Lina und ihr krankes Pferd Waika © Lina-Sophie Fotografie

Lina erzählt von schweren Diagnosen, Klinikaufenthalten und der Entscheidung, trotz allem weiterzukämpfen.

Ich habe Waika als zweijähriges Pferd gekauft. Von Anfang an war sie besonders – nicht unbedingt einfach, eher ein bisschen „Montagsmodell“, immer wieder mit kleineren Baustellen. Aber genau dadurch sind wir sehr eng zusammengewachsen.

Über die Jahre ist eine Verbindung entstanden, die für mich weit über Reiten hinausgeht. Wir haben vieles ausprobiert, sind ins Springen eingestiegen, später auch in Dressur und Gelände. Waika war kein typisches Sportpferd, aber sie hat immer mitgekämpft. Und irgendwann waren wir an einem Punkt, an dem sich das alles richtig angefühlt hat.

Krankes Pferd, ungewisse Zukunft

2024 habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Erst waren es kleine Anzeichen, dann wurde sie lahm. Die erste Diagnose klang noch verhältnismäßig harmlos, aber es wurde nicht besser. Nach weiteren Untersuchungen und einem MRT stand fest, dass mehr dahintersteckt. Ich habe mich für eine Operation entschieden – mit dem Wunsch, dass sie zumindest schmerzfrei leben kann.

Mir war zu dem Zeitpunkt schon klar, dass wir unsere sportlichen Ziele so nicht weiterverfolgen können. Trotzdem wollte ich ihr diese Chance geben. Die Zeit danach war herausfordernd. Reha, viele Termine, viel Unsicherheit. Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, habe mich weitergebildet, viel ausprobiert und alles getan, um Waika bestmöglich zu unterstützen.

Warum Aufgeben nie infrage kam

Als es gerade wieder etwas leichter wurde, kam der nächste Rückschlag: eine schwere Verletzung, deutlich gravierender als alles zuvor, und die Prognose war schlecht. Mir wurde geraten, Waika auf eine Wiese zu stellen und „einfach Pferd sein zu lassen“, aber für mich hat sich das nicht richtig angefühlt. Ich konnte mir nicht vorstellen, sie einfach abzugeben oder nur noch wegzustellen.

Also habe ich mich bewusst dafür entschieden, sie zurückzuholen, weiter für sie da zu sein und alles dafür zu tun, dass sie ein gutes Leben hat – auch wenn dieses Leben heute ganz anders aussieht als früher. Seitdem hat sich unser Alltag verändert. Wir gehen viel spazieren, machen Bodenarbeit, verbringen viel Zeit miteinander. Ich habe gelernt, genauer hinzuschauen und das anzunehmen, was gerade möglich ist.

Auch ein krankes Pferd ist Familie

Aktuell steht Waika wieder in der Klinik, und ich weiß nicht, wie es ausgeht. Aber ich weiß, dass ich diese Entscheidung immer wieder genauso treffen würde.

Waika ist für mich kein Sportpartner, sondern ein Teil meines Lebens.

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