Können Vanessa Crnadak und La Paix im Finale der vierjährigen Reitpferdehengste ihren Erfolg aus dem letzten Jahr wiederholen? Ihre damalige Wertnote haben sie in diesem Jahr bereits übertroffen.
Als die erste Abteilung der vierjährigen Hengste mit der Aufgabe beginnt, ist schnell klar: Hier muss es hohe Noten regnen. Und so war es auch. Ein Raunen geht durchs Publikum, als die Wertnoten für Zacolar bekanntgegeben werden
Da haben sich die Richter noch nicht so ganz getraut.
-Kommentator
Eine 9,7 für den Trab und Sina Aringer hat im Sattel ein freudestrahlendes Lächeln im Gesicht. Sie lobt den westfälischen Hengst von Zanetti aus einer Escolar-Mutter ausgiebig. Dann lässt die 10,0 für den Galopp auch nicht lange auf sich warten. „Na geht doch“, lacht der Kommentator.
Die vierjährigen Hengste setzen Maßstäbe
Und damit ist noch nicht Schluss. Es folgt eine glatte 9 für den Schritt, eine 9,8 für die Rittigkeit und eine 9,7 für den Gesamteindruck unter dem Sattel. Am Vortag wurde der Hengst mit einer 7,9 bei der Gebäudebeurteilung bewertet. Ein leichtes Buhen ist aus dem Publikum zu vernehmen, welches damit nicht einverstanden zu sein scheint. Als Gesamtwertnote erzielte der Westfale schließlich eine 9,46 und platzierte sich auf Rang zwei.
Zacolar reiste bereits mit reichlich Vorschusslorbeeren nach Warendorf: Er verließ 2024 die Westfalen-Körung als gefeierter Siegerhengst und untermauerte seinen Zuchtwert seither mit herausragenden Noten in der Hengstleistungsprüfung. Während er im vergangenen Jahr als Dreijähriger in Warendorf seine ersten Gehversuche auf dem Championatsparkett absolvierte und bereits das Finalticket löste, hat er über den Winter massiv an Kraft und Durchlässigkeit gewonnen. Sina Aringer löste auch mit Pramwaldhof’s Bonds in Gold das Finalticket.
Traumnote 9,70: Be my Guest sprengt alle Erwartungen
Als könnte es fast nicht viel besser gehen, ist in der zweiten Abteilung dann endgültig ein extrem hoher Maßstab für die folgenden Hengste gesetzt. Be my Guest 4 wird direkt zwei Mal mit der Traumnote 10,0 belohnt. Zum einen für den Galopp, zum anderen für die Rittigkeit. Was muss das wohl für seine Reiterin Dionne Korringa für ein Reitgefühl sein, auf diesem Dunkelfuchs von Bonds aus einer Sezuan-Mutter zu sitzen?
Mit dieser Anpaarung hat Züchterin Zoe Sierks alles richtig gemacht. Die Richter scheinen nun in Geberlaune zu sein: eine 9,8 für den Trab und den Gesamteindruck sowie einer 9,5 für den Schritt lautet die weitere Bewertung. Das Publikum mischt erneut mit und scheint auch hier die Gebäudenote von 8,6 anders zu sehen. Aber bei lauter Neunen und Zehnen kann eine an sich gute Note schnell viel zu niedrig angesetzt erscheinen.
Die vierjährigen Hengste schreiben Geschichte
Am Ende heißt es so oder so: 9,70 für Be my Guest, der im Besitz von Van Bockxgrave Horses ist. Ein Wert, den in den letzten zwei Jahrzehnten selbst spätere Weltmeister und Ausnahmevererber im Warendorfer Reitpferdeviereck nur extrem selten erreichen konnten. Die Marke von 9,5 durchbrachen zum Beispiel Benicio, Zauberlehrling PS oder San Amour II. Lord Loxley tanzte mit Einzelnoten von 10,0 im Trab und Schritt zu einer Gesamtnote von 9,50.
Secret erzielte 2017 in der Finalqualifikation der dreijährigen Hengste eine Sensationsnote von 9,50. Für Be my Guest ist das Viereck in Warendorf keineswegs neu: Bereits 2025 reiste er als dreijähriger Nachwuchsstar zu den Bundeschampionaten und sorgte im Finale der Reitpferdehengste für Aufsehen. Nach einem Jahr Reifepause präsentiert er sich noch einmal deutlich geschlossener und körperlich gefestigter.
Bronze für Oldenburger Siegerhengst La Paix
Das hochkarätige Treppchen komplettierte La Paix, geritten von Vanessa Crnadak, mit einer Gesamtwertnote von 9,08. Der spektakuläre Fuchshengst von La Vie aus einer Sir Donnerhall I-Mutter ist der Vollbruder des ehemaligen Oldenburger Siegerhengstes Bonds. Schon 2025 knisterte es im Viereck, als La Paix dreijährig im Warendorfer Finale mitmischte und sich in den Rängen der besten Nachwuchspferde Deutschlands platzierte.
Züchterin ist Katharina Paschertz und der Oldenburger ist im Besitz von Andreas Helgstrand/Helgstrand Dressage. Auch seine positive Entwicklung macht ihn zu einem der spannendsten Hengste seines Jahrgangs bei den Bundeschampionaten. La Paix punktete ebenfalls in Sachen Rittigkeit mit einer 9,5. Eine 9,6 gab es für den Galopp, eine glatte 9 für den Schritt und den Gesamteindruck unter dem Sattel. Der Trab wurde mit einer 8,4 bewertet und der Gesamteindruck an der Hand mit einer 8,6.
Hochspannung für das Finale
Dass alle drei Erstplatzierten die magische Marke von 9,0 hinter sich gelassen haben, verspricht ein spektakuläres Finale am Sonntag. Mit dem Wechsel hin zur Dressurpferdeprüfung der Klasse A wird sich zeigen, wer diese gewaltige Grundqualität am besten in die geforderten Lektionen übersetzen kann.