Mit einer OP-Versicherung können Pferdebesitzer vermeiden, bei hohen OP-Kosten in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Auf was man beim Abschluss einer OP-Versicherung achten sollte und wie sich die GOT auf diese Versicherungen auswirkt.
13 Euro im Monat oder 150 Euro monatlich? Als Basis-Schutz oder für noch mehr Sicherheit im Rundum-Sorglos-Paket? Wenn man eine OP-Versicherung bzw. eine Krankenvollversicherung (inkl. OP-Versicherung) für sein Pferd abschließen möchte, gibt es zahlreiche Angebote. Hier muss man etwas Zeit investieren und sich genau ansehen, was in welchem Umfang versichert ist, welche Höchstsummen oder Versicherungsausschlüsse es gibt und vor allem, für was man bereit ist, monatlich auch mehr zu zahlen.
Woran aber liegt es, dass manche Pferde teurer in der Versicherung sind und wie hoch sind die Kosten insgesamt gestiegen?
Gestiegene Versicherungskosten durch die GOT
Seit der Überarbeitung der GOT sind viele tierärztliche Leistungen spürbar teurer geworden. Versicherer beobachten seitdem durchweg höhere Schadensaufwände – teils um 50 Prozent oder mehr, abhängig vom Eingriff. Neben angepassten Gebührensätzen spielt vor allem die detailliertere Struktur der Abrechnung eine Rolle.
Für Pferdebesitzer bedeutet das: Eine Operation oder ein stationärer Klinikaufenthalt kann schnell hohe Summen erreichen, weshalb fast alle Anbieter ihre Beiträge anpassen mussten. Gleichzeitig betonen Versicherer und Tierärzte, dass die GOT wichtig bleibt, um Tiermedizin langfristig wirtschaftlich und qualitativ stabil zu halten.

Zahlt die Versicherung ein MRT? Und in welcher Höhe werden OP-Kosten übernommen? Hier gibt es viele Unterschiede! (© Slawik)
Warum die OP-Versicherung fürs Pferd teurer wird
Auch Michael Edzards, Leiter der Generalvertretung R+V Vereinigte Tierversicherung in Nienhagen, berichtet von deutlich höheren Kosten. „Seit dem November 2022 sind die Schadensquoten überproportional gestiegen. Das bedeutet, unsere Ausgaben wurden deutlich höher als die Einnahmen. Gleichzeitig sind wir verpflichtet, ausreichende Deckungsbeiträge vorzuhalten, um die den Versicherten zugesicherten Leistungen auch erfüllen zu können. Wir können nicht anders, als die Beiträge anzupassen.“
„Wir wollen die Leistungen nicht einschränken“, so Edzards weiter, „weder für Bestands noch für Neukunden. Also müssen wir die Beiträge anpassen, um das gewährleisten zu können. Wir hatten im Zuge der GOT-Anpassung die Sätze für die Exzellentdeckung von 39 auf 64 Euro angepasst. Aber das hat nicht gereicht. So müssen wir für die Vollversicherung nun demnächst ca. 100 Euro pro Monat berechnen in der Hoffnung, dass das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben dann passt.“
Planbare Kosten statt Risiko
Trotz gestiegener Versicherungskosten schließen immer mehr Pferdehalter eine Versicherung ab. Peter Bornschein, der für die Agria Tierversicherungen arbeitet, rät dringend zu dieser finanziellen Absicherung. „Mit einer Versicherung hat man monatlich planbare Kosten und man kann sich für den Worst Case absichern, der mittlerweile nicht mehr nur die Kolik-OP ist. Das Sparguthaben wird bei vielen immer weniger und damit sinken auch die Ansparrücklagen für den Worst Case.“
Die GOT hält auch er für richtig, da sie eine flächendeckende Versorgung durch den Tierarzt sichern soll, aber sie mache nun eine Absicherung nötig. „Agria bietet aber bewusst keine OP-Versicherung einzeln an, sondern eine Krankenvollversicherung, bei der OPs mit eingeschlossen sind. Ich selbst bin seit 2,5 Jahren Pferdebesitzer und mein Tier hatte zum Glück noch keine OP, aber es hat schon viele tierärztliche Behandlungen benötigt.“
Teure Rassen, teure Standorte

Größe und Rasse des Tieres können eine Rolle dabei spielen, wie viel man monatlich für eine OP-Versicherung zahlen muss. (© Slawik)
Wie hoch die Tierarztkosten ausfallen, hängt auch davon ab, welchen Gebührensatz der Tierarzt berechnet: einfach, zweifach oder dreifach. In der GOT steht, dass die Gebühr unter Berücksichtigung der Schwierigkeit der Leistungen, des Zeitaufwandes, des Zeitpunktes des Erbringens der Leistungen, des Wertes des Tieres und der örtlichen Verhältnisse zu bemessen ist. Imke Brammer Rahlfs von der Uelzener sagt dazu:
„Das macht sich auch bei den Abrechnungen bemerkbar. Natürlich haben wir die Tarifierung immer weiterentwickelt und gerade in Anbetracht der GOT wird die Rasse bzw. eigentlich die Größe der Tiere zunehmend eine Rolle spielen, nicht der reine Wert. Sie können ja auch für einen Hannoveraner ,von bis‘ bezahlen. Der Wert des Pferdes ist bei einer Lebensversicherung relevant, bei einer Operationskostenversicherung aber nicht entscheidend.“
Wie berechnet sich eine OP-Versicherung fürs Pferd?
Typische Daten, die man bei einem Modellrechner für OP-Versicherungen angeben muss, sind das Geburtsdatum des Pferdes, seine Rasse, seine Nutzung und sein Standort. Wir haben uns beim Modellrechner der Agria ein Angebot für eine Krankenvollversicherung inklusive OP-Versicherung im Basisschutz für eine achtjährige Welsh Cob Stute erstellen lassen, die als Reitpferd genutzt wird.
Steht das Pferd in Schleswig-Holstein, zahlt man monatlich 47,44 Euro. Gibt man als Standort Hamburg ein, sind es 51,96 Euro. Machen wir aus dem Welsh Cob eine KWPN Stute, wird es pro Monat in Hamburg um etwa 17 Euro teurer, in Schleswig Holstein etwa um 14 Euro. Grund dafür ist aber nicht etwa die GOT.
Die GOT spielt gar nicht rein, weil wir unabhängig davon leisten. – Peter Bornschein –

Bei manchen Versicherungen spielt es für die Prämienberechnung eine Rolle, wo das Pferd steht: ob eher ländlich oder in der Stadt. (© Slawik)
Warum Agria in Deutschland anders kalkuliert
„Agria ist mit der Krankenvollversicherung für Pferde in Deutschland erst seit November 2023 auf dem Markt. Wir hatten bis dahin vor allem in den skandinavischen Ländern Pferdeversicherungen, versichern seit 1890 Pferde in Schweden. Deutschland ist das einzige Land, das eine GOT hat. In anderen Ländern wird das nicht reguliert, jeder Tierarzt bzw. jede Klinik kann das berechnen, was er oder sie für angemessen hält“, erläutert Bornschein.
„Da wir seit 133 Jahren Pferde versichern, haben wir sehr verlässliche Daten, um auch rassebezogen zu kalkulieren. Wir unterscheiden über 100 Pferderassen. Warmblüter sind statistisch gesehen krankheitsanfälliger als Ponyrassen. Isländer sind mit am günstigsten, Warmblüter tendenziell etwas teurer.“
Wenn Erfahrung Geld spart
Dass ein Tier auf dem Land günstiger versichert wird als in der Stadt, hat vor allem zwei Gründe: Bei Agria hat man die Erfahrung gemacht, dass Tierhalter auf dem Land erfahrener sind und seltener bei den ersten Symptomen zum Tierarzt gehen – der in ländlichen Regionen meist auch etwas weiter entfernt liegt.
Erfahrung ist für den Versicherer ein wichtiger Punkt. So erhalten Kunden in Schweden von Agria Prämienvorteile, wenn sie sich Ausbildungsvideos von Agria mit Grundkenntnissen zur Pferdehaltung ansehen. In Deutschland gibt es dieses Konzept noch nicht, aber es ist in Planung. Auch bei der Uelzener wird auf Aufklärung gesetzt, beispielsweise über regelmäßige Newsletter mit relevanten Informationen rund um das Thema Pferd.
Was die OP-Versicherung fürs Pferd bietet
Ein weiterer Punkt, mit dem Versicherungen hohe Tierarztkosten vermeiden wollen, ist die telefonische Beratung bzw. das Einholen einer Zweitmeinung. „Die Versicherten haben bei geplanten Operationen die Möglichkeit, sich von unseren erfahrenen und sehr gut vernetzten Gesellschaftstierärzten eine Zweitmeinung einzuholen“, erklärt Michael Edzards. Die Uelzener versichert Telemedizin grundsätzlich mit, damit sich Pferdebesitzer eine tiermedizinische Vorinformation oder Zweitmeinung einholen können.
Bei Agria erhalten alle Versicherungskunden eine kostenlose digitale tierärztliche Beratung. Das bedeutet eine schnelle Beurteilung, weniger Sorgen und die Vermeidung unnötiger Tierarztbesuche. Bei Fragen erhält man über die Agria App innerhalb von 20 Minuten eine Videosprechstunde mit einem Tierarzt. Diesen Service kann man unbegrenzt in Anspruch nehmen. „Das ist nicht nur ein erheblicher Mehrwert für den Kunden, wir können auch schon jetzt sehen, dass bei ca. 40 Prozent derjenigen, die unsere Beratung in Anspruch nehmen, kein Besuch mehr beim Tierarzt oder in der Klinik notwendig ist“, erläutert Peter Bornschein.

Laut Versicherern sind Behandlungen im Durchschnitt um 50 bis 60 Prozent teurer geworden. (© Slawik)
Versicherungsbedingungen checken
Folgende Punkte sollte man sich genauer ansehen:
- Wie lange ist die Wartezeit? Mit Wartezeit ist der Zeitraum zwischen Abschluss der Versicherung und dem Eintritt des Schadenfalls gemeint. Hat man z. B. eine OP Versicherung am 1. Mai abgeschlossen und eine Wartezeit von drei Monaten, so zahlt die Versicherung nicht, wenn das Pferd am 15. Juni wegen einer Verletzung in der Klinik behandelt werden muss.
- Welche Rolle spielt das Alter des Pferdes? Bei manchen Versicherern ist eine Krankenversicherung ab einem bestimmten Alter nicht mehr möglich (z. B. bei GHV ab 20 Jahre). Es kommt auch vor, dass Versicherer die Prämien für bereits versicherte Tiere ab einem bestimmten Alter erhöhen.
- Sind Vorerkrankungen ein Ausschlusskriterium? Bis zu welchem Zeitpunkt müssen rückwirkend Vorerkrankungen angegeben werden? Spielt die Art der Vorerkrankung eine Rolle? Manche Versicherer lehnen es ab, chronisch kranke Tiere zu versichern.
- Welche Operationen sind versichert? Bei einer OP Versicherung wird nicht automatisch für jede Operation bezahlt, einige Eingriffe sind nicht versichert. Das ist bei einigen Tarifen oft der Fall für eine Chip Operation. Auch Kastrationen, Arthroskopien, endoskopische Eingriffe oder bestimmte Zahnbehandlungen werden teilweise nicht übernommen. In den Versicherungsbedingungen werden diese Ausschlüsse angegeben – genau durchlesen vor Abschluss!
- Welche Gebührensätze der GOT werden erstattet? In der GOT sind für alle Leistungen des Tierarztes verschiedene Gebührensätze angegeben. Die Angebote der Versicherer reichen in der Regel von der Übernahme des einfachen Satzes bis hin zum zweifachen Satz. Es gibt aber auch (teurere) Angebote, über die ein höherer Satz oder unabhängig von der GOT abgedeckt werden kann. Ein durchaus entscheidender Punkt, da hohe Summen im Spiel sind.
- Wie hoch ist der Erstattungssatz? Werden 100 Prozent der tierärztlichen Kosten übernommen oder weniger?
- Gibt es eine Höchstsumme pro Schadenfall? Maximal 1.500 Euro für eine Operation, 4.000 Euro oder keine Höchstsumme – auch das ist ein Punkt, den man sich bei Abschluss genau ansehen sollte, da es hier um viel Geld geht. Je nach Operation kann es unterschiedliche Höchstsummen geben.
- Gibt es eine jährliche Höchstsumme? Zusätzlich zur Höchstgrenze bei einzelnen Operationen kann es noch eine Jahreshöchstgrenze geben.
- In welchem Land ist das Pferd versichert? Nur in Deutschland oder auch in Europa oder gar weltweit?
- Welche Narkosearten sind versichert? Vollnarkosen sind in den meisten Fällen versichert, anders sieht es mit Behandlungen aus, die unter Sedierung und Standnarkose erfolgen. Sie sind nicht immer eingeschlossen.
- Sind Nachbehandlungen in der Klinik versichert? Falls ja, wie lange? Der stationäre Aufenthalt geht oft ins Geld. Prüfen Sie, ob er mitversichert ist und wie viele Tage die Versicherung übernimmt.
- Werden Kosten für Medikamente und Material (z. B. Verband) übernommen?
- Welche Untersuchungsmethoden werden bezahlt? Manchmal werden die Kosten für bildgebende Verfahren wie MRT oder Szintigrafie nicht übernommen.
- Zahlt der Versicherer für regenerative Therapien? (z. B. Eigenblut Therapie bei Sehnenschaden)
- Werden die Kosten für alternative Heilmethoden übernommen?
- Sind physiotherapeutische Behandlungen eingeschlossen?
- Gibt es eine Selbstbeteiligung? Und würde es sich lohnen, diese in Kauf zu nehmen, um weniger für die Versicherungsprämie zu zahlen?

Vor Abschluss einer Versicherung sollte man genau wissen, welche Kosten die Versicherung abdeckt. (© Slawik)
Wie man bei der OP-Versicherung fürs Pferd sparen kann
Anhand dieser Kriterien kann man festlegen, was man unbedingt versichert haben möchte und entsprechend die Angebote abgleichen. Dabei sollte man auch prüfen, ob der Versicherer Rabatte gibt, wenn man für sein Pferd z. B. bereits eine andere Versicherung bei diesem Anbieter hat. Oder wenn man schon lange Kunde ist oder die OP-Versicherung für einen langen Zeitraum abschließt. Auch Mitgliederrabatte sind möglich, etwa für Persönliche Mitglieder (PM) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).
