Reiten ist ein Kindheitstraum – fürs Kind. Für die Eltern bedeutet es oft eine Herausforderung zwischen Sorge, Kosten und Organisation. Doch der Start im Sattel bedeutet mehr: Verantwortung, Vertrauen und den Beginn einer besonderen Verbindung. Das alles kennt unsere Kollegin Anna Portugall nur zu gut – von ihren Eltern und den Eltern ihrer Freundinnen. Hier teilt sie mit, was sie bei ihren Reitanfängen erlebt hat, und kehrt an den Ort zurück, wo alles anfing: zu ihrer ersten Reitlehrerin.
Es gibt da diesen einen Satz, der bei Eltern gemischte Gefühle auslösen kann – und ich weiß das aus eigener Erfahrung. Ich habe es bei meinen Eltern erlebt. Und bei den Eltern meiner Freundinnen. Er lautet: „Ich will reiten.“ Auf der einen Seite entsteht da die Freude: über die Begeisterung für Tiere, über das Interesse an Bewegung, über die Faszination Pferd.
Auf der anderen Seite die Angst: vor Stürzen, vor dem Aufwand, vor den Kosten. Aber gut, erst mal geht es in die Reitschule. Die erste Reitstunde. Einmal die Woche. Pferde haben schließlich einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Kindern. Sie lernen Verantwortung, den Umgang mit Tieren, Empathie. Und so siegt die Freude über die Angst.
Die erste Reitstunde beginnt
Aufgeregte Kinder in der Bahn und Eltern an der Bande, die versuchen, sich ihre Sorgen nicht anmerken zu lassen. Für Eltern, die selbst keinen Bezug zu Pferden haben und bei denen es auch im Freundeskreis keinen „pferdigen“ Einfluss gibt, fühlt sich der Start in den Reitsport oft wie ein Sprung ins Unbekannte an.
Die ersten Fragen rattern durch den Kopf: Welche Reitschule ist die richtige? Welche Ausrüstung benötigt mein Kind? Ein Helm? Pflicht! Festes Schuhwerk? Ebenfalls! Eine Sicherheitsweste? Vielleicht schon zu viel – oder doch nicht? Nach unzähligen Google-Recherchen und noch mehr gelesenen Bewertungen bleibt das Gefühl der Unsicherheit. Was ist wirklich wichtig?
Reiten lernen beginnt am Boden
Ich besuche Petra Frank. Sie ist seit mehr als 20 Jahren Reitlehrerin in einer Kinderreitschule – und sie war meine erste Reitlehrerin. Sie weiß aus erster Hand, wie schwer ein guter Start für Reitanfänger und deren Eltern sein kann. Und sie weiß, was von einer guten Reitschule gefordert wird. „Es ist wichtig, dass Reitlehrer Eltern jeden Schritt, den ihre Kinder machen, gut erklären können“, sagt sie. „Wenn die Eltern merken, dass ihr Kind sicherer im Umgang mit den Tieren wird und Stürze auch mal dazugehören, wird die anfängliche Sorge oft weniger, und die Eltern werden gelassener.“
Ein guter Einstieg ins Reiten beginnt auch nicht erst auf dem Pferd, sondern bereits am Boden – beim Streicheln, Putzen, Führen und Beobachten. Es geht darum, ein Gefühl für das Lebewesen zu bekommen, mit dem man sich beschäftigt. Denn genau das ist der Unterschied zu anderen Sportarten: Beim Reiten gehört ein Tier dazu, das nicht unsere Sprache spricht. „Die Hauptangst bei den meisten Eltern ohne eigene Pferdeerfahrung ist die Bewegung eines Pferdes oder Ponys. Denn sie können das Tier ja nicht einschätzen und misstrauen ihm deswegen. Es ist gar nicht das Pferd selbst, vor dem sie Angst haben – es ist seine Bewegung“, erklärt die erfahrene Reitlehrerin.
Erste Reitstunde – erster Eindruck
Und was ist noch ein guter Hinweis, ob die Reitschule passend ist oder nicht? Der Umgangston spielt auf jeden Fall eine wichtige Rolle. Wird viel geschrien oder kommandiert? Oder wird ruhig erklärt? Auch der Umgang zwischen Reitlehrern und Pferden ist ein wichtiges Merkmal dafür, ob eine Reitschule gut ist. Denn Reitlehrer sind für die Kinder oft die ersten Vorbilder. Also, wie reagiert ein Reitlehrer, wenn das Pferd mal nicht so „funktioniert“, wie gewünscht?
Wenn beim ersten Besuch eine freundliche Atmosphäre herrscht, die Pferde gesund und gepflegt aussehen und Sicherheit sowie Fairness an erster Stelle stehen, ist man meistens am richtigen Ort, um den ersten Meilenstein der Reitkarriere seines Kindes zu legen. Wenn die richtige Reitschule gefunden ist, beginnt die erste Reitstunde, der Alltag – und mit ihm die wohl größte Herausforderung für viele Eltern: das große Ganze.
Geld, Zeit und das große Ganze

Reitlehrerin Petra Frank weiß: Am Ende sind nicht nur die Kinder happy, wenn sie anfangen zu reiten. (© Privat)
Reiten ist kein günstiges Hobby – das ist längst kein Geheimnis mehr. Die Liste ist lang: Reitunterricht, Vereinsbeitrag, Reithose, Stiefel, Helm und vieles mehr. Hinzu kommt der Zeitaufwand, allein schon für die Fahrten. Und wir wissen alle: Es bleibt selten bei diesem einen Tag in der Woche.
Ist die Begeisterung für das Pferd erst einmal entfacht, kommt schnell ein zweiter Tag dazu, später die erste Reitbeteiligung, vielleicht das erste Turnier – und irgendwann vielleicht sogar das eigene Pferd. Aus einem Nachmittag in der Reitschule werden mehrere Nachmittage – mit einem Getränk in der Hand auf der Bank, umgeben von gleichgesinnten Eltern. Und genau darin liegt wiederum der Charme: Reitsport verbindet. Nicht nur die, die selbst im Sattel sitzen, sondern auch die Eltern. In dieser Gemeinschaft lässt sich dann auch mal die ein oder andere Fahrt teilen.
So steht man also irgendwann das erste Mal am Hallenrand, das Kind sitzt stolz auf dem Pony, und man selbst hält den Atem an. Ein kurzer Moment, der alles wert ist – alle Sorgen, alles Googeln, jede noch so kalte Reitplatzbank. Und auch Petra bestätigt:
In meinen mittlerweile mehr als 24 Jahren als Reitlehrerin habe ich noch nie von einem Elternteil gehört, dass es die falsche Entscheidung war, ihr Kind mit dem Reiten anfangen zu lassen.
Warum die erste Reitstunde nur der Anfang ist
Reiten lernen ist kein Ziel, sondern ein Weg voller kleiner Rückschläge, großer Fortschritte und unvergesslicher Momente. Auf diesem Weg wachsen Kinder, und ihre Eltern gleich mit. Wer einmal erlebt hat, wie tief die Verbindung zwischen Mensch und Pferd sein kann, der weiß: Diese Entscheidung war nie die falsche.
