Unserer Leserin Julia erzählt, wie eine Springstunde ihr ganzes Leben verändert hat.
Ich war 20 Jahre alt, hatte gerade mein Abitur bestanden und steckte voller Energie. Es war ein heißer, trockener August 2002 und der Boden hart wie Beton. Wie jeden Donnerstag stand Springtraining an. Mein Pferd Charmeur, ein neunjähriger Holsteiner Fuchswallach, ein Geschenk meines Großvaters, war sensibel, vermögend und nervlich nicht immer stabil. Ich hatte ihn selbst ausgebildet und bis Springpferde L vorgestellt.
An diesem Tag bereitete uns der Wassergraben erneut Probleme. Charmeur sprang zögerlich, bekam die Stange zwischen die Vorderbeine, kam ins Straucheln und überschlug sich. Die Sekunden dehnten sich, dann landete er auf dem Rücken – auf mir. Zunächst dachte ich, es sei nicht so schlimm. Ich konnte meine Zehen bewegen. Da kein Krankenwagen verfügbar war, wurde ein Helikopter geschickt. Erst in der Notaufnahme kam ich wieder richtig zu mir.
Der Reitunfall und seine Folgen
Die ersten Tage sind in meiner Erinnerung wie ausgelöscht. Zunächst ging man von einer einfachen Beckenfraktur aus, doch der Befund war deutlich gravierender: vier Brüche im vorderen Beckenbereich, der hintere Teil nahezu zertrümmert. Drei Monate sollte ich flach liegen. Ob ich jemals wieder laufen können würde, war ungewiss.
Nach zwei Wochen folgte der nächste Rückschlag: eine Thrombose im rechten Bein. Eine Notoperation war nötig. Erst nach drei Monaten begann die Mobilisation, zunächst im Wasser, dann an Land. Schließlich kam der Tag der Entlassung – zurück zu Familie, Freunden und meinen Pferden.
Dieser Reitunfall und seine Folgen haben mein Leben nachhaltig geprägt. Meine Fitness und mein Wille haben es mir ermöglicht, wieder zu laufen und wieder zu reiten – und zwar früher, als viele es erwartet hatten: Zwei Wochen nach der Entlassung saß ich wieder im Sattel.
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