Gefühlt steht mittlerweile in fast jedem Reitstall ein Pferd mit der Diagnose Cushing. Die Krankheit ist nicht heilbar, dennoch können betroffene Pferde mit der richtigen Therapie oft weiterhin ein gutes Leben führen. Umso wichtiger ist es, das Equine Cushing Syndrom wirklich zu verstehen.
Beim Cushing Syndrom (auch PPID) kommt es im Körper zu einer Überproduktion bestimmter Hormone, wie zum Beispiel dem Stressvorläuferhormon ACTH (adrenocorticotropes Hormon). Dies hat zur Folge, dass der Körper übermäßig viel Cortisol produziert, ein körpereigenes Stresshormon. Folgen sind beispielsweise Fellwechselstörungen und Apathie, der Verlust von Gewicht und Muskelmasse sowie ein geschwächtes Immunsystem.
Darum geht es in diesem Beitrag
- Was ist das Cushing Syndrom?
- Symptome des Equinen Cushing Syndroms
- Die Ursache von Morbus Cushing
- ECS und EMS: Achtung Verwechslungsgefahr!
- Auf das Cushing Syndrom testen
- Keine reine Alterserscheinung!
- Medikamente für die Behandlung
- Fütterung bei Pferden mit Cushing Syndrom
- Weiterführende Literatur

Langes Fell auch im Sommer – eines der Hauptanzeichen für das Cushing Syndrom, eine Hormonstörung, die nur mit einem Medikament in den Griff zu bekommen ist. (© Christiane Slawik)
Unheilbar aber therapierbar: Cushing Syndrom beim Pferd
Das Equine Cushing Syndrom (ECS), in der Wissenschaft als PPID bezeichnet, verläuft chronisch – Patienten sind somit unheilbar krank. Tatsächlich erkranken inzwischen etwa zwei von zehn Pferden ab dem 15. Lebensjahr an Morbus Cushing. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch höher: Oftmals werden die Symptome von Cushing mit normalen Alterswehwehchen verwechselt. Doch auch jüngere Pferde sind zunehmend betroffen. Damit ist Cushing die am häufigsten auftretende Hormonstörung bei Pferden. War das schon immer so?
„Ich glaube nicht, dass die Krankheit heute häufiger auftritt. Aber sowohl Tierärzte als auch Besitzer sind heutzutage deutlich sensibilisierter, was die Erkrankung und ihre Symptome betrifft. Außerdem wurden Pferde früher häufig gar nicht erst so alt wie heutzutage“, sagt Prof. Dr. Heidrun Gehlen von der Klinik für Pferde in Berlin.
Auf die Frage, ob ein konkreter Auslöser für die Krankheit benannt werden kann, erklärt sie: „Über eine genetische Disposition für ECS ist beim Pferd bisher nichts bekannt. Es gibt jedoch die Vermutung, dass ECS im Zusammenhang mit Umweltgiften steht. Das ist noch nicht näher erforscht, aber eine Theorie ist, dass oxidativer Stress durch Umweltgifte zu einem Tumor in der Hirnanhangdrüse führt.“
Cushing-Syndrom-Symptome: Wie sich ECS äußert
Die ersten Symptome sind oft nicht eindeutig und werden in vielen Fällen zunächst nicht bemerkt. Das Pferd ermüdet rascher als früher, leidet häufiger unter Infekten und wirkt depressiv. Oder es trinkt mehr und setzt vermehrt Harn ab. Hier und da schwitzt es stärker. Erst wenn andere Anzeichen hinzukommen, werden die meisten Pferdebesitzer stutzig.

Wird oft nicht bemerkt: Im Anfangsstadium vom ECS wirken die Pferde häufig müde und depressiv. (© Christiane Slawik)
Symptom Fellwechselstörung
Am Bart und an den Achseln fallen einzelne längere Haare auf, über den Augen entwickeln sich Beulen (Fettschwämmchen), wo andere Pferde Höhlen haben. Das Pferd wirkt insgesamt weniger bemuskelt, gleichzeitig bildet sich ein Hängebauch. Alarm schlagen viele spätestens beim Kardinalsymptom, dem Hirsutismus.
Dabei handelt es sich um eine auffällige Fellwechselstörung mit deutlich zu langem, meist lockigem Fell, bedingt durch unvollständigen oder komplett ausbleibenden Fellwechsel. Dieser wiederum führt zu einer gestörten Thermoregulation mit starkem Schwitzen. Ein weiteres – und in manchen Fällen auch einziges – Leitsymptom ist eine Hufrehe. Der Zuckerstoffwechsel ist zudem gestört, was den Blutzuckerspiegel krankhaft erhöht – es kommt zu einer Insulinresistenz.

Hufrehe tritt vor allem bei jüngeren Pferden, die vom Equinen Cushing Syndrom betroffen sind, oft als einziges Symptom auf. Dieses Bild zeigt eine extreme Form. In den meisten Fällen sehen die Hufe relativ unauffällig aus. (© Christiane Slawik)
Liste der typischen Symptome beim Cushing Syndrom
- Fellwechselstörung (Hirsutismus): langes, dichtes, oft lockiges Fell, Verzögerungen im Fellwechsel
- Im Anfangsstadium der Krankheit: längere Haare am Kinn und an der Rückseite der Beine
- Leistungsabfall
- Hufrehe
- Verlust von Gewicht und Muskelmasse, dadurch Senkrücken und Hängebauch
- Fettablagerungen über den Augen, teilweise am Mähnenkamm
- Teilnahmslosigkeit, Apathie, schlechtes Allgemeinbefinden
- geschwächtes Immunsystem: wiederkehrende Infektionen, wie bspw. Hautpilz, Augenentzündungen, Hufabzesse
- vermehrtes Trinken (Polydipsie) und Wasserlassen (Polyurie)
- vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)
Die Ursache für das Equine Cushing Syndrom
Ursache der Misere ist die Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Der wissenschaftliche Name der Krankheit lautet auch PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction), da sie sich auf eine Funktionsstörung im Mittelteil (Pars Intermedia) der Hypophyse (engl.: pituitary) bezieht. Letztere steuert gemeinsam mit einem Teil des Zwischenhirns, dem Hypothalamus, die Hormonproduktion im Pferdekörper.

Wenn das Pferd an Cushing erkrankt ist, geraten Hormone und Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. (© Hooforia)
Verringerte Dopaminproduktion bei ECS
Bei einem gesunden Pferd reguliert der Hypothalamus über den Botenstoff Dopamin die Aktivität der Hypophyse. Dopamin hemmt dort bestimmte Zellen, sodass die Ausschüttung des Hormons ACTH (adrenocorticotropes Hormon) in einem gesunden Gleichgewicht bleibt. Bei einem an Cushing erkrankten Pferd wird jedoch im Hypothalamus zu wenig Dopamin produziert. Infolgedessen fehlt diese Hemmung, und es kommt in der Hypophyse zu einer übermäßigen Zellaktivität. Dadurch bildet sich ein gutartiger Tumor (Adenom), der eine unkontrollierte Überproduktion von ACTH zur Folge hat.
ACTH wiederum ist ein lebenswichtiges Hormon, das den Zucker-, Wasser- und Mineralstoffwechsel reguliert und insbesondere die Aktivität der Nebennierenrinde steuert. Wird aufgrund der Erkrankung zu viel ACTH in den Blutkreislauf ausgeschüttet, produziert die Nebennierenrinde übermäßig viel Cortisol. Cortisol spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel des Pferdes. Es reguliert gemeinsam mit Insulin den Blutzuckerspiegel und beeinflusst Wachstum und Stoffwechsel.
Zu viel Cortisol im Blut
Bei gesunden Pferden steigt die Cortisolproduktion in Stresssituationen an. Cortisol sorgt dann dafür, dass Energie bereitgestellt wird, indem körpereigene Reserven mobilisiert werden – es wirkt katabol, also abbauend. Zudem werden Schmerzreaktionen unterdrückt.

Pferde mit Equinem Cushing Syndrom haben einen Cortisolüberschuss, was Energiereserven mobilisiert und Schmerzen hemmt. (© Lenz)
Cortisol umgangssprachlich auch als „Stresshormon“ bezeichnet. Bei einem intakten Hormonhaushalt führt ein hoher Cortisolspiegel zur sogenannten negativen Rückkopplung: Die Hypophyse erhält über den Blutkreislauf die Rückmeldung, dass genügend Cortisol vorhanden ist, und drosselt daraufhin die ACTH-Produktion. Diese Rückkopplung wird ebenfalls durch Dopamin vermittelt.
Bei Pferden mit Cushing funktioniert dieser Regelkreis nicht mehr. Durch den Dopaminmangel wird die ACTH-Produktion nicht mehr gehemmt, wodurch zu viel Cortisol entsteht. Der Körper kann den Zuckerstoffwechsel nicht mehr regulieren, und Glukose wird im Blut nicht ausreichend abgebaut. Der Blutzuckerspiegel steigt, was langfristig zu einer Insulinresistenz führen kann – eine Störung, die häufig auch beim Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) vorkommt.
ECS und EMS: Achtung, Verwechslungsgefahr!
Cushing wird häufig mit dem Equinen Metabolischen Syndrom verwechselt, ebenfalls eine Stoffwechselerkrankung. Beide Krankheiten zeigen ähnliche Symptome, insbesondere Übergewicht und Hufrehe. Der Tierarzt kann jedoch über spezifische Bluttests, insbesondere durch die Bestimmung des ACTH-Wertes, eine sichere Diagnose stellen.
Test auf das Cushing Syndrom
Es gibt momentan zwei gängige Verfahren, mit deren Hilfe Cushing diagnostiziert werden kann. Am häufigsten kommt der ACTH-Test zum Einsatz. Hierfür entnimmt der Tierarzt dem Pferd eine Blutprobe. Anhand des ACTH-Wertes im Blut und der klinischen Symptome lässt sich relativ sicher diagnostizieren, ob das Pferd an Cushing erkrankt ist.

Eine Tierärztin nimmt Blut bei einem Pferd mit Cushing-Verdacht. Der ACTH-Wert im Blut ist entscheidend – für Diagnose und Therapie. (© Christiane Slawik)
Da der ACTH-Spiegel je nach Jahreszeit und Temperatur schwankt, arbeiten Labore mittlerweile mit saisonal angepassten Referenzwerten. ACTH ist allerdings auch erhöht, wenn ein Pferd Schmerzen hat. Forscher der Freien Universität Berlin haben deswegen untersucht, ob solche Pferde überhaupt getestet werden können. Sie untersuchten 15 Tiere, die wegen Koliken, Hufrehe oder orthopädischer Probleme behandelt wurden – zur Kontrolle wurde bei diesen Tieren nochmals gemessen, als sie schmerzfrei waren.
Es konnten keine deutlichen Unterschiede in der ACTH-Konzentration festgestellt werden, auch die Schmerzintensität oder Krankheit spielten keine Rolle. Beide Messarten eignen sich daher aus Sicht der Forscher zur Cushing-Diagnostik bei Pferden mit Beschwerden, solange die Schmerzen nicht zu massiv sind oder ein signifikant gestörter Allgemeinzustand vorliegt.
Dexamethason-Suppressionstest für die ECS-Analyse
Besonders zuverlässig, aber auch kostspieliger und aufwändiger, ist der Dexamethason-Suppressionstest. Hierbei wird dem Pferd ein künstliches Glukokortikoid (Dexamethason) gespritzt, welches bei gesunden Pferden zu einer Absenkung des Cortisol-Spiegels führt. Bei erkrankten Pferden bleibt dieser Effekt aus.
Für den Test werden mehrere Blutproben benötigt, die zu bestimmten Tageszeiten entnommen werden müssen. Die meisten Tierärzte greifen daher zunächst auf den ACTH-Test zurück. Liefert dieser kein eindeutiges Ergebnis, hilft der Dexamethason-Suppressionstest weiter.
Equines Cushing Syndrom ist keine reine Alterserscheinung!
Lange Zeit ging man davon aus, dass PPID vor allem ältere Pferde betrifft – meist ab einem Alter von 15 Jahren. Neuere Studien zeigen jedoch, dass auch deutlich jüngere Pferde erkranken können. Eine Dissertation an der Tierärztlichen Hochschule Hannover von Christina Brüns (2001, unten verlinkt) wies erstmals darauf hin, dass bereits Pferde unter zehn Jahren Symptome zeigen können.

Die Fellwechselstörung (Hirsutismus) ist eher ein Symptom ältere Cushing-Patienten. Doch auch junge Pferde erkranken, oft zeigen sie nur Hufrehe als Symptom. (© Christiane Slawik)
In einer umfangreichen englischen Untersuchung mit 3.567 Pferden, die alle Hufrehe oder verdächtige Symptome zeigten, stellte sich heraus, dass rund ein Drittel der Tiere jünger als 16 Jahre war. Von diesen jüngeren Pferden wiesen über 40 Prozent erhöhte ACTH-Werte auf und galten somit als Cushing-positiv.
Besonders alarmierend war der Befund, dass ein Drittel aller Pferde unter zehn Jahren, die ausschließlich Hufrehe als Symptom zeigten, positiv getestet wurde. Damit gilt Cushing heute nicht mehr als reine Alterserscheinung, sondern als ernstzunehmende Erkrankung, die auch jüngere Tiere betreffen kann.
Vorbeugen nicht möglich – Gewichtskontrolle schon!
Vorbeugen lässt sich das Cushing Syndrom Erkrankung leider nicht. Eine Theorie besagt, dass Pferde mit EMS anfälliger für Cushing sind, da beide Erkrankungen den Stoffwechsel betreffen. „Insofern sind eine artgerechte Haltung, Bewegung und Fütterung die besten Maßnahmen, um sowohl EMS als auch Cushing vorzubeugen“, so Fachtierärztin Prof. Dr. Gehlen.
Ein großes Problem ist es ihrer Meinung nach auch, dass Besitzer das Gewicht ihres Pferdes oft falsch einschätzen. „Viele denken, ihr Pferd sei zu dünn, obwohl wir aus Sicht der Tiermediziner sagen, das Pferd hat ein gutes Gewicht oder ist sogar übergewichtig. Da gibt es manchmal eine Fehlwahrnehmung von Seiten der Pferdebesitzer.“

Wer sich unsicher ist, ob sein Pferd zu viel oder zu wenig auf die Waage bringt, sollte auch hier im Zweifelsfall immer den Tierarzt befragen. (© Christiane Slawik)
Diagnose Cushing Syndrom – und nun?
Grundsätzlich soll noch einmal betont werden: Auch ein Cushing-Patient kann ein glückliches und weitgehend normales Pferdeleben führen! Wird das Cushing Syndrom früh erkannt, kann die gefährliche Folgeerkrankung Hufrehe durch eine entsprechende Behandlung vermieden oder zumindest deutlich gemildert werden. Wenn Pflege, Haltung und Fütterung entsprechend angepasst werden, kann ein Pferd dennoch alt und oft auch weiterhin geritten werden.
Die regelmäßige Hufpflege, Entwurmung, Impfung sowie Zahnkontrolle sind gerade bei durch die Krankheit zusätzlich belasteten Pferden absolute Pflicht. Zusätzlich gibt es zwei Dinge, die Pferden mit Cushing Syndrom helfen: Scheren im Sommer und der Wirkstoff Pergolid.
Cushing Syndrom: Behandlung mit Medikamenten
Die schulmedizinische Therapie erfolgt mit dem Wirkstoff Pergolid, einem Dopamin-Agonisten, der stellvertretend die Überproduktion von ACTH und Cortisol hemmt. Er kann das Pferd nicht heilen, stellt aber den Tag-Nacht-Rhythmus und damit den natürlichen Fellwechsel wieder her. In Deutschland gibt es aktuell nur ein Medikament, das für die Behandlung von Cushing zugelassen ist. Prascend® wird in Tablettenform verabreicht und stabilisiert den Stoffwechsel, wodurch das Pferd wieder vitaler wird.
Ganz wichtig: Die Dosierung der Tabletten muss vom Tierarzt durch eine regelmäßige Gesundheitskontrolle und Wiederholung des ACTH-Tests überprüft werden. Je nach Körpergewicht und Fortschreiten der Krankheit, werden in der Regel zwischen einer halben bis zu zwei Tabletten pro Tag verabreicht. Turnierreiter sollten zudem wissen, dass das Medikament auf der Dopingliste der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) aufgeführt wird.

Wird dir Krankheit früh diagnostiziert und das Pferd medikamentös gut eingestellt, kann es häufig noch geritten werden. (© Christiane Slawik)
Pflanzliche Therapie für das Equine Cushing Syndrom
Neben Pergolid gibt es auch Ansätze mit pflanzlichen Präparaten. Eine Studie der Universität Berlin hat gezeigt, dass Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) das Krankheitsbild signifikant verbessern kann. Untersucht wurde die Wirkung des diätischen Ergänzungsfuttermittels Corticosal®. Dessen pflanzlicher Wirkstoff soll ähnlich wie Pergolid auf das dopaminerge System wirken, allerdings ohne Nebenwirkungen.
Bei einem Großteil der Pferde, die an der Studie teilnahmen, zeigte sich tatsächlich eine Verbesserung der klinischen Symptome. Die besten Ergebnisse konnten bei den Pferden erzielt werden, die Prascend und Corticosal in Kombination erhielten. Das bestätigt auch Prof. Dr. Gehlen: „Sowohl Corticosal als auch reiner Mönchspfeffer sind gut geeignet, um die medikamentöse Therapie mit Pergolid zu unterstützen, damit man dessen Dosierung so gering wie möglich halten kann.“
Blutwerte bei ECS regelmäßig messen lassen
Der Tierarzt muss den ACTH-Wert regelmäßig kontrollieren – zu Beginn kann das alle sechs bis zwölf Wochen sein, ist das Pferd gut eingestellt, genügt in der Regel ein Abstand von sechs Monaten. Wichtig bei der Dosierung der Medikamente: Der ACTH-Wert unterliegt saisonalen Schwankungen. Ende April/Anfang Mai steigt der Wert als Reaktion auf das zunehmende Tageslicht an und nach der Tagundnachtgleiche Ende September nimmt er wieder ab.
Auch einige Rassen haben zu bestimmten Jahreszeiten höhere ACTH-Werte als andere, was bei der Testung berücksichtig werden sollte. Wichtig ist zudem, dass die Blutprobe beim Transport ins Labor kühl gelagert wird und möglichst schnell (innerhalb von 24 Stunden) analysiert wird, um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten.

Im Labor kann der ACTH-Wert im Blut untersucht werden. Wichtig zu beachten: Der Normwert schwankt saisonal. (© Frank Sorge)
Exkurs: Keine Herzprobleme durch Cushing-Syndrom-MedikamentDa Pergolid beim Menschen in Verbindung mit einem Herzklappenproblem gebracht wird, untersuchten Tierärzte der Freien Universität Berlin, ob es bei Pferden einen ähnlichen Zusammenhang gibt. 23 Pferde nahmen an der Studie teil, elf erhielten das Medikament Pergolid. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Behandlung mit Pergolid bei keinem der Pferde, die das Medikament in der Studie erhielten, die Herzkammerfunktion beeinträchtigte oder eine Herzklappenerkrankung auslöste. Die Behandlungsgruppe hatte das Medikament im Durchschnitt ein Jahr und sieben Monate lang erhalten. |
Fütterung bei Pferden mit Cushing Syndrom
Rohfaserreiches Grundfutter sollte die Basis bilden, die Menge richtet sich nach dem Ernährungszustand: Dünne Pferde können Heu ad libitum bekommen, bei übergewichtigen Pferden sollte man weniger als 1,5 kg Heu/100 kg Körpermasse füttern. Kann das Pferd noch geritten werden und benötigt mehr Energie, kann eine Getreideration ersetzt werden zum Beispiel durch Pflanzenöle.
Bei der Fütterung ist zudem darauf zu achten, dass das Pferd mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen versorgt wird. Eine Rationsberechnung ist hier hilfreich, denn das Immunsystem eines Cushing-Pferdes ist geschwächt, sodass eine bedarfsgerechte Versorgung umso wichtiger ist. Um die Immunabwehr zu unterstützen, können bei Bedarf auch Vitamin E und C hilfreich sein sowie entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren.

Angepasste Pferdehaltung beim Cushing Syndrom: Cushing-Pferde schwitzen vermehrt und brauchen deshalb unbedingt ausreichend Wasser. Geschoren und im Auslauf mit Schatten fühlen sie sich oft am wohlsten. (© Christiane Slawik)
Ist Weidegang erlaubt?
Die Stoffwechselerkrankung führt dazu, dass betroffene Pferde besonders empfindlich auf Zucker reagieren. Mengen, die für ein gesundes Pferd kein Problem darstellen, können bei einem Cushing-Patienten zu Hufrehe führen. Daher sollte zucker- und stärkearm gefüttert werden. Da aber auch Gräser Zucker enthalten, nämlich in Form von Fruktanen, kann auch der Weidegang riskant werden.
„Cushing-Pferde sollten nicht Tag und Nacht auf der Weide stehen. Man muss hier aber differenzieren, wie schlimm das Cushing ist bzw. ob es mit EMS einhergeht. Hat das Pferd auch EMS, ist Weide tabu. Bei Cushing, das im Alter auftritt, sieht es wieder anders aus. Daher rate ich dazu, mit Labortests die Krankheit zu differenzieren und dann mit dem Tierarzt zu besprechen, ob das Pferd auf die Weide darf“, so Tierärztin Dr. Annette Wyrwoll.
Pferdehaltung: Wasser marsch bei Equinem Cushing Syndrom
„Bei starkem Cushing ist das lange Fell ein Kardinalsymptom, aber auch übermäßiges Schwitzen und häufiges Pinkeln“, erklärt Dr. Annette Wyrwoll. Das Pferd muss also unbedingt immer Zugang zu ausreichend frischem Wasser haben!
Wenn das Pferd regelmäßig stark schwitzt, ist ein Offenstall, der wenig kühle Flächen bietet, eher ungeeignet. Für solche Pferde kann eine Box in einem isolierten Stallgebäude angenehmer sein, gibt die Tierärztin zu bedenken. „Auf die Weide würde ich solche Pferde im Sommer wenn dann eher in den frühen Morgenstunden bringen, wenn es noch nicht so heiß ist.“
Auch kleine Wunden schnell behandeln!Im Winter fangen sich Cushing-Pferde wegen ihres geschwächten Immunsystems schneller einen Infekt ein, im Sommer muss man auf kleinere Wunden durch Insekten oder Abschürfungen am Weidezaun etc. achten. Diese sollten gleich behandelt werden, damit sie sich nicht infizieren. „Auch kleinere Verletzungen sollte man bei Cushing-Pferden ernst nehmen“, rät Dr. Annette Wyrwoll. „Liegen die Wunden unterhalb des Karpalgelenks, sollte man vorsichtshalber einen Angussverband mit Rivanol anlegen. Wunden, die an anderen Körperstellen liegen, sollte man gut säubern, desinfizieren und mit einer antibiotischen Salbe behandeln.“ |
Mit der richtigen Medikation fühlt sich ein Pferd mit Cushing Syndrom meist schnell wieder wohl. Die Tabletten zeigen in der Regel schon nach wenigen Wochen ihre Wirkung. Nur zum Friseur muss es jetzt etwas öfter.
Mitautorinnen: Kerstin Wackermann, Anne-Christin Alterauge, Julia Schay-Beneke
Zum Weiterlesen empfehlen wir die Dissertationen zu Diagnose und Therapieverlauf des equinen Cushing-Syndroms von Christina Brüns (2001) und zur Prüfung der Wirksamkeit von Mönchspfeffer bei der Behandlung des Equinen Cushing Syndroms von Zrinjka Bradarić (2012).



