Hand an Pferdemaul © Christiane Slawik

Wie geht es weiter mit dem Pferdesport in Deutschland?

Die Begeisterung für das Pferd in noch mehr Verantwortung münden lassen – für eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Pferd und Mensch, für ein respektvolles Miteinander und fairen Sport. So formulierte es die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) bei der Vorstellung der Initiative „Pferdesport Deutschland“ auf der Messe spoga horse in Köln Anfang Februar. Man stehe mit dieser Bewegung für „Pferdesport mit Herz und Haltung“, für Zusammenhalt, für Werte, für Orientierung.

Und auf der Internetseite von Pferdesport Deutschland heißt es, man verstehe sich nicht nur als Verband für Sport und Zucht, sondern sehe es explizit als eine weitere Aufgabe an, „das Kulturgut Pferd ideell im Bewusstsein der Bevölkerung zu pflegen und zu bewahren“. Es sind starke Worte. Und sie sind bewusst gewählt. Denn sie reagieren auf eine Stimmung, die im Pferdesport längst spürbar ist: Da ist Verunsicherung. Druck. Rechtfertigungsbedarf.

Stallgasse

Bleiben Stallgassen bald leer? Die Preissteigerungen machen es der Pferdehaltung nicht gerade leicht. (© Christiane Slawik)

Kulturgut Pferd oder exklusive Nische?

Wer heute vom „Kulturgut Pferd“ spricht, tut das nicht im luftleeren Raum, sondern in einer Phase, in der sich vieles verschiebt. Was bedeutet also dieser Begriff? Der Duden definiert ein Kulturgut als ein „Gut der Kultur“ – etwas, das in einem kulturellen Zusammenhang von Bedeutung ist und als wertvoll oder bewahrenswert gilt. Gemeint ist damit nicht bloß ein Gegenstand, sondern etwas Identitätsstiftendes, historisch Gewachsenes, von einer Gemeinschaft Getragenes. Ein Kulturgut rechnet sich nicht zwingend, macht nicht unbedingt Profit. Vielmehr gilt es als Teil des eigenen Selbstverständnisses.

Übertragen auf das Pferd heißt das: Es geht um mehr als Sport, um mehr als Medaillen, Ranglisten und internationale Serien. Es geht um gewachsene Strukturen im ländlichen Raum, um Ausbildungswissen, das über Generationen weitergegeben wurde, um Landgestüte, Reitschulen, Vereine, Turnierplätze und ebenso um Ehrenamt, Nachwuchsgewinnung, Wertevermittlung.

Warum das Pferd mehr ist als ein wirtschaftlicher Faktor

Ein Kulturgut ist nichts, was sich allein über Marktlogik erklärt. Es ist etwas, das eine Gesellschaft für erhaltenswert hält – selbst dann, wenn es aufwendig ist oder nicht mehr profitabel. Man denke an Theater oder Opernhäuser, an Chöre, an das Vereinswesen oder an regionale Volksfeste. Sie rechnen sich selten allein über Eintrittskarten. Und doch würde kaum jemand infrage stellen, dass sie Teil kultureller Identität sind. Eine Gemeinschaft hat entschieden, dass sie dazugehören und deshalb werden sie akzeptiert, öffentlich gefördert und politisch (mehr oder weniger) verteidigt. Ihr Wert bemisst sich nicht nur in Zahlen, sondern in Bedeutung.

Und genau an diesem Anspruch muss sich der deutsche Pferdesport heute messen lassen. Er muss zugänglich gehalten werden – nicht nur für eine kleine, zahlungskräftige Gruppe. Denn eine Nische funktioniert anders. Auch sie kann hochprofessionell, leidenschaftlich und anspruchsvoll sein – aber sie bleibt auf einen begrenzten Kreis beschränkt. Was zur Nische wird, verliert seine breite Selbstverständlichkeit.

Turnierplatz für Pferdesport in Deutschland

Pferde für alle? Der Verband Pferdesport Deutschland macht es sich zur Aufgabe, den Pferdesport zugänglich zu halten. (© Stefan Lafrentz)

Wie steht es um die Basis im Pferdesport-Deutschland?

Ist das Pferd in Deutschland also noch ein Kulturgut? Denn während der Verband von „Herz und Haltung“ spricht, kämpfen vielerorts Reitschulen mit steigenden Energie- und Futterkosten. Während von Verantwortung die Rede ist, müssen Betriebe kalkulieren, ob sie sich zusätzliche Pausentage, qualifiziertes Personal oder moderne Haltungssysteme überhaupt leisten können. Reiten ist für viele Familien kaum noch bezahlbar. Während Gemeinsamkeit beschworen wird, werden Turnierkalender dünner und ehrenamtliche Strukturen fragiler.

Hier gibt es Konzepte und Beratungen der FN. Aber es gibt auch noch eine weitere ökonomische Frage: Sponsoring im Pferdesport ist kein dekoratives Beiwerk, sondern ein Bekenntnis. Wer bleibt, erhält alte Traditionen. Wer geht, setzt ebenfalls ein Zeichen. Neue Geldgeber bringen nicht nur Mittel, sondern auch Einfluss. Mit Investitionen aus dem Ausland – etwa durch das Engagement von Al Shira’aa bei den Bundeschampionaten und anderen großen Turnieren – fließt neues Kapital in deutsche Traditionsformate. Das sichert Veranstaltungen, schafft Planungssicherheit und internationale Sichtbarkeit.

Neue Geldgeber, neue Fragen

Zugleich wirft es Fragen auf: Wer prägt künftig inhaltliche Entwicklungen? Wo entstehen Abhängigkeiten? Und wie selbstbestimmt bleibt ein System, wenn zentrale Veranstaltungen ohne externe Geldgeber kaum noch tragfähig wären? Internationalisierung ist natürlich kein neues Phänomen. Doch sie verändert weiter die Gewichtung. Wenn große Budgets anderswo locken und sportliche Perspektiven sich verlagern, steht Deutschland vor einer strategischen Entscheidung: Will es Gestalter bleiben – oder akzeptiert es eine Rolle als Austragungsort in einem zunehmend globalisierten Markt?

Gleichzeitig wird an zentralen Stellschrauben gedreht: Die Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO) wurde turnusgemäß überarbeitet, Ausbildungswege angepasst. Aber jede Reform trägt eine zweite Ebene in sich: Reagiert hier ein System auf gesellschaftlichen Wandel – oder auf schwindende Teilnahmezahlen? Wenn das Pferd in Deutschland ein Kulturgut ist, dann stellt sich die nächste unbequeme Frage: Wird es gerade aktiv bewahrt – oder lediglich verwaltet, während seine Basis weiter bröckelt?

Pferdesport: Führzügelklasse in Deutschland

Große Turniere zeigen Glanz und Leistung – doch die Zukunft des Pferdesports in Deutschland wird vor allem abseits der Stadien entschieden. (© Christiane Slawik)

Was bringt die neue APO wirklich?

Die FN verweist darauf, dass es bei „Pferdesport Deutschland“ „weniger darum geht, ein einzelnes Problem zu lösen, sondern Kräfte zu bündeln und unsere Haltung klar sichtbar zu machen“. Man wolle das Pferd „konsequent in den Mittelpunkt stellen“ und unter einem Dach Menschen vereinen, „die Verantwortung übernehmen – im Sport, in der Zucht, in der Ausbildung und in der Freizeit“, wie der Vorstandsvorsitzende Dr. Dennis Peiler auf Nachfrage von Hooforia sagt.

Die Verschmelzung von FN und DOKR solle genutzt werden, „um unsere Strukturen für die Zukunft auszurichten und den Sport gesellschaftlich weiter zu festigen“. Die Reform der APO, die seit dem 1. Januar 2026 in Kraft ist, sei eine konsequente Weiterentwicklung, heißt es aus Warendorf. Neue Trainer-Einstiegsqualifikationen sollen Einsteiger besser begleiten, Reitabzeichen wurden neu benannt, um mehr Klarheit zu schaffen, welche Qualifikation für welchen Turnierstart notwendig ist. Prüfungsformate für Abzeichen werden flexibler, das Regelwerk solle „leben“ und nicht mehr ausschließlich an starre Rhythmen gebunden sein, so Dennis Peiler.

Was ist Reform – und was wäre schon ein Rückschritt?

Kritisch gefragt, wo die Grenze zwischen Öffnung und möglicher Absenkung von Anforderungen verlaufe, antwortet der Vorstandsvorsitzende deutlich: „Es wurden keine Anforderungen gesenkt, um Teilnahmezahlen zu stabilisieren. Es geht darum, Angebote für alle pferdebegeisterten Menschen – vom Einsteiger bis zum erfahrenen Reiter – zu schaffen. Messbar wird der Qualitätsgewinn daran, dass Ausbildungsstandards klar definiert und einheitlich umgesetzt werden, Pferde richtig ausgebildet sind und Reiterinnen und Reiter die vorgesehenen Qualifikationen erwerben. Unser Ziel ist es, dass Theorie und Praxis in der Reitlehre immer besser übereinstimmen.“

Auch im internationalen Kontext sieht sich der Verband in der Verantwortung. Themen wie die erlaubte Ausrüstung im Springen oder die Weiterentwicklung der Jungpferdeausbildung würden intensiv diskutiert. Man setze bewusst auf Weiterentwicklung aus eigener Überzeugung heraus, wolle klare, nachvollziehbare Standards setzen und sei hier „international Vorreiter“.

Als Beispiel nennt Peiler den vor über zehn Jahren eingeführten Kriterienkatalog für den Vorbereitungsplatz sowie die sogenannten Info-Stewards. „Und ja, wir wollen noch besser werden“, sagt Dennis Peiler mit einem Blick in die Zukunft.

Ausritt im Herbst

Gemeinschaftliches Ausreiten in der Natur: Um das zu schützen, muss das Pferd kulturell verankert bleiben. (© Christiane Slawik)

Der Pferdesport in Deutschland hofft auf Aachen – zu Recht?

Die Weltmeisterschaften 2026 in Aachen, zu denen mehr als eine halbe Million Menschen erwartet werden, seien für ihn mehr als ein sportliches Großereignis. Sie sollen zeigen, wie leistungsfähig, publikumswirksam und emotional anschlussfähig der Pferdesport in Deutschland ist. Man wolle die WM gemeinsam mit dem Aachen-Laurensberger Rennverein zu einem „Sommermärchen im Pferdesport“ machen.

Die Haltung von „Pferdesport Deutschland“ werde im Laufe dieses Jahres durch konkrete Maßnahmen noch deutlicher sichtbar werden. „Ein Beispiel ist der Jungpferdegipfel im Februar: Nach dem Auftakttreffen galten bereits zwei Wochen später beschlossene Anpassungen für die Al Shira’aa Bundeschampionate 2026. So werden dreijährige Reitpferde bei den Bundeschampionaten nur noch eine Prüfung gehen und Vierjährige keinen Fremdreitertest mehr absolvieren.“

Was bringen die neuen Regeln jungen Pferden?

Diese Neuerung wird im Übrigen nicht einhellig positiv begrüßt. Zwar soll sie dazu führen, die Verweildauer der jungen Pferde und Ponys auf dem Prüfungsplatz zu verringern – Kritiker fürchten jedoch, dass dadurch der objektive Maßstab durch eine Reiterin oder einen Reiter, die oder der das Tier vorher nicht kannte, verloren geht.

Das Pferd als Kulturgut Niedersachsens

Die Legitimation für das Kulturgut Pferd ergibt sich aber sowieso nicht nur in großen Stadien und bei populären Championaten. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium beschreibt das Pferd als „unbestreitbar von großer Bedeutung“ für das Land – kulturell wie wirtschaftlich. Es gehöre zur Identität Niedersachsens, stehe symbolisch im Wappen, sei Wirtschaftsfaktor und würde „sehr positiv und landestypisch wahrgenommen“.

Pferdesport: Abteilungsreiten-Reitunterricht-Gruppe in Deutschland

Reitschulen, Vereine, Ehrenamt: An der Basis entscheidet sich, ob der Pferdesport in Deutschland Kulturgut bleibt – oder zur Nische wird. (© Markus Austerhoff)

Wie Niedersachsen Pferdezucht und Pferdesport stützt

Mit mehr als 230.000 registrierten Pferden und mehr als 120.000 Mitgliedern in Reit- und Fahrvereinen zählt Niedersachsen zu den bedeutendsten Pferdeländern Deutschlands. Das Landgestüt Celle werde als integrierter öffentlicher Auftrag verstanden: Zucht, Aus- und Weiterbildung, Bewahrung pferdekulturellen Erbes, regionale Wertschöpfung.

Niedersachsen „bewahrt also pferdekulturelles Erbe und trägt durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und touristische Angebote auch zur regionalen Wertschöpfung bei. Priorität haben für uns dabei Tierwohl, Nachhaltigkeit und die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Angebote“, antwortet auf Nachfrage die Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Miriam Staudte (Grüne).

Gleichzeitig sei die öffentliche Förderung heute „deutlich fokussierter und überwiegend züchterisch ausgerichtet“. Unterstützt werden unter anderem die Erhaltung vom Aussterben bedrohter Rassen, Leistungsprüfungen und Gesundheitsdatenerfassungssysteme. Das Land bekennt sich klar zur Breitenverankerung von Pferdezucht und Pferdesport und wolle eine „nachhaltige und sozial ausgewogene Pferdekultur bewahren, die für breite Bevölkerungsschichten offenbleibt“.

Pferdesport in Deutschland unter besonderer Beobachtung

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht den Reitsport in einer besonderen Situation. Wegen der spezifischen Beziehung zwischen Mensch und Tier stünden Tierwohl, Sicherheit und ethische Fragestellungen stärker im Fokus als in vielen anderen Sportarten. Diese Themen würden gesellschaftlich „oft kontrovers diskutiert“, sagt Barbara Lischka, Verbandsberatung und Sportförderung aus dem Geschäftsbereich Leistungssport, auf Hooforia-Nachfrage. Der DOSB begrüße, dass die FN „eine sichtbare Verbesserung herbeizuführen versucht“ und Lernbereitschaft fördert.

Zugleich erinnert Lischka daran, dass Sport grundsätzlich niederschwellig zugänglich bleiben müsse. „Sport ist ein unerlässlicher Teil unserer Gesellschaft. Einige der Ziele, die wir mit unserer Arbeit im Breiten- und Leistungssport verfolgen, sind soziale Teilhabe, Gleichberechtigung, Gesundheitsförderung und ehrenamtliches Engagement. Die Pflege der Vereinsstrukturen ist das Fundament des Sports in Deutschland. Werte wie Fairness, Solidarität, Chancengleichheit durch Inklusion und Integration, Menschenrechte und der Kampf gegen Manipulationen (z. B. Doping) sind für uns unverhandelbar.“

Gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen arbeite der DOSB daran, die aus gesellschaftlichen Entwicklungen resultierenden Anpassungen zu implementieren. Um die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft zu unterstützen und zu stärken, würden Aspekte wie Nachwuchs- und Mitgliedergewinnung und eine tragfähige Kosten- und Infrastruktur berücksichtigt.

Frau mit Pferd auf einer Weide

„Das Pferd hat nicht ausgedient. Aber unser Umgang mit ihm entschiedet, ob es gesellschaftlich eine Zukunft hat.“ – Anika Laubner – (© Markus Austerhoff)

Was passieren muss, damit das Pferd Kulturgut bleibt?

Die FN hat selbst die Maßstäbe formuliert, an denen sich das „Kulturgut Pferd“ messen lassen muss. Gefährdet sei es dann, „wenn drei Dinge gleichzeitig eintreten: wenn der Zugang zum Pferdesport für breite Bevölkerungsschichten verloren geht, wenn fachliches Wissen in Haltung und Ausbildung schwindet – und wenn die gesellschaftliche Akzeptanz nachhaltig wegbricht. Kulturgut lebt nicht allein von Tradition, sondern davon, dass es verstanden, getragen und weitergegeben wird“, konstatiert Dr. Dennis Peiler.

Deshalb sehe er es als die Aufgabe von Pferdesport Deutschland an, Wissen zu sichern, Standards weiterzuentwickeln, Transparenz zu schaffen und Menschen den Zugang zum Pferd zu ermöglichen. „Denn das Kulturgut Pferd bleibt nur dann lebendig, wenn es verantwortungsvoll gelebt und aktiv gestaltet wird – nicht, wenn es sich nur auf Vergangenes beruft.“

Pferdesport in Deutschland braucht mehr als gute Worte

Genau hier verdichtet sich die Debatte. Denn steigende Kosten betreffen nun mal auch den Pferdesport. Die FN spricht von einer gemeinsamen Aufgabe, „Rahmenbedingungen so mitzugestalten, dass Pferdehaltung und -sport auch künftig möglich sind“. Initiativen wie „100 Schulpferde plus“ sollen gezielt Vereine und Betriebe stärken, um Kindern und Jugendlichen weiterhin einen niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen. „Viele Menschen wünschen sich mehr Stall- statt Screenzeit“, heißt es aus Warendorf. Doch der Wunsch nach Stallzeit allein trägt kein System, wie uns auch die Reitschulbetreiberin Anika Laubner aus Gütersloh berichtet hat.

Die wichtigsten Säulen sind also deutlich geworden. Um das Kulturgut Pferd zu erhalten, muss

  1. der Zugang gesichert,
  2. Wissen erhalten und
  3. gesellschaftliche Akzeptanz gestärkt werden.

Die Politik spricht von Breitenverankerung und wirtschaftlicher Bedeutung. Der DOSB mahnt Reformbereitschaft und niederschwellige Zugänge an. Die Frage ist also nicht mehr, ob der Pferdesport sich verändern muss – sondern wie schnell und wie konsequent.

Ausritt bei Sonnenuntergang am Strand

Der Pferdesport in Deutschland steht unter wachsendem Druck – wirtschaftlich, strukturell und gesellschaftlich. (© Christiane Slawik)

Was jetzt über die Zukunft entscheidet

  • Wenn Zugang ein Kernkriterium für das Fortbestehen des Kulturguts ist, dann wird die Entwicklung der Schulpferdebetriebe und Vereine zum Gradmesser. Entscheidend wird sein, ob daraus strukturelle Entlastung entsteht.
  • Wenn Wissen die zweite Säule ist, dann muss sich die überarbeitete Fassung der APO daran messen lassen, ob sie tatsächlich Qualität sichert und Ausbildung stärkt – und nicht nur Prozesse modernisiert. Das wird sich nicht an Pressemeldungen zeigen, sondern in der Praxis: an Lehrgängen, an Prüfungen, an der Durchlässigkeit zwischen Basis und Leistungssport.
  • Wenn gesellschaftliche Akzeptanz das dritte Kriterium ist, dann wird Transparenz mehr sein müssen als ein Versprechen. Debatten um Ausrüstung, Jungpferdeprüfungen oder Trainingsmethoden werden nicht leiser werden.

2026 wird also ein Prüfjahr und die Weltmeisterschaften in Aachen werden ein Schaufenster – für Leistungsfähigkeit, Organisation, Emotion. Aber sie werden nicht beantworten, wie es um die Fläche steht, um Reitschulen, um Ehrenamt und um die Frage, wer sich ein Pferd noch leisten kann.

2026 wird zum Härtetest für den Pferdesport

Das „Kulturgut Pferd“ wird sich daher weniger bei einem Sommermärchen entscheiden als in der täglichen Praxis. In der Art, wie Ausbildung gestaltet wird. Oder In der Frage, wie Betriebe wirtschaftlich überleben können und ob sich Privatleute ihre Pferde noch leisten können und wollen. In der Bereitschaft, Standards transparent zu machen – und auch unbequeme Anpassungen vorzunehmen.

Vielleicht ist die treffendste Formulierung die der FN selbst: „Ein Kulturgut lebt davon, dass es verstanden, getragen und weitergegeben wird.“ Die kommenden Jahre werden zeigen, ob das gelingt und ob das Pferd in Deutschland weiterhin als Teil kultureller Identität verstanden wird – oder ob es sich schleichend in eine exklusive Nische zurückzieht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert