diesem Vormittag wird die übliche Richtung deshalb einfach umgedreht: Nicht die Kinder fahren zum Stall. Die Ponys kommen zu ihnen. Das passt auch zum HOOFORIA-Wertesystem #doitride. Denn wer Menschen ans Pferd bringen will, sollte ihnen nicht nur Begeisterung vermitteln, sondern auch einen respektvollen und verantwortlichen Umgang mit dem Tier. Auf dem Schulhof wird das schnell konkret. Putzen heißt eben nicht nur, ein weiches Fell zu spüren. Es heißt auch, auf die Reaktion des Ponys zu achten. Führen bedeutet nicht nur, einen Strick festzuhalten. Und wer Verantwortung übernimmt, greift irgendwann auch zur Schaufel.

Glückliche Kinder, glückliche Ponys - so soll es sein.

Glückliche Kinder, glückliche Ponys – so soll es sein. (© Valerie Jenner)

„Einfach, weil sie da sind“

Am Ende fragt Karlinder die Kinder, was Pferde für sie besonders macht. Ein Mädchen beschreibt das Gefühl beim Reiten: „Es fühlt sich einfach an, als würde ich fliegen.“ Ein Junge denkt an den Sport: „Dass man mit ihnen Turniere gewinnen kann.“ Ein anderes Kind mag Pferde, „weil die schön flauschig sind“. Dann sagt ein Kind: „Einfach, weil sie da sind.“ Mehr muss an diesem Vormittag eigentlich gar nicht passieren. Nicht jedes Kind an diesem Tag auf dem LIFE HAMBURG Campus wird später reiten. Darum geht es auch nicht. Aber jedes hat ein Pferd aus der Nähe erlebt, angefasst, beobachtet und ein Stück weit verstanden. Der Pferdestaub an den Händen lässt sich wieder abwaschen.

Ganz besondere Begegnungen waren an der Tagesordnung beim Besuch der Schule von LIFE HAMBURG.

Ganz besondere Begegnungen waren an der Tagesordnung beim Besuch der Schule von LIFE HAMBURG. (© Valerie Jenner)

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