Wolf auf einer Weide für Pferde © Elisabeth Cölfen

Aus Sicht vieler Biologen und Jäger ist der günstige Erhaltungszustand des Wolfes längst erreicht.

Immer neue Nachrichten über Angriffe durch einen Wolf auf Pferde bereiten den Pferdehaltern schon seit einiger Zeit große Sorgen. Auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) setzt sich intensiv für ein aktives Wolfsmanagement ein, das den Schutz der Weidetiere in den Vordergrund stellt.

Wird der Wolf für Pferdehalter zur Gefahr?

Bereits jetzt leben rund 1.600 Wölfe in Deutschland, und ihre Zahl wächst jährlich um etwa 30 Prozent. Diese Ausbreitung geht mit einem Anstieg der Übergriffe auf Weidetiere einher. Christian Schätze ist Chefredakteur der Magazine „Jäger“ und „Sauen“ und hat die hohe Wolfsdichte der vergangenen Jahre stets analytisch im Blick:

„Die Zahlen sind sehr hoch – im Vergleich dazu leben in typischen Wolfsländern wie Schweden deutlich weniger Wölfe als beispielsweise in Brandenburg. Das ist bemerkenswert, denn Schweden ist 15-mal größer als das Bundesland Brandenburg.“ Besonders besorgniserregend für Pferdehalter ist die zunehmende Zahl an Angriffen auf Pferde, Ponys und Fohlen.

Besonders in Regionen um Cuxhaven und Uelzen in Niedersachsen gab es vermehrt Übergriffe auf Ponys und Fohlen. Ein beunruhigender Trend, denn neben den finanziellen Verlusten sind es vor allem die emotionalen Auswirkungen auf die Pferdehalter und die Hilflosigkeit, wie am besten damit umgegangen werden sollte, die schwer wiegen. Die Sorge, dass Pferde durch die Anwesenheit von Wölfen in Panik geraten und in ungewohnte Gebiete flüchten, wächst stetig.

Es ist nicht nur der Verlust eines Tieres, sondern auch die Gefahr von Unfällen, wenn Pferde durch Zäune brechen oder auf Straßen laufen.
– Ehemaliger Leiter des FN-Hauptstadtbüros Bernhard Feßler –

Ein solches Szenario birgt nicht nur Gefahren für die Tiere selbst, sondern auch für Menschen. Angesichts der zunehmenden Bedrohung wächst die Forderung nach effektiven Schutzmaßnahmen.

Fohlen trinkt bei Mutter

Vor allem Fohlen und Ponys sind in Gefahr. Aber auch ausgewachsene Pferde können von Wolfsrudeln getötet oder verletzt werden. (© Imago)

Mehr Sicherheit für Pferde in Wolfsgebieten

Die Installation von wolfssicheren Zäunen, wie z. B. Elektrozäune, wird immer wichtiger, um Pferde vor den Angriffen der Wölfe zu schützen. In einigen Bundesländern werden solche Schutzmaßnahmen inzwischen finanziell gefördert, um den Pferdehaltern zu helfen, ihre Tiere zu sichern. „Es ist ein wichtiger Schritt, dass die Politik diese Maßnahmen unterstützt. Pferdehalter müssen in der Lage sein, ihre Tiere vor den zunehmenden Angriffen zu schützen“, so Feßler weiter.

Der verstärkte Einsatz von Herdenschutzhunden wird ebenfalls in Wolfsgebieten beobachtet, um die Tiere zusätzlich zu schützen. Christian Schätze warnt aber auch vor der Gefahr für den Hund: „Hunde werden vom Wolf immer als Konkurrenten gesehen, die in ihr Territorium eingedrungen sind. Wenn sie einem Hund begegnen, scheinen sie alles andere darum auszublenden und fokussieren sich auf den Vierläufer.“

Wolf, Hund, Pferde: Wo die Lage besonders heikel wird

Weiter erklärt Schätze: „Wenn es zu extremen Annäherungen an Menschen kam, war in der Regel immer ein Hund beteiligt. Der Mensch an der Leine scheint den Wolf dann kurzzeitig nicht zu interessieren. Angriffe auf Hunde fanden jedoch in der Regel bei Gesellschaftsjagden (Drückjagden) statt. Dann sind die Stöberhunde ja allein unterwegs. Einem Wolf sind Jagdhunde körperlich deutlich unterlegen. Europäische Wölfe können 65 Kilo und mehr wiegen. Dagegen ist ein Deutsch Drahthaar klein.“

Ein weiterer wichtiger Punkt in der aktuellen Debatte ist die rechtliche Veränderung auf EU-Ebene. Durch die Senkung des Schutzstatus des Wolfes können Wölfe, die wiederholt Weidetiere angreifen, künftig leichter entnommen werden. Diese Maßnahme soll dazu beitragen, die Auswirkungen auf die Weidetierhaltung zu minimieren und den Wolfsbestand in kontrollierbare Bahnen zu lenken.

Warum der Wolf Pferde in Alarmbereitschaft versetzt

In Wolfsgebieten sind oft auch Verhaltensänderungen bei den Pferden zu beobachten. Pferde zeigen gesteigerte Aufmerksamkeit und Anzeichen von Stress, wenn sich Wölfe in der Nähe aufhalten. Diese erhöhte Alarmbereitschaft kann zu gefährlichen Situationen führen, wenn die Tiere in Panik geraten und durch Zäune brechen oder in den Straßenverkehr flüchten.

So können Pferdehalter ihre Tiere besser schützen

Experten empfehlen daher, Pferde nachts sicher im Stall unterzubringen, da Wölfe besonders dämmerungs- und nachtaktiv sind. Auch eine Verbesserung der Weidezäune ist notwendig, um den Tieren einen sicheren Raum zu bieten und den Wölfen den Zugang zu erschweren.

Die FN rät Pferdehaltern, sich bei den lokalen Behörden über Herdenschutzberatungen zu informieren. Diese Beratungen bieten wertvolle Unterstützung bei der Planung und Umsetzung effektiver Schutzmaßnahmen. Dazu gehören der Einsatz von stabileren Zäunen und gegebenenfalls der Einsatz von Herdenschutzhunden, um das Risiko von Wolfsangriffen zu verringern. „Es ist entscheidend, dass sich Pferdehalter rechtzeitig über mögliche Schutzmaßnahmen informieren und die nötigen Schritte unternehmen, um ihre Tiere zu schützen“, erklärt Feßler.

Drei Wölfe im Wald

Die rasch steigenden Zahlen der Wölfe geben den Experten Grund zur Sorge. Jäger und Biologen befürchten ein Problem durch zunehmende Knappheit von Nahrung in den natürlichen Lebensräumen. (© Adobe Stock)

Warum der Wolf klare Regeln braucht

Die Rückkehr des Wolfes ist ein Thema, das weiterhin für Spannungen sorgt. Für die FN ist jedoch klar: Der Wolf darf nicht auf Kosten der Weidetierhaltung und der Pferdehalter zurückkehren. Ein aktives und ausgewogenes Wolfsmanagement, das sowohl den Artenschutz als auch den Schutz von Pferden und anderen Weidetieren sicherstellt, ist unerlässlich.

Die FN gibt daher an, weiterhin politisch dafür zu kämpfen, dass die Interessen der Pferdehalter gehört werden und dass die Rückkehr des Wolfes nicht zu einer Bedrohung für die Landwirtschaft und für die Tierhaltung wird.

Die wichtigsten Wolf-Tipps für Pferdehalter

Was tun, wenn man beim Ausreiten einem Wolf begegnet?

  • Ruhe bewahren und nicht davongaloppieren.
  • Pferde nebeneinander (als Einzelreiter auch allein) den Wölfen zugewandt aufstellen, damit die Pferde die Wölfe sehen können.
  • Sollten die Wölfe sich nicht gleich entfernen, sollte man im Schritt langsam auf die Wölfe zu- oder an ihnen vorbeireiten.
  • Hunde sollten im Wolfsgebiet angeleint werden und am Pferd und am Menschen bleiben.

Empfehlung: Wolfsabweisende Elektrozäune

Wichtig dabei sind ein fachgerechter Verbau, ein angepasstes Erdungssystem und die richtigen Höhen der elektrischen Leiter über dem Boden: Der höchste, gut erkennbare, kunststoffummantelte Stahldraht oder das Seil mit Stromleiter sollte auf einer Höhe von 140–160 cm gespannt sein. Darunter sollten dann im regelmäßigen Abstand fünf weitere Drähte gespannt sein, sodass der unterste bei einer Höhe von 20 cm liegt.

Ansprechpartner in den Bundesländern

Die Umsetzung von Natur- und Artenschutz liegt in der Zuständigkeit der Bundesländer. Damit fällt auch die Ausarbeitung von Wolfsmanagementplänen in den Zuständigkeitsbereich der länderspezifischen Behörden (i.d.R. Umweltministerien). Auf der Seite der DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf) findet man eine ausführliche Auflistung der wichtigsten Ansprechpartner zum Wolfsmanagement in den jeweiligen Bundesländern.

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