Sonnenlicht ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Pferde sehr wichtig.
1. Warum ist Sonnenlicht für Pferde so wichtig?
Pferde benötigen deutlich mehr Sonnenlicht als Menschen. Als ursprüngliche Steppentiere ist ihr Organismus auf eine regelmäßige Sonnen- und Frischluftzufuhr ausgelegt. Es reicht daher keinesfalls aus, Pferde nur bei Sonnenschein ins Freie zu lassen. Selbst an bewölkten Tagen liefert das Tageslicht ausreichend UV-Strahlung.
Diese ist entscheidend für Gesundheit und Leistungsbereitschaft: Sie stärkt die Abwehrkräfte, wirkt sich positiv auf die Psyche aus, fördert Stoffwechselprozesse und unterstützt die Regulation von Hormonen und Vitaminen.
2. Welche Folgen hat Lichtmangel?
Um den natürlichen Lichtbedarf zu decken, sollten Pferde ganzjährig und täglich – unabhängig vom Wetter – Zugang zu Weide oder Paddock haben. Längere Aufenthalte in der Box reduzieren die UV-Aufnahme erheblich. Auf Dauer kann dies zu Störungen im Wasserhaushalt, Leistungsabfall und Einschränkungen der Fortpflanzungsfunktion führen.
Zudem kann ein Vitamin-D-Mangel entstehen, der die Knochenstabilität beeinträchtigt. Besonders junge Pferde sind gefährdet und können – ähnlich wie Kleinkinder – an Rachitis erkranken. Gleichzeitig sinkt bei dauerhaftem Stallaufenthalt der Sauerstoffgehalt im Blut, was die Anzahl roter Blutkörperchen und damit die Leistungsfähigkeit verringert.

Um den natürlichen Lichtbedarf zu decken, sollten Pferde ganzjährig und täglich – unabhängig vom Wetter – Zugang zu Weide oder Paddock haben. (© Getty Images)
3. Wie entsteht Vitamin D im Körper?
Wie die meisten Wirbeltiere decken auch Pferde einen Großteil ihres Vitamin-D-Bedarfs über das Sonnenlicht. Durch UV-Strahlen wird in der Haut das Provitamin 7-Dehydrocholesterol in Vitamin D3 (Cholecalciferol) umgewandelt.
Dieses ist unerlässlich für einen stabilen Knochenbau und einen ausgeglichenen Calciumhaushalt. Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Vitamin-D-Produktion ab, weshalb bei älteren Pferden eine Ergänzung über das Futter sinnvoll sein kann.
4. Welche Rolle spielt Tageslicht bei der Rosse?
Licht beeinflusst Fruchtbarkeit und Fortpflanzung maßgeblich. Entscheidend ist dabei vor allem die Länge des Tageslichts, da sie die Aktivität der Eierstöcke steuert. Die Hauptrosse fällt in die Monate April bis Juni, wenn die Tage länger werden. Anfangs verläuft der Zyklus oft unregelmäßig, was sich durch auffälliges Verhalten äußern kann.
Ab August nimmt die Rosse allmählich ab, und in den Wintermonaten kommt es bei vielen Stuten zu einer natürlichen Rossepause. Diese ist biologisch sinnvoll, da Fohlen so bevorzugt zur Weidesaison geboren werden. Da Licht den Zyklus stark beeinflusst, kann auch künstliche Beleuchtung die Rosse vorverlegen – eine Methode, die vor allem in der Zucht gezielt eingesetzt wird.
5. Wie erhalten meine Pferde ausreichend Sonnenlicht?
Außerhalb der Weidezeit sollte das Pferd täglich mindestens ein bis zwei Stunden im Freien verbringen. Je nach Gegebenheiten eignen sich dafür Paddock oder Reitplatz. Auch Ausritte oder ausgedehnte Spaziergänge bieten eine gute Möglichkeit, Licht und Frischluft zu tanken.
6. Wie lässt sich mehr Helligkeit im Stall schaffen?
In vielen Ställen herrscht dauerhaftes Halbdunkel, da Fenster fehlen oder diese zu klein sind. Gesetzliche Vorgaben gibt es kaum. In den Leitlinien des BMELV wird jedoch empfohlen, dass die Fensterfläche mindestens ein Zwanzigstel der Stallfläche beträgt – bei Beschattung entsprechend mehr.
Ziel sollte es immer sein, möglichst viel Tageslicht hereinzulassen. Große Fenster, Oberlichter oder halbhohe Boxenwände sind effektive, aber kostenintensive Lösungen. Alternativ hilft es, Fenster und Türen regelmäßig zu öffnen.
7. Welche Rolle spielt künstliches Licht?
Kunstlicht kann nach Einbruch der Dunkelheit die Stimmung im Stall verbessern: Besonders im Winter wirken dunkle Ställe oft belastend. Zudem lässt sich mit gezieltem Lichtmanagement der Beginn der Rosse beeinflussen. Auch Solarium-Anlagen können UV-Licht liefern. Aber künstliche Lichtquellen können das natürliche Tageslicht niemals vollständig ersetzen, da ihre Wirkung deutlich geringer ist.
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