Stefanie Krüer erzählt, wie sie Schritt für Schritt zurück in die Sicherheit fand.
Ich war damals 30 Jahre alt und saß seit meiner Kindheit im Sattel. Mit sechs habe ich Reiten gelernt und mit elf mein erstes eigenes Pony bekommen. Meine Eltern sagten: Du kannst reiten, so viel du willst, aber wir fahren nicht jedes Wochenende auf ein Turnier. Wir hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb, und das Pony stand bei uns zu Hause. Ich bekam es, als es fünf war, und durfte es bis zu seinem letzten Tag begleiten. In all den Jahren bin ich nur sehr selten gefallen. Tatsächlich bin ich in meiner Kindheit öfter mit ihm gemeinsam umgekippt als alleine und hatte daher nie Angst nach einem Reitunfall.
Im Juli 2021 erfüllte ich mir dann einen großen Wunsch und kaufte mein erstes eigenes Pferd: einen vierjährigen dunkelbraunen Wallach namens Daimiro. Er war erst wenige Monate unter dem Sattel und beherrschte die Grundgangarten sowie gerade Linien. Weil ich wenig Erfahrung mit so jungen Pferden hatte, ritt ich die ersten drei Monate nur mit Unterstützung von unten. Ich wollte nichts überstürzen und schon gar nichts kaputtmachen.
Der Unfall: Irgendetwas stimmte nicht
An diesem Tag merkte ich schon beim Aufsteigen, dass etwas nicht stimmte. Er war ungewöhnlich angespannt. Daimiro fand vieles, was von mir als Reiterin kam, noch gruselig: eine Jacke ausziehen, die Arme bewegen, Geräusche. Ich stieg im Eingang der Halle auf und dachte mir, Bewegung würde ihm helfen, also wollte ich direkt losreiten.
Er ging drei Schritte, und plötzlich bockte er los. Nach dem dritten Sprung wusste ich, dass ich diesmal nicht oben bleiben würde. Zwei Bocksprünge später lag ich im Sand, direkt vor ihm. Daimiro galoppierte aus der Halle, während ich versuchte, mich zu sortieren.
Unter Schock – Angst nach einem Reitunfall
Körperlich waren es am Ende nur ein paar Prellungen, aber innerlich war alles durcheinander. Ich war seit etwa 15 Jahren nicht mehr gefallen, und dieser Sturz hat mich komplett aus der Bahn geworfen. Ich bin nach dem Ablongieren wieder aufgestiegen, aber ich stand unter Schock. Wochenlang fühlte ich mich unsicher, monatelang arbeitete ich daran, wieder zu meiner Selbstverständlichkeit zurückzufinden.
Bis heute weiß ich nicht, was der Auslöser war, vielleicht der Sattel, vielleicht etwas ganz anderes. Fest steht nur: Er hat es nie wieder gemacht und ist inzwischen ein sehr braves Pferd. Doch dieser eine Moment hat sich tief eingebrannt.
Meine Lehre aus dem Sturz vom Pferd
Heute bin ich wieder sicher im Sattel, und wir sind ein echtes Team geworden. Aber ich reite anders. Achtsamer. Und bewusster. Ich höre stärker auf mein Bauchgefühl. Wenn ich spüre, dass etwas nicht stimmt, ignoriere ich es nicht mehr. Ich achte viel genauer auf Daimiros Körpersprache. Wenn er Stress zeigt oder sich verspannt, versuche ich, die Situation sofort für ihn zu verändern. Ich nehme nichts mehr als selbstverständlich hin und lobe deutlich mehr.
Alles, was er gut macht, alles, wofür er sich überwindet, bekommt Anerkennung. Jedes Mal, wenn er mir in ungewohnten oder unangenehmen Momenten sein Vertrauen schenkt, sage ich ihm das auch. Daimiro und ich sind heute ein eingespieltes Team. Und dieser Sturz, so schmerzhaft er innerlich auch war, hat uns beide ein Stück weitergebracht.

Was hat denn nun wirklich geholfen? Im Artikel wird die Frage leider nicht beantwortet. Schade.