Vertrauen: Sina auf ihrem Pferd Nario © Clara Wichmann

Sina und ihr Haflinger Nario machen nur noch Sachen, die ihnen Freude bereiten.

Ich glaube, mein #doitride-Moment war kein einzelner Augenblick. Es war eher ein Prozess, in dem sich mein Blick aufs Reiten, auf die Beziehung und das Vertrauen zu meinem Pferd verändert hat. Ich habe Nario 2016 gekauft, da war ich 14 Jahre alt und er vier. Springreiten war damals mein großes Ziel. Ich habe Turniere geliebt und wollte unbedingt selbst im Parcours unterwegs sein. Im Training haben wir schnell Fortschritte gemacht, weil Nario einfach über alles drübergesprungen ist.

Bis wir gestürzt sind. Im Training wurde irgendwann immer mehr ausprobiert – höhere Sprünge, Unterbauten, Tonnen. Irgendwann war unser Vertrauen dafür einfach noch nicht groß genug, und wir sind direkt in einen Sprung gefallen. Danach war meine Lust am Springen erst mal komplett weg.

Vom Training zur echten Beziehung

Wir haben angefangen, andere Dinge auszuprobieren: Bodenarbeit, Freiarbeit, kleine Tricks. Ich habe mich eingelesen, Tutorials geschaut und wollte so herausfinden, was uns beiden wirklich Spaß macht. Damals hatte Nario große Angst vor Planen. Schon eine Plane im Wind war schwierig für ihn. Für eine GHP-Prüfung mussten wir irgendwann üben, dass eine Plane über seinen Rücken gelegt wird. Wir haben uns monatelang Schritt für Schritt daran herangetastet.

Als ich ihm die Plane in der Prüfung schließlich tatsächlich über den Rücken legen durfte und er einfach ruhig stehen geblieben ist, war das für mich ein riesiger Vertrauensbeweis. Genau in dieser Zeit hat sich mein Fokus verändert. Es ging plötzlich nicht mehr vor allem darum, möglichst erfolgreich zu sein, sondern darum, dass wir uns vertrauen und gerne Zeit miteinander verbringen.

Weniger Druck, mehr Vertrauen zum Pferd

Ich habe angefangen, vieles zu hinterfragen. Früher bin ich ganz selbstverständlich mit Sporen geritten, weil es irgendwie alle gemacht haben. Später habe ich gemerkt, dass wir sie eigentlich gar nicht brauchen. Auch unser Equipment hat sich verändert – vom schärferen Gebiss im Springtraining bis hin zur einfachen Wassertrense und einem Nasenriemen, den ich inzwischen meistens komplett abbaue. Dasselbe galt für unser Training. Wir haben die Eisen abgenommen, angefangen, Kutsche zu fahren, und immer mehr darauf geachtet, abwechslungsreich zu arbeiten.

Heute machen wir selten zweimal hintereinander dasselbe. Mal Dressur, mal Gelände, mal Bodenarbeit oder einfach nur entspannt spazieren gehen. Mittlerweile reiten wir deutlich weniger Turniere als früher. Wenn wir Lust darauf haben, fahren wir los. Wenn nicht, dann nicht. Dafür machen wir die Dinge, die uns wirklich Freude bereiten. Nario liebt Geländespringen sowie Wasser und mag es, neue Aufgaben zu lernen. Ich habe verstanden, dass Fortschritt nicht immer bedeutet, mehr Leistung zu verlangen. Oft bedeutet es eher, genauer hinzuschauen und offen dafür zu bleiben, Dinge zu verändern.

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