Steve Guerdat und Iashin Sitte © Hanna Heinonen/Helsinki Horse Show

Steve Guerdat und Iashin Sitte auf dem Weg zum Sieg.

Es war ein hochspannendes Stechen um die letzte Weltcup-Station der Westeuropa-Liga vor dem Finale in Fort Worth/Texas. Sieben Paare insgesamt hatten sich qualifiziert, darunter auch eine Überraschung aus Deutschland. Die 25 Jahre alte Paula de Boer-Schwarz reitet auch gern einmal eine Vielseitigkeit, auch das Dressurviereck bei den Spezialisten ist vor ihr keineswegs sicher. Und doch schlägt ihr Herz ganz besonders fürs Springen. Geritten ist sie schon als Baby, vorn auf dem Sattel ihres Vaters Wieger de Boer, dem bekannten Dressurausbilder. Von ihm hat sie die ganze Begeisterung und Pferdeliebe geerbt. Erst jüngst gewann sie das Indoor-Eventing in Neumünster. Die erfolgreiche Teilnahme im Springen dort bescherte ihr die Startmöglichkeit in Helsinki, die sie voll und ganz zu nutzen wusste.

Beim Weltcup über 1,60 Meter ritt sie nämlich mit der zwölfjährigen Oldenburger Stute My Miss Marple OLD die erste Nullrunde aller Teilnehmer. Kunststück, sie war die erste Reiterin des Springens. Aber solch eine Coolness muss man bei der Weltcup-Premiere erst einmal an den Tag legen. Sie war zwar im Stechen mit ihrer Mylord Carthago-Tochter nicht am schnellsten unterwegs, doch ein vierter Platz im Weltcup ist ein großartiger Erfolg. Paula de Boer-Schwarz war die einzige deutsche Teilnehmerin im Stechen.

„Ich bin gerade der glücklichste Mensch auf der Welt und kann das alles selbst noch nicht glauben!“, betonte sie nach dem Erfolg. „My Miss Marple hat so für mich gekämpft und sich dabei so gut angefühlt. Es fühlte sich an, als sei alles möglich. Wir vertrauen uns zu 100 Prozent und in Helsinki hatte ich das Gefühl, wirklich alles sei möglich!“

Sieg für Steve Guerdat

Der Sieg im Weltcup ging derweil an einen Altmeister, der wieder genesen ist: Steve Guerdat. Vor rund einem Jahr laborierte er an einer Rückenverletzung, wurde mehrfach operiert. Dass er wieder da ist, weiß man schon seit den Turnieren des Winters in der Schweiz. Nun also auch wieder ein Weltcup-Sieg, den er souverän nach Hause brachte. Bis einschließlich Paula de Boer-Schwarz gab es ausschließlich Nullrunden auf den vorderen Plätzen zu verzeichnen. Guerdat kitzelte jedoch mit seinen 38,00 Sekunden das letzte heraus. An seiner Seite: Iashin Sitte, zwölfjähriger Wallach von Bamako de Muze, aus einer Tinka´s Boy-Mutter. Das Herauskitzeln war aber auch nötig, denn die zweitplatzierte Oda Charlotte Lyngvaer mit der zwölfjährigen Zangersheider Stute Carabella vd Neyen Z war nur 0,04 Sekunden langsamer. Platz drei ging an Victor Daem mit der elfjährigen Stute Kavaliers Blue von Zirocco Blue.

„Ich freue mich über den Sieg. Natürlich gibt es nichts Schöneres als zu gewinnen, aber ich bin vor allem sehr erleichtert, dass ich mir nun mein Ticket für das Finale gesichert habe. Ich denke, jeder, der sich für diesen Sport interessiert oder mich kennt, weiß um meine besondere Beziehung zur Weltcup-Serie und zum Weltcup-Finale“, freute sich der Sieger Steve Guerdat.

Ein besonderes Lob sprach er dem neuen Organisationskomitee aus. Vielleicht ist es einigen schon aufgefallen, dass das Turnier zum Ende der Saison auch einen neuen Startplatz gefunden hat. „Ich finde, die Show war schon vorher sehr gut, ich bin immer gerne nach Helsinki gekommen, aber sie haben etwas Unglaubliches geschafft. Wir Athleten haben unsere Preise und Medaillen bekommen, aber ich finde, auch das Komitee hat heute eine verdient, denn auch sie sind große Gewinner für das, was sie geleistet haben. Als Teilnehmer können wir den Organisatoren nur dankbar sein, dass sie uns solche Etappen bieten, auf denen wir unter besten Bedingungen antreten können.“

Teilnehmer fürs Finale stehen fest

Auch die Zweitplatzierte war glücklich: „Ich bin zum ersten Mal nach Helsinki gekommen und stehe nun im Finale, was zu Beginn der Saison eigentlich nicht mein Ziel war. Ich dachte, ich würde in Oslo antreten, dann bekam ich die Chance, nach A Coruña zu fahren, und als ich mehr Punkte gesammelt hatte, dachte ich mir: Okay, versuchen wir es noch ein bisschen weiter.“

Aus deutscher Sicht stehen Daniel Deußer und Richard Vogel auf sicheren Beinen für das Weltcup-Finale. Da immer einige Reiter zurückziehen, sind die Chancen auch für Patrick Stühlmeyer und Philipp Schulze-Topphoff als gemeinsame Nummer 20 noch gegeben. Die beiden belegten in Helsinki mit ihren Pferden Baloutaire PS und Carla NRW in Helsinki nach jeweils einem Abwurf im Umlauf die Plätze zwölf und dreizehn, was jeweils noch eine geringe Punktausbeute mit sich brachte.

Mit Paula de Boer-Schwarz freute sich derweil auch Söhnchen Tjadde. Der ist zwei Jahre alt und ihr ganzer Stolz!

Das komplette Ergebnis des Weltcups gibt es hier.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert