Mein Pferd hat Milben! Und jetzt?


Bild vergrößern Milben beim Pferd: Feuchte, matschige Pferdebeine

Feuchte Pferdebeine mögen Milben besonders gerne. Ein nasser Winter ist damit Milben-Hochzeit. (© Christiane Slawik)

Winter ist Milbenzeit. Viele Pferde sind befallen, leiden unter starkem Juckreiz, und das nasse Wetter trägt seinen Teil dazu bei. Das können Sie tun, wenn Ihr Pferd darunter leidet.

Nässe und Schlamm – lang anhaltend schlechtes Wetter macht nicht nur den Landwirten zu schaffen, auch die Pferde leiden. Teilweise bis über den Fesselkopf stehen sie auf Weiden oder Paddocks im Matsch. Das schwächt die Haut, und Parasiten fühlen sich wohl. Oft befallen jetzt Milben das Pferd.

Milben mögen Feuchtigkeit

Milben sind eigentlich immer und auf jedem Pferd vorhanden. Ob sie auch Schaden anrichten können, hängt allerdings vom Pferd ab: „Es ist eine Frage der Menge der Milben und der Vorbelastung des Pferdes“, erklärt die Tierärztin Dr. Annette Wyrwoll aus Bayern. Einem gesunden Tier mit intaktem Immunsystem und gesunder Haut können ein paar Milben meist nicht viel anhaben. Doch die Milben, die die Beine befallen, lieben ein nasses Klima und treten deswegen bei lang anhaltender Nässe geballt auf.

Ist ein Pferd zum Beispiel bereits durch einen Infekt geschwächt oder die Haut nicht intakt, weil sie zum Beispiel durch die Feuchtigkeit aufgeweicht und anfällig ist, ist den Milben Tür und Tor geöffnet. Die Milben lösen einen so heftigen Juckreiz aus, dass befallene Pferde oft heftig mit den Hufen aufstampfen oder akrobatisch an den Hinterbeinen knabbern – also auffällige Symptome zeigen.

Pferd auf matschiger Winter-Weide

Viel Kontakt zu matschigem Boden macht es Milben besonders leicht. (© Christiane Slawik)

Sekundärinfektion durch Bakterien

Bei einem Milbenbefall kann sich die Haut auch entzünden, ein Anschwellen der betroffenen Stellen ist genauso möglich wie Haarausfall. Bei sogenannten Sekundärinfektionen siedeln sich weitere Krankmacher wie etwa Bakterien an der betroffenen Stelle an. Gelangen diese in die Unterhaut, droht eine Phlegmone. Auch Mauke kann eng mit einem Milbenbefall zusammenhängen.

Hat mein Pferd Milben oder einen Pilz?

Welche Körperstelle des Pferdes befallen wird, hängt unter anderem von der Art der Milben ab. Es gibt eine Vielzahl von ihnen. Die Chorioptes-Milben ernähren sich von Hautschuppen und sind für die bei anhaltend nasser Witterung sehr häufig auftretenden Hautprobleme am Bein verantwortlich. Das ist der häufigste Milbenbefall beim Pferd; die Krankheit wird auch Fußräude genannt.

„Meist geht es an den Hinterbeinen los. Typisch für den Milbenbefall ist, dass sich die betroffenen Stellen wie Noppen anfühlen, wenn man mit der Hand darüberfährt“, erklärt Dr. Annette Wyrwoll. „Kratzt man vorsichtig an diesen Stellen, lösen sich längliche abgestorbene Hautreste mitsamt dem Fell ab.“ Der Tierarzt kann daher über ein Hautgeschabsel einen Milbenbefall nachweisen.

Behandlung von Milben beim Pferd

Was soll man jetzt tun, um die Milben am Pferd wieder loszuwerden? Dr. Michael Feilke von der Tierärztlichen Klinik für Pferde in Eutin kombiniert dazu zwei Ansätze: eine innere und eine äußere Behandlung.

„Die Pferde bekommen drei Mal im Abstand von zehn Tagen Ivermectin verabreicht, das in einigen Wurmkuren enthalten ist. Zusätzlich werden die Stellen zwei Mal im Abstand von zehn Tagen mit einem Mittel abgewaschen, das die Milben abtötet.“ Diese Waschlösung, die Dr. Feilke verwendet, ist eigentlich für Rinder, Schweine und Schafe zugelassen und enthält den Wirkstoff Phoxim. Der Tierarzt widmet es für Pferde um.

Pferdebein scheren

Bei akutem Milbenbefall kann sinnvoll sein, langes Fell an den Beinen zu scheren. (© Christiane Slawik)

Den Milben am Pferdebein die Grundlage entziehen

Bei Milben und bei einem längerem Fell am Bein kann es sinnvoll sein, das Pferdebein zusätzlich zu scheren. Zum einen ist dann die Haut dann leichter zu pflegen, und zum anderen entzieht man so den Milbeneiern ihren Lebensraum. Hat sich das Pferdebein bereits entzündet, muss diese sogenannte Sekundärinfektion mitbehandelt werden. Um den Schorf aufzuweichen, sollte das Pferd für drei bis vier Tage einen desinfizierenden Angussverband bekommen – entweder mit Rivanol oder mit einer stark verdünnten Betaisodona-Lösung.

Dann wird das Bein entweder mit einem passenden Pflegeprodukt eingecremt oder, wenn die Sekundärinfektion bereits Probleme macht, mit einer antibiotischen Salbe behandelt. Dr. Michael Feilke empfiehlt in solch einem Fall, zunächst einmal einen Abstrich vom Bein zu machen, um die Bakterien identifizieren zu können und dann das entsprechende Antibiotikum auszuwählen.

Milben beim Pferd mit guter Hygiene vorbeugen

Außerhalb der Haut überleben Milben bis zu 70 Tage, weiß Dr. Feilke und rät deshalb dazu, parallel zur Behandlung des Pferdes auch die Box gründlich auszumisten oder sogar zu desinfizieren. Gleiches gilt für Putz- und Sattelzeug. Auch die anderen Pferde des Bestands sollten auf Milben untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Dass man ein befallenes Pferd nicht mehr zu den anderen Tieren aufs Paddock lässt, hält der Tierarzt jedoch für übertrieben.

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